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Rohrschwingel-Untersaat – eine Alternative zu Zwischenfrüchten nach Silomais?

Silomais stellt ein wichtiges Grundfuttermittel in der Rinderfütterung dar, birgt jedoch bei nicht angepasster N-Versorgung das Risiko einer erhöhten Nitratverlagerung in das Grundwasser und führt bei höheren Anteilen in der Fruchtfolge zu einer Abnahme des Bodenkohlenstoffgehaltes. Zwischenfrüchte können das Ausmaß von Nährstoffverlusten und der Abnahme des Humusgehaltes reduzieren. In der Praxis stellen Welsches Weidelgras und Winterroggen nach wie vor die wichtigsten Arten für den Winterzwischenfruchtanbau dar. Die N-Aufnahme wird jedoch stark durch den Aussaattermin und die Witterungsverhältnisse beeinflusst und kann von über 100 kg N/ha in milden Wintern bis zu weniger als 10 kg N/ha bei ungünstigen Witterungsverhältnissen variieren.

Untersaaten: für frühe Einsaat nur Arten mit langsamer Jugendentwicklung

Maispflanzen, dazwischen als Untersaat Deutsches Weidelgras
Untersaat im Mais, hier Deutsches Weidelgras

Eine Strategie, die Nachteile einer Zwischenfrucht-Aussaat nach der Maisernte zu umgehen, besteht in der Einbringung von Untersaaten. Untersaaten haben zudem den Vorteil, dass auch Probleme durch Erosion vermieden und die Befahrbarkeit verbessert werden kann. Werden konkurrenzstarke Arten, wie Deutsches oder Welsches Weidelgras genutzt, sollte eine Einsaat frühestens im 3-4 Blatt Stadium bzw. bei Kniehöhe des Maisbestandes erfolgen. Die optimale Zeitspanne für die Einsaat ist also relativ kurz und der Etablierungserfolg stark witterungs­abhängig.

Im Vergleich zur Einsaat von Untersaaten in den Maisbestand, bietet eine gleich­zeitige Aussaat bessere Startbedingungen für die Untersaat und führt zu keiner zusätzlichen Arbeitsbelastung, da mittlerweile Technik vorhanden ist, die eine gleichzeitige Aussaat von Mais und Untersaat ermöglicht. Um die Konkurrenz zwischen Mais und Untersaat zu reduzieren, sind Arten mit einer langsamen Jugendentwicklung zu bevorzugen, wie z.B. Rotschwingel oder auch Rohrschwingel. Weidelgräser kommen eher nicht in Frage. Eine Schwingeluntersaat kann alternativ auch direkt vor der Maisaussaat oder unmittelbar nach dem Legen des Mais mit der Drillmaschine erfolgen.

Unterschiedliche Wuchstypen beim Rohrschwingel vorhanden

Bei einer Rotschwingel-Untersaat sollten keine wüchsigen Sorten verwendet werden. Rotschwingel hat aber allgemein eine langsame Jugendentwicklung und geringe Aufwuchshöhe und beeinflusst daher den Mais nur wenig. Eine Untersaat mit Rotschwingel führt häufig zu einer guten Narbenbildung und einer verbesserten Befahrbarkeit.

Rohrschwingel verfügt über ein höheres Ertragspotential als Rotschwingel und bildet ein tiefergehendes Wurzelsystem aus als Weidelgras. Darüber hinaus gibt es verschiedene Wuchstypen. Für den natürlicherweise in Europa vorkommenden kontinentalen Typ sind sowohl Futter- als auch Rasensorten verfügbar. Erstere wurden auf Ertragsleistung gezüchtet, letztere sind weniger wüchsig und erscheinen daher besser geeignet als Untersaat. Im Vergleich zum kontinentalen Typ weist der mediterrane Typ eine Sommerdormanz auf, d.h. ein stark eingeschränktes Wachstum im Sommer, welches die Konkurrenz gegenüber Mais reduzieren kann.

