Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Grünland & Futterbau

Vogelmiere im Dauergrünland auf stark betroffenen Schlägen jetzt bekämpfen

Die Vogelmiere (Stellaria media) gehört seit je her zur Begleitvegetation im Dauergrünland. Die zweijährige Pflanze gilt als Wildkraut, dem z.T. eine Heilwirkung nachgesagt wird (Entschlackung, lindert Verbrennungen, Entzündungen etc.).

Die Dosis macht das Gift – ab einem Deckungsgraden von etwa 10-15% sind Maßnahmen zur Bekämpfung der Vogelmiere angeraten

Ab Grünmasseanteilen von 5 %, die am ehesten auf früh genutzten Siloflächen erreicht werden, kann sie jedoch zu Leistungsabfall, Stoffwechsel- und Fruchtbarkeitsproblemen bei Rindern führen. Diese Bekämpfungsschwelle entspricht einem Deckungsgrad von etwa 10 – 15 %.

Besonders wohl fühlt sich das Kraut in lückigen Grasnarben auf gut versorgten Böden in sonnigen, schnell erwärmenden Lagen. Betroffen sind meist Betriebe mit hoher Viehbesatzdichte oder intensive Standweiden, besonders dann, wenn durch Trockenheit, Überbeweidung etc. die Narben lückig und anschließend im Herbst nicht rechtzeitig durch eine Nachsaat geschlossen wurden. Oft fällt der Besatz erst im Folgejahr auf, wenn das erhöhte Samenpotential im Boden zum Tragen kommt. Ein warmes Frühjahr, wie es sich auch in diesem Jahr abzeichnet, begünstigt die Ausbreitung ebenfalls.

Bei absehbarer Frühjahrstrockenheit, ist die Nachsaat mittels Direktsaat die sichere Alternative zum Striegel

Gleichzeitig stellt die Bekämpfung im Frühjahr die Bewirtschaftenden vor eine besondere Herausforderung. Zu diesem Zeitpunkt lässt sich die Vogelmiere nur begrenzt mittels Striegeln mechanisch bekämpfen, da die Pflanzen aufgrund des Winterwassers fest im Boden verwurzelt sind bzw. schnell wieder anwachsen. Alternativ sollte über eine frühe intensive Beweidung nachgedacht werden, sofern die Bestandsanteile noch im Rahmen liegen und die Böden trittfest sind.

Zur Behandlung gegen Vogelmiere sind außerdem Fluroxypyrhaltige Produkte zugelassen. Hier reichen folgende Teilaufwandmengen: Taipan/Lodin ab 0,9 L/ha, Ranger ab 1,2 L/ha, Simplex (Auflagen beachten) ab 1,8 L/ha. Soll Ampfer miterfasst werden, ist die volle Aufwandmenge nötig. Mit Blick auf den anstehenden 2. Schnitt sind die unterschiedlichen Wartezeiten der einzelnen Mittel zu berücksichtigen. Da für optimale Wirkungsgrade im Pflanzenschutz möglichst 3 bis 5 frostfreie Nächte abgewartet und die entstehenden Lücken schnellstmöglich per Nachsaat geschlossen werden sollten, ist das Zeitfenster sehr eng.

Je früher die Nachsaat erfolgt, umso eher kann das Saatgut in den noch niedrigen Bestand ausgebracht werden und findet den notwendigen Bodenschluß. Mit Blick auf eine mögliche Frühjahrstrockenheit, ist die Direktsaat dem Striegel vorzuziehen und anschließendes Anwalzen unbedingt angeraten. Außerdem ist die Sortenempfehlung zu berücksichtigen, um anschließende Ausfälle durch Spätfröste zu minimieren.

Die nötigen Betriebsmittel wie Technik, Zaun, Pflanzenschutz und Saatgut sollten daher rechtzeitig beschafft werden, damit die Bekämpfungsmaßnahme erfolgen kann, sobald die Witterung es zulässt.


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