Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktfruchtbau

Lagerung und Aufbereitung von Ackerbohnen und Körnererbsen

Um eingelagerte Ackerbohnen und Körnererbsen vor Verderb zu schützen, sollte deren Wassergehalt, wie bei Getreide, bei ca. 14 % liegen. Analog zu anderen Kulturen, sollte das gelagerte Erntegut handelsüblich – also gereinigt – sowie gesund – also trocken und schädlingsfrei – sein.

Ackerbohnen
Ackerbohnen mit geringem Unkrautbesatz
Ackerbohnen
Ackerbohnen mit relativ hohem Unkrautbesatz
Sollen die geernteten Körnerleguminosen im kommenden Frühjahr als Saatgut verwendet werden, sind eher 15 % Feuchte anzustreben, um eine gute Keimfähigkeit zu gewährleisten. In diesem Fall muss aber eine Lagertemperatur unter 15 C° eingehalten werden. Für eine kurzfristige Lagerung direkt nach der Ernte können die Wassergehalte auch bei 16-18 % liegen, wobei bei stärkerem Besatz insbesondere mit grünem Pflanzenmaterial maximal der untere Wert kurzfristig akzeptabel ist. Da die Körner bei diesen Feuchten nicht ganz so bruchgefährdet sind, empfiehlt es sich etwaige Aufbereitungsmaßnahmen, wie z.B. Reinigung, vor der Trocknung durchzuführen. Grundsätzlich sollten Ackerbohnen und Körnererbsen vor der endgültigen Einlagerung, besser direkt nach der Ernte, zumindest durch einen Vorreiniger (z.B. Windsichter) gelaufen sein, da durch vermehrten Besatz mit Hülsen- und Schalenbruchstücken sowie Bruchkorn und Unkrautsamen das Risiko der Schimmelbildung bei gleichem Feuchtegehalt größer ist. Darüber hinaus verringern sich hierdurch mögliche Belüftungs- und Trocknungskosten.

Mit Wärme Wasser entziehen – aber schonend!

Um den angestrebten Wassergehalt von ca. 14 % zu erreichen kann entweder mit Außenluft oder mit Warmluft getrocknet werden. Unter günstigen Temperatur- und Luftfeuchtebedingungen kann die Belüftung mit Außenluft als alleinige Maßnahme bei Feuchten bis maximal 17-18 % durchgeführt werden. Ist die Temperaturdifferenz zwischen Zuluft und Leguminosenstapel kleiner 7°C, darf die relative Luftfeuchte maximal 65 % betragen, da bei höheren Luftfeuchten eine Wiederbefeuchtung des Erntegutes stattfinden kann. Grundsätzlich muss die Temperatur der Außenluft geringer sein als die der belüfteten Frucht. Einschränkend hierzu ist allerdings zu sagen, dass auf Grund des großen Kornes, insbesondere bei Ackerbohnen, eine reine Belüftungstrockung grundsätzlich weniger gut funktioniert als z.B. bei kleinkörnigerem Getreide.

Wenn Ackerbohnen und Erbsen Wassergehalte über 18 % aufweisen, muss mit Warmluft getrocknet werden. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass Körnerleguminosen aufgrund Ihres großen Korns ein relativ schlechtes Wasserabgabevermögen besitzen. D.h., es dauert eine gewisse Zeit bis Feuchtigkeit aus dem Inneren des Korns in die Randzonen wandert. Für die Trocknungspraxis bedeutet dies, dass pro Trocknungsgang maximal 4 % Wasser bei Futterware und maximal 2,5 % Wasser bei Saatgut entzogen werden darf. Bis zum nächsten Trocknungsgang muss dann mind. 3 Tage gewartet werden. Außerdem sollten Ackerbohnen und Erbsen bei maximal 80° C (Futterware) bzw. für Saatgut, je nach Feuchtegehalt, bei einer geringeren Temperatur getrocknet werden. Der Feuchtegehalt bestimmt hierbei die maximal tolerierbare Korntemperatur an der heißesten Stelle der Trocknung, die sogenannte „kritische Korntemperatur“. Je feuchter das Trocknungsgut ist, desto niedriger liegt diese Temperatur. Da im Trockner installierte Temperaturfühler nicht immer die Korntemperatur wiedergeben, sondern die der Trocknungsluft, sollten Proben von Hand gezogen werden (falls möglich), um einen Korrekturwert (die Temperaturdifferenz zwischen Messfühler und Korntemperatur) zu erhalten. Die Korntemperatur liegt i.d.R niedriger als die der Trocknungsluft. In Tabelle 1 sind die kritischen Korntemperaturen verschiedener Körnerleguminosen im Vergleich zu Weizen bei der Saatguttrocknung zu sehen. Diese beziehen sich auf eine maximale Temperatureinwirkdauer von 80 Minuten. Nach dem Trocknungsvorgang empfiehlt es sich die Ware auf 20° C, besser bis auf 15° C herabzukühlen, um eine ausreichende Lagerstabilität sicherzustellen. Da während der Erntezeit i.d.R. nur relativ wenige Stunden mit geringen Temperaturen zur Verfügung stehen, bietet der Einsatz von Kühlaggregaten Vorteile. Frostnächte im Spätherbst und Winter, in denen eine relative Luftfeuchte der Außenluft von unter 65 % herrscht, sollten für ein weiteres Herabkühlen des Bohnenstapels auf 10-12° C genutzt werden.

Tabelle 1: kritische Korntemperaturen verschiedener Saatgutarten in Abhängigkeit des Feuchtegehaltes bei einer maximalen Temperatureinwirkdauer von 80 Minuten

kritische Korntemperaturen bei der Trocknung in °C bei:
Kornfeuchte (%) Ackerbohne Körnererbse Lupine Weizen
Quelle: Kruse (2018): Praxishandbuch Saatgutaufbereitung
16 39 41 44 52
18 37 38 41 48
20 34 36 40 44
22 32 34 38 42

Konservierung mit Säuren

Werden die Ackerbohnen und Erbsen innerbetrieblich als Tierfutter verwendet, können diese wie Getreide mit organischen Säuren (i.d.R. Propionsäure oder Ameisensäure) bzw. abgepufferten, weniger korrosiven, org. Säuren (gepufferte Produkte nicht zugelassen im Ökolandbau) konserviert werden. Dabei liegen die Aufwandmengen etwas über denen für Getreide. Beispielsweise wird für ein bestimmtes gepuffertes Produkt bei einer Kornfeuchte von 16-18% und einer vorgesehenen Lagerdauer von 6-12 Monaten eine Aufwandmenge von 1% der Menge des Erntegutes ausgewiesen.
Bei der Erntegutkonservierung mit Säuren muss diese mit Hilfe eines vereinfachten HACCP-Konzeptes dokumentiert werden. Weitere Informationen zu dem Verfahren und der Dokumentation finden Sie unter folgendem Link: https://llh.hessen.de/tier/rinder/fuetterung-rinder/feuchtgetreide-fachgerecht-konservieren/

Mit Saatgut besonders vorsichtig umgehen

Sollen Ackerbohnen und Körnererbsen als Saatgut genutzt werden, ist beim Fördern im Lager nach Möglichkeit darauf zu achten, dass große Fallhöhen, insbesondere bei abschließend getrockneter Ware, vermieden werden. Alle Körnerleguminosen sind relativ anfällig für Haarrisse bzw. Bruch, was sich negativ auf deren Keimfähigkeit auswirkt. Speziell vor einem Anbau von Ackerbohnen sollte geprüft werden, ob die vorhandene Fördertechnik, insbesondere Körnerschnecken, für deren große Körner geeignet sind.

Ackerbohnenkäfer ist kein Lagerschädling

Lagerschädlinge machen in Ackerbohnen und Körnererbsen weniger Probleme als beispielsweise in Getreide. Der in Ackerbohnen oft auftretende Ackerbohnenkäfer, der über das Erntegut mit ins Lager kommt, ist insofern kein Lagerschädling, dass er sich dort nicht vermehrt, sondern nur überwintert. Allerdings besteht natürlich die Möglichkeit, bei erneuter Aussaat im Folgejahr, den Käfer als Feldschädling gleich wieder mit auszubringen. Hierzu ist allerdings zu sagen, dass noch nicht ausreichend geklärt ist, welche Parameter den Befallsgrad eines Bohnenbestandes mit Ackerbohnenkäfern am stärksten beeinflusst. Tendenziell scheint der Zuflug aus der Schlagumgebung eine größere Rolle zu spielen, als das verwendete Saatgut.


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