Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Düngedokumentation

Dokumentations- und Aufzeichnungspflicht

Es naht der 31. März. Und mit diesem Datum nähern sich unweigerlich Erfassungspflichten für all die Betriebe, die Dokumentations- und Aufzeichnungspflichtig sind. Wer von diesen Verpflichtungen befreit ist wird am Ende des Artikels ausgeführt.

Zunächst soll auf die Angaben eingegangen werden, die aus den Daten des vorangegangenen Erntejahres 2021 generiert werden müssen. Es handelt sich hierbei um die angefertigte Düngebedarfsermittlung und die aufgezeichneten tatsächlich aufgebrachten Düngermengen.

Erfassung der im Betrieb aufgebrachten Nährstoffe Erntejahr des letzten Düngejahres

In der Anlage 5 der Düngeverordnung wird vorgegeben, wie die im letzten Jahr verabreichten stickstoff- und phosphorhaltigen Dünger dokumentiert werden müssen. Hierzu gehören die Mengen (kg pro Betrieb) an Stickstoff und Phosphor aus mineralischen und organischen Düngemitteln. Die Stickstoffmengen aus diesen Düngern müssen differenziert werden a) nach dem Gesamtgehalt und b) dem verfügbaren Anteil.

Die aus der Weidehaltung resultierenden Nährstoffmengen müssen berücksichtigt werden. Viele Landwirte dürften hier vor dem Problem stehen entsprechendes Datenmaterial zur Berechnung der Stickstoffmengen, die mit der Beweidung auf der Fläche verbleiben. Hierfür sollte der Katalog des Nährstoffanfalls von Nutztieren pro Stallplatz und Jahr (Anlage 1 DüV) und die sachgerechte Beurteilung der Ausnutzung des eingesetzten Stickstoffs (Anlage 2 DüV) herangezogen werden.

Tabelle 1: Erfassung der im Betrieb ausgebrachten Nährstoffe

Erfassung der im Betrieb aufgebrachten Nährstoffe Gesamtbetrieb kg N Einheit kg P2O5 Einheit

1) Summe aus 1, 2, 5, 7, 8, 9, 10, 12

2) Summe aus 1, 3, 6, 7, 8, 9, 10, 12

1 Mineralische Düngemittel   kg   kg
2 Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft   kg   kg
3 davon anrechenbarer (verfügbarer) Stickstoff   kg  
4 Weidehaltung   kg   kg
5 Sonstige organische Düngemittel   kg   kg
6 davon verfügbarer Stickstoff   kg  
7 Bodenhilfsstoffe   kg   kg
8 Kultursubstrate   kg   kg
9 Pflanzenhilfsmittel   kg   kg
10 Abfälle zur Beseitigung (§ 28 Absatz 2 oder 3 KrWG)   kg   kg
11 Stickstoffbindung durch Leguminosen   kg  
12 Sonstige   kg   kg
13 Summe Gesamtstickstoff 1) 0 kg 0 kg
14 Summe Gesamtstickstoff in kg N pro ha landwirtschaftlich genutzter Fläche nach § 6 Absatz 4 (170 kg N/ha)   kg/ha  
15 Summe verfügbarer Stickstoff 2) 0 kg 0 kg

Ein weiteres Problem besteht bei der Ermittlung derjenigen Mengen an Stickstoff, welche durch die Knöllchenbakterien der Leguminosen auf den betrieblichen Acker- und Grünlandflächen fixiert werden. Der Anhang der Düngeverordnung hält hierfür entsprechende Faustzahlen. In der Anlage 4 können in den Tabellen 7 (Ackerflächen) und 12 (Grünlandflächen) die dazugehörigen Werte entnommen werden.

In der Excel-Anwendung: jährliche Aufzeichnungspflichten Anlage 5 DüV können die entsprechenden Werte eingetragen werden.

Erfassung der Werte des betrieblichen Nährstoffbedarfs

Neben den tatsächlich aufgebrachten Nährstoffen aus dem letzten Düngejahr muss der im letzten Frühjahr ermittelte für Stickstoff- und Phosphorbedarf zu einer Gesamtsumme zusammenaddiert werden.

