Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Boden & Düngung

Neue Düngeverordnung – Was zu beachten ist

Die novellierte Düngeverordnung sorgt unter Landwirten für viel Gesprächsstoff. Die neuen rechtlichen Vorgaben fordern von jedem Landwirt den Sachstand auf seinem Betrieb zu überprüfen.

Dabei kommt es nicht nur zu zusätzlichen Dokumentationsaufgaben, sondern auch zu notwendigen Investitionen beispielsweise in neue Gülleausbringtechnik. Einen Überblick zu wesentlichen Änderungen werden im folgenden Beitrag vorgestellt.

Wie wirken sich wichtige Neuregelungen aus?

In vielen Teilbereichen bewirken die neuen Vorgaben Änderungen in der Betriebsorganisation. Die Absenkung der Kontrollwerte bei der Stickstoff- und Phosphatbilanz schränkt beispielsweise den Spielraum für Veredlungsbetriebe mit hohem Viehbesatz ein. In solchen Betrieben wird die Nährstoffexport ein zunehmend wichtigeres Element werden. Parallel führt die Obergrenze von 170 kg/ha N aus org. Düngern auch für NAWARO Biogasanlagen zum selben Ergebnis. Denn bisher musste der Nährstoffanteil des Maises in der Biogasgülle nicht bei dieser Berechnung berücksichtigt werden.  Das hat sich geändert und wird ebenfalls dazu führen, dass flächenknappe Betriebe mit Biogas mehr Nährstoffe exportieren müssen. Eine Installierung einer lokalen Nährstoffbörse wäre sehr hilfreich, um dauerhaft und professionell zwischen Landwirten zu vermitteln. Mit der Einschränkung der Ausbringung organischer Dünger im Herbst werden mehr Lagerkapazitäten benötigt. Die Ausbringung fokussiert sich zunehmend auf das Frühjahr. Das bleibt nicht ohne Folgen. Die Arbeitsspitzen bei der Gülledüngung werden verschärft. Gepaart mit zusätzlich geforderten Gülleausbringtechniken werden größere Maschinen notwendig. Die eigentlich notwendige Auslastung dieser teuren Technik ist nur schwierig sicher zu stellen. Letztlich steigen die Kosten. Ackerbaulich kann der Landwirt dem ein stückweit entgegenwirken, in dem die Fruchtfolge breiter aufgestellt wird. So kommen Landwirte bei hohem Viehbesatz geringem Grünlandanteil und hohem Maisanteil auf dem Ackerland nicht mit der vorgeschriebenen Lagerkapazität von 6 Monaten aus. Hier wäre in einigen Fällen eine Integration von Ackergras und Futterzwischenfrüchten geeignet, die Ausbringzeiträume zu erweitern. Somit könnte man ohne weitere Investitionen auskommen. Für die allermeisten Landwirte kommen auch weitere Dokumentationspflichten hinzu. Es ist vor jeder Stickstoff- und Phosphordüngung mit mehr als 50 kg/ha N oder mehr als 30 kg/ha P2O5 schriftlich eine Düngebedarfsermittlung durchzuführen. Befreit von der Verpflichtung sind betriebe unter 15 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche. Eine Zusammenfassung wichtiger Neuregelungen enthält Tabelle 1.

Wie sind die neuen Vorgaben ackerbaulich zu bewerten?

Die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen der Düngeverordnung aber auch die mittelfristige Rentabilität im Ackerbau erfordern weitere Verbesserungen in der Stickstoffeffizienz (Bild 1). Besondere Aufmerksamkeit hierfür ist dem Boden und dessen Ertragsfähigkeit zu widmen. Die Erfolge der Landwirtschaft der letzten Jahrzehnte im Bereich der Bodenfruchtbarkeit sind unbestritten. Allerdings zeigen auch immer wieder Berichte aus der Praxis, wie einseitige Fruchtfolgen, unausgewogene Düngung und Kalkung oder ein falscher Technikeinsatz das Nährstoffaneignungsvermögen der Wurzel negativ beeinträchtigen. So zeigen Untersuchungen aus Thüringen die direkte Wechselwirkung von Kalkung, N-Effizienz und Ertrag. Bei niedrigen pH-Werten sinkt die Ausnutzung des gedüngten Stickstoffs um fast 30 Prozent.  Gleiches gilt für mangelhaft versorgte Böden mit Grundnährstoffen. Auch ein Aspekt, der unter dem Gesichtspunkt des Wasserschutzes von Bedeutung ist. In engen Fruchtfolgen mit hohem Wintergetreideanteil ist aus Versuchen ähnliches zu berichten. Während aufgelockerte Fruchtfolgenmit Wechsel von Halmfrüchten und Blattfrüchten im Durchschnitt der Kulturen mit hoher N-Ausnutzung auffallen, sind reine Wintergetreidefruchtfolgen um bis zu 50 Prozent schlechter bei der N-Effizienz.

Was muss schriftlich dokumentiert werden?

Im Rahmen von Kontrollen werden auch Dokumentationen zur Düngeverordnung verlangt. Aktuell ist die Landwirtschaft damit beschäftigt die schriftliche Düngebedarfsermittlung zu erledigen. Hilfreiche Hinweise und Arbeitsunterlagen dazu sind auf der Internetseite www.llh.hessen.de und in der nächsten Ausgabe des Hessenbauers zu finden. Der komplette Dokumentationsumfang zur Düngeverordnung zeigt folgende Auflistung:

  • N-,P-Düngebedarf je Schlag oder Bewirtschaftungseinheit einschließlich einer Berechnung, wobei diese die die Angaben der Anlage 4 Tabellen 1 und 8 Vollständig erhalten muss
  • Bei nachträglich eintretendem höheren Düngebedarf erneute Düngebedarfsermittlung einschließlich Begründung
  • Gehalte der aufgebrachten Nährstoffträger an Gesamt-N, verfügbarem N oder Ammonium-N, Gesamt-Phosphat
  • Nmin-Gehalte des Bodens (außer Grünland sowie mehrschnittigem Feldfutter) ermittelt über Nmin-Richtwerte (LLH Internet) oder eigene Analysen
  • Phosphatgehalte des Bodens für Schläge mit einer Größe über 1 ha alle 6 Jahre
  • Ausgangsdaten und Ergebnisses des Nährstoffvergleichs als plausibilisierte Feld- Stall-Bilanz bis 31.03. des auf das jeweils abgelaufene Düngejahr folgende Kalenderjahr. In diesem Dokument muss neben dem einjährigen Nährstoffvergleich und die mehrjährigen Zusammenfassungen für N und P enthalten sein.
  • Nachweise zur Lagerdauervorschrift nach § 12 (6)
  • Bei der Anwendung von Knochenmehl: Aufzeichnungen nach der Anwendung von Knochenmehl, etc; siehe § 10 (2)
  • Die Dokumente sind 7 Jahre aufzubewahren

Ist der Betrieb verpflichtet, eine Stoffstrombilanz zu erstellen, muss die nach den Vorgaben der Stoffstrombilanzverordnung gemacht werden. Die Düngeverordnung verweist nur auf die Stoffstrombilanz. In dieser Veröffentlichungsreihe wird in den nächsten Wochen zu diesem Thema Stoffstrombilanz noch informiert.

Fazit

Die neuen Regelungen werden für die praktische Landwirtschaft, besonders für tierhaltende Betriebe Konsequenzen haben. Lösungsansätze sind meist betriebsindividuell zu erarbeiten. Die Beratung begleitet die Betriebe, um den einzelbetrieblichen Anforderungen und gesetzlichen Grundlagen möglichst gerecht zu werden.

Tab.1: Wichtige Neuregelungen aus der Dünge-VO im Überblick
  • Phosphat Bilanz Überschuss  max. 10 kg/ha P2O5
    → Bisher waren im 6-jährigen Mittel bis zu 20 kg/ha P2O5
  • Stickstoff Bilanz Überschuss max. 50 kg/ha N
    → Bisher waren im 3-jährigen Mittel bis zu 60 kg/ha N
  • Stickstoff 170 kg/ha Grenze im Schnitt auf Ackerland auch für Gärrest
    → Derogation (230 kg/ha N) auf Grünland ist zurzeit in Deutschland ausgesetzt
    → Bei der Berechnung der 170 kg Grenze sind Verluste bei Schweinegülle mit 20 %, Rindergülle mit 15 %, bei Gärresten 5 %,
    bei Festmist, Jauche und Weidehaltung 30 %
  • Herbstdüngung: N Menge von 40 Amonium-N/80 Gesamt-N  auf 30 Amonium-N /60 Gesamt-N reduziert.
    Nur zu Wi.-Gerste, Zwischenfrüchte, Raps ist auf Ackerland bei Getreidevorfrucht möglich
  • Sperrfrist: 1.10. bis 31.1. Ackerland für Gülle
  • Sperrfrist: 1.11. bis 31.1. Grünland für Gülle
  • Sperfrist: 15.12. bis 15.1. für Festmist und Kompost
  • Stoffstrombilanz (ehemals Hoftor) verpflichtend ab 2018 für Betriebe mit mehr als 2,5 GV/ha und dazu mehr als 30 ha.
    Auch verpflichtend ab 2023 für  Betriebe mit mehr als 20 ha oder mehr als 50 GV.
  • Einarbeitungsfrist bis 4 Stunden nach der Ausbringung auf unbestelltem Ackerland
    → Ausnahme Festmist und Kompost
  • Verlustarme Ausbringung auf bestelltem Ackerland ab 1.2.2020 nur noch streifenförmig, auf Grünland ab 1.2.2025
    → Länder können Ausnahmen machen z.B. Hanglagen
  • 4m Abstand zu Gewässern
  • Lagerkapazität Gülle 6 Monate (ab 3 GV/ha 9 Monate ab 2020)
  • Lagerraum Festmist  2 Monate ab 2020
  • Konsequenzen bei Verstoß: Wer Nährstoffüberschüsse überschreitet, der muss von einer anerkannten Beratungsstelle
    beraten werden.
  • Ausweisung von „roten Gebieten“ zum Gewässerschutz haben schärfere Auflagen zur Folge.
  • Düngebedarfsermittlung für Acker- und Grünland schriftlich notwendig
    → Festgelegte Stickstoffhöchstgrenzen für jede Kultur
  • Anforderungen an die Geräte zur Ausbringung org. Dünger

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