Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Boden & Düngung

Düngeverordnung 2020 – Was ändert sich?

Seit Mai ist die am 27.03.2020 vom Bundesrat beschlossene Düngeverordnung in Kraft. Im Vergleich zur Düngeverordnung 2017 haben sich einige Änderungen ergeben. Es entfällt der Nährstoffvergleich und damit auch die Kontrollwerte für Stickstoff und Phosphor. Neu hinzu kommt die Verpflichtung, die durchgeführten Düngungsmaßnahmen zeitnah zu dokumentieren. Einen weiteren Überblick über die Änderungen erhalten Sie im folgenden Beitrag.
Düngeverordnung vom 27.03.2020, letzte Beitragsänderung am 15.07.2020

  1. Ein aufgrund nachträglich eintretender Umstände entstehender höherer Düngebedarf, kann maximal um 10 % überschritten werden,
  2. die Weidehaltung ist zu dokumentieren,
  3. die Ausnutzung von im Anwendungsjahr auf Ackerland ausgebrachter Rinder- und Schweinegülle wird um jeweils 10 % erhöht. Dies gilt unmittelbar nach Inkrafttreten der Düngeverordnung. Für Grünland gilt die Erhöhung auf 60 % bei Rinder- und 70 % bei Schweinegülle ab 2025. Auch für feste Biogasgärreste gilt diese Regelung,
  4. die Menge des im Herbst zu Wintergerste und Winterraps gedüngten verfügbaren Stickstoffs ist bei der Düngebedarfsermittlung im Frühjahr anzurechnen,
  5. Verbot des Aufbringens von stickstoff- oder phosphathaltigen Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln, wenn der Boden überschwemmt, wassergesättigt, gefroren oder schneebedeckt ist,
  6. Verbot der Aufbringung von stickstoff- oder phosphathaltigen Düngemitteln an Gewässern, wenn die Fläche innerhalb eines 20-Meter-Abstandes zum Gewässer mindestens 5 % Neigung hat: 3 Meter zum Gewässer (in Hessen gelten nach dem Hessisches Wassergesetz (HWG) § 23 Abs. 2 bereits 4m); darüber hinaus gelten spezielle Regelungen für Ackerland,
  7. Verbot der Aufbringung von stickstoff- oder phosphathaltigen Düngemitteln an Gewässern, wenn die Fläche innerhalb eines 20-Meter-Abstandes zum Gewässer mindestens 10 % Neigung hat: 5 Meter zum Gewässer; darüber hinaus gelten spezielle Regelungen für Ackerland,
  8. Verbot der Aufbringung von stickstoff- oder phosphathaltigen Düngemitteln an Gewässern, wenn die Fläche innerhalb eines 30-Meter-Abstandes zum Gewässer mindestens 15 % Neigung hat: 10 Meter zum Gewässer; darüber hinaus gelten spezielle Regelungen für Ackerland, insbesondere ist die sofortige Einarbeitung auf unbestellten oder Flächen ohne hinreichend entwickelten Pflanzenbestand auf dem gesamten Schlag vorgeschrieben,
  9. bei einer Hangneigung von mehr als 10 % darf die Menge einer einzelnen Düngergabe 80 kg N/ha nicht überschreiten,
  10. ab dem 01.02.2025 muss Wirtschaftsdünger bei unbestellten Ackerflächen spätestens nach einer Stunde eingearbeitet sein,
  11. Verlängerung der Sperrfrist für Festmist und Kompost vom 01.12. bis zum 15.01.,
  12. Sperrfrist für phosphathaltige Düngemittel auf Acker- und Grünland vom 01.12. bis 15.01.,
  13. ab dem 1. September dürfen nicht mehr als 80 kg N/ha mit flüssigen organischen Düngemitteln auf Grünland aufgebracht werden,
  14. die Erstellung des Nährstoffvergleichs entfällt und damit auch die bisher geltenden Kontrollwerte des mehrjährigen Nährstoffvergleichs,
  15. Aufzeichnungspflicht aller durchgeführten Düngungsmaßnahmen, spätestens 2 Tage nach deren Aufbringung. Die aufgebrachten N- und P2O5-haltigen Düngermengen sind am Ende des Jahres zusammenzufassen. (Befreiung für gefährdete (rote) Gebiete möglich für Betriebe: <15 ha und höchstens 2 ha Gemüse, Erdbeeren, Wein und Hopfen und nicht mehr als 750 kg N-Anfall aus Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft und keine Übernahme und Aufbringung von Wirtschaftsdüngern und Gärresten),
  16. Abstimmung zwischen neuer AV DüV und DÜV bezüglich der Befreiungsgrenzen muss noch stattfinden,
  17. der ermittelte Düngebedarf und der aufgezeichnete Nährstoffeinsatz ist gesamtbetrieblich zusammengefasst zu dokumentieren,
  18. die spezielle Regelung zur Aufbringung von stickstoff- oder phosphathaltigen Düngemitteln auf gefrorenen Boden entfällt.

Regelungen für die § 13 (roten) Gebiete

(gilt ab dem 01.01.2021)

  1. Verringerung des Düngebedarfs um 20 % (Ausnahme: Betriebe die nicht mehr als 160 kg/ha Gesamtstickstoff, davon höchsten 80 kg/ha mineralisch aufbringen),
  2. schlagbezogene Obergrenze für den Einsatz von organischen Düngemitteln bei 170 kg N/ha (Ausnahmemöglichkeit gegeben),
  3. Verlängerung der Sperrfrist für die Aufbringung von Düngemitteln mit wesentlichem Gehalt an Stickstoff auf Grünland vom 1.Oktober bis zum 31.01.,
  4. Verlängerung der Sperrfrist für Festmist von Huf- und Klauentieren vom 1. November bis zum 31.01.,
  5. Verbot der Herbstdüngung von Winterraps, Zwischenfrüchten ohne Futternutzung und Wintergerste (Ausnahme bei Winterraps, wenn der Nmin-Wert im Herbst niedriger als 45 kg N/ha ist, Ausnahme bei Zwischenfrüchten ohne Futternutzung bis maximal 120 kg N/ha aus Festmist von Huf- und Klauentieren oder Kompost),
  6. ab September dürfen nicht mehr als 60 kg N/ha mit flüssigen organischen Düngemitteln auf Grünland aufgebracht werden,
  7. verpflichtender Zwischenfruchtanbau vor Kulturen, die nach dem 01.02. ausgesät oder gepflanzt werden und zu denen Düngemittel mit wesentlichem Stickstoffgehalt aufgebracht werden sollen (Ausnahmemöglichkeit gegeben).

Zu den aufgezählten Einschränkungen muss jedes Bundesland zwei weitere Maßnahmen auswählen. Diese können einer in der DüV unter § 13 enthaltenden Liste entnommen oder von den Ländern frei gestaltet werden. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Verordnung zur Änderung der Düngeverordnung und anderer Vorschriften vom 28. April 2020 (Bundesanzeiger)


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