Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Grünland & Futterbau

Aktuelles zum Grünland und Futterbau

Die Trockenheit führte auch 2020 wieder zu teilweise dramatischen Ertragsausfällen im Futterbau, brachte aber auch weitere Probleme mit sich wie „Güllewürste“, explodierende Mäusebestände oder eine verstärkte Ausbreitung von Giftpflanzen. Wie ist mit Schädlingen umzugehen, welcher Nachsaatzeitpunkt hat sich bewährt und was kann jetzt getan werden, um das Futterjahr 2021 optimal vorzubereiten?

Mäusebefall abschätzen

Sitzstange für Greifvögel mit langlebigem Metallfuß
Sitzstange für Greifvögel mit langlebigem Metallfuß

Der Mäusebefall im Grünland ist, im Vergleich zum Vorjahr, nochmal deutlich angestiegen. Auch Schäden durch Engerlinge (Käferlarven) traten gehäuft auf.

Wer sich unsicher ist, wie viel Mäuseaktivität noch auf der Fläche vorhanden ist, kann die Lochtretmethode anwenden. Dies ist besonders dann ratsam, wenn die Befürchtung besteht, der Mäuseschaden könnte über Winter weiter zunehmen und die Herbstnachsaat zunichtemachen.
Auf einer Fläche von 250 m2 werden die Mäuselöcher zugetreten/verschlossen. Sind nach 24 Stunden 5 bis 8 Löcher wieder geöffnet, entspricht dies einem Befall von ca. 80 bis 120 Mäusen/ha. Damit wäre auch die Schadschwelle für den Einsatz Zinkphosphid-haltiger Präparate erfüllt. Die Auflagen zur chemischen Mäusebekämpfung hat der Pflanzenschutzdienst auf seiner Website zusammengefasst.

Gleichzeitig sollten weitere Bekämpfungsmaßnahmen ergriffen werden, wie das Aufstellen von Sitzstangen (quer zur Hauptwindrichtung), Beweidung (Tritt vergrämt die Tiere) und das Kurzhalten der Bestände, damit Vögel die Beutetiere leicht ausmachen können.

Nachsaat einer Neuansaat vorziehen

Grundsätzlich muss das Risiko durch Mäuse oder Frostschäden, im Falle einer sehr späten Herbstnachsaat, mit den Erfolgsaussichten einer Frühjahrsnachsaat abgewogen werden. Besonders in den letzten Jahren zog die Frühjahrsnachsaat meist den Kürzeren.
Ein Umbruch sollte allerdings das letzte Mittel bleiben. Die Stickstoff- und Kohlenstoffmobilisation und damit letztlich der Humusverlust, der mit dem Umbruch einhergeht, sorgt für eine nachhaltig verringerte Wasserhaltekapazität des Bodens.
Oft sind die Erträge in den ersten 3 bis 5 Jahren nach dem Umbruch noch überdurchschnittlich, auch aufgrund der organischen Umsetzungsaktivität im Boden. Im Zuge der Neuanlage werden zudem meist auch Kalk ausgebracht und im Optimalfall ertragreichere Sorten angebaut. Die negativen Folgen des Umbruchs werden daher oft erst nach Jahren sichtbar, bleiben dafür aber Jahrzehnte! Die umbruchlose Grünlandverbesserung ist meist auch die günstigere Alternative.

Den optimalen Nachsaatzeitpunkt finden

Keimlinge nach der Nachsaat mit Deutschem Weidelgras, erkennbar an dem roten Fuß0
Keimlinge nach der Nachsaat mit Deutschem Weidelgras, erkennbar an dem roten Fuß

Wurde nachgesät, sind die ersten Erfolge der Herbstnachsaat bereits sichtbar: Weidelgraskeimlinge, die bereitstehen, um über Winter Bestandslücken zu füllen und ihren Beitrag zum 1. Schnitt 2021 zu leisten. Tipp für die Erfolgskontrolle der Nachsaat: Zu Anfang fällt es leichter, die Keimlinge in den größeren Lücken zu suchen. Auffällig ist dabei der rote Fuß des Dt. Weidelgrases. Ist das Auge geübt, lassen sich die Jungpflanzen später auch im dichteren Bestand leichter ausmachen.

Auch dieses Jahr schien der August wieder ein günstiger Zeitpunkt für die Nachsaat gewesen zu sein. Die heißen Wochen Anfang August, sorgten für gute Voraussetzungen zur Bekämpfung der Gemeinen Rispe. Diese trocknet schnell ein und lässt sich dann leicht mit dem Grünlandstriegel aus dem Bestand kämmen. Die hohen Bodentemperaturen und folgenden Niederschläge sorgten für ein schnelles Keimen der Samen. Regen blieb dann aber die folgenden Wochen aus. Im September zeigten sich einige Flächen so verbrannt, dass die Sorge um die Nachsaat groß war.
Einige Betriebe hatten zweimal gestriegelt: im August zur Ungrasbekämpfung und erst bei der zweiten Überfahrt im September/Oktober wurde nachgesät und, im besten Fall, angewalzt.

Ob sich die doppelte Überfahrt wirklich gelohnt hat, wird sich erst im nächsten Jahr zeigen. Fakt ist aber, dass alle August-Nachsaaten, die von der Autorin begleitet wurden, diese späte Trockenheit überstanden haben.

Die Situation im Ackerfutterbau

Im Ackerfutterbau machte die späte Trockenheit ebenfalls Probleme. Die Aussaat wurde zum Teil sehr lange hinausgezögert, sodass manche Futterleguminosen nun sehr jung in den Winter gehen werden.

