Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Boden & Düngung

Die organische Düngung richtig bewerten

Die organischen Dünger, wie Gülle und Mist, sind in vielen Betrieben im Herbst und Frühjahr ein wesentlicher Baustein bei der Düngung. Wegen ihres Gehaltes an organischer Substanz und Nährstoffen besitzen sie eine sehr komplexe Wirkung.
Wie man aus pflanzenbaulicher Sicht und den Rahmenbedingungen der neuen Düngeverordnung (DüV) bei der Bewertung der organischen Düngemittel vorgeht, soll im folgenden Artikel dargestellt werden.

1. Die organische Düngung bewerten

Bewertung von Phosphat, Kalium und Magnesium

Bei Festmist, Gülle und Jauche sind die Gehalte an Phosphat, Kalium und Magnesium zu 100 % anrechenbar.

Bewertung von Stickstoff

Je nach Wirtschaftsdünger liegt der Stickstoff in unterschiedlicher Bindungsformen und Mengen vor. Der eine Teil ist in der organischen Substanz gebunden und der andere liegt als Ammonium (NH4) bereits pflanzenverfügbar vor.

Beispiel:

  • Bei Stallmist liegt der Stickstoff zwischen 90 und 100 % in organischer Form vor.
  • Jauche enthält fast ausschließlich rasch wirksamen Ammoniumstickstoff.
  • Bei Schweinegülle liegt ungefähr zwei Drittel des Stickstoffs als Ammonium vor, nur ein Drittel ist in der organischen Substanz gebunden.
  • Bei Rindergülle beträgt das Verhältnis etwa 50 % Ammonium zu 50 % organisch gebundenem Stickstoff.

Wie sollte man den Stickstoff im Düngungsjahr bewerten?

Die Düngeverordnung sieht vor, dass man folgende Mindestwirksamkeit der organischen Düngemittel berücksichtigt.

Tabelle 1: Mindestwirksamkeit der organischen Düngemittel

Ausgangsstoff des Düngemittels Mindestwirksamkeit im Jahr des Aufbringens in % des Gesamtstickstoffgehaltes Ausgangsstoff des Düngemittels Mindestwirksamkeit im Jahr des Aufbringens in % des Gesamtstickstoffgehaltes
Rindergülle  50 Klärschlamm flüssig (< 15 % TM)  30
Schweinegülle  60 Klärschlamm fest (≥ 15 % TM  25
Rinder-, Schaf- u. Ziegenfestmist  25 Pilzsubstrat  10
Schweinefestmist  30 Grünschnittkompost  3
Hühnertrockenkot  60 Sonstige Komposte  5
Geflügel- und Kaninchenfestmist  30 Biogasanlagengärrückstand flüssig  50
Pferdefestmist  25 Biogasanlagengärrückstand fest  30
Rinderjauche  90
Schweinejauche  90

Diese Werte liegen meist unter dem Ammonium-Anteil (NH4) des org. Düngemittels. Der NH4-Gehalt ist sofort pflanzenverfügbar.
Liegt der NH4-Anteil über der nach DüV vorgegebenen Mindestwirksamkeit, ist mit diesen Werten zu arbeiten.
Hierdurch steigt die effektive Ausnutzung der org. Dünger, der mineralischer Dünger kann eingespart werden und die Gefahr von Nährstoffüberhängen wird gesenkt.

Fazit:

In vielen Fällen liegt der NH4-Anteil über der von der DüV ausgewiesen Mindestausnutzung.
Aus diesem Grund ist bei der Ausnutzung i.d.R. der NH4-Anteil maßgeblich.

Ausbringung

Die Ammoniakemissionen sind bei der Ausbringung auf ein Minimum zu reduzieren.

  • Nach Düngeverordnung gilt: Auf unbestelltem Ackerland muss die Gülle spätestens 4 Stunden nach der Ausbringung eingearbeitet sein. Je kürzer der Abstand zwischen Ausbringung und Einarbeitung liegt, desto geringer sind die Verluste.
  • Zum Zeitpunkt der Ausbringung sollten kühl/feuchte Witterungsverhältnisse mit geringer Sonneneinstrahlung und Luftbewegung vorherrschen.

Ausbringungszeitpunkt

Wenn es die Entwicklung des Pflanzenbestandes und die Standorteigenschaften erlauben, sollte eine Ausbringung von Wirtschaftsdüngern im zeitigen Frühjahr (Februar-März) bei Winterungen angestrebt werden. So soll sichergestellt werden, dass der überwiegende Teil der zugeführten Nährstoffe bereits im Anwendungsjahr ausgenutzt wird. Bei dieser Vorgehensweise können größere Nährstoffüberhänge gegen Vegetationsende vermieden werden, aus denen sich Nitrateinträge in Gewässer ergeben können.

Tabelle 2: N-Ausnutzungsgrad von Gülle bei einer am Bedarf angepasster Ausbringungsmenge im Jahr der Anwendung

Ausbringungsmonat Raps Winterweizen, Triticale, Roggen Wintergerste Sommergerste  Rüben, Kohl, Kartoffeln Mais Feldfutter Zweit- u. Zwischenfrüchte
 Juli XXXX
 August XXXX XXX XXXX
 September XXX XX XXX
Oktober-Januar Sperrfrist
Februar XXXXX XXXXX XXXXX XXXXX
 März XXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXXX
 April XXX XXX XXX XXXXX XXXXX XXXXX XXXXX
 Mai XX XX XXXX XXXX XXXXX XXXXX
 Juni XXXX XXXXX

XXXXX sehr hohe Ausnutzung   XX geringe Ausnutzung
Gülledüngung nicht empfohlen oder wegen DüV/Sperrfrist nicht erlaubt
Anmerkung: Bei Nährstoffvergleichen nach Düngeverordnung dürfen diese Bewertung nicht berücksichtigt werden.

Ausnutzung

Die Ausbringmenge und der Ausbringzeitpunkt sind für die optimale Ausnutzung der Gülle am Bedarf des jeweiligen Pflanzenbestandes zu orientieren. Nur so kann mit den Ausnutzungsraten für Stickstoff entsprechend gerechnet und darauf die mineralische Düngung optimal abgestimmt werden. Die Stickstoffausnutzung kann bei einer regelmäßigen Gülleausbringung auf demselben Feld insgesamt bis zu 70-80 %, teilweise sogar bis zu 90 % betragen. Bei diesen Zahlen ist auch die Nachlieferung aus den Vorjahren enthalten. Dieser Sticksoff wird meist erst in der Hauptwachstumsphase pflanzenwirksam. Anhand des Beispiels kann man sehen, dass durch die Anrechnung des NH4-Gehaltes die Ausnutzung der Gülle gesteigert wird. Lediglich bei Jauche ist die Mindestanrechnung nach DüV höher als der NH4-Anteil. Bei dem Beispiel ist unterstellt, dass die gleiche Menge an Gülle wie im Vorjahr gedüngt wird.

Tabelle 3: Beispiel: Vergleich der N-Ausnutzung nach DüV und mit NH4-Anteil
Gehalte: Datenbasis hessische Durchschnittswerte

Güllen TS ges. N Mindestanrechnung nach DüV Nachlieferung aus Vorjahresdüngung Anrechnung im Düngejahr
 %  kg/m³  %  kg N/m³  %  kg N/m³  %  kg N/m³
 Rindergülle  8,3 3,7 50 1,85 10 0,37 60 2,22
 Milchviehgülle 8,9 3,6 50 1,8 10 0,36 60 2,16
 Jungvieh/Bullengülle 7,2 3,4 50 1,7 10 0,34 60 2,04
 Schweinegülle  4,1 4,4 60 2,64 10 0,44 70 3,08
 Sauen/Ferkelgülle  2,9 2,9 60 1,74 10 0,29 70 2,03
 Biogasgülle  6,9 4,7 50 2,35 10 0,47 60 2,82
 Jauche  1,2 1,3 90 1,17 10 0,13 100 1,3
Güllen TS ges. N Mindestanrechnung nach DüV Nachlieferung aus Vorjahresdüngung Anrechnung im Düngejahr
% kg/m³ % kg N/m³ % kg N/m³ % kg N/m³
Rindergülle 8,3 3,7 59 2,2 10 0,37 69 2,57
Milchviehgülle 8,9 3,6 56 2 10 0,36 66 2,36
Jungvieh/Bullengülle 7,2 3,4 53 1,8 10 0,34 63 2,14
Schweinegülle 4,1 4,4 80 3,5 10 0,44 90 3,94
Sauen/Ferkelgülle 2,9 2,9 86 2,5 10 0,29 96 2,79
Biogasgülle 6,9 4,7 74 3,5 10 0,47 84 3,97
Jauche 1,2 1,3 77 1,0 10 0,13 87 1,13

2. Düngung: Herbst-Düngung bei der Düngebedarfsermittlung

In der neuen Düngeverordnung erfährt die organische Düngung einen größeren Stellenwert. Insbesondere die Nachlieferung des organischen Stickstoffes soll jetzt stärker berücksichtigt werden. Aus diesem Grund findet man in der Düngebedarfsermittlung (DBE) den Punkt „10 % des Gesamt-Stickstoffs der organischen Düngung im Vorjahr in kg N/ha“.
Wer im Herbst eine Düngung zu Raps oder Gerste durchgeführt hat, hat bei der Düngebedarfsermittlung lediglich die Nachlieferung aus dem organisch gebundenen Stickstoff berücksichtigt. Über die Vorgaben der Düngeverordnung hinaus empfehlen wir bei der weiteren Düngeplanung eine höhere Anrechnung des im Herbst gedüngten Güllestickstoffs zu machen.
Hier sollte mindestens die Mindestanrechnung nach DüV angewandt werden, bzw. der NH4-Gehalt. Den mineralischen Stickstoff aus der Herbstdüngung empfehlen wir zu 100% in Anrechnung zu bringen. Berücksichtigt man die Herbstdüngung nicht, so kann man beim Nährstoffvergleich Probleme mit der Obergrenze bekommen.

 

Tabelle 4: Beispiel: 30 kg NH4/ha im Herbst zu Gerste oder Raps und deren Anrechnung auf die Frühjahrsdüngung

 Güllen ges. N NH4-N max. Ausbringmenge Herbst (m3) Anrechnung Nachlieferung des org. gebundenen Sickstoff; nach DüV 10% der gesamt N-Menge Mindestanrechnung der Gülle nach DüV für die gedüngte Kultur
 kg/m3  kg/m3  30  kg NH4 N/ha Gesamt N  % vom Gesamt-N kg N/ha  % vom Gesamt-N kg N/ha
 Rindergülle  3,7  2,2  13,6  50,5  10  5  50  25
 Milchviehgülle  3,6  2  15  54  10  5  50  27
 Jungvieh/Bullengülle  3,4  1,8  16,7  56,7  10  6  50  28
 Schweinegülle  4,4  3,5  8,6  37,7  10  4  60  23
 Sauen-/Ferkelgülle  2,9  2,5  12  34,8  10  3  60  21
 Mischgülle  3,9  2,5  12  46,8  10  5  60  28
 Biogasgülle  4,7  3,5  8,6  40,3  10  4  50  20
 Biogasgülle, flüssig  6,7  4,6  6,5  43,7  10  4  50  22
Durchschnittswerte für Hessen Nach DüV darf im Herbst max. 30 kg NH4/ha oder 60 kg Gesamt-N/ha ausgebracht werden. Dieser Wert muss bereits bei der DBE in Abzug gebracht werden. Dieser Wert, bzw. der NH4-Anteil, sollte bei der Düngebedarfsplanung zusätzlich berücksichtigt werden.

