Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Baumschule

Gewinner des Klimawandels: Invasive Schildläuse

Infolge der drei vergangenen trockenen Jahre mit Temperaturrekorden treten manche Schädlinge immer mehr in den Vordergrund. Eine Gruppe dieser tierischen Schaderreger sind die Schildläuse, welche sowohl im Produktionsgartenbau an Obst- und Baumschulgehölzen, als auch an Bäumen und Sträuchern im öffentlichen Grün zunehmend für Probleme sorgen. Stellvertretend sollen an dieser Stelle 2 Vertreter vorgestellt werden.

Maulbeerschildlaus (Pseudaulacaspis pentagona)

Dieser Vertreter der Deckelschildläuse wurde Mitte des 19. Jahrhunderts auf Maulbeeren aus Asien nach Europa eingeschleppt und breitete sich als wärmeliebende Art vor allem in Südeuropa aus. Besonders in den letzten Jahren erfolgte die weitere Verbreitung Richtung Norden sehr schnell. Diese Schildlausart hat einen sehr breiten Wirtspflanzenkreis. Im Obstbau findet man sie in Hessen an Süßkirsche, Pfirsich, Walnuss sowie an Stachel-und Johannisbeere. In Privatgärten und im städtischen Bereich des öffentlichen Grüns fallen die auffällig weiß gefärbten Stämme von Trompetenbaum, Flieder, Blauglockenbaum und anderen Gehölzen vermehrt auf. Die Ausbreitung erfolgt neben der Verschleppung über Pflanzmaterial auch über Windverfrachtung und andere Insekten sowie Vögel.

Die Maulbeerschildlaus entwickelt hierzulande meist 2 Generationen im Jahr. Die Eiablage erfolgt im Frühjahr etwa Ende April / Anfang Mai unter den schützenden Schilden der Muttertiere an Stämmen und Ästen. Nach 2-3 Wochen schlüpfen die Larven, welche die beweglichen Stadien der Schildlaus darstellen und setzen sich im näheren Umfeld der alten Kolonien wiederum auf der Rinde fest.

Die Symptome sind Kümmerwuchs, Blattvergilbungen, vorzeitiger Fruchtfall und je nach Befallsdruck das Absterben einzelner Astpartien bis hin zur ganzen Pflanze. Die Schäden entstehen durch die Saugtätigkeit der Schildläuse bis ins Kambium, das Gewebe verbraunt und die Pflanze stirbt infolgedessen ab. Bei starkem Besatz wirken der Stamm und /oder die Äste wie weiß gestrichen oder gekalkt.

Bekämpfung: mechanische Maßnahmen & Nützlingsförderung

Eine Bekämpfung ist äußerst schwierig, da der Einsatz von Ölen zum Austrieb im Frühjahr wirkungslos ist (Überwinterung als befruchtetes Weibchen) und zugelassene Mittel gegen die beweglichen Stadien nicht ausreichend wirksam sind (Ausnahme: Insektizide, welche nur im Erwerbsgartenbau vorbehaltlich einer Notfallzulassung einsetzbar ist).

Eine wirkungsvolle Methode stellt das Abstrahlen mit Wasser und Hochdruck (20-30 bar) in der Vegetationsruhe dar. Wichtig dabei ist, den Druck nicht zu hoch zu wählen, damit die Rinde keinen Schaden nimmt. Zudem kann die mechanische Entfernung der Tiere mit einer Bürste als pragmatische Maßnahme bei geringer Pflanzenanzahl gute Erfolge erzielen. Schnittmaßnahmen können durchgeführt werden, wenn der Befall sich nur auf einzelne Astpartien beschränkt.

Den natürlichen Gegenspielern kommt eine hohe Bedeutung zu, insbesondere einigen Zehrwespenarten und Kugelmarienkäfern, welche den Befall etwas eindämmen können. Erstere kann man beispielsweise in Obstanlagen fördern, indem man abgeschnittenes Holz, welches Parasitierungen an den Schildläusen aufweist, unter den Bäumen belässt und nicht sofort aus der Anlage entfernt. Sobald der Schlupf der überwinternden Nützlinge beendet ist, kann das Schnittholz schließlich aus der Obstanlage entfernt werden.

Wenn der Befallsdruck jedoch zu hoch ist und die Absterbeerscheinungen des Baumes / Strauches zu weit vorangeschritten sind, bleibt nur noch die Rodung des Gehölzes. Bei Rodungen sind immer mögliche Belange von Seiten der Naturschutzbehörden zu beachten.

Rote Austernschildlaus – Epidiaspis leperii

Der Klimawandel und der zunehmende globale Warenverkehr haben auch diese Schildlaus begünstigt. Die Rote Austernschildlaus hat ein breites Wirtspflanzenspektrum, welches von Zwetsche, Mirabelle, Birne und Apfel im Obstbau bis hin zum Weißdorn in öffentlichen Räumen reicht. Bei uns in Hessen sind die Tiere seit 2018 vermehrt in Pflaume und Birne, vereinzelt auch in Apfel nachgewiesen worden.

Im Gegensatz zur Maulbeerschildlaus sitzen die Roten Austernschildläuse versteckt unter Algen und Flechten an den Stämmen und sind auf den ersten Blick für das ungeübte Auge nur schwer auszumachen. Häufig wird das Ausmaß eines Schildlaus-Besatzes erst nach Abreiben des Algenbelages mit einem Messer sichtbar.

Die Biologie des Schädlings erinnert stark an die der Maulbeerschildlaus, jedoch entwickelt die rote Austernschildlaus nur eine Generation im Jahr. Die Symptome sind auch hier Deformierungen an Zweigen durch das Saugen der Tiere bis zum Absterben von Ästen und ganzen Bäumen.

Versteckte Lebensweise erschwert Bekämpfung

Der Einsatz von Ölen im Frühjahr zeigt keine Wirkung. Das Abstrahlen während der Vegetationsruhe stellt eine Möglichkeit der Bekämpfung dar, ist jedoch durch die versteckte Lebensweise nicht so erfolgversprechend, wie bei der Maulbeerschildlaus. Die erfolgreiche Bekämpfung der Wanderlarven mit Insektiziden ist nur im Mai/Juni im Erwerbsgartenbau vorbehaltlich einer Notfallzulassung möglich.

Im Privatgarten und im öffentlichen Grün kommt, neben mechanischen Schnittmaßnahmen, der Nützlingsförderung, wie bereits bei der Maulbeerschildlaus beschrieben, erhöhte Bedeutung zu. Schlupfwespen, räuberische Gallmücken und Marienkäfer sind Beispiele für natürliche Gegenspieler der Roten Austernschildlaus. Geschnittenes Befallsmaterial sollte daher unter den Bäumen belassen und nicht gemulcht werden.

Da es sich bei den Schildläusen um klassische Klimawandelgewinner handelt, werden sie in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen.


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