Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Freizeitgartenbau/Gartenakademie

Hitzetolerante Pflanzen aus fernen Ländern

Dem Klimawandel mit Pflanzen aus wärmeren Ländern begegnen? Nicht jede ist geeignet!

Die Sommer werden bei uns in Deutschland heißer und trockener, die Winter dafür milder und feuchter. In den Städten müssen Pflanzen zudem mit extremer Hitze durch Aufheizung zurechtkommen.

Man könnte deswegen meinen, dass alle Pflanzen aus den wärmeren Ländern für unsere Gärten geeignet wären. Das Problem sind jedoch unsere feuchten Winter mit Kälteeinbrüchen. Einige Pflanzen sind frostempfindlich und/oder die Wurzeln werden bei zu viel Feuchtigkeit im Winter faulig.

Die Anforderungen an die Pflanzen sind also nicht gering: Sie müssen im Sommer längere Trockenzeiten ertragen, im Winter Nässeperioden, rasche Temperaturwechsel, Frost und zusätzlich – bei Pflanzen in der Stadt – extreme Hitze.

Pflanzen für diese extremen Standortbedingungen findet man in verschiedenen Teilen der Welt mit unterschiedlichen Anpassungsstrategien. Einige haben graue Blätter, teilweise auch mit Flaum, um die Sonnenstrahlung zu reflektieren oder sehr kleine, harte Blätter, um die Verdunstungsfläche zu reduzieren. Andere ziehen sich bei längerer Trockenheit in tiefgehende Wurzeln oder andere Speicherorgane zurück, um dann bei Niederschlag sofort wieder auszutreiben. Es gibt auch Pflanzen, die ein extrem flaches, weitreichendes Wurzelsystem ausbilden, um eventuellen Regen sofort aufnehmen zu können.
Aber: Alle diese Pflanzen brauchen einen durchlässigen und lockeren Boden, damit ihnen vor allem die Winterfeuchtigkeit nichts anhaben kann.

Mit Steppen- und Präriepflanzen das Sortiment ergänzen

Deswegen hat man nach ähnlichen Landschaftstypen gesucht, die das Sortiment der trockenheits- und hitzeverträglichen Pflanzen ergänzen können und ist unter anderem in den Steppen fündig geworden.

Als Steppen werden baumlose Gras- und Krautlandschaften der gemäßigten Zone bezeichnet. Diese Standorte sind geprägt vom kontinentalen Klima mit sommerlichen Trockenperioden und kalten Wintern. Zwei Steppenformen entsprechen am ehesten unseren klimatischen Bedingungen:

In den eurasischen Steppen (Vorkommen von der Donau bis zum Altai-Gebirge) dominieren vertikale und quirlständige Pflanzen, wie Salbei, Brandkraut, Steppenkerzen, zusammen mit Federgräsern, Schafgarben, Flockenblumen, Skabiosen und Zwiebelpflanzen wie Lauch-Arten und Tulpen.

Die nordamerikanischen Prärien sind z.B. geprägt von Gräsern (Rutenhirse, Indianergras, Prärie- oder Tautropfengras) und Korbblütler (Sonnenhut, Scheinsonnenhut, Mädchenauge, Sonnenbraut, Astern), die, im Gegensatz zu unseren heimischen Stauden, teilweise noch bis in den Herbst hinein blühen.

Die Pflanzen der eurasischen Steppe brauchen heiße, trockene und eher magere Standorte, die Präriestauden bevorzugen einen eher nährstoffhaltigeren Boden. Beiden Gruppen gemein sind die lockeren und durchlässigen Böden.

Auch in der mediterranen Hartlaubvegetation gibt es Pflanzen, die sich durch kleine, feste immergrüne Blätter an die Trockenzeiten angepasst haben, wie z.B. Dost, Lavendel, Heiligenkraut, Rosmarin, Wolfsmilcharten, Zistrosen, Baumheide und immergrüne Eichen. Durch die immergrünen Blätter sind diese Pflanzen in unseren Breitengraden allerdings etwas frostempfindlich. Bei der Verwendung in Deutschland muss man auf geschützte Standorte oder Abdeckung im Winter und vor allem auch hier auf einen durchlässigen und lockeren Boden achten, damit das Wasser im Winter gut abfließen kann. In den Weinbaugebieten mit entsprechenden klimatischen Bedingungen ist eine Verwendung dieser Pflanzen etwas einfacher.

Es gibt aber auch schon züchterisch weiter bearbeitete Pflanzen, die besser für unsere Temperaturen geeignet sind, als die Ursprungsformen.

Aus schweren Böden lockere machen

Um diese Pflanzen bei uns etablieren zu können, ist die Bodenvorbereitung sehr wichtig. Die Pflanzen benötigen einen lockeren und durchlässigen Boden. Wenn die Bodenvoraussetzungen nicht stimmen und der vorhandene Boden zu lehmig und fest ist, kann man durch die Einarbeitung von Sand, Splitt oder feinem Kies diesen lockerer und wasserdurchlässiger machen.

Siehe auch Beitrag Trockenstresstolerante Staudenmischpflanzungen


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