Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Grünland & Futterbau

Ampferbekämpfung

Besonders im Trockenjahr 2018 konnte man landauf, landab braune Samenstand-Skelette des Ampfers auf den Grünlandflächen bestaunen. Aufgrund seiner Pfahlwurzel kam der Ampfer vergleichsweise gut mit der Trockenheit zurecht. Da gleichzeitig nach dem ersten Schnitt kein „erntewürdiger“ Aufwuchs nachschob und oft ein Pflegeschnitt ausblieb, konnten einige Ampfer-Bestände ungestört bis zu drei Generationen Samen bilden.

Vermehrung verhindern und Ausbreitung stoppen

Ampfer Samenstände
Pfahlwurzel und hohe Samenproduktion in Kombination mit einer langen Keimfähigkeit machen den Ampfer zum Überlebenskünstler

Neben der Gemeinen Rispe ist der Stumpfblättrige Ampfer DAS Unkraut des intensiven Wirtschaftsgrünlands. Mit seiner großen Rosette und der hohen Vermehrungsrate ist er vor allem ein Platzräuber, der schnell für deutliche Ertragseinbußen sorgen kann.

Er ist ein äußerst ausdauerndes Samen- und Wurzelunkraut. Die Samen des Lichtkeimers besitzen eine Keimfähigkeit von bis zu 70 Jahren. Etwa 7000 Samen produziert jede Pflanze pro Jahr. Betrachtet man das Samenpotential im Boden, so ist es nicht verwunderlich, dass der Ampfer schnell jede Lücke in der Grasnarbe besiedelt, die sich ihm bietet und i. d. R. ein „chronisches Problem“ ist, sodass die Ampferbekämpfung ein fester Bestandteil in der routinemäßigen Grünlandpflege sein muss.

Neben der generativen Vermehrung, durch äußerst robuste Samen, die auch die Silierung, Pansenpassage und letztlich Lagerung in der Gülle zu etwa 50 % überstehen, vermehrt er sich auch vegetativ, durch Wurzelausläufer. Ein „Ampfer-Problem“ wird also nie von jetzt auf gleich entstehen und sich auch nie von selbst lösen.

Mechanische Bekämpfung

Bei der mechanischen Ampferbekämpfung wurden überraschend gute Ergebnisse durch eine intensive Nutzung erzielt. Inspiriert von den positiven Berichten einiger Betriebe, die Kurzrasenweide betreiben, wurden Versuche angelegt, bei denen die Kurzrasenweide durch eine hochfrequentierte Schnittnutzung imitiert wurde. Das Ergebnis: nach bis zu 17 Schnitten zeigte sich an den einzelnen Standorten ein Wirkungsgrad von etwa 90 %, was ungefähr dem Wirkungsgrad des Ampferstechers und des chemischen Pflanzenschutzes entspricht. (Roth W., DLR Eifel 2016: AMPFERBEKÄMPFUNG IM GRÜNLAND).

Chemische Bekämpfung

Bekämpfungsstadium und Mittelwahl

Ampfer im Rosettenstadium
Die chemische Ampferbekämpfung sollte mit Erscheinen des Blütenstandes beginnen

Der Pflanzenschutzdienst des RP Gießen stellt eine Übersicht der Grünlandherbizide bereit.
Das beste Stadium zur Ampferbekämpfung ist das Erscheinen des Blütenstandes. Dieses Stadium muss zwischen 2 Nutzungen erreicht werden. Bei hoher Schnittfrequenz (4-5 Nutzungen) müssen die Pflanzen in kurzer Zeit (etwa 4-6 Wochen) bis zum nächsten Schnitt ausreichend Blatt- und damit Aufnahmefläche bilden. Nach der PSM-Behandlung muss die mittelspezifische Wartezeit bis zur folgenden Nutzung eingehalten werden.