Sowohl die aufsummierten Nährstoffmengen für Stickstoff und Phosphor, wie aber auch die Zusammenfassung des letztjährigen Düngebedarfs müssen spätestens am 31.03. 2022 durchgeführt worden sein.

Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen bietet als elektronische Hilfsmittel eine Excel-Anwendung (DBEdoku42 und Düngebedarfsrechner Frühjahr) an. Mit diesem Arbeitswerkzeug kann der Landwirt in einer Anwendung die Düngebedarfsermittlung und die Dokumentation des tatsächlich aufgebrachten Nährstoffes vornehmen.

Für die Schläge des Betriebes die in den mit Nitrat belasteten Gebieten liegen muss die Zusammenfassung des Stickstoffbedarfs ebenfalls durchgeführt werden. Hierbei sollte auch darauf geachtet werden, dass die aufgebrachte Menge den ermittelten Düngebedarf (kg N/ha) für jede in einem mit Nitrat belasteten Gebiet liegende Fläche nicht überschritten wird.

Die Düngebedarfsermittlung für das Frühjahr 2022 sollte für die meisten Schlägen und Bewirtschaftungsarbeit vorgenommen worden sein. Lediglich die Flächen auf denen Zuckerrüben, Silomais, Kartoffeln oder andere Sommerungen angebaut werden sollen, ist dies z. T. noch durchzuführen.

Weitere Hilfsmittel:

DBE Druckvorlage Ackerland
DBE Druckvorlage Grünland

Dokumentation der durchgeführten Düngung

Seit dem Inkrafttreten der Düngeverordnung 2020 müssen alle durchgeführten Düngungsmaßnahmen spätestens zwei Tage nach deren Durchführung dokumentiert werden. Diese Auszeichnungen müssen die folgenden Informationen enthalten:

  1. Eindeutige Bezeichnung des Schlages, der Bewirtschaftungseinheit oder zusammengefassten Fläche,
  2. Größe des Schlages, der Bewirtschaftungseinheit oder zusammengefassten Fläche,
  3. die Art und Menge des aufgebrachten Stoffes,
  4. die aufgebrachte Menge an Gesamtstickstoff und Phosphat,
  5. bei organischen und organisch-mineralischen Düngemitteln neben der Menge an Gesamtstickstoff auch die Menge an verfügbarem Stickstoff.
  6. bei der Weidehaltung muss die Anzahl der Tiere, die Anzahl der Weidetage und die Beendigung der Weidehaltung dokumentiert werden, Nährstoffmengen sind an dieser Stelle jedoch nicht aufzuzeichnen.

Diese Informationen können grundsätzlich rein schriftlich dokumentiert werden. Vorteilhafter dürften elektronische Anwendungen sein, die eine Vielzahl von Berechnungen gleichzeitig vornehmen und damit langfristig Arbeitszeit einsparen können.

Nicht vergessen sollte die Dokumentation der Stickstoffbedarfswerte, der notwendigen Bodenuntersuchungen für Phosphor (Schlägen größer als 1 Hektar) und die Analyseergebnisse eingesetzter Wirtschaftsdünger und Gärreste in den mit Nitrat belasteten und den Phosphor eutrophierten Gebieten.

Die in der Tabelle 2 dargestellte Checkliste gibt Auskunft über Angaben, Aufzeichnungen, Dokumente, die es für die Düngeverordnung zu dokumentieren und aufzubewahren sind. Diese Auflistung enthält darüber hinaus die Anforderungen der Stoffstrombilanz. Neben den zeitlichen Fristen werden in der letzten Spalte Anmerkungen auf entsprechende Hilfsmittel oder wichtige Bemerkungen vorgenommen.

Hilfsmittel:

DBEdoku42

Die folgenden Betriebe haben die Möglichkeit sich von der Dokumentationspflicht und der Verpflichtung der Erstellung einer Düngebedarfsermittlung befreien zulassen:

a) Betriebe mit weinbaulich genutzten Flächen in belastete (N) oder eutrophierte (P) Gebiete mit…

  • weniger als 10 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche,
  • nicht mehr als maximal 1 Hektar Gemüse, Hopfen, Wein oder Erdbeeren,
  • einem jährlichen Nährstoffanfall von nicht mehr als 500 kg Gesamtstickstoff aus wirtschaftseigenen Düngern tierischer Herkunft je Betrieb

und

  • ohne Aufnahme, Aufbringung und Übernahme von betriebsfremden organischen und organisch-mineralischen Düngern oder Wirtschaftsdüngern.

