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Helleborus – die Königin der Winterblüher

Nein, mit der Rose, die im Weihnachtslied „Es ist ein Ros entsprungen“ besungen wird, hat die Christrose, die hier abgebildet ist, nichts zu tun. Die Liedverse beziehen sich auf eine Bibelstelle im Alten Testament (Jesaja 11,1).
Doch hat sich hier zum einen der – übrigens unbekannte – Autor der dichterischen Freiheit bedient und aus dem originalen „Reis“ (Zweiglein) eine „Rose“ gemacht, zum anderen sind „echte“ Rosen (Rosengewächse) und Christrosen (Hahnenfußgewächse) nicht miteinander verwandt, auch wenn die Blüten der Christrose der einer Heckenrose stark ähneln.

Dennoch hätte es die Christrose verdient, besungen zu werden. Schließlich ist sie eine der ältesten Kulturpflanzen, die uns in der kalten und dunklen Jahreszeit mit Blüten Freude bereitet.

Die Königin der Winterblüher: Helleborus – Christrose (H. niger), Lenzrose (H. orientalis)

Helleborus im Schnee
Helleborus im Schnee

Zahlreiche Geschichten und Sagen machen sie zu einer Symbolpflanze in der Advents- und Weihnachtszeit. Sie steht für Hoffnung, für Gesundheit, für Glück und ganz besonders für Kraft, denn sie schafft es, mitten im Winter zu blühen.

Die Gattung Helleborus – Nieswurz – gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) und zählt rund 20 Arten. Die Heimat der Christ- und Lenzrosen ist Mittel- und Südeuropa, hier kommt sie in Höhenlagen von bis zu 2000 Metern vor. Ein natürliches Vorkommen finden wir in Deutschland im Berchtesgadener Land. Helleborus ist nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt und Wildbienen freuen sich dort wie hier über diesen Winterblüher.

Ob in einem Gefäß auf Balkon und Terrasse oder ausgepflanzt im Garten oder auf dem Friedhof, Helleborus findet an vielen Orten Verwendung. In Töpfen und Schalen wird sie gern mit kleinen Zwergkoniferen, Ilex (Stechpalme), Gaultherien (Scheinbeere) oder mit gesteckter Tanne kombiniert.

Je nach Art und Sorte wird Helleborus 15 bis 50 cm hoch. Die robuste, widerstandsfähige Pflanze bevorzugt einen leicht schattigen Standort. Im Garten wächst sie auf einem leicht alkalischen, tiefgründigen und nährstoffreichen Boden besonders üppig. Staunässe mag diese langlebige Staude nicht; an geeigneten Standorten kann sie sogar 25 Jahre alt werden.

Raffinierter Schutzmechanismus gegen Frost

Soll die Pflanze mehrere Jahre in einem Kübel stehen, so ist auf eine ausreichende Größe des Gefäßes zu achten. In einer hochwertigen Blumenerde, eventuell mit lehmhaltigem Gartenboden gemischt, und mit einer guten Drainage versehen, kann sie sich auch hier einige Jahre wohl fühlen. Der Wurzelbereich sollte jedoch vor Frost geschützt werden. Denn als immergrüne Staude benötigt Helleborus auch im Winter Wasser. Ist dieses im Wurzelbereich gefroren, können die Wurzeln kein Wasser aufnehmen.
Spannend ist der Mechanismus, den Helleborus gegen das Erfrieren einsetzt. Bei Frosttemperaturen scheint es manchmal so, als würde sie erfroren sein, weil ihre Blätter und Blüten auf dem Boden liegen. Die Pflanzen entziehen den Zellen Wasser, wodurch die Salzkonzentration in den Zellen erhöht wird. Das Restwasser in den Zellen gefriert dadurch nicht. Steigen die Temperaturen, füllt die Pflanze ihre Zellen wieder mit Wasser, der Zelldruck steigt und sie richtet Blüten und Blätter wieder auf. Diese Schutzreaktion gegen Frost findet man bei Pflanzen, die natürlicherweise häufigen Temperaturwechseln um den Gefrierpunkt ausgesetzt sind.

Christrose oder Lenzrose?

Die ganzjährig grünen Blätter sind dunkelgrün, robust, etwas ledrig und gefächert. Die Blüte erscheint – je nach Art und Sorte – von Herbst bis in das Frühjahr hinein.

Christrose; Foto: angelinaelv - pixabay
Christrose; Foto: angelinaelv - pixabay
Lenzrosen; Foto: annacapictures - pixabay
Lenzrosen; Foto: annacapictures - pixabay

Die Christrose (H. niger) blüht, wie ihr Name schon sagt, ab November bis März/April. Die traumhaft schönen, auffallend großen, rein weißen Blüten der Christrose sind der Klassiker. Sie können sich zum Ende hin leicht rosa färben und schließlich vergrünen. Neue Züchtungen haben das Farbspektrum enorm erweitert.

Lenzrosen (H. orientalis) sind meist größer und blühen ab Januar bis in den April/Mai hinein. Während die Blüten bei der Lenzrose eher hängen, stehen sie bei der Christrose aufrecht. Die große Farbvielfalt (besonders bei H. orientalis) reicht von weiß über creme zu rosa, lila und dunkelviolett. Gesprenkelte und geaderte Blütenzeichnungen wirken besonders faszinierend. Ihre Wirkung kann in Kombination mit Gräsern und Blattschmuckpflanzen besonders herausgehoben werden.

Die Gärtnerei in ihrer Nähe hat Helleborus in faszinierenden Sorten, Variationen und Kombinationen im Sortiment. Natürlich finden Sie hier auch weitere attraktive Winterblüher für drinnen und draußen. Mit seinen kräftig oder dezent gefärbten Hochblättern gehört der Weihnachtsstern in der dunklen Jahreszeit in jedes Wohnzimmer. Auch der Weihnachtskaktus (Schlumbergera-Hybriden), Bromelien in ganz außergewöhnlichen Arten und Sorten, Azaleen in ihrer großen Farbvielfalt, das traditionelle Alpenveilchen (Cyclamen) und viele andere mehr. Und ganz sicher stehen die farbenfrohen Primeln mit einigen Neuheiten schon in den Gewächshäusern bereit.