 

3. Düngung: Nährstoffgehalt organischer Düngemittel – Dokumentation

In der folgenden Tabelle sind die durchschnittlichen Nährstoffgehalte für organische Düngemittel aus Hessen dargestellt. Sie dienen als Dokumentationsgrundlage, wenn keine eigenen Analysen im Betrieb vorliegen

Im Jahr der Anwendung gilt für Stickstoff:

  • Mindestens die Mindestanrechnung nach DüV
  • Ist der NH4-Gehalt höher als die Mindestanrechnung, dann gilt dieser Wert.
Güllen TS ges. N NH4-N Mindestanrechnung nach DüV P2O5 K2O MgO
 %  kg/m3  kg/m3  %  kg N/m³  kg/m3  kg/m3  kg/m3
 Rindergülle  8,3  3,7  2,2  50  1,85  1,6  4,3  1
 Milchviehgülle  8,9  3,6  2  50  1,8  1,8  4,1
 Jungvieh/Bullengülle  7,2  3,4  1,8  50  1,7  1,4  3,8
 Schweinegülle  4,1  4,4  3,5  60  2,64  2,2  2,7  0,9
 Sauen/Ferkelgülle  2,9  2,9  2,5  60  1,74  1,6  1,9
 Mischgülle  6,8  3,9  2,5  60  2,34  1,9  4
 Biogasgülle  6,9  4,7  3,5  50  2,35  1,9  4,9  0,8
 Biogasgülle, flüssig  4,9  6,7  4,6  50  3,35  0,9  3  0,4
 Jauche  1,2  1,3  1  90  1,17  0,1  2,5
Festmist TS ges. N NH4-N Mindestanrechnung nach DüV P2O5 K2O MgO
% kg/dt kg/dt % kg N/dt kg/dt kg/dt kg/dt
Rindermist 21,8 0,5 0 25 0,125 0,3 0,8 0,2
Schweinemist 22,4 0,8 0,1 30 0,24 0,7 0,6 0,3
Mischmist 23,2 0,6 0 30 0,18 0,3 0,8
Schaf/Ziegenmist 32,1 0,8 0,1 25 0,2 0,5 1,3
Pferdemist 31,4 0,4 0 25 0,1 0,2 0,9
Geflügelmist >40 % TS 45,4 2,2 0,5 30 0,66 1,9 2,2 0,7
Biogasgülle, fest 22,9 0,8 0,1 30 0,24 0,7 0,3 0,3
Komposte TS ges. N NH4-N Mindestanrechnung nach DüV P2O5 K2O MgO
% kg/dt kg/dt % kg N/dt kg/dt kg/dt kg/dt
Kompost 63,9 1,2 0,1 5 0,06 0,5 0,9 0,8
Bioabfallkompost 1,6 0 5 0,08 0,5 1,1 0,8
Grüngutkompost 1,2 0 3 0,036 0 0,9 0,9
Klärschlammkompost 30,3 1 0,2 5 0,05 1,3 0,2 0,4
Klärschlamm, flüssig TS ges. N NH4-N Mindestanrechnung nach DüV P2O5 K2O MgO
% kg/m3 kg/m3 % kg N/m3 kg/m3 kg/m3 kg/m3
Klärschlamm, 0-5 % TS 2,8 1,3 0,4 50 0,65 1,3 0,2 0,3
Klärschlamm, 5-10 % TS 6,6 1,8 0,4 50 0,9 1,9 0,3 0,7
Klärschlamm, 10-20 % TS 15,9 7,5 0,7 50 3,75 5,2 0,7 1,5
Klärschlamm, fest TS ges. N NH4-N Mindestanrechnung nach DüV P2O5 K2O MgO
% kg/dt kg/dt % kg N/dt kg/dt kg/dt kg/dt
Klärschlamm, 20-30 % TS 24,5 1 0,2 30 0,3 1,6 0,1 0,3
Klärschlamm, 30-40 % TS 33,9 0,8 0,1 30 0,24 1,5 0,1 0,4
Klärschlamm, 40-80 % TS 42,4 0,8 0,1 30 0,24 1 0,1 0,4
Klärschlamm, > 80 % TS 95,9 3,6 0,6 30 1,08 7,8 0,3 0,9

 


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