Die August-Blanksaaten liefen zwar verzögert und zum Teil ungleichmäßig auf, haben sich aber an den meisten Standorten mittlerweile zu stabilen Beständen entwickelt, sodass ein Pflegeschnitt vor Winter möglich und sinnvoll ist.

Die letzte Nutzung

Luzernegrasbestand im 2. Nutzungsjahr: Trockenstress und Mäusebefall, typisch für das Futterjahr 2020
Luzernegrasbestand im 2. Nutzungsjahr: Trockenstress und Mäusebefall, typisch für das Futterjahr 2020

Bei Rotklee und besonders Luzerne sollte darauf geachtet werden, dass die letzte Nutzung nicht unmittelbar vor den ersten Frösten erfolgt. Je nach Wetterbericht kann es daher sinnvoll sein, die letzte Nutzung/den Pflegeschnitt lieber in den November zu verschieben. Besonders jetzt ist es wichtig, nicht zu tief zu mähen (8 cm), damit die Pflanzen Reserven haben und möglichen Frostschaden besser ausgleichen können.

Zu Vegetationsende sollte auch der Dauergrünlandbestand nicht wesentlich höher als 10 cm sein, da ansonsten das Risiko für Pilzinfektionen und spätere Auswinterung deutlich steigt. Gemulcht werden sollte nur in Ausnahmefällen, da das Mulchmaterial Mäusen Deckung bietet und Brutstätte für Pilze (z.B. Schneeschimmel) ist. Besser ist dann die Beweidung, z.B. mit Jungrindern, Trockenstehern oder durch den Wanderschäfer. Kontakt zu Wanderschäfern, die Flächen für die Winterbeweidung suchen, kann über den Hessischen Verband für Schafzucht und -haltung (Ansprechpartner: Arnd Ritter, LLH Kassel) hergestellt werden.

Nährstoffversorgung und Bodenstruktur optimieren

Der Winter sollte auch dazu genutzt werden, um Bodenproben auf Aktualität zu prüfen und besonders die pH-Werte nochmal kritisch zu hinterfragen. Der Zeitpunkt für eine Kalkung ist nun günstig, aufgrund der folgenden Winterniederschlägen aber auch wegen des großen Zeitfensters, bis zur nächsten Güllegabe und Nutzung.

Ab pH-Werten unterhalb von 6 geht die Nährstoffverfügbarkeit im Boden deutlich zurück. Bei pH-Werten von 4,5, die in der Praxis nicht selten sind, liegt die Stickstoffverfügbarkeit bspw. bei nur noch 30 %. Rund Dreiviertel des ausgebrachten Stickstoffs werden also nicht von der Pflanze aufgenommen.

Ähnlich gehemmt ist die Kaliaufnahme (vgl. Tabelle). Dabei erhöht Kalium die Trockentoleranz in der Pflanze, indem es Zellwände stärkt, Wurzelbildung fördert und die Photosyntheseleistung verbessert.

Pflanzenverfügbarkeit von Nährstoffen in Abhängigkeit zu Boden-pH, nach CELAC, 2005

pH-Wert Pflanzenverfügbarkeit der eingesetzten Nährstoffe
Stickstoff Kalium Phosphat
7 100 100 100
6 89 100 52
5,5 77 77 48
5 43 53 31
4,5 30 33 23

Kalium ist auch für die Regulation des Wasserhaushaltes im Boden enorm wichtig. Es begünstigt die Bildung von Mittelporen, die wiederum pflanzenverfügbares Wasser speichern. Die nutzbare Feldkapazität des Bodens wird durch eine ausreichende Kaliumversorgung nachhaltig verbessert.

Während der Trockenheit 2020 stachen gut ernährte Grünlandschläge daher als grüne Inseln aus der Landschaft hervor.

Ausgeglichene pH-Werte fördern zudem die Regenwurmaktivität, besonders in den tieferen Bodenschichten bis 1m. Pflanzen nutzen Regenwurmgänge als Wurzelleitbahnen. Sie erschließen so tiefere Bodenschichten und durchdringen auch verdichtete Horizonte. Während Trockenphasen können dann auch tiefer liegende Wasserreserven noch genutzt werden. Durch eine Festmistdüngung lässt sich dieser Effekt nochmal verstärken und die Bestände sind optimal auf den nächsten Trockenstress vorbereitet.

Weitere Informationen zum  Kalken im Grünland, Düngeempfehlungen

Saatgutverfügbarkeit: Bereits im Januar vorbestellen!

Auch in diesem Herbst kam es wieder zu Saatgutengpässen. Insbesondere die empfohlenen Sorten und Mischungen waren schnell ausverkauft. Nicht selten mussten dann Qualitätsansprüche hintenanstehen.

Daher bereits jetzt der Aufruf: Wer sich im Winter mit Grünland- und Ackerfuttersaatgut eindeckt, hat die größere Auswahl und im Herbst weniger Stress. Mit 5 bis 10 kg GV (mit empfohlenen Sorten!) pro Hektar ist man im kommenden Herbst auf der sicheren Seite. Auch die betrieblichen Ackerfuttermischungen können über Winter nochmal kritisch hinterfragt werden. Sie sollten dann aber frühzeitig bezogen werden, auch wenn die Aussaat erst im Herbst erfolgen soll.

Aktuelle Mischungs- und Sortenempfehlungen


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