Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Landwirtschaftliche Fachschulen

Futtermischwagen & Gärresttrocknung – Fachschule Alsfeld auf Studienfahrt

Die Studierenden der Einjährigen landwirtschaftlichen Fachschule Alsfeld sammelten auf einer zweitägigen Studienfahrt in Niedersachsen Eindrücke in Sachen Landtechnik, Zierpflanzenproduktion und „Gärrest-Dünger“-Herstellung. Die Fahrt fand im Dezember 2016 statt und wurde von den Fachlehrern Dr. Freimut Krug und Sebastian Götz betreut.

Individuell zugeschnittene Technik aus Emsbüren

Die erste Station war die Firma Van Lengerich in Emsbüren. Der Firmeninhaber Bernhard van Lengerich stellte das im Jahr 1860 als Huf- und Wagenschmiede gegründete Unternehmen, das heute in der 5. Generation als Familienbetrieb geführt wird, vor. Über die Fabrikation von Pflügen hat sich die Firma im letzten Jahrhundert einen Namen gemacht. Heute steht der Betrieb auf den drei Standbeinen Fütterungs- und Einstreutechnik, Oberflächentechnik zur Herstellung von Anlagen für die industrielle Teilereinigung und einem Elektrobetrieb.
Der Einstieg in die Fütterungstechnik erfolgte 1973. Das Unternehmen hat einen Jahresumsatz von 50 Millionen € und beschäftigt 330 Mitarbeiter. Der Umsatz stammt zu 57 % aus der Fütterungstechnik, 40 % aus der Oberflächentechnik und 3 % der Elektroabteilung. 35 % des Umsatzes macht die Firma in Deutschland, der Rest wird in der gesamten Welt generiert. Der Landmaschinenbereich umfasst Futtermischwagen von 3,5 – 46,0 m³ Fassungsvermögen als Schneckenmischer mit verschiedenen Entladungsmöglichkeiten. Sie werden als zapfwellenangetriebene Anbaumischwagen und als Selbstfahrer hergestellt. Alle Modelle werden nur auf individuelle Bestellung gefertigt.
Bei der Entnahmetechnik werden Siloblockschneider, Schneidzangen und Greifschaufeln individuell gefertigt. Bei der Einstreutechnik arbeitet man mit einem Strohgebläse, das in den Futtermischwagen integriert ist oder mit einem speziellen Einstreugerät. Auch Feststoffdosierer für Biogasanlagen stellt die Firma her. Besonders beeindruckt waren die Studierenden von der sauberen und auf den Betrieb individuell zugeschnittenden Herstellung.

Zu Besuch beim größten Gartenbauunternehmen Europas

Im Anschluss wurde die Emsflower GmbH in Emsbüren besichtigt. Emsbüren ist der größte Standort des von Jan Kuipers 1954 in den Niederlanden gegründeten Gartenbauunternehmens. Die Flächen unter Glas betragen an den drei Standorten zusammen insgesamt 78 ha. Gemessen an der Gesamtfläche der Verglasung handelt es sich damit um das größte Gartenbauunternehmen Europas, das gleichzeitig auch Marktführer in Europa ist. Die Firma produziert Beet- und Balkonpflanzen und schafft insgesamt 220 Arbeitsplätze. Von drei Standorten in den Niederlanden bzw. Deutschland aus werden Groß- und Einzelhändler auf Vorbestellung in ganz Europa beliefert. Ein vierter Standort befindet sich in Tansania, wo Geranienstecklinge gezogen werden.

Der Standort in Emsbüren ist mit einem Besucherzentrum verbunden. Im Erlebnispark kann man den Betrieb besichtigen und die Produktionsabläufe studieren. Ein Tropengarten, ein Schaugewächshaus, ein Kinderspielplatz und ein Restaurant laden zum Verweilen ein.
Die Gesamtfläche in Emsbüren umfasst 100 ha, wovon 44 ha unter Glas sind. Es werden 100 Arbeitskräfte beschäftigt. In den Gewächshäusern ist ein sehr hoher Automatisierungsgrad erreicht, was sich an der Vielzahl von Pflanz-, Transport-, und Verpackungsrobotern zeigte. Während der Führung konnten Gerbera, Primeln, Rosen, Tomaten und Gurken in Augenschein genommen werden.

Effizienz im Kuhstall – Aus Gülle wird Gärrest-Dünger

Am zweiten Tag wurde der landwirtschaftliche Betrieb von Volker Theißing in Engde besucht. Der Betrieb wird an zwei Standorten bewirtschaftet und hat 400 ha landwirtschaftliche Nutzfläche die mit Silomais, Futterweizen, Hybridroggen und Stärkekartoffeln bestellt werden. Es handelt sich um sehr leichte Böden mit einer Ackerzahl von 18 – 20. Im Betrieb werden weiterhin 400 Fleckvieh-Mastbullen gehalten und eine 440 KW Biogasanlage betrieben. Die Bullen werden mit einer Grundfutterration aus Mais- und Grassilage gefüttert. Sojaschrot und Kraftfutter ergänzen die Ration. Die Tageszunahmen betragen 1600 g. Die Kälber werden in Niersbach von einem Händler gekauft, in einem Lohnaufzuchtbetrieb bis zu einem Gewicht von 220 kg gehalten, dann eingestallt und mit 600 – 650 kg Lebendgewicht an die Schlachterei Westfleisch verkauft.

Die Biogasanlage wird mit 30 % Gülle und 70 % Nawaro-Früchten betrieben. Neben der eigenen Gülle sowie den eigenen Energiefrüchten Mais und Roggen werden noch 1250 t Mais von Landwirten zugekauft. Der Strom wird an das dort ansässige Energieunternehmen verkauft. Die anfallende Wärme wird bei der Trocknung des Gärrestes in einen Feststoffdünger verwandt. Es wird ein Gärresttrockner der Firma Thorset eingesetzt. Ein Drittel des Gärrestes wird getrocknet. Dieser Dünger mit 70 kg Kali, 50 kg Phosphat und 45 kg Stickstoff in der Tonne wird nach Litauen verkauft. Sämtliche Arbeiten im Betrieb werden selbst erledigt. Neben dem Betriebsleiterehepaar, dem Senior und einem Auszubildenden gibt es noch einen Festangestellten.

Die Studierenden der Einjährigen landwirtschaftlichen Fachschule Alsfeld bei der Firma Van Lengerich in Emsbüren. Ganz rechts der Firmenchef Bernhard van Lengerich.


Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Durch die weitere Nutzung dieser Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen