Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Eiweißinitiative

Nachlese: Leguminosentag 2019 – Mehr Leguminosen in der Fruchtfolge

Eine Ausweitung der Leguminosen-Anbaufläche bietet vielfältige Chancen. Zum einen kommt sie dem gesellschaftlichen Ziel entgegen, importiertes Eiweißfutter durch regional angebaute Eiweißpflanzen zu ersetzen. Zum anderen fördern Leguminosen die Biodiversität (Nahrungsangebot für Insekten) und verbessern die Bodenfruchtbarkeit (Humusaufbau).
In seiner Begrüßung zum 5. Hessischen Leguminosentag in Hüttenberg stellte Michael Stein, stellv. Direktor des LLH, heraus: „Leguminosen bieten viele Vorteile, sie sind aber dennoch keine Selbstläufer“. Die mit 80 Teilnehmern gut besuchte Veranstaltung erörtere daher Anbaufragen, mögliche Verwertungswege und deren Wirtschaftlichkeit.

Leguminosen wirken sich positiv in der Fruchtfolge aus

Publikum von hinten
Mit rund 80 Teilnehmern war der Leguminosentag 2019 gut besucht
Den positiven Einfluss einer Furchtfolgegestaltung mit Leguminosen auf Ertragsfähigkeit und Gesunderhaltung des Bodens stellte Dr. Thorsten Haase vom LLH Beratungsteam Ökologischer Landbau in seinem Vortrag vor. Im ökologischen Landbau haben Leguminosen in der Fruchtfolge eine hohe Bedeutung. Der Grund: Pflanzenschutz und Düngung bieten hier weniger Lenkungsmöglichkeiten, als es im integrierten Landbau der Fall ist. Leguminosen übernehmen hier die Aufgabe, die Bodenstruktur zu verbessern, Humus zu erhalten und aufzubauen sowie auf natürliche Weise Nährstoffe anzureichern. Ein Dauerfeldversuch am Gladbacherhof der Universität Gießen konnte den Einfluss auf den Humusgehalt zeigen: Im Vergleich zum Gemischtbetrieb mit zweijährigem Luzerne-Klee-Grasgemenge wiesen die Varianten Marktfruchtbetrieb mit und ohne Grünlandbrache eine kontinuierliche Abnahme des Humusgehaltes auf. Zusätzlich wirkt sich die mit dem mehrjährigen Kleegrasanbau verbundene Bodenruhe positiv auf das Bodenleben und die Bodengare aus, wie beispielsweise der geringere Befall mit Halmbruchkrankheiten in Anbauversuchen zeigte.

Als Zielgröße sollte ein Gemenge mit 40 – 60 % Kleeanteil gegenüber Reinsaaten bevorzugt werden. Mit Gemengen werden höhere Erträge erzielt und sie zeigen einen geringeren Unkrautbesatz. Letzteres wird auch durch mehrjährige Bodenruhe oder regelmäßige Schnittnutzung erzielt. Der Vorfruchtwert überjähriger Kleebestände ist ein weiterer Vorteil. Die Vorfrucht Klee zeigte in Anbauversuchen gegenüber Körnerleguminosen stets bessere Kornerträge bei den Folgekulturen.
Der Leguminosenanbau kennt aber auch eine Grenze: die „Leguminosenmüdigkeit“. Sie zeichnet sich durch das vermehrte Auftreten von Krankheiten aus, insbesondere von Pilzen, und wird durch eine unzureichende Nährstoffversorgung, ein ungünstiges Bodengefüge und Schadstoffanreicherung noch verstärkt. Empfohlene Anbaupausen sollten in der Fruchtfolge berücksichtigt werden.

Empfohlene Anbauphasen

Art Jahre
Futterleguminosen
Rotklee, Schwedenklee, Luzerne Esparsette, Gelbklee, Inkarnatklee 4-7
Alexandrinerklee, Perserklee 3-4
Weißklee 1-3
Serradella 1-2
Körnerleguminosen
Erbse 6-10
Grünfuttererbse 5-9
Ackerbohne, Lupine, Linse, Wicke 5-7
Sojabohne 1-3

In der Ration ist die Verwertung am besten

Die fünf Referenten vor Postern
Referenten und Moderatoren des Leguminosentages, v.l.n.r. Brigitte Köhler (LLH), Ulrich Quendt (LLH), Petra Zerhusen-Blecher (FH Südwestfalen), Reiner Mertens (Landhandel Diehl) und Dr. Thorsten Haase (LLH)
Im Zuge der HALM-Maßnahme „Vielfältige Kulturen im Ackerbau“ werden im kommenden Jahr auf mindestens 10 % der rund 85.000 ha beantragten Ackerfläche in Hessen Leguminosen angebaut. Allerdings scheint insbesondere für die Körnerleguminosen eine Vermarktung an Genossenschaften und Futtermischer bisher nur mäßig attraktiv zu sein. Die Preise für Körnerleguminosen unterlagen zuletzt starken regionalen Unterschieden. Dagegen setzten sich einzelne Genossenschaften im norddeutschen Raum deutlich vom Durchschnittspreis ab und boten auskömmliche Absatzpreise. Rückblickend ist für Ackerbohnen eine positive Preisentwicklung am Markt erkennbar, wohingegen bei Erbsen kein eindeutiger Trend auszumachen ist. In den Futterwerken ist aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit von Raps zuletzt verstärkt auf Körnerleguminosen als Eiweißträger umgeschwenkt worden, diese Mengen stammten aber überwiegend aus Importen, wie Reiner Mertens vom Landhandel Diehl erläuterte.
Der betriebswirtschaftliche Erfolg mit Körnerleguminosen ist vornehmlich mit innerbetrieblicher Verwertung realisierbar. Landwirten, die zukünftig Körnerleguminosen anbauen, diese aber nicht innerbetrieblich verwerten können, ermöglicht unter anderem ein Angebot des Demonstrationsnetzwerkes Erbse/Bohne, mit Viehbetrieben in Kontakt zu kommen. Auf der Seite www.leguminosenmarkt.de können Anbieter und potentielle Abnehmer zusammenfinden.

Heimisches Soja für den Einsatz als Futtermittel aufbereiten

Die Anbaufläche von Soja in Hessen hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt. In der Rinderfütterung können die geernteten Sojabohnen noch weitgehend unbehandelt eingesetzt werden. Als begrenzender Faktor muss aber der Fettgehalt der Sojabohne in der Ration beachtet werden. Für die Schweine- und Hühnerfütterung ist jedoch ein Erhitzungsverfahren notwendig, das sogenannte Toasten. Dadurch werden die in Soja reichlich vorhandenen Trypsininhibitoren ausgeschaltet. Mertens stellte das Verfahren zur Aufbereitung von Soja vor, das beim Landhandel Diehl in Zusammenarbeit mit dem ansässigen Lohnunternehmer demnächst angeboten wird. Ziel ist es, Soja-Presskuchen als Futtermittel anzubieten und das gewonnene Sojaöl zur Beimengung in Futtermischungen (zur Staubbindung) an Futtermischwerke in der Region weiter abzusetzen.


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