Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Landwirtschaftszentrum Eichhof

Kastenstandsurteil – Landwirtschaftszentrum Eichhof baut um

Am Landwirtschaftszentrum Eichhof wurden 2018 die Haltungsbedingungen der Sauen im Besamungsstall an die Vorgaben des Magdeburger Urteils angepasst. Aus den vier möglichen Ausgestaltungsvarianten fiel die Entscheidung zu Gunsten der arbeitsintensivsten aber auch kostengünstigsten Variante aus. Am landwirtschaftlichen Versuchs- und Bildungszentrum werden die Sauen nun in Gruppen gehalten.

In einem Rechtsstreit im Bundesland Sachsen-Anhalt zwischen einem Sauenhalter und dem Veterinäramt des zuständigen Landkreises kam es zum sog. „Magdeburger Kastenstandurteil“. Das Amt beanstandete, dass die Sauen in diesem Betrieb in zu engen Kastenständen gehalten werden.

Nach § 24 der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) sind die Anforderungen an Haltungseinrichtungen für Jungsauen und Sauen folgender Maßen festgelegt:

(4) Kastenstände müssen so beschaffen sein, dass

  1. die Schweine sich nicht verletzen können und
  2. jedes Schwein ungehindert aufstehen, sich hinlegen sowie den Kopf und in Seitenlage die Gliedmaßen ausstrecken kann.

Darauf aufbauend betonte das BVerwG, dass damit insbesondere eine Kastenstandhaltung unzulässig sei, bei der ein Schwein seine Gliedmaßen in einen benachbarten Kastenstand hineinstrecken müsse und daran aber zumindest zeitweise durch ein dort befindliches Schwein gehindert sein könne. Übergangsfristen wurden keine eingeräumt, da es sich seit 1992 um geltendes Recht handelt.

Seit der Bestätigung des Magdeburger Urteils durch das Bundesverwaltungsgericht gibt es bundesweit in der Mehrzahl der sauenhaltenden Betriebe Handlungsbedarf im Besamungsstall. Die bisher üblicherweise praktizierte Haltung der Sauen in Kastenständen mit einer Breite von 60-75 cm stellt seit November 2016 einen rechtswidrigen Zustand dar.

Das hessische Umweltministerium hatte daraufhin am 16.12.2016 bundesweit als erstes einen Erlass zur Umsetzung des sogenannten Kastenstandurteils herausgegeben. Darin ist festgelegt, wenn die Kastenstandhaltung in einem Betrieb nicht den Vorgaben des § 24 TierSchNutztV bzw. dem o.g. Urteil des OVG entspricht, hat der Tierhalter unverzüglich mit der Entwicklung eines Konzeptes zur Herstellung eines rechtskonformen Zustands in seiner Betriebsstätte zu beginnen und dieses innerhalb von 6 Monaten, in begründeten Ausnahmefällen innerhalb von 12 Monaten, vorzulegen.

Vier Ausgestaltungsvarianten

  1. Verbreiterung der Kastenstände auf eine Breite, die der Widerristhöhe der Sau entspricht
  2. Nachbarstände bleiben jeweils unbelegt
  3. Neben dem Kastenstand bleibt eine Lücke von 0,3 m
  4. Einführung der Gruppenhaltung mit Kurzzeitfixierung während der Besamung

Um die Haltung von Sauen im Besamungsstall am Landwirtschaftszentrum Eichhof den Vorgaben des Magdeburger Urteils anpassen zu können, wurden die verschieden Alternativen hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit und der Tierfreundlichkeit verglichen.

Die ersten drei Varianten sind nicht oder nur mit geringen Investitionskosten verbunden, aber sie haben eine Bestandreduzierung zur Folge. Damit verbunden sind Deckungsbeitragsverluste des Haltungsverfahrens von bis zu 30.000 € pro Jahr. Es wurde deshalb die Variante vier für die Umgestaltung des Besamungsstalls gewählt. Sie ist zwar mit den höchsten Investitionskosten verbunden, aber der Sauenbestand musste nicht reduziert werden. Damit wird die Wirtschaftlichkeit der Sauenhaltung nicht durch sinkende Deckungsbeiträge beeinträchtigt. Es fallen jedoch höhere Festkosten durch die Abschreibung der Investition an. Die Tiere werden außerdem nicht mehr einzeln, sondern verhaltensgerechter in Gruppen gehalten.

Umbau am Eichhof abgeschlossen

Der Umbau der Besamungsställe und des Reservestalles in einen Gruppenhaltungsstall wurde im Herbst 2017 begonnen und in 2018 abgeschlossen. Die Sauen werden jetzt nicht mehr dauerhaft fixiert, sondern können sich jederzeit aus den Kastenstände selbst befreien bzw. diese immer als Schutzräume aufsuchen. Zu Beginn des neuen Ausbildungsdurchgangs kann jetzt im Lehrschweinestall eine modellhafte Umsetzung des „Magdeburger Urteils“ zur Kastenstandhaltung von Sauen gezeigt werden.

Im Besamungsstall für die Sauen sind die Stände nach dem Umbau von Einzelhaltung im Kastenstand auf Gruppenhaltung mit Selbstfangbuchten ausgestattet. Die Sauen werden zur Durchführung der Besamung während der Brunst in den Ständen fixiert und können sich nach deren Abklingen anschließend frei zwischen dem Gruppenbereich und dem Kastenstand bewegen. Der Zugangsmechanismus zur Bucht soll die Sau in der Bucht vor dem Eindringen eines weiteren Tieres schützen und es ihm ermöglichen in Ruhe zu Fressen oder sich vor den anderen Sauen der Gruppe zurückzuziehen. Sie kann die Bucht jedoch jederzeit von innen selbst öffnen und in den Gruppenbereich gelangen.


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