Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Boden & Düngung

DBE: Nährstoffbedarf ermitteln und dokumentieren

Seit Inkrafttreten der Novellierung der Düngeverordnung (DüV) im letzten Jahr gewinnt der Begriff des Düngebedarfs eine zunehmend stärkere Bedeutung.

Die Ermittlung und Einhaltung des Düngebedarfs wirkt für den Landwirt, der nun in die Pflicht genommen wird eine Obergrenze des Düngebedarfs zu ermitteln und diese auch einzuhalten, gewissermaßen wie ein sich selbst aufzuerlegendes Regulativ.

Zwar war der Landwirt auch schon im Kontext der alten DüV zur Ermittlung des Düngebedarfs der jeweiligen zu düngenden Kultur angehalten, eine Dokumentation des Stickstoff- und Phosphorbedarfs, wie sie nach der neuen DüV nun anzufertigen ist, ist jedoch neu.

Die Anpassung der Düngung an den Nährstoffbedarf der Pflanze gilt für die Herbst- und Frühjahrsausbringung mineralischer und organischer Düngemittel. In der landwirtschaftlichen Praxis haben sich historisch betrachtet z.B. die Herbstausbringung zur Ausbringung von Stallmisten etabliert. Gründe hierfür waren auch arbeitswirtschaftlicher Natur. Diese wurden vornehmlich zu Hackfrüchten ausgebracht, da diese die Festmistdüngung besonders honorierten

Seit spätestens den 1970er Jahre haben sich in der Tierhaltung verschiedene Flüssigmistverfahren durchgesetzt. Festmiste und Güllen besitzen grundsätzlich eine unterschiedliche Dynamik der Stickstofffreisetzung. Die schnellere Stickstoffverfügbarkeit von Güllen koppelt jedoch eine Ausbringung selbiger noch einmal deutlich enger an die Zeiträume des konkreten Stickstoffbedarfs der wachsenden Pflanzenbestände. Dies hat erhebliche Konsequenzen auch für die Arbeitsorganisation der landwirtschaftlichen Betriebe. Viele Praktiker haben diese im letzten Herbst mit den Einschränkungen in Bezug auf den Einsatz und die Ausbringung von organischen Düngern bereits einschneidend gespürt. Zukünftig wird die Ausbringung von Organik mit wesentlichen Gehalten an Stickstoff und Phosphor im Herbst noch deutlich enger an den Bedarf der angebauten Kulturen zu koppeln sein.

Der vom Landwirt ermittelte Düngebedarf ist eine standort- und kulturartbezogene Obergrenze für die Dauer der gesamten Vegetation, die vom Landwirt nicht überschritten werden darf. Eine Überschreitung des Düngebedarfs stellt ein Verstoß gegen das Fachrecht, wie auch gegen die Cross Compliance Bestimmungen dar.

Die Erstellung der Düngebedarfsermittlung (DBE) wird in der DüV im Paragraph 4 beschrieben. In diesem Abschnitt werden die zu berücksichtigende Rechenschritte vorgegeben (siehe auch Vordruck 1 „DBE“ für Stickstoff – Ackerland).

  1. Ermittlung des Düngebedarfs einer Kultur (Vordruck 2, Tabelle 1)
  2. Ermittlung des dreijährigen Ertragsmittels
  3. Korrektur des Düngebedarfs anhand der Ertragsabweichung zwischen der DüV und Betrieb (Vordruck 2, Tabelle 2)
  4. Nmin Werte im Boden
  5. Stickstoffnachlieferung aus dem Bodenvorrat
  6. Stickstoffnachlieferung aus der org. Düngung des Vorjahres
  7. Stickstoffnachlieferung aus Vor- und Zwischenfrucht

Die aktuellen Vorlagen bzw. digitalen Anwendungen finden Sie in der Sidebar (rechts) oder unter: Düngebedarfsermittlung Frühjahr

Neben der Beschreibung der rechnerischen Ermittlung des Düngebedarfes werden auch die entsprechenden Daten in den Anhängen der Düngeverordnung vorgegeben. Dies bezieht sich nicht nur für den Düngebedarf, sondern auch auf die Zu- und Abschläge, die zu berücksichtigen sind, wenn das Ertragsniveau des jeweiligen Betriebes von dem in der DÜV vorgebgeben Ertrages abweicht. Der daraus resultierenden korrigierte Bedarfswert wir dann um den Nmin Wert und die Stickstoffnachlieferung (siehe Punkte 5 bis 7) aus dem Bodenvorrat, der organischen Düngung des Vorjahres und aus Vor- und Zwischenfrüchten ergänzt (siehe auch Vordruck 2 „DBE“ für Stickstoff – Ackerland).

Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) unterhält zwei Informationssysteme, um den landwirtschaftlichen Betrieben einen pflanzenverfügbaren Stickstoffgehalt (kg N pro Hektar) im Boden für die Ermittlung des Bedarfs an die Hand zu geben. Dies ist zum einen das Referenzflächennetz des LLH und die Stickstoffstatistik, die in Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb Hessische Landeslabore (LHL) erstellt wird. Im ersteren werden ca. 600 Flächen in Hessen jährlich beprobt. Die Ergebnisse geben dann auch über mehrere Jahre hinweg Auskunft über die Entwicklung des Stickstoffgehaltes im Boden. Das zweite Informationssystem beinhaltet alle Analyseergebnisse der vom LHL vorgenommenen Untersuchungen. Dies sind zu Vegetationsbeginn ca. 3000 bis 4000 Flächenergebnisse, die in einer bestimmten Systematik dargestellt werden. Beide Informationssysteme sind unter der folgenden Internetseite des LLH zu finden: Nmin-Wert zu Vegetationsbeginn

Die Stickstoffnachlieferung aus dem Bodenvorrat (Vordruck 2, Tabelle 3) bezieht sich auf die Flächen, die über einen Humusgehalt von mehr als 4% verfügen. Der Gesetzgeber hat bei dieser Regelung sicher eher an humusreiche Standorte (z.B. Moorböden) gedacht, die in Hessen selten vorkommen. In Auenböden in Niederungslagen finden sich mitunter Humusgehalte, die vier Prozent überschreiten und damit einen Abschlag von 20 kg/ha vorzunehmen hätten.

Die organische Düngung des Vorjahres (Vordruck 2 à Tabelle 4) wird bei der Ermittlung des Düngebedarfs berücksichtigt. Zehn Prozent von der im gesamten vorhergehenden Kalenderjahr ausgebrachten Gesamtstickstoffmenge aus organischen Düngern muss angerechnet werden. D.h. nicht nur die im Vorjahr zu der jetzigen Hauptkultur ausgebrachte organische Düngung muss berücksichtigt werden, sondern auch die organische Stickstoffmenge die im Kalenderjahr zur Vorfrucht ausgebracht wurde. Eine Ausnahme gilt hier für Kompost, für den in der DÜV eine dreijährige Stickstoffausnutzung unterstellt wird. Im ersten Folgejahr nach der Kompostausbringung muss der Gesamtstickstoffgehalt mit vier Prozent angegeben werden, in den beiden weiteren Folgejahren jeweils drei von Hundert des Gesamt N – Gehaltes.

Die Nachlieferung aus Vor- und Zwischenfrüchten (Vordruck 2 à Tabelle 5) muss in der DBE mit Abschlägen berücksichtigt werden, die bis zu 40 kg Stickstoff pro Hektar betragen können. Bei den Zwischenfrüchten wird differenziert nach Leguminosen und Nichtleguminosen, sowie winterharte und nicht winterharte Kulturen.

Die Summe des um die Ertragserwartung korrigierten Düngebedarfs und den möglichen Abschlägen ergibt dann eine standortbezogene Obergrenze. Eine Erfolgskontrolle, ob die Nährstoffe möglichst effizient eingesetzt wurden kann mit der Nährstoffbilanz erzielt werden. Das Nährstoffsaldo der Stickstoffbilanz sollte keinen Wert aufweisen, der über 50 kg pro Hektar liegt.

Düngebedarfsermittlung für Phosphor

Während man in der Düngeverordnung sehr detaillierte Ausführung über die Erstellung der Stickstoffbedarfsermittlung vorfindet, so fehlt dies fast in Gänze zum Nährstoff Phosphor.

Bei der Düngebedarfsermittlung des Nährstoffes Phosphor müssen die folgenden Punkt berücksichtigt werden:

  1. Der Phosphatbedarf der jeweiligen Kultur
  2. Die im Boden zur Verfügung stehenden Phosphatmenge

Diese Bedarfsermittlung kann auch im Rahmen der Fruchtfolge, also über mehrere Jahre hinweg erfolgen. Im Rahmen der Abstimmung mit den nach Landesrecht zuständigen Kontrollbehörden der Düngeverordnung hat man eine Übereinstimmung darüber getroffen, dass ein Bodenuntersuchungsergebnis mit einer beigefügten Düngeempfehlung als Nachweis für eine DBE für den Nährstoff Phosphor ausreichend ist.


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