Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktfruchtbau

Aktuelle Schädlinge in Ackerbohnen und Erbsen

Blattlausarten in Ackerbohne und Erbse

Sowohl in Ackerbohnen als auch in Körnererbsen können momentan Blattläuse gefunden werden. Dabei wird die Ackerbohne hauptsächlich von der schwarzen Bohnenlaus, aber auch von der Grünen Erbsenblattlaus, besiedelt. In Erbsen spielen die grüne Erbsenblattlaus sowie die grüne Pfirsichblattlaus die Hauptrolle. Zu Befallsbeginn befinden sich beide Arten in den Triebspitzen der Körnerleguminosen. Um sie zu finden, müssen i.d.R. die noch nicht entfalteten jüngsten Blätter geöffnet, bzw. die Blattunterseiten betrachtet werden.

Durch Blattläuse verursachter Schaden

Grüne Erbsenblattlaus auf Körnererbse
Grüne Erbsenblattlaus auf Körnererbse

Blattläuse schädigen die Pflanzen dabei in erster Linie durch ihre Saugtätigkeit. Diese führt vor allem bei trockener und warmer Witterung zu Blüten- bzw. Hülsenabwurf, und damit zu Ertragseinbußen. Darüber hinaus sind Blattläuse, wie auch in anderen Kulturen, Virusüberträger. In Ackerbohnen und Körnererbsen spielen das „scharfe Adernmosaikvirus“ (PEMV) sowie seit einigen Jahren das „Nanovirus“ (PNYDV) eine übergeordnete Rolle. Insbesondere in milden Wintern können virusbeladene Blattläuse überleben und so in der kommenden Vegetationsperiode frühzeitig zu einer Infektion der Leguminosen führen. Dabei kann davon ausgegangen werden, dass je früher eine Pflanzeninfektion stattfindet, die Ertragseinbußen umso größer sein können. Eine flächige Verbreitung im Bestand setzt große Blattlausdichten voraus.

Bekämpfungsschadschwellen der verschiedenen Blattlausarten

  • Schwarze Bohnenblattlaus: 10 % befallene Pflanzen mit Koloniebildung; Kolonie = mehr als 20 Tiere
  • Grüne Erbse-/Pfirsichblattlaus
    • Ab Knospenbildung: 10-15 Tiere pro Trieb
    • Während der Blüte : 25 % befallene Pflanzen

Bevor eine Bekämpfungsmaßnahme durchgeführt wird, sollten noch folgende Punkte berücksichtigt werden:

  • Nützlinge wie Marienkäfer, Florfliege, Schwebfliegenlarve, Schlupfwespenlarve u.a. sind durchaus in der Lage, Blattlauspopulationen in Schach zu halten bzw. mit diesen „mitzuwachsen“, sofern es sich nicht um eine explosionsartige Blattlausvermehrung handelt. Somit sind Pflanzenschutzmaßnahmen (PSM) nicht immer zwingend nötig.
  • Blattläuse wandern vom Rand her in die Flächen ein. Daher muss sowohl der Flächenrand als auch das Flächeninnere auf Befall kontrolliert werden. Eventuell ist dann eine Randbehandlung ausreichend.
  • Sind plötzliche Temperaturabfälle und Niederschläge vorhergesagt, wie aktuell bzw. zum Wochenende, kann davon ausgegangen werden, dass die Blattlauspopulationen alleine dadurch geschädigt werden. Sofern die Schadschwellen nicht deutlich überschritten werden, kann unter solchen Bedingungen eine PSM herausgezögert werden, oder sogar ganz ausbleiben.

Chemische Bekämpfung von Blattläusen

Ist eine Bekämpfungsmaßnahme erforderlich, sollte auf das nützlingsschonendere Pirimor Granulat zurückgegriffen werden. Durch die Bildung einer Dampfphase, werden auch versteckt sitzende Blattläuse erfasst. Die besten Wirkungsgrade werden bei Temperaturen um 20°C erreicht. Grundsätzlich sollten Insektizidmaßnahmen außerhalb des Bienenfluges stattfinden. Beachten Sie alle Anwendungsauflagen! Unter folgendem Link kann eine Auswahl der in Körnerleguminosen zugelassenen Insektizide gefunden werden: https://pflanzenschutzdienst.rp-giessen.de/fileadmin/dokumente/warndienst/saison_2020/schaedlingskontrolle_leguminosen_2020.pdf

Der Erbsenwickler

Erbsenwicklerlarve
Erbsenwicklerlarve; Foto: Michael Lenz, PSD Hessen
Der Erbsenwickler spielt vor allem in der Gemüseerbsen- sowie Saatgutproduktion eine qualitätsmindernde Rolle. Die Larven des Erbsenwicklers entwickeln sich in den Erbsenkörnern und verursachen dort einen lochartigen Fraß inklusive Kotklümpchen in der Hülse. Laut Pflanzenschutzdienst Hessen lag der Befall in den letzten Jahren in Hessen meist bei unter 10 % betroffene Hülsen. Bei Nutzung der Körnererbsen als Futter im eigenen Betrieb ist dieser Schadensumfang unbedenklich, ein Zuflugmonitoring und eine Bekämpfung des Erbsenwicklers sind also meist nicht notwendig. Bei der Vermarktung über den Landhandel kann der Lochfraß von Nachteil sein (tolerierte Grenzwerte erfragen!). Hohe Befallsgrade verursachen durch die Durchlöcherung der Erbsen einen höheren Bruchkornanteil im Erntegut.

Bekämpfung des Erbsenwicklers

Erbsenwickler in Pheromonfalle
Erbsenwickler in Pheromonfalle; Foto: Michael Lenz, PSD Hessen
Der Zuflug des Wicklers erfolgt in der Regel verzettelt, also in mehreren Wellen. Beginnend zur Monatswende Mai/Juni, fliegt er blühende Erbsenbestände an. Dieser Zuflug kann über Pheromonfallen (werden von verschiedenen Herstellern im Internet angeboten) kontrolliert werden. Durch die länger andauernde Einwanderung in die Bestände verbunden mit einer länger andauernden Phase der Eiablage, ist die direkte Bekämpfung der Larve relativ schwierig und muss anhand der Fänge in den Pheromonfallen terminiert werden.

Eine direkte Bekämpfungsmaßnahme muss ca. 5-7 Tage nach dem ersten Flughöhepunkt (der Flughöhepunkt entspricht ca. 10 Faltern je Tag und Pheromonfalle) durchgeführt werden, also unmittelbar vor dem Schlupf der Larven. Bei starkem Befall kann eine weitere Maßnahme (Pheromonfallen kontrollieren!) notwendig werden.

Soweit realisierbar, sind die vorbeugenden Maßnahmen gegen den Falter wichtiger und effizienter