Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Landwirtschaftliche Fachschulen

Fachschule Fritzlar on Tour im Münsterland

Wer heutzutage von der Landwirtschaft leben will, braucht eine zukunftsfähige und pfiffige Unternehmensstrategie. Unter der Leitung von Dr. Lothar Koch besichtigten Studierende der Fachschule für Agrarwirtschaft in Fritzlar erfolgreiche Unternehmen im nahe gelegenen Münsterland. Das Programm hatte Fachlehrer Dieter Braun für die Studierenden zusammen gestellt.

  1. Station: Schwein gehabt

Die erste Station der Reisegruppe war das bekannte Schlachtunternehmen Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Am Stammsitz des Familienunternehmens der Gebrüder Tönnies werden täglich bis zu 24.000 Schweine geschlachtet. Während der Führung konnten die Studierenden Einblicke in die einzelnen Abläufe der Großschlachterei nehmen. Vom Abladen der Schweine, über die Zerlegung bis hin zur Verwertung der Schlachtabfälle in der betriebseigenen Biogasanlage wurden die Studierenden über alle Unternehmensbereiche informiert. Da durfte natürlich auch der Blick in das betriebseigene Fußballstadion, die Tönnies-Arena, nicht fehlen. Hier spielen allerdings nicht die Profis von Schalke 04, sondern der FC Gütersloh in der Damen-Bundesliga und natürlich die Betriebsmannschaften von Tönnies und Co.

  1. Station: Rasen von der Rolle

Nach einer keineswegs fleischlosen Stärkung in Rheda-Wiedenbrück stand die Besichtigung von Thiemann’s Rasenhof auf dem Programm. Schon beim Laufen über die verkaufsfertigen Rasenflächen waren die Studierenden überrascht: „So ein Rasen gibt es doch sonst nur in Fußballstadien“. Doch Jochen Thiemann verkauft seine Rasen ausnahmslos an Landschaftsgärtner und Hausbesitzer, die den geliebten Garten möglichst schnell und nachhaltig grün bekommen wollen. Die Erlöse von 2,50 bis 5 Euro pro Quadratmeter klangen in Ohren der Studierenden vielversprechend. Allerdings ist die Rollrasenproduktion ein sehr arbeitsintensiver Betriebszweig: Bis zu 70 Mal muss der Rollrasen gemäht und mit bis zu 7 Pflanzenschutzbehandlungen versehen werden, bis er verkaufsfertig ist. Dafür hat der Gartenbautechniker Thiemann zahlreiche Spezialmaschinen im Einsatz. Jede Rasenfläche kann nur einmal pro Jahr abgeerntet bzw. geschält werden. Dann geht der Kreislauf wieder von vorne los: Boden bearbeiten, lockern und anschließend wieder richtig verdichten. Auch beim Saatgut geht Jochen Thiemann keine Kompromisse ein: Weltweit macht er sich auf die Suche nach den am besten geeigneten Gräsern, die er in enormen Saatstärken von 200 kg pro Hektar auf die vorbereiteten Flächen ausbringt. Auch regelmäßiges Bewässern sichert die Dichte der Grasnarbe.
Es zeigte sich: Nur mit der konsequenten Strategie lässt sich Qualitätsrollrasen produzieren, der dann auch noch entsprechend vermarktet werden muss. Eindeutig ein Geschäft für Spezialisten!

