Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Freizeitgartenbau/Gartenakademie

Leinöl-Holzanstriche: Schutz auf natürlicher Basis

Sommertrockene Witterungsperioden sind ideal, um schützende oder auch farbenfrohe Holzanstriche an Zäunen, Gartenhütten, Türen, Toren, Holzfenstern, Fensterläden oder Holzrollläden durchzuführen. Wenn Sie die Struktur des Holzes sichtbar halten möchten, entscheiden Sie sich für farbige Lasuren. Einen besseren Witterungsschutz gewährleisten allerdings Vollfarben.

Vor einem Anstrich müssen Sie zunächst beachten, ob und wie Ihr Bauteil bereits vorbehandelt wurde. Insbesondere bei abblätternden Kunstharzfarben muss der alte Anstrich vor einem Neuanstrich mittels Schleifgerät oder ggf. Speedheater beseitigt werden, damit der künftige Anstrich haften kann.

Leinölanstriche – leider selten im Baumarkt erhältlich

Für sämtliche Innen- und Außenanstriche haben sich seit Jahrhunderten bis in die 1950er Jahre hinein leinölbasierte Anstrichprodukte bewährt, wurden aber trotzdem sukzessive durch moderne Kunststoffdispersionsfarben ersetzt, bis sie Ende des letzten Jahrtausends fast vollständig vom deutschen Markt verschwunden waren. Als sich um die Jahrtausendwende die Mängel verschiedenster Kunststoffdispersionsfarben gerade im Denkmalschutz offenbarten, gelangten reine Leinölanstriche im Rahmen der notwendigen fachgerechten Restaurierung von historischen Fenstern und Fachwerk durch Restauratoren und Fensterhandwerker von Schweden, wo sie traditionell weiterverwendet wurden, wieder nach Deutschland. Leider sind diese empfehlenswerten reinen Leinölfarbensortimente in der Regel nicht in herkömmlichen Baumärkten erhältlich. Sie erhalten diese Produkte allerdings in gut sortierten Ökobaumärkten oder über spezialisierte Internethändler.

Neuanstrich eines alten Garagentores – ein Praxisbericht

Holztor
Reaktivierung des Leinölfarbanstrichs mittels Leinöl nach ca. 6 Jahren
Das abgebildete Eichenholz-Garagentor stammt aus der Zeit zwischen 1961 und 1962 und ist nun rund 60 Jahre alt. Ursprünglich hatte das Tor eine Lasur erhalten, später wechselte man aufgrund der süd- und somit sonnenexponierten Lage auf eine vollfarbige Wetterschutzfarbe. Der letzte konventionelle Anstrich erfolgte im Jahr 2006. Bereits 7 Jahre später waren Holz und Anstrich derart spröde, dass eine Erneuerung des Wetterschutzes und Holzausbesserungsarbeiten (Risse) dringend angezeigt waren. Es stellte sich zu dieser Zeit die Frage, ob das bisherige Anstrichsystem der wasserverdünnten Wetterschutzfarbe sicherheitshalber fortgesetzt werden soll oder ob ein Systemwechsel in Richtung Leinölanstriche Vorteile für den weiteren Unterhalt und Erhalt des Holztores bietet.

Der relativ schlechte Zustand des Tores war letztlich der Grund, das Risiko eines Anstrichsystemwechsels einzugehen. Dieser wurde wie folgt vollzogen: Grobes Abschleifen des alten Farbanstriches mittels Schleifmaschine und per Hand. Danach Ausbessern vorhandener Risse mit Holzreparaturpaste. Anschließend erhielt das Tor einen Grundierungs- und Imprägnierungsanstrich mit roh gepresstem Leinöl. Nach der Abtrocknung (ca. 2 Tage) schlossen sich 3 dünne aufeinander folgende Farbanstriche mit Leinölfarbe und zwischenzeitlicher Trocknungsphase an. Zur Verbesserung der Haltbarkeit wurde dem Schlussanstrich etwa 1 % Leinöl-Standöl beigemischt. Eine niederschlagsfreie Woche war für diese Arbeit ideal.

Nach nunmehr 7 weiteren Jahren zeigt sich, dass sich der Zustand des Holztores nicht weiter verschlechtert hat. Im Gegensatz zu dem damals 7 Jahre alten, bereits sehr abgewitterten Farbzustand, war der jetzige Leinölfarbanstrich noch immer weitgehend tadellos, außer dass ein leichter Bindemittelverlust erkennbar war. Dieser wurde nun innerhalb einer ¾ Stunde mit einem Anstrich schnell trocknendem, gekochten Leinöl kompensiert. Somit ist das Tor nun wieder fit für die nächsten 5 bis 7 Jahre.

Was Sie noch wissen sollten…

Leinöl im Kanister
Natürlich, schnell, einfach und sauber - Leinöl (gekocht)
Holztor
Durch den Leinölanstrich erhält der Altanstrich wieder sein Bindemittel
Ein Leinölfarbanstrich hält i. d. R. viele Jahre. Zwischendurch reicht es meist aus, das Bindemittel (sprich Leinöl) mittels eines flotten Zwischenanstriches mit schnelltrocknendem, gekochten Leinöl durchzuführen, um den alten Anstrich wieder zu reaktivieren.

Im Gegensatz zu einem Leinölfarbanstrich entstehen bei einem reinen Leinölanstrich auch kaum Farbverschmutzungen, d. h. ein intensives Abkleben und Abdecken entfällt. Umso hartnäckiger gestaltet sich allerdings das Beseitigen von Leinölfarbspritzern. Konventionelle Lösungsmittel und Verdünner zeigen hier keine Wirkung. Hier ein Trick: derartige Verschmutzungen auf Wänden, Flächen, Textilien, Händen und Pinseln können Sie hervorragend mit flüssiger Leinölseife entfernen.

Übrigens eignen sich Leinölanstrichprodukte, die in allen möglichen Farbtönen erhältlich sind, auch hervorragend für Metallanstriche!

 


Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Durch die weitere Nutzung dieser Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen