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Neue Regelungen für die Düngung (AvDÜV und DÜV)

Die Ausführungsverordnung zur Düngeverordnung (AVDüV) vom 16.12.2020 gilt seit dem 31.12.2020. Sie löst damit die seit Mai geltende AVDüV ab. Im Zusammenspiel mit der Düngeverordnung (DüV) vom 30.08.2019 ergeben sich hiermit einige neue Regelungen, die im Folgenden beschrieben werden.

Neue Ausweisung der mit Nitrat „belasteten“ und Phosphat „eutrophierten“ Flächen

Mit der allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Ausweisung von mit Nitrat belasteten und eutrophierten Gebieten (AVV GeA) hat der Gesetzgeber die Grundlage dafür geschaffen, dass eine Neuausweisung der mit Nitrat belasteten Gebiete bundeseinheitlich durchgeführt werden konnte. Darüber hinaus wird in dieser Verordnung auch die Ausweisung der (eutrophierten) Phosphor-Kulissen geregelt. Diese Karten sind bei den Regierungspräsidien ausgelegt und können dort eingesehen werden. Darüber hinaus können unter folgenden Links:

Nitrat belastete Gebiete

eutrophierte Gebiete (Phosphor)

Betrachtet man die Karten wird man bei den Nitratkulissen feststellen, dass diese z.T. sehr kleinteilig ausgefallen sind. Das 100 x 100 Meter Raster ist der Modellierung der Nitrataustragsgefährdung geschuldet. Aufgrund der neuen Methode zur Ermittlung von belasteten Flächen ist zwar der Flächenumfang dieser Gebiete gesunken (keine Grünland-, Wald- und Siedlungsflächen), bezogen auf die Ackerfläche sind jedoch auch Flächen, die vorher als nicht belastet galten, mittlerweile mit Nitrat belastet. Da das 100 x 100 Meter Raster sich nicht an Schlaggrenzen hält, sollte jeder Landwirt vor den ersten Düngungsmaßnahmen prüfen, ob nicht mindestens 50 % des Schlages als mit Nitrat belastet gilt. In diesem Fall wird der Gesamtschlag mit den entsprechenden Auflagen versehen.

Folgende Regelungen gelten für die mit Nitrat belasteten Gebiete:

  1. Betriebe, die Flächen in ausgewiesenen Gebiet haben gilt, das für die gesamten Flächen in einem mit Nitrat belasteten Gebiet liegen, müssen eine Düngebedarfsermittlung vornehmen. Die Gesamtsumme des ermittelten Bedarfs dieser Flächen ist dann um 20 % zu reduzieren. Diese Gesamtsumme des Düngebedarfs der Flächen in einem ausgewiesenen Gebiet liegen, darf nicht überschritten werden.
    Ausnahmeregelung:
    Betriebe, die weniger als 160 kg Gesamtstickstoff je Hektar und Jahr und davon nicht mehr als 80 kg/ha Gesamtstickstoff aus mineralischen Düngemitteln ausbringen.
  2. Nährstoffe aus organischen oder organisch/mineralischen Düngern (z.B. ASL), die auf belasteten Flächen ausgebracht werden, dürfen die Menge von 170 kg/ha Gesamtstickstoff nicht überschreiten.Ausnahmeregelung:
    Betriebe, die weniger als 160 kg Gesamtstickstoff je Hektar und Jahr und davon nicht mehr als 80 kg/ha Gesamtstickstoff aus mineralischen Düngemitteln ausbringen.
    Diese Regelung wird in Hessen verschärft behandelt (siehe Aufzählung b)
  3. Grünland, Dauergrünland und Ackerflächen mit einem Feldfutterbau der bis zum 15. Mai bestellt wurde, darf vom 01.10. bis zum 31.01. nicht gedüngt werden. Eine Verschiebung um vier Wochen ist möglich und muss bei der nach Landesrecht zuständigen Stelle beantragt werden.
  4. Eine Aufbringung von Festmist von Huf- und Klauentieren ist in dem Zeitraum vom 01.11. bis zum 31.01 nicht möglich. Auch dieser Verbotszeitraum kann unter Berücksichtigung von regionaltypischen Gegebenheiten um vier Wochen verschoben werden.
  5. Die Aufbringung von Düngemitteln mit einem wesentlichen Gehalt an Stickstoff ist zu Winterraps, Wintergerste und Zwischenfrüchten ohne Futternutzung nicht mehr erlaubt.
    Ausnahmeregelung:
    Sollte eine Bodenuntersuchung nachweisen, dass der im Boden verfügbare Stickstoffgehalt niedriger als 45 kg N/ha ist eine Düngung zu Winterraps möglich. Zwischenfrüchte ohne Futternutzung können mit Festmist von Huf- und Klauentieren oder Komposte bis zu einer N-Menge von 120 kg Gesamtstickstoff pro Hektar gedüngt werden.
  6. Auf Grünland, Dauergrünland und Ackerflächen mit einem Feldfutterbau der bis zum 15. Mai bestellt wurde, darf vom 01.09. bis zu Beginn der Kernsperrfrist (01.10.) nicht mehr als 60 kg Gesamtstickstoff je Hektar mit flüssigen organischen und flüssigen organisch/mineralischen Düngern mit einem wesentlichen Gehalt an Stickstoff gedüngt werden.
  7. Düngemittel mit einem wesentlichen Gehalt an Stickstoff dürfen auf Flächen, die nach dem 01. Februar (z.B. Silomais) bestellt werden, nur dann gedüngt werden, wenn auf der betroffenen Fläche im Vorjahr eine Zwischenfrucht (z.B. Ölrettich) angebaut wird. Auf der Fläche mit einer Zwischenfrucht darf dann vor dem 15. Januar keine Bodenbearbeitung durchgeführt werden.
    Ausnahmeregelung:
    Diese Regelung gilt nicht für Flächen die nach dem 01.10. beerntet wurden. In Regionen die eine langjährige mittlere Niederschlagsmenge von weniger als 550 mm haben gilt diese Regelung ebenfalls nicht.

