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Projektlaufzeit Demonstrationsnetzwerk Erbse/Bohne endet

Der regionale Anbau von Erbsen und Ackerbohnen trägt zur Erzeugung von nachhaltigen Futter- und Lebensmitteln bei. Auch in der Fruchtfolge bedeuten die Hülsenfrüchte als Stickstofflieferant einen großen Mehrwert.

Im Rahmen der Eiweißpflanzenstrategie des Bundes wurde im Jahr 2016 das Projekt „Demonstrationsnetzwerk Erbse/Bohne“ („DemoNetErBo“)  ins Leben gerufen. Im Dezember 2021 fand das Projekt nach sechsjähriger Laufzeit seinen Abschluss – eine Bilanz.

Abbildung 1: Übersicht über die bundesweit verteilten Demonstrationsbetriebe, die Erbsen und Ackerbohnen anbauen und verwerten

Ziel des modellhaften Demonstrationsnetzwerkes war es, Anbau und Verarbeitung von Körnerleguminosen in Deutschland zu verbessern und auszuweiten. Die Projektleitung lag beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH). Darüber hinaus waren bundesweit bis zu 17 Projektpartner aus Landwirtschaftskammern, Beratung, Verbänden und Forschung im Projekt tätig.

Basis des Demonstrationsnetzwerkes bildeten bis 75 ausgewählte landwirtschaftliche Betriebe in ganz Deutschland, die über eine Expertise im Anbau und in der Verwertung von Erbsen und Ackerbohnen verfügen (s. Abbildung 1). Die Demobetriebe zeigen beispielhaft, wie Anbau, Aufbereitung und Vermarktung von Hülsenfrüchten funktionieren können. Projektberaterinnen und -berater der jeweiligen Landeseinrichtung unterstützten die Betriebe dabei, verschiedene produktionstechnische Demonstrationsanlagen anzulegen. Darunter fallen zum Beispiel der Anbau von Ackerbohnen in Direktsaat ohne Einsatz von Glyphosat, vergleichende Saattechnikversuche bei Ackerbohnen (Zinken vs. Scheibenschar) oder der Anbau verschiedener Ackerbohnen und Erbsensorten nebeneinander. Die dabei gewonnenen Erfahrungen wurden auf Feldtagen, Informationsveranstaltungen, in Zeitschriften, Infoflyern oder über die Projekt-Website an ein interessiertes Fachpublikum weitergegeben.

Neben landwirtschaftlichen waren auch verarbeitende Betriebe für Futter- und Lebensmittel ins Netzwerk integriert. Die Veranstaltungen und Informationsmaterialien dienten dazu, verschiedene Akteure entlang der Wertschöpfungskette zu informieren und deren Kommunikation untereinander zu verbessern.

Insgesamt liegt der Anbau von Körnerleguminosen in Deutschland derzeit bei knapp 2 % der gesamten Ackerfläche. Doch der Anbauumfang und der Absatz von Körnerleguminosen in Deutschland nimmt zu – auch durch Zutun vom Demonstrationsnetzwerk Erbse/Bohne. So konnte im Jahr 2021 eine bundesweite Erbsenanbaufläche von ca. 100.000 ha verzeichnet werden. Das entspricht einer Verdopplung der Anbaufläche von 2014. Der Ackerbohnenanbau hat sich seit 2014 nahezu verdreifacht von 20.000 ha auf 58.000 ha in 2021. Auch der heimische Sojabohnenanbau ist von beinahe 0 ha in 2014 auf 34.300 ha in 2021 angestiegen.

Mit dem ansteigenden Anbauumfang nimmt auch das Interesse an Beratungsinformationen zu. Für Hessen bietet der LLH Beratung zum Anbau und zur Verwertung von Erbsen und Ackerbohnen an. Großer Beratungsbedarf besteht insbesondere bei Neueinsteigerbetrieben. Die LLH-Anbauberatung deckt sowohl den ökologischen als auch konventionellen Bereich ab. Erkenntnisse aus der Netzwerkarbeit sowie dadurch entstandene Informationsmaterialien bereichern die LLH-Beratungstätigkeit.

Um den Anbau von Körnerleguminosen in der deutschen Landwirtschaft auch weiterhin zu etablieren, ist es nun entscheidend, die anbautechnischen Herausforderungen zu meistern und die sich langsam entwickelnden neuen Vermarktungswege für Körnerleguminosen zu nutzen und weiter auszubauen. Klassischerweise werden Körnerleguminosen direkt auf den Betrieben zur Fütterung eingesetzt. Mit dieser Verwertung wird bisher immer noch der höchste ökonomische Mehrwert erzeugt. Auch zwischenbetriebliche Vermarktungswege können gute Erzeugerpreise realisieren.

Denn trotz ökologischer Vorteile spielt die Rentabilität eine Rolle für die Anbauentscheidung von Erbsen und Ackerbohnen. Durchschnittlich sind lediglich 5 Euro pro Dezitonne oberhalb des Weizenpreises notwendig, um den Anbau von Körnerleguminosen rentabel zu gestalten. Diese Herleitung ist auf den durchschnittlich niedrigeren Ertrag von Leguminosen im Vergleich zu Weizen zurückzuführen. Im Rahmen des Demonstrationsnetzwerkes wurde beispielhaft die Realisierung einer lokalen, konventionellen Wertschöpfungskette in Hessen unterstützt: Dabei wurden Ackerbohnen eines Ackerbaubetriebs einem benachbarten Bullenmastbetrieb zur Fütterung als Alternative zu Sojaextraktionsschrot verkauft. Insgesamt zeigte sich, dass sich besonders regionale Strukturen zur Umsetzung innovativer Ideen in Anbau und Absatz eignen.

Auch nach dem Projektabschluss im Dezember 2021 bleibt der LLH aktiv in der Arbeit rund um Leguminosen: Aktuell beteiligt sich der LLH federführend an der Durchführung eines neuen kulturartenübergreifenden Leguminosennetzwerkes, welches Erbsen, Ackerbohnen, Lupine und Soja sowie weitere großkörnige Leguminosen integriert. Das neue Leguminosennetzwerk (LeguNet)  wird durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert.


 

Dieser Beitrag stammt aus dem LLH-Jahresbericht 2021.

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