Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktfruchtbau

Drusch und Lagerung von Körnererbsen

Sommerkörnererbsen werden unter hessischen Bedingungen i.d.R. ab Ende Juli bis Anfang August gedroschen. Wenn Sie diese Kultur zum ersten Mal anbauen, kann die Bestimmung des optimalen Erntetermins problematisch erscheinen. Hier erhalten Sie Tipps zur Ernte und Lagerung.

Der optimale Zeitpunkt

Reifer Erbsenbestand
Abbildung 1: Reifer Erbsenbestand

Oberstes Ziel muss es sein, den Erbsenbestand zu dreschen, bevor er z.B. durch stärkere Niederschläge ins dann schwer beerntbare und verlustreiche Lager geht. Wenn die Erbsenpflanzen trocken, die Hülsen hellbraun sind und die Kornfeuchte optimaler Weise zwischen 15 und 18 % liegt, kann mit der Ernte begonnen werden (Abbildung 1). Niedrigere Kornfeuchten verursachen Beschädigungen des Kornes, die insbesondere die Keimfähigkeit deutlich herabsetzen. Höhere Wassergehalte verursachen hohe Trocknungskosten bzw. bei Feuchten über 20 % ein Verschmieren der Erbsen im Dreschorgan. Vereinzelte grüne Erbsenpflanzen im Bestand können vorkommen und sollten ignoriert werden.

Da die Gefahr des Lagers, wie bereits erwähnt, bei Körnererbsen verhältnismäßig hoch ist, muss deren Ernte im Vergleich zu gleichzeitig abreifenden Getreidekulturen Priorität haben. Sind die Bedingungen allgemein trocken – also Boden, Erbsenbestand und Luftfeuchte – kann ein ähnliches Erntetageszeitfenster wie bei Weizen angenommen werden. Geben die Böden Feuchtigkeit ab, steigt diese in die Erbsenpflanzen. Unter solchen Umständen muss während des Mähdrusches eine sehr starke Sonneneinstrahlung und Wärme herrschen, um einen störungsfreien Erntevorgang zu realisieren, ansonsten kann das zähe Erbsenstroh zu Verstopfungen am Mähdrescher führen.

Sollte es doch zu Lager kommen, müssen gute Nerven vorhanden sein, da sich die Ernte dadurch deutlich in die Länge zieht. Die Fahrtrichtung sollte dann direkt oder schräg gegen die Lagerrichtung gewählt werden.

Mähdreschereinstellung und -ausstattung

Zu den Mähdreschereinstellungen kann allgemein gesagt werden, dass die Drehzahl des Dreschorgans möglichst gering und die Drehzahl des Windgebläses möglichst hoch eingestellt werden sollten. Detaillierte Kennzahlen können Sie den Seiten der ufop (Tabelle 3) entnehmen.

Mähdrusch von Körnererbsen
Abbildung 2: Mähdrusch von Körnererbsen

I.d.R. wird mit einem Standardschneidwerk, eventuell auch mit Seitenmesser, gedroschen. Ährenheber sollten eingesetzt werden; Halmteiler hingegen nicht. Die Fahrgeschwindigkeit muss so gewählt werden, dass auf der einen Seite eine ausreichend dicke Strohmatte im Dreschorgan einen schonenderen Drusch ermöglicht, aber auf der anderen Seite die Verluste am Schneidwerk in Grenzen bleiben. Nachdruscheinrichtungen sowie die Überkehr sollten bei zu hohem Bruchkornanteil deaktiviert werden. Sofern die Erbsen problemlos vom Schneidwerk eingezogen werden, läuft die Haspel in Fahrgeschwindigkeit (kein Vorlauf!) oberflächlich im Erntegut mit (Abbildung 2).

Lagerung und Konservierung von Körnererbsen und Ackerbohnen

Um eingelagerte Körnererbsen, aber auch Ackerbohnen, vor Verderb zu schützen, sollte deren Wassergehalt, wie bei Getreide, bei ca. 14 % liegen. Analog zu anderen Kulturen, sollte das gelagerte Erntegut handelsüblich – also gereinigt – sowie gesund – also trocken und schädlingsfrei – sein. Sollen die geernteten Körnerleguminosen im kommenden Frühjahr als Saatgut verwendet werden, sind eher 15 % Feuchte anzustreben, um eine gute Keimfähigkeit zu gewährleisten. In diesem Fall muss aber eine Lagertemperatur von ca. 10 C°, mindestens ab den Wintermonaten, eingehalten werden. Für eine kurzfristige Lagerung direkt nach der Ernte können die Wassergehalte auch bei 16 bis 18 % liegen, wobei bei stärkerem Besatz insbesondere mit grünem Pflanzenmaterial maximal der untere Wert kurzfristig akzeptabel ist. Da Körner bei diesen Feuchten nicht ganz so bruchgefährdet sind, empfiehlt es sich, etwaige Aufbereitungsmaßnahmen, wie z.B. Reinigung, durchzuführen. Grundsätzlich sollten Körnererbsen und Ackerbohnen vor der endgültigen Einlagerung, besser direkt nach der Ernte, zumindest durch einen Vorreiniger (z.B. Windsichter) gelaufen sein, da durch vermehrten Besatz mit Hülsen- und Schalenbruchstücken sowie Bruchkorn und Unkrautsamen das Risiko der Schimmelbildung bei gleichem Feuchtegehalt größer ist. Darüber hinaus verringern sich hierdurch mögliche Belüftungs- und Trocknungskosten. Eine Konservierung des Erntegutes kann durch das Herabsetzen des Wassergehaltes (Belüftung mit Kalt- oder Warmluft), ein Herabkühlen oder durch den Einsatz von Säuren (bei innerbetrieblichen Verwertung als Tierfutter) sichergestellt werden.

Weitere Infos zur Trocknung und Konservierung von Ackerbohnen und Körnererbsen finden Sie in unserem Beitrag Lagerung und Verarbeitung von Ackerbohnen und Körnererbsen.


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