Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Grünland & Futterbau

Grassilagequalitäten in Hessen: Deutlich besser als im Vorjahr, aber nicht ohne Schwächen

Die überwiegende Anzahl der hessischen Grassilagen des 1. und 2. Schnitt sind untersucht und werden zum Teil schon gefüttert. Für jeden Milchviehbetrieb ist es spannend und wichtig zu wissen, wie hoch der Futterwert der selbst erzeugten Grassilagen ist.

Seit einigen Jahren werden in den verschiedenen Regionen Hessens meist ab der letzten Aprilwoche Aufwuchsproben von repräsentativen Standorten wöchentlich (immer montags) geschnitten und umgehend vom LHL Kassel auf den Futterwert untersucht. Die Ergebnisse werden in den hessischen Futterbaufaxen sowie auf der Website des LLH jeweils mittwochs veröffentlicht. Dadurch können eine passende Schnittzeitpunktempfehlung sowie aktuelle Hinweise zur Silierung an die Landwirte und Landwirtinnen weitergegeben werden.

Was zeichnet eine hochwertige Grassilage aus?

ParameterEinheitZielwerte
Trockenmasse% FM30-40
Rohasche% TM< 10, keine Verschmutzung mit org. Düngerresten
Rohprotein% TM14-18
Rohfaser% TM23-25
Zucker% TM3-8
pH-WertIn Abhängigkeit der TM beurteilen:

bis 25% unter 4,2; 30% unter 4,4; 35% unter 4,6; 40% unter 4,8; ab 45% unter 5,0; Note „ausgezeichnet“

Gasbildungml/200 g> 50
MJ NELkg TM1. Schnitt: > 6,3, Folgeschnitte > 6,0
VergärungKeine Buttersäure (<0,3%), bis 3% Essigsäure, 5-10% Milchsäure
Ammoniak-N Anteil% des Rohprotein< 8%
GeruchAngenehm säuerlich, aromatisch
Farbe Dem Ausgangsmaterial entsprechend
Struktur Dem Ausgangsmaterial entsprechend
Schnittlänge 2-4 cm bei Häckselsilagen; Ladewagen möglichst gleichmäßig kurz
Verdichtung Min. 200 – 280 kg TM/m³ – je nach TM Gehalt
Temperatur Keine Nacherwärmung, max. 4C° Temperaturdifferenz zwischen Kerntemperatur und Randbereichen

Der 1. Schnitt startete in den sehr frühen Lagen in den letzten Apriltagen. Im größeren Umfang wurde der Schnitt dann in der ersten und der zweiten Maiwoche fortgesetzt. Die Witterung war für die Grasernte in dieser Zeit trocken und damit günstig.

Dadurch sind nur wenige Silagen mit unter 30% TM eingebracht worden. Insgesamt liegen die TM Gehalte der hessischen Silagen (1. Schnitt) bei optimalen 35%. Fehlgegorene nasse Silagen mit zu hohen pH-Werten (Buttersäure) sind erfreulicherweise die Ausnahme. Bei einer hohen Anzahl an Prüfberichten wird eine ausgezeichnete Lagerstabilität attestiert.

Durch die günstige trockene Witterung konnte das Gras mit wenig Erde/Schmutz in die Silos kommen. Die Rohaschegehalte liegen entsprechend unter 10%.

Der Energiegehalt des 1. Schnittes liegt im Mittel bei 6,2 MJ/NEL/kg TM. Das ist deutlich höher als im Vorjahr. Der Zielwert von > 6,3 MJ NEL wird jedoch knapp verfehlt. Dies wird durch den schon leicht erhöhten Rohfasergehalt von im Mittel 25,2% erklärt.