In einer neuen Studie aus Belgien wurde untersucht, ob und in welcher Höhe eine Untersaat mit Rohrschwingel zu Konkurrenz und damit Ertragsverlusten im Silomais führt. Weiterhin wurde geprüft, inwieweit die Konkurrenz durch Herbizideinsatz, Aussaatstärke, Aussaattechnik, den Wuchstyp des Rohrschwingels und die Silomais-Reifegruppe beeinflusst werden kann. Hierzu wurden Feldversuche über mehrere Jahre an zwei Standorten (Melle, Assenede) durchgeführt.

Konkurrenz durch Rohrschwingel-Untersaat muss eingeschränkt werden

Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Konkurrenz des Rohrschwingels, die vermutlich zu einem N-Mangel im Mais führte. So ging jedes bis zum Herbst gebildete kg/ha Trockenmasse (TM) des Rohrschwingels (kontinentaler Rasentyp) einher mit einem Silomais-Ertragsverlust von 1,4 kg TM/ha. Bei einer Biomassebildung des Rohrschwingels von 20 dt TM/ha würde dies einem Ertragsverlust im Silomais in Höhe von 28 dt TM/ha entsprechen. Die N-Freisetzung nach Umbruch der Untersaat und der langfristig positive Effekt auf die Bodenfruchtbarkeit sind hierbei allerdings nicht berücksichtigt und sollten bei Überlegungen nicht außer Acht gelassen werden.

Die Mais-Gras Konkurrenz kann durch eine geeignete Herbizidbehandlung aber deutlich einschränkt werden, so dass ein ähnlicher Ertrag möglich ist wie für einen Maisbestand ohne Untersaat. Bei der Mittelwahl muss aber mit Bedacht vorgegangen werden: die Konkurrenz durch unerwünschte Beikräuter sollte eliminiert und das Wachstum des Rohrschwingels unterdrückt werden, ohne ihn jedoch komplett zu beseitigen. Auf Schlägen, die einen hohen Hirsedruck aufweisen, kann die Mittelwahl daher schwierig werden. Auch kann der Einfluss der Witterung zur Ausbringung auf die Herbizidaktivität nicht immer präzise eingeschätzt werden.

Die Studie zeigte außerdem, dass im Gegensatz zur Herbizidbehandlung weder eine Reduktion der Aussaatstärke des Rohrschwingels (7,5 statt 15 kg/ha) noch eine Drillsaat mit einem Abstand von 22,5 cm zur Maisreihe im Vergleich zur Breitsaat ausreichendes Potential zur Minderung der Konkurrenz bietet. Auch durch die unterschiedlichen Wuchstypen konnte kein Effekt erzielt werden. Zwar zeichnete sich der mediterrane Typ durch ein intensiveres Sprosswachstum im Winter aus, die Reduktion des Boden-Nmin-Gehaltes um bis zu 128 kg N/ha war jedoch für beide Wuchstypen ähnlich.

Anders als beim Rohrschwingel-Wuchstyp hatte die Wahl der Reifegruppe des Silomaises hingegen einen Einfluss auf das Konkurrenzverhalten und könnte somit die Ertragssicherheit erhöhen. Während für die frühe Maissorte ein deutlich höherer Ertragsverlust durch eine Rohrschwingel-Untersaat (-15 %) im Vergleich zu einer Welsch Weidelgras-Zwischenfrucht festgestellt wurde, konnte dies für die mittelfrühe Sorte nicht bestätigt werden.

Fazit:

Festzuhalten bleibt, dass eine Rohrschwingel-Untersaat eine Alternative darstellen kann zu dem in der Praxis gängigeren Verfahren der Etablierung einer Zwischenfrucht nach Maisernte, um Nitratverluste zu vermeiden und die Verluste an organischer Bodenmasse zu reduzieren. Darüber hinaus können Probleme durch Erosion vermindert und die Befahrbarkeit verbessert werden. Die Untersaat ermöglicht eine sofortige Bodenbedeckung nach der Ernte, zudem ist die Nutzung des Aufwuchses als Substrat oder Futter im Frühjahr möglich.