Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Feldtag vom 13.06.2019 Willershausen/Pferdsdorf

In der Gemarkung Willershausen, im südlichen Ringgau, direkt an der Hessisch-Thüringischen-Grenze gelegen, wurde 1999 von dem damaligen Mitarbeiter des heutigen Landesbetriebes Landwirtschaft Hessen (LLH) Manfred Kirchner ein Bodenbearbeitungsversuch angelegt, der bis zum aktuellen Zeitpunkt noch von Versuchstechnikern des LLH betreut wird.

Variiert wurde in dem ackerbaulichen Dauerversuch die Aussaattechnik. Behandlungsvarianten sind Pflug, Mulch- und Direktsaat.

Am 13.06.2019, zum 20-jährigen Jubiläum dieses Dauerbodenbearbeitungsfeldversuches, fand nun in Pferdsdorf/Willershausen ein, nach 2011, zweiter Feldtag unter der Überschrift „Anpassungsstrategien für den Ackerbau 2040“ für Landwirte und alle anderen Interessierten auf jener Fläche statt. Während im Dorfgemeinschaftshaus in Pferdsdorf im Rahmen des Vormittagsprogramms zwei Vorträge vor 60 Personen gehalten worden sind, konnte im Nachmittagsteil und im Rahmen des eigentlichen Feldtages in Willershausen der langjährige Bodenbearbeitungsversuch besichtigt werden.

Vortragende der Vormittagsveranstaltung waren der Agrarmeteorologe, Herr Böttcher, vom Deutschen Wetterdienst (DWD), und der Pflanzenbauberater Marc Fricke-Müller vom Landesbetrieb Landwirtschaft (LLH) in Witzenhausen:

Herr Böttcher vom DWD berichtete über die zu erwartenden Klimaveränderungen und deren Einfluss auf unsere Böden und natürlich die landwirtschaftliche Praxis selbst. Als Grundlage der Aussagen wurden von Herrn Böttcher langjährige Messreihen herangezogen, die z.T. bis 1881 zurück reichen. Aus den meteorologischen Modellen kann abgeleitet werden, dass es sehr wahrscheinlich zu einer saisonalen Verschiebung der Niederschläge kommen wird. Die Winter werden feuchter und die Sommer trockener. Dabei wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht nur die Häufigkeit, sondern auch die Intensität einzelner, teilweise sehr lokal begrenzter Niederschlagsereignisse zunehmen. Insgesamt werden die Regenmengen steigen und die Regenheftigkeit wird zunehmen. Dieser Sachverhalt wird sich insbesondere auf das Wasserangebot für die Pflanzen im Boden bemerkbar machen. Der Anteil pflanzenverfügbar gebundenen Wassers im Boden wird als die nutzbare Feldkapazität (nFK) bezeichnet. Der Meterloge Falk Böttcher aus Leipzig wies darauf hin, dass zukünftig genau dieses pflanzenverfügbare Wasser in den Hauptwachstumsperioden der Pflanzen (April, Mai und Juni) hauptbegrenzender Wachstumsfaktor sein kann. Er verwies dabei exemplarisch auf das Wettergeschehen des letzten, extrem trockenen Jahres. Hier war die nutzbare Feldkapazität, bedingt durch ausbleibende Niederschläge, in dem für die Landwirte so wichtigen Monat Mai nur äußerst gering. Dies führte in der Konsequenz zu erheblichen Ertragseinbußen in der letztjährigen Ernte. Schließlich verwies Herr Böttcher auch auf Maßnahmen, mit denen der Landwirt die Wasserverfügbarkeit beeinflussen kann. Hierzu stellte er auch Ergebnisse vom Versuchsstandort Willershausen vor. So kann durch den Verzicht auf den Pflug und durch Anwendung der Direktsaat- oder Mulchsaattechnik Wasser im Boden gehalten werden und insbesondere auch in Mulchsystemen die Infiltration von Regenwasser dadurch gesteigert werden, dass nicht etwa wie in den Pflugvarianten der Boden sehr rasch zum Verschlämmen neigt, worauf die Poren des Bodens quasi verstopft werden und es im Falle von auch nur leichter Neigung zu einem Abschwämmen von Oberbodenmaterial beziehungsweise einem flächigen Erosionsgeschehen kommen kann. Die Speicher des Bodens werden nicht aufgefüllt, das abgeflossene Wasser steht dem Kulturpflanzenbestand nicht mehr zur Verfügung. Bei einer Bedeckung der Bodenoberfläche mit Mulch etwa wird die kinetische Energie des auftreffenden Regentropfens effizient gebrochen und das Niederschlagswasser kann langsam in den Boden hineinsickern. Zudem stellt die Mulchdecke noch einen recht effizienten Verdunstungsschutz dar.