Die große Schwankung der Qualitäten zeigt die Auswertung des oberen und des unteren Viertels (nach MJ NEL): Während die Silagen des oberen Viertels alle Zielwerte erreicht haben und damit hohe 6,7 MJ NEL aufweisen, liegen die Silagen des unteren Viertels mit 5,6 MJ NEL um 1,1 MJ NEL/kg TM niedriger. Dies hat natürlich erheblich negative Auswirkungen auf die mögliche Höhe der Milcherzeugung aus dem Grobfutter. Der Grund für die unterdurchschnittlichen Qualitäten liegt hauptsächlich im 10 Tage späteren Schnitttermin im Vergleich zum besten Viertel (17.05 – 07.05).

Aber auch die Bestandszusammensetzung der Gräser auf den Grünlandflächen spielt eine wichtige Rolle; so liegt z.B. der Rohfasergehalt vom Wiesenfuchschwanz am gleichen Tag deutlich über dem des Deutschen Weidelgrases.

Durch die warme Witterung während der ersten beiden Maiwochen stieg der Rohfasergehalt pro Woche um ca. 4% an; zeitgleich sank der Rohproteingehalt um ca. 3% pro Woche. Dies erklärt die großen Unterschiede in der Tabelle 1 zwischen dem unteren und dem oberen Viertel der Silagen.

Durch den späteren Schnitttermin beim unteren Viertel sinkt auch der Rohproteingehalt auf niedrige 13,6%. Teilweise wurde die mineralische Ergänzungsdüngung mit Stickstoff/Schwefeldünger deutlich reduziert. Das hat sich sowohl qualitativ (Rohproteingehalt) als auch ertraglich negativ ausgewirkt.

Grasernte des 2. Aufwuchses anlässlich des Grünlandtages auf dem Eichhof am 9. Juni

Die Bemessung der N-Düngung zum 1. Aufwuchs sollte aufgrund der vorhandenen Winterfeuchte und der noch gefallenen Niederschläge im April nicht unter der berechneten N-Menge der Düngungebedarfsberechnung liegen. Die Düngewirkung zum 1. Schnitt war in diesem Jahr mit Abstand am höchsten. Selbst bei reiner Grassilagefütterung müssen die Rationen bei den Silagen des unteren Viertels noch mit Rohprotein ergänzt werden.

Auch der Zuckergehalt liegt bei den später geschnittenen Silagen nur noch bei 3%. Silagen mit niedrigen Zuckergehalten weisen oft auch niedrigere Werte bei der Gasbildung (Verdaulichkeit) auf. Diese wirkt sich dann auch negativ auf den Energiegehalt der Silagen aus. Dagegen weisen die Silagen des oberen Viertels mit 8,7% Zucker mehr als doppelt so hohe Werte auf. Doch aufgepasst: Zu hohe Zuckergehalte (>8%) können auch zu Problemen führen. Zum einen steigt die Gefahr der Nacherwärmung dieser Silagen, vor allem, wenn die Silagen relativ früh geöffnet werden und wenn die Verdichtung zu niedrig ist. Zum zweiten können sehr hohe Zuckergehalte auch ein erhöhtes Acidoserisiko darstellen. Das sollte bei der Futterrationsplanung mitbedacht werden.

Die ausgewiesenen DCAB Gehalte sind vor allem bei der Rationsplanung für die Anfütterung der Milchkühe wichtig. Die Werte schwanken von gut 200 bis fast 800 meq/kg TM und zeigen die Notwendigkeit der Untersuchung der eigenen Silagen.

Tabelle 1: Grassilageergebnisse 1. Schnitt Hessen 2022

ParameterEinheitZielwerteMittelwert 2022obere 25%untere 25%
Schnittdatum  12.05.202207.05.2217.05.22
Trockenmasse% FM30-4035,536,333,9
Rohasche% TM<109,49,59,3
Rohprotein% TM14-1815,316,713,6
Rohfaser% TM23-2525,221,429,4
Zucker% TM3-85,88,73
Org. ADF% TM<2729,826,233,9
Org. NDF% TM<4746,24152,3
pH-Wert% TM 4,74,54,9
Gasbildungml/200 mg>50515546,4
Kalium% TM<32,82,82,7
Calcium% TM0,5-0,70,60,60,6
Phosphor% TM0,35-0,450,30,30,3
NELMJ/kg TM>6,36,26,75,6
nxP g/kg TM>135136145124
RNBg/kg TM4-61,92,61,0
DCABmeq/kg TM 469475441
Säurebildungausgezeichnet