Mittel mit sehr kurzer Wartezeit bei wie z.B. Lodin (bei Schnittnutzung 5 Tage) sind daher für den 5-Schnitt-Betrieb besonders interessant.

Simplex, hat zwar einen höheren Wirkungsgrad, sowie gute Distelwirkung und eine Wartezeit von 7 Tagen, ist aber aufgrund seiner spezifischen Auflagen nur für Betriebe interessant, die keinen Wirtschaftsdünger abgeben. Aufgrund des relativ hohen Preises eignet es sich besonders für die Einzelpflanzenbehandlung.

Ranger hat ein ebenfalls sehr breites Wirkungsspektrum (auch gegen Brennnessel und Löwenzahn), ist etwas günstiger als das Simplex und hat eine Wartezeit von 14 Tagen. Ranger und Simplex haben beide eine gute Gräserverträglichkeit und können daher auch in der frühen Vegetationszeit (1-3 Schnitt) eingesetzt werden.

Harmony SX zeigt bei günstigem Preis eine gute Ampferwirkung allerdings auch, als einziges kleeschonendes Mittel, eine geringere Wirkungsbreite. An sehr warmen Tagen (über 25°C) und bei kalten Nächten (unter 8°C) wurde eine Gräserunverträglichkeit festgestellt, die zu Einkürzungen von bis zu 30 % führte (Roth W., 2016).

Flächenbehandlung Einzelpflanzenbehandlung Wartezeit in Tagen Kleeschonung
Mittel Aufwand / ha ca. € / ha Konzentration auf 10 L Wasser
Harmony SX 45 g 68 1,50 Rückenspritze
3,75 g Dochtstreicher
14 Ja
Ranger 2,0 L 91 4,0 % g Rotoweiper 14 Nein
Lodin 2,0 L 41 5 Nein
Simplex 2,0 L 112 100 mL 7 Nein

Quelle: Roth W., DLR Eifel 2016: AMPFERBEKÄMPFUNG IM GRÜNLAND; Wartezeit Lodin aktualisiert

Behandlungszeitpunkt

Für Heuwiesen, die i.d.R. nach der Samenbildung des Ampfers beerntet werden, ist eine Behandlung vor dem 1. Schnitt anzuraten, damit das Aussamen auf der Fläche unterbunden wird. Auf Siloflächen kann ab dem 2. Schnitt bis etwa zum 10. Oktober eine Behandlung erfolgen. Zwischen dem 3. und 4. oder 4. und 5. Schnitt kommt es darauf an, eine Phase zu erwischen, in der es nicht zu heiß ist (unter 25° Grad) da ansonsten der Ampfer deutlich schneller in die Samenbildung kommt (Notreife) und dann die PSM Aufnahme deutlich herabgesetzt ist.

Einzelpflanzen- und Nachbehandlung

Die begrenzte Gräserverträglichkeit und die Kosten der PSM-Maßnahme sind zwei wesentliche Argumente für die Einzelpflanzenbekämpfung. Nach einer vollflächigen Behandlung sollte in jedem Fall versuchte werden, eine jährliche Einzelpflanzenbehandlung als festen Bestandteil im betrieblichen Grünlandmanagement zu integrieren.

Ein Fortschritt, bezogen auf die Reduktion des PSM-Einsatzes, kann es aber auch sein, wenn turnusmäßig, alle 3 Jahre, eine Teilflächenbehandlung durchgeführt wird.

Nach der Ampferbehandlung sollte eine Nachsaat mit etwa 10 kg GV (rotes Etikett!) erfolgen, um geschwächte/ausgefallene Gräser zu ersetzen und um die Lücken, die der abgestorbene Ampfer hinterlassen hat, zu schließen.

Zukünftig kann durch die Vermeidung von Narbenschäden sowie die Durchführung von Pflegeschnitten und Bekämpfungsmaßnahmen eine Ausbreitung / „Wiederaufflammen“ des Ampferbesatzes vorgebeugt werden.


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