Seit Inkrafttreten der AvDüV gelten in Hessen zwei weitere Maßnahmen, die im Folgenden aufgeführt sind.

  1. Vor der Ausbringung von Wirtschaftsdüngern sowie organisch und organisch/mineralischer Düngemitteln muss deren Gehalt an Stickstoff (Gesamt und Ammonium) und Phosphat mittels einer Untersuchung festgestellt worden sein. Diese Untersuchung darf nicht älter als zwei Jahre sein.[1]
  2. Abweichend von Punkt 2) darf die jährlich ausgebrachte Menge an Gesamtstickstoff an organischen oder organisch/mineralischen Düngern die Menge von 130 kg Gesamt-N pro Hektar und Jahr nicht überschritten werden. Die Begrenzung gilt nicht für die Aufbringung von Festmist von Huf- und Klauentieren oder Kompost, für den Anbau von Feldgemüse gibt es eine Sonderregelung.
    Eine Befreiung der Begrenzung auf 130 kg/ha Gesamtstickstoff aus organisch und organisch mineralischen Düngemitteln bei Nichtüberschreitung der Begrenzung, von 160 kg Gesamt- und davon nicht mehr als 80 kg aus mineralischen Stickstoff, ist nicht möglich.

[1] Gilt nicht für Rebflächen

Folgende Regelungen gelten für die mit Phosphat belasteten (eutrophierten) Gebiete:

  1. Vor der Ausbringung von Wirtschaftsdüngern sowie organisch und organisch/mineralischen Substanzen muss deren Gehalt an Stickstoff (Gesamt und Ammonium) und Phosphat mittels einer Untersuchung festgestellt worden sein. Diese Untersuchung darf nicht älter als zwei Jahre sein.
  2. Erhöhte Abstände zu Oberflächengewässern bei der Anwendung von stickstoff- und phosphorhaltigen Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenschutzmitteln sind auf denjenigen Flächen einzuhalten, wenn diese
  1. innerhalb eines Abstands von 5 Metern (anstelle von 3 Metern) zur Böschungsoberkante, die innerhalb eines Abstandes von 20 Metern zur Böschungsoberkante eine Hangneigung von mindestens 5 Prozent aufweisen,
  2. innerhalb eines Abstandes von 10 m (anstelle von % Metern) zur Böschungsoberkante eines oberirdischen Gewässers auf Flächen, die innerhalb eines Abstandes von 20 Metern zur Böschungsoberkante eine Hangneigung von durchschnittlich 10 Prozent aufweisen.
  3. Auf Ackerflächen, die innerhalb eines Abstandes von 20 Metern zur Böschungsoberkante eines Gewässers eine Hangneigung von durchschnittlich mindestens 10 Prozent aufweisen,
  1. dürfen auf unbestellten Ackerflächen oder nur nach direkter Einarbeitung,
  2. auf bestellten Ackerflächen mit Reihenkulturen mit mehr als 45 cm Abstand und entwickelter Untersaat oder sofortiger Einarbeitung,
  3. auf bestellten Ackerflächen ohne Reihenkulturen (z.B. Getreide) mit hinreichender Bestandsentwicklung oder nach Anwendung von Mulch- oder Direktsaatverfahren,

stickstoff- und phosphorhaltigen Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenschutzmitteln aufgebracht werden.

