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Herbstzeitlose: Jetzt mulchen!

Dürrejahre, mangelnde Kalkung und insgesamt unzureichende Grünlandpflege aber auch Überschwemmungen, mit denen die Samenkapseln weitergetragen wurden, haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass die Herbstzeitlose auf vielen Flächen einwandern konnte bzw. der Besatz deutlich zugenommen hat.

Da es sich um eine ausgesprochen giftige Pflanze handelt, die auch in der Futterkonserve einer Nulltoleranzgrenze unterliegt, sind unbedingt Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Besonders effektiv ist die mechanische Bekämpfung.

Die Herbstzeitlose kann durch 2-maliges Mulchen im Abstand von 4-6 Wochen, jeweils bei Erscheinen der Samenkapsel, ab Mitte/Ende April, erfolgreich zurückgedrängt werden. Die Variante des zweimaligen Mulchens zielt auf das Aushungern der Pflanze ab. Der einmalige Mulchgang reduziert lediglich das Samenpotential auf der Fläche.

Nach dem Winter treibt die Herbstzeitlose im Frühjahr aus und wird zum Erscheinen der Samenkapsel (etwa Mitte/Ende April) eingekürzt. Dabei ist es wichtig, ausreichend tief und langsam zu mulchen, um möglichst viele Samenkapseln anzuschlagen (3km/h langsam und 3 cm tief). Da sich nie alle Pflanzen im gleichen Entwicklungsstadium befinden, werden einige Pflanzen erneut austreiben. Diese Samenkapseln werden dann mit dem 2. Mulchgang (etwa 4-6 Wochen später) erfasst. Außerdem wird die Pflanze somit erneut empfindlich geschädigt und nachhaltig geschwächt. Auf eine Frühjahrsdüngung sollte im Behandlungsjahr verzichtet werden, um eine dicke Mulchmatte zu vermeiden. Ab Juni zieht sich die Herbstzeitlose dann geschwächt in die Sommerruhe zurück. Der folgende Aufwuchs kann genutzt werden. Da mit dem tiefen Mulchgang auch eine Schädigung der Altnarbe zu erwarten ist, sollte die Maßnahme mit einer an Standort und Nutzung angepassten Nachsaat kombiniert werden. Die Nachsaat sollte ab Mitte August, nach einer Nutzung, erfolgen, möglichst in Verbindung mit einem kräftigen Striegelgang. In jedem Fall sollten empfohlene Sorten zum Einsatz kommen. Je nach Bodenprobe kann der folgende Winter für eine Kalkung genutzt und im Frühjahr die Phosphor- und Kaliumversorgung des Bodens, durch entsprechende Düngung, ausgeglichen werden.

Die Praxis hat gezeigt: der Wirkungsgrad kann im ersten Jahr bereits 90% betragen, sodass die restlichen Pflanzen in den Folgejahren, dann auch händisch ausgestochen werden können. Versuche zeigen: Nach 3 Jahren ist ein Wirkungsgrad von 100% möglich. Um Futterverluste zu reduzieren, können stark befallene Teilflächen im Herbst ausgesteckt und dann im Frühjahr gezielt bearbeitet werden. Außerdem eignet sich der Herbst hervorragend für die Erfolgskontrolle der Bekämpfungsmaßnahme.

Wichtig:

Handelt es sich bei den Flächen um Vertragsnaturschutz- oder HALM-Flächen, müssen mögliche Maßnahmen unter Berücksichtigung der Schutzziele von den zuständigen Verwaltungsstellen (Naturschutzbehörden, Abteilungen Landwirtschaft beim Landrat) erwogen und bewilligt werden.

Lesen Sie zu diesem Thema auch unseren Beitrag: Herbstzeitlose – jetzt Flächen für die Frühjahrsbekämpfung ermitteln (Stand: Herbst 2019)