  1. Station: Die schwarz-weiße Flotte

Auch Leonhard Große Kintrup ist ein Betriebsleiter, der seines gleichen sucht. Nicht nur bei der Produktion und Verarbeitung seiner Milch geht der umtriebige Unternehmer eigene Wege, auch die intensiven Diskussionen mit den Studierenden über den Schritt zur Gewerblichkeit seines Betriebes lieferten interessante Denkanstöße. Unmittelbar vor den Toren der Großstadt Münster gelegen, nutzt Große Kintrup die Stadtnähe als Vermarktungsvorteil. Viermal pro Woche fährt die Kühlflotte mit der „Milch vom Hof“ in Stadt und Umland, um die in der hofeigenen Molkerei hergestellten Produkte an die Frau bzw. den Mann zu bringen. Neben diversen Trinkmilchprodukten sind Joghurt und Quark feste Bestandteile des Sortiments. Mit seinen 200 Milchkühen produziert Große Kintrup gut 2,1 Millionen Liter Milch. Um den Großteil in der Hofmolkerei zu verarbeiten, hat er mittlerweile eine dreiviertel Million in diesen Betriebszweig investiert. Daneben hat er auch einen neuen Milchviehstall gebaut, um den Kühen optimale Bedingungen für die Herstellung von Qualitätsmilch zu bieten – mit Besucherplattform. Hier nehmen zahlreiche Münsteraner Melkroboter und automatische Fütterung staunend zur Kenntnis und nutzen die Gelegenheit, die perfekt aufgestallten Kälber zu streicheln. Auch, dass die Futterproduktion in der Region stattfindet, trägt zur hohen Wertschätzung der Milchprodukte bei.
Die Studierenden konnten auf dem Hof in Münster-Handorf eine absolute schlüssige Strategie für einen zukunftsfähigen Milchviehbetrieb in Augenschein nehmen, der nicht bedingungslos auf Wachstum ausgerichtet ist.

  1. Station: Technik, die begeistert …

Am nächsten Vormittag kamen auch die Technikfreaks unter den Studierenden nicht zu kurz: Ein Besuch bei der Landtechnik-Schmiede Claas stand auf dem Programm. Die 90-minütige Führung durch die Produktionshallen hinterließ bei der Reisegruppe einen nachhaltigen Eindruck. Gerade bei den Feldhäckslern ist die Firma aus Harsewinkel mit ihren grasgrünen Produkten seit Jahren der Marktführer. Und auch durch die Übernahme von Renault haben die Ingenieure in Ostwestfalen zusätzlich in der Traktorherstellung ein Wörtchen auf dem umkämpften internationalen Schleppermarkt mitzureden.

  1. Station: Milchproduktion ohne Schnick-Schnack

Zum Abschluss der Reise stand der Milchviehbetrieb der Töns-Feuerborn GbR in Verl auf dem Programm. Felix Töns-Feuerborn hat den elterlichen Betrieb in den letzten Jahren konsequent weiterentwickelt und vergrößert. Der Betrieb war einer der ersten in Deutschland, die den Silomais nach dem amerikanischen Shredlage-System ernteten. Dabei werden die Maispflanzen länger gehäckselt, stärker aufgesplissen und die Körner intensiver zerquetscht. Somit kann der Futterstroh-Anteil reduziert und gleichzeitig die Maisstärke aus dem Korn besser genutzt werden. Derzeit hat die Töns-Feuerborn GbR zirka 500 Milchkühe mit einer Durchschnittsleistung von annähernd 12.000 Liter Milch. Eine Zwischenkalbezeit von 380 Tagen, eine Remontierung unter 20 % und eine Lebensleistung von 46.000 kg Milch untermauern die Ausnahmestellung des Betriebes.
Der nächste Stall ist im Unterbau nahezu schon fertig und soll Anfang 2017 bezogen werden. Töns-Feuerborn schilderte die Zusammenarbeit mit Behörden und Landwirtschaftskammer beim BImSch-Verfahren und gab so den Studierenden einen Einblick in die wichtigen Aufgaben der Betriebsleitung. Nur mit einer konsequent geplanten und durchdachten Rationsgestaltung ohne großen Schnick-Schnack kann das Unternehmen seine fantastischen Leistungen erzielen. Dass er mit dem Auszahlungspreis seiner Molkerei im Jahre 2016 keine großen Sprünge machen konnte, ließ Töns-Feuerborn nicht unerwähnt. Der Einstieg in die Herstellung von GVO-freier Milch ist für ihn eine der Zukunftsstrategien.

In den zwei Tagen konnten die Fachschüler zahlreiche interessante Eindrücke für den Unterricht aber auch für ihren beruflichen Alltag mitnehmen.


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