Die Energiegehalte des 2. Schnittes liegen mit 6,0 MJ NEL zwar 0,3 MJ NEL unter denen des 1. Schnittes, aber die Differenz war in den vergangenen Jahren häufig deutlich größer.

Die Gräser wachsen in der Phase nach dem 1. Schnitt meist sehr schnell und versuchen in die Samenreife zu kommen. Entsprechend schnell steigt auch der Rohfasergehalt der Aufwüchse an. Exemplarische Untersuchungen von Grünlandaufwüchsen in diesem Frühjahr zeigten, dass die Schnittreife des 2. Schnittes nach 4 bis höchstens 5 Wochen erreicht war.

Im Mittel wurden die Aufwüchse 33 Tage nach dem 1. Schnitt erneut geschnitten. Im Vergleich zu den Vorjahren, wo der 2. Schnitt bzgl. der Qualität oft noch deutlicher unter dem 1. Schnitt lag, ist das schon eine positive Entwicklung.

Die TM Gehalte liegen mit durchschnittlich 42% etwas über dem Zielwert. Dies ist sicher den schon sehr trockenen Aufwüchsen zum Schnittzeitpunkt und den hohen Temperaturen bei der Grasernte geschuldet. In Verbindung mit den schon hohen Zuckergehalten besteht hier eine erhöhte Nacherwärmungsgefahr. Wenn möglich, sollten Silagen mit erhöhter Nacherwärmungsgefahr länger verschlossen bleiben, dadurch wird die Stabilität verbessert und man kommt bei Fütterung oft in die kühlere Jahreszeit.

Die Rohproteingehalte liegen mit 14% im Mittel und vor allem mit 12,7% beim unteren Viertel der Silagen doch recht niedrig; hier ist die reduzierte oder zum Teil ausgefallene N-Düngung aufgrund der teuren N-Dünger mit verantwortlich.

Die Rohfasergehalte des 2. Schnitt liegen mit 25,5% schon leicht höher als gewünscht, lediglich die Proben des besseren Viertels weisen mit 23,3% optimale Werte auf. Die Aufwüchse des besseren Viertels wurden im Mittel am 07.06. geschnitten (genau einen Monat nach dem 1. Schnitt des besseren Viertels)

Tabelle 2: Grassilageergebnisse 2. Schnitt Hessen 2022

ParameterEinheitZielwerteMittelwert 2022obere 25%untere 25%
Schnittdatum  14.06.2207.06.2223.06.22
Trockenmasse% FM30-4041,841,941,9
Rohasche% TM<109,5910,2
Rohprotein% TM14-1814,216,112,7
Rohfaser% TM23-2525,523,327,7
Zucker% TM3-87,59,15,7
Org. ADF% TM<2730,127,832,6
Org. NDF% TM<4747,745,249,4
pH-Wert% TM 4,74,74,9
Gasbildungml/200 mg>5049,752,945,8
Kalium% TM<32,42,42,4
Calcium% TM0,5-0,70,70,60,8
Phosphor% TM0,35-0,450,30,30,3
NELMJ/kg TM>6,06,06,55,6
nxP g/kg TM>135132141122
RNBg/kg TM4-61,12,50,3
DCABmeq/kg TM 339332386
Säurebildungausgezeichnet

Mithilfe der vorliegenden Auswertung können die Ergebnisse der eigenen Silageuntersuchungen besser eingeordnet werden und bei unterdurchschnittlichen Werten auch zukünftige Verbesserungen gezielt geplant und umgesetzt werden.


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