b) Betriebe in nicht belasteten (N) und nicht eutrophierten (P) Gebieten mit…

  • weniger als 30 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche,
  • nicht mehr als maximal 3 Hektar Gemüse, Hopfen, Wein oder Erdbeeren,
  • einem jährlichen Nährstoffanfall von weniger als 110 kg Gesamtstickstoff pro Hektar aus Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft des eigenen Betriebes

und

  • ohne Aufnahme, Aufbringung und Übernahme von betriebsfremden organischen und organisch-mineralischen Düngern oder Wirtschaftsdüngern.

c) Betriebe in belasteten (N) oder eutrophierten (P) Gebieten mit…

  • weniger als 15 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche,
  • nicht mehr als maximal 2 Hektar Gemüse, Hopfen, Wein oder Erdbeeren,
  • einem jährlichen Nährstoffanfall aus Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft von weniger als 750 kg Gesamtstickstoff je Betrieb

und

  • ohne Aufnahme, Aufbringung und Übernahme von betriebsfremden organischen und organisch-mineralischen Düngern oder Wirtschaftsdüngern.

Stoffstrombilanz

Die 2018 in Kraft getretene Stoff-Strom-Bilanz verpflichtet bestimmte Betriebe gemäß der Dünge-VO neben der verbindlichen Nährstoffbilanz eine weitere Bilanz, die sogenannte Stoff-Strom-Bilanz, anzufertigen. Sie ist im Grunde genommen eine Hof-Tor-Bilanz.

  • Die Regelungen der StoffBilV gelten derzeit nur für Betriebe, die entweder
  • mehr als 50 GVE halten und eine Tierbesatzdichte von mehr als 2,5 GVE je ha aufweisen oder
  • einen N-Anfall aus eigener Tierhaltung von mehr als 750 kg N pro Jahr haben und betriebsfremden Wirtschaftsdünger mit einer Gesamt-N-Menge von mehr als 750 kg pro Jahr aufnehmen oder
  • eine Biogasanlage unterhalten und in einem funktionalen Zusammenhang mit einem Betrieb stehen, der der StoffBilV wegen der Erfüllung der unter Nr. 1 oder Nr. 2 genannten Kriterien unterliegt, wenn dem Betrieb im Düngejahr Wirtschaftsdünger aus diesem Betrieb oder sonst außerhalb des Betriebs anfallender Wirtschaftsdünger zugeführt wird.
  • Ein Schema zur Klärung, ob ein konkreter Betrieb unter die StoffBilV fällt, finden Sie im Beitrag Informationen zur Stoff-Strom-Bilanz

Die Stoffstrombilanzen sind jährlich bis 6 Monate nach Ablauf des Düngejahres zu erstellen und zu einer jährlich fortgeschriebenen dreijährigen Stoffstrombilanz zusammenzufassen.

Tabelle 2: Checkliste Dokumentation Düngeverordnung und Stoffstrombilanz

3) Auf Flächen in anderen Bundesländer sind die dort geltenden Bestimmungen zu beachten!

4) Bei Anwendung auf Rebflächen sind keine Analyseergebnisse erforderlich, dort können die Faustzahlen der Nährstoffgehalte dokumentiert werden.

Dokumentationsinhalt Hinweis auf gesetzl. Quelle Zeitpunkt/Fristen Hilfsmittel/Anmerkungen
Düngeverordnung
Stickstoffmenge im Boden § 4 Absatz 4 Verwendung des Wertes in der N-DBE = vor der Aufbringung der Düngemittel Nmin-Untersuchungsergebnisse der selbst bewirtschafteten Flächen; Nmin-Werte vergleichbarer Flächen aus dem Referenzflächenangebot des LLH
Bodenuntersuchung auf P2O5 für Schläge >1 ha § 4 Absatz 4 Verwendung des Wertes in der P-DBE = vor der Aufbringung der Düngemittel Grundnährstoffuntersuchungen der selbst bewirtschafteten Flächen
Düngebedarfsermittlung –mit Berechnungen für N und P2O5 § 10 Absatz 1 vor der Aufbringung der Düngemittel schriftl.: DBE Druckvorlage Ackerl.