Marc Fricke-Müller (LLH) präsentierte und diskutierte in dem zweiten Vortrag die Ergebnisse der langjährigen Datenerhebungen, die am Versuchsstandort getätigt werden konnten. So konnten im Rahmen dieses Dauerversuchs über einen Zeitraum von rund 20 Jahren wertvolle Erkenntnisse über die Entwicklung von Unkräutern, Ungräsern, pilzlichen Schaderregern und Schadinsekten gesammelt werden. Auch die Bodenfauna (Regenwürmer bzw. Lumbriciden, aber auch etwa Springschwänze bzw. Collembolen als Zeigerorganismen für etwa Wasserverhältnisse im Boden) und Bodenflora (Bakterien und saprotroph im Boden lebende Pilze) wurde zu verschiedenen Zeitpunkten über die Dauer des Versuches hinweg betrachtet. Regenwürmer sind bekanntermaßen maßgeblich für den Streuabbau, die Inkorporation von organischer Substanz, aber auch ein verbessertes Vermögen des Bodens Wasser rasch aufnehmen zu können – durch insbesondere vertikale Makroporen geschaffen von Tiefengräbern, wie etwa den gemeinen Tauwurm (Lumbricus terrestris) – verantwortlich. Bei den in Willershausen durchgeführten Regenwurmzählungen wurde festgestellt, dass mit nachlassender Bearbeitungsintensität (Pflug- > Mulch- > Direktsaat) erheblich mehr Regenwürmer, bezogen auf den Umfang der Lebendbiomasse, vorgefunden werden konnten. Die Differenzierung zwischen den Bearbeitungssystemen ergaben sich bereits nach einmaligem Pflügen deutlich. Es werden durch das Pflügen einerseits mechanisch Tiere zerschnitten und damit getötet, andererseits werden Gänge verschüttet und zerstört.

Insgesamt wird der Bodenbiologie, die meist funktioniert, in aller Regel häufig zu wenig Beachtung geschenkt. Wenn allerdings das Ökosystem des Ackers zu stark gestört wird sind die Folgen schnell sichtbar. Gerade durch eine Veränderung der Witterung, und damit der Hydrologie des Bodens, ist auch die kontinuierliche Verfügbarkeit und Nachlieferung von Nährstoffen durch den mikrobiellen Umsatz aus dem Bodenvorrat, sowie teilweise aber auch aus mineralischem Dünger nicht mehr sicher und umfänglich gewährleistet. Allerdings verwies Herr Fricke-Müller aus pflanzenbaulicher Sicht auch darauf, dass das Risiko ansteige durch einen reduzierten Bodeneingriff bestimmte Unkräuter/-gräser vermehrt auf den Flächen vorzufinden. Unter welchen Aussaattechniken sind mehr oder weniger Ungräser/-kräuter vorzufinden? Wann treten Trespen oder auch andere Ackerbegleitpflanzen auf? Hierzu konnten über einem Zeitraum von nunmehr fast zwanzig Jahren wichtige Erkenntnisse gewonnen werden. Der Versuch in Willershausen war einer der ersten Versuche bundesweit, die zur Problemstellung der Trespen im Wintergetreide Aussagen liefern konnte.

Abbildung 1: Ergebnisse des Systemversuches Bodenbearbeitung in Hessen/Willershausen in Bezug auf die Entwicklung des Gräserbesatzes

Abbildung 1: Ergebnisse des Systemversuches Bodenbearbeitung in Hessen/Willershausen in Bezug auf die Entwicklung des Gräserbesatzes

Ackerbau der Zukunft

Im Rahmen des Nachmittagsprogramms wurden an mehreren Bodenprofilen die Unterschiede in Bezug auf das Bodenleben und den Nährstoffhaushalt des Bodens, aber auch die physikalischen Charakteristika des Bodens anhand von Untersuchungsergebnissen dargestellt. Herr Dr. Johannes Heyn (ehemals LLH) ist anhand der Bodenprofile auf die erdgeschichtliche Entwicklung des Bodens eingegangen.  In diesem Zusammenhang stellte auch ein Bodenschätzer des Finanzamtes Kassel, Lothar Dietzel, die Grundlagen der amtlichen Bodenschätzung und das hierfür zugrundeliegende System vor. Dr. Daniel Uteau (Uni Kassel) war bei der Vorstellung der Versuchsflächen eingebunden. Die von ihm vorgestellten, in diesem Frühjahr, erhobenen jüngsten bodenphysikalischen Untersuchungsergebnisse zeigten die stark differenten Ergebnisse in Bezug auf die Luft- und Wasserverhältnisse auf, die sich einstellen, wenn man (über lange Zeiträume) den Boden unterschiedlich bearbeitet.

In Willershausen konnten die Besucher des Feldtages darüber hinaus an unterschiedlichen Stationen Einblicke in Bereiche erlangen, die mutmaßlich für den Ackerbau in unseren hiesigen Breiten insbesondere in den vor uns liegenden 20 Jahren an Bedeutung gewinnen werden:

  • Die Firma Pix4d zeigte dem interessierten Publikum, wie man die Düngebedürftigkeit z. B. des Getreidebestandes oder auch den Befall von Pilzkrankheiten mit Hilfe einer Drohne ermitteln kann.
  • Die Firma Claydon stellte eine Mulchsaatdrille vor, die Getreide in einer Doppelreihe säen kann, wodurch eine spätere Unkrautregulierung mithilfe von entsprechender Hacktechnik effizient möglich gemacht wird.
  • Verfahren des kombinierten Einsatzes von chemischer und mechanischer Unkraut-/Ungrasbekämpfung wurden von der Firma Schmotzer aufgezeigt und vorgeführt.

Der Ackerbau der Zukunft muss sich nicht nur auf veränderte Umweltfaktoren einstellen und sich gegen Witterungsextreme wappnen, sondern auch darauf, dass zukünftig der chemische Pflanzenschutz zunehmend eingeschränkt werden wird. Das hat zur Folge, dass sich Fruchtfolgen anpassen bzw. zwangsweise aufweiten bzw. auflockern müssen, die mechanische Unkraut-/Ungrasbekämpfung einen größeren größeren Stellenwert erlangen wird und dies auf das entsprechende Bodenbearbeitungssystem abgestimmt sein muss.

Der Feldtag wurde organisiert:

  • Landesbetrieb Hessisches Landeslabor
  • Fördergemeinschaft Kassel
  • Regierungspräsidium Gießen, Hessischer Pflanzenschutzdienst
  • Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung
  • Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

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