Befreiung von der Dokumentationspflicht und der Verpflichtung der Erstellung einer Düngebedarfsermittlung

Betriebe mit weinbaulich genutzten Flächen in belastete (N) oder eutrophierte (P) Gebiete mit:

und

Nicht belastete (N) und nicht eutrophierte (P) Gebiete mit:

und

Belastete (N) oder eutrophierte (P) Gebiete mit:

und

Welche Konsequenzen resultieren hieraus für den Landwirt?

Um z.B. die Auflagen der Reduzierung des Stickstoffbedarfswertes um 20 % zu vermeiden, dürfte es für einige Betriebe interessant werden, den Düngebedarf in der Gesamtfläche der roten Gebiete im Mittel unter 160 kg N/ha zu halten. Da dies in Rapsfruchtfolgen schwer werden dürfte (siehe folgende Tabelle 1) müssten in den Flächenanbau Kulturen integriert werden, die einen reduzierten Düngebedarf haben.   Aufgrund des nicht vorhandenen Stickstoffdüngebedarfs der Körnerleguminosen wird deren Anbau vermutlich in diesen sensiblen Gebieten attraktiv werden (siehe Tabelle 2). Da maximal 80 kg Stickstoff von den möglichen 160 kg Stickstoff pro Hektar mineralisch gedüngt werden können, wird der Umfang der organischen Düngung in den nitratbelasteten Gebieten steigen.

In der öffentlichen Diskussion werden vornehmlich die nitratsensiblen Gebiete betrachtet. Phosphor Gebietskulissen wurden neu ausgewiesen und erreichen einen erheblich größeren Umfang als die Nitratkulissen. Damit gelten in vielen Bereichen auch die Auflagen der Erweiterung der Abstandsauflagen und der Verpflichtung der Wirtschaftsdüngeruntersuchung. Aus diesem Grund sollte in diesem Jahr sehr intensiv die Lage der Flächen auf Bewirtschaftungsauflagen hin überprüft werden, bevor organischer Dünger ausbracht wird.

 

Tabelle 1: Beispiel Anbaufläche N belastetes Gebiet in einer Rapsfruchtfolge

Winterraps Winterweizen A/B Wintergerste
Stickstoff-bedarfswert kg N/ha 200 230 180
Bei einem Ertrag von dt/ha 40 80 70
Ertragsniveau der letzten fünf Jahre dt/ha 45 85 80
Ertragskorrektur kg N/ha 10 5 10
Nmin Menge (langjährige Mittelwerte) kg N/ha 33 51 36
N Nachlieferung org. Düngung Vorjahr kg N/ha 4 4 4
N Nachlieferung aus Düngung Herbst kg N/ha
Vorfrucht kg N/ha 10
Düngebedarf kg N/ha 173 170 150
Gesamtsollwert 164

 

Tabelle 2: Beispiel Anbaufläche N belastetes Gebiet in einer Leguminosenfruchtfolge

Kultur Ackerbohne Winterweizen A/B Wintergerste
Stickstoff-bedarfswert kg N/ha 50 230 180
Bei einem Ertrag von dt/ha 35 80 70
Ertragsniveau der letzten fünf Jahre dt/ha 40 85 80
Ertragskorrektur kg N/ha 5 5 10
Nmin Menge (langjährige Mittelwerte) kg N/ha 53 51 36
N Nachlieferung org. Düngung Vorjahr kg N/ha 4 4 4
N Nachlieferung aus Düngung Herbst kg N/ha
Vorfrucht kg N/ha 10
Düngebedarf kg N/ha 0 170 150
Gesamtsollwert 107

 

Tabelle 3: Beispiel Anbaufläche N belastetes Gebiet in einer Silomaisfruchtfolge

Kultur Silomais Winterweizen A/B Wintergerste
Stickstoff-bedarfswert kg N/ha 200 230 180
Bei einem Ertrag von dt/ha 450 80 70
Ertragsniveau der letzten fünf Jahre dt/ha 500 85 80
Ertragskorrektur kg N/ha 10 5 10
Nmin Menge (langjährige Mittelwerte) kg N/ha 37 51 36
N Nachlieferung org. Düngung Vorjahr kg N/ha 4 4 4
N Nachlieferung aus Düngung Herbst kg N/ha
Vorfrucht/ Zwischenfrucht kg N/ha 20 10
Düngebedarf kg N/ha 149 170 150
Gesamtsollwert 156