schriftl.: DBE Druckvorlage Grünl.

elektr.: Düngebedarfsrechner Version 4

elektr.: DBEdoku42 Version 22.3

Gesamtstickstoffgehalt, Phosphatgehalt,  bei organischen Düngemittel auch der Nitratgehalt oder verfügbare Stickstoffgehalt der eingesetzten Düngemittel § 10 Absatz 1 vor der Aufbringung der Düngemittel Deklaration der aufgenommenen Düngemittel Untersuchungsergebnisse eigener Düngemittel

Nährstoffgehalte nach Faustzahlen (LLH)

Düngebedarfsermittlung mit Berechnung für erhöhten Düngebedarf für N und P2O5 mit Begründung

(10 % Überschreitung der DBE)

§ 10 Absatz 1 vor der Aufbringung der Düngemittel und nur nach Vorgabe des RP Kassel
Dokumentation der Düngemaßnahmen § 10 Absatz 2 spätestens 2 Tage nach der Aufbringung schriftl.: Schlagdokumentation Ackerl.

schriftl.: Schlagdokumentation Grünl.

elektr.: DBEdoku42 Version 22.3

Weidehaltung § 10 Absatz 2 Erstellung nach dem Ende der Weidesaison elektr.: DBEdoku42 Version 22.3
Zusammenfassung des Düngebedarfsbedarfs auf Betriebsebene Anlage 5 31. März des Folgejahres elektr.: DBEdoku42 Version 22.3
Zusammenfassung des jährlichen Nährstoffeinsatzes (aufgebrachte Mengen an N und P2O5) Anlage 5 31. März des Folgejahres elektr.: DBEdoku42 Version 22.3
Berechnung der aufgebrachten Gesamtstickstoffmenge in kg/ha aus organischen Düngemitteln auf Ebene des Betriebes (max. 170 kg Gesamtstickstoff /ha) Anlage 5 in Verbindung mit § 6 Absatz 4 31. März des Folgejahres elektr.: DBEdoku42 Version 22.3
Aufzeichnungen über die Zufuhr von Fleischmehl, Knochenmehl und Fleischknochenmehl § 10 Absatz 4 Innerhalb eines Monats nach der Düngungsmaßnahme
Nachweis, dass die Anlagen zur Lagerung von Wirtschaftsdüngern und Gärrückständen das geforderte Volumen haben; ggf. schriftl. Vereinbarungen mit Dritten § 12 Absatz 6 Vorlage bei Anforderung der Überwachungsbehörde
Zusätzliche Anforderung in mit Nitrat belasteten und mit Phosphat eutrophierten ausgewiesenen Gebieten in Hessen 3)
Zusammenfassung aller Düngebedarfsermittlungsergebnisse der Flächen die in ausgewiesenen mit Nitrat belasteten Gebieten liegen und Verringerung des Gesamtwertes um 20 Prozent § 13a Absatz 2 Nr. 1 bis zum 31. März des laufenden Jahres schriftl.: DBE Druckvorlage Ackerl.

schriftl.: DBE Druckvorlage Grünl.

elektr. Düngebedarfsrechner Version 4

elektr.: DBEdoku42 Version 22.3

Stickstoff- und Phosphatuntersuchungsergebnisse der eingesetzten Wirtschaftsdünger und Gärreste 4) § 13a Absatz 3 Satz 3 Nr. 1 Analyseergebnisse dürfen zum Zeitpunkt der Aufbringung der Düngemittel nicht älter als zwei Jahre sein Analyseergebnisse
Stoffstrombilanz
Zufuhr von Stickstoff und Phosphor § 7 Abs. 1 Innerhalb von drei Monaten
Abfuhr von Stickstoff und Phosphor § 7 Abs. 1 Innerhalb von drei Monaten
Jährliche Stoffstrombilanz mit gleitender 3-Jahresberechnung § 7 Abs. 1 6 Monate nach Beendigung des Bezugsjahres elektr.: StoffstrombBilanz-Rechner

Zu einzelnen Dokumentationsvorschriften bestehen Befreiungsmöglichkeiten die im Einzelfall zu prüfen sind.


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