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Hohe Temperaturen und fehlender Regen machen den Maisbeständen zu schaffen

Anders als das Vorjahr, das zeitweise kühl und nass verlief, ist das Jahr 2022 bisher in vielen Regionen deutlich zu warm und zu trocken. Bereits im Mai führte warme und trockene Witterung dazu, dass die Bodenfeuchte unter die jahreszeitlich üblichen Werte gesunken ist. Besonders auf leichten Böden gerieten die jungen Maispflanzen so bereits in Trockenstress.

Bis in den Juni hinein kam es dann in einigen Regionen zu vereinzelten Regen-/Gewitterereignissen, was die Situation regional etwas entspannte. Der Juli hingegen blieb in ganz Hessen zu warm und zu trocken. Bleibt der Regen weiterhin aus, ist auf vielen Standorten mit einer unterdurchschnittlichen Ernte zu rechnen.

Andauernde Trockenheit kann für viele Maisbestände zum Problem werden

Mais besitzt als C4-Pflanze zwar einen vergleichsweise geringen Bedarf an Wasser zur Produktion von pflanzlicher Substanz, dennoch führt Trockenstress natürlich auch beim Mais zu erheblichem Ertragsverlust. So werden Wachstum und Kolbenbildung beeinträchtigt, wenn Wassermangel früh zu Blühbeginn einsetzt. Während der Blüte führt Wassermangel in Verbindung mit Hitze zu unzureichender Befruchtung. Bei Wassermangel nach Abschluss der Befruchtung wird die Assimilation in den Kolben blockiert. Der Wasserbedarf von Mais steigt mit Beginn des Schossens stark an, wenn die Biomasseproduktion intensiv zunimmt. Besonders im Juli und August während des Längenwachstums und der Kornausbildung ist der Wasserbedarf sehr hoch. Das Ausmaß eines Schadens der Stresseinwirkung ist somit nicht nur von der Intensität, sondern auch von der Dauer und dem Zeitpunkt der Einwirkung abhängig.

Je nach Region, Standort und Wasserversorgung ist die Entwicklung der Bestände in diesem Jahr sehr unterschiedlich und somit ist auch die Reifeansprache und der Erntezeitpunkt nicht einfach zu bestimmen. Auf leichten Böden und bei ausgebliebenen Niederschlägen weisen die Pflanzen einen verminderten Wuchs auf. Teilweise blieb die Blüte aus und die Bestände bildeten keinen Kolben aus. Daher sollten die Bestände regelmäßig kontrolliert werden, um trotz der schwierigen Bedingungen einen möglichst günstigen Erntezeitpunkt einzuhalten. Dabei ist die Einschätzung des Bestandes hinsichtlich Kolbenanteil und die Beobachtung der Restpflanzenabreife besonders wichtig. Eine Maispflanze kann noch assimilieren, d.h. sie bildet Zucker und lagert diesen als Stärke im Kolben ein, wenn sie noch ausreichend grüne Blätter aufweist (mindestens die halbe Pflanze ist noch grün). Sortenabhängig liegt der optimale TS-Gehalt der Gesamtpflanze im Bereich von 30 – 36 %. Werte unter 28 % bergen das Risiko erhöhter Sickersaftbildung, bei zu hohen Werten hingegen kann es zu Problemen im Hinblick auf die Verdichtung kommen. Maisbestände mit mangelhaft eingekörnten Kolben bis hin zu kolbenlosen Bestände sollten zügig geerntet werden. Die Ernte in Beständen, die kaum bis gar keinen Kolben gebildet haben, sollte stattfinden bevor eine weitere Alterung der Restpflanze die Energiedichten absinken lässt. Kolbenlose Bestände sind demnach mit vergleichsweise niedrigen TS-Gehalten zu ernten. Durch die Abweichungen und Schwankungen des TS-Gehaltes werden zudem hohe Anforderungen an das Silagemanagement gestellt. Insgesamt muss bei niedrigeren Kolbenanteilen mit einer verminderten Futterqualität gerechnet werden.

Als Orientierungshilfe zur Einschätzung der Silomaisabreife stellt auch in diesem Jahr das Deutsche Maiskomitee (DMK) wieder MaisProg, die Erntezeitprognose für Silomais, online zur Verfügung. Die Erntezeitprognose basiert auf täglichen Wetterdaten, wie etwa Temperatur, Globalstrahlung, Niederschlag und dem daraus abgeleiteten pflanzenverfügbaren Bodenwasser. Zudem werden wichtige Faktoren wie Sorte, Aussaattermin und Bodenart berücksichtigt. Daraus wird der aktuelle TS-Gehalt der Ganzpflanze berechnet und das Erntedatum prognostiziert.

„MaisProg“ das Erntezeitprognosemodell für Silomais ist ab sofort wieder online verfügbar unter der Adresse: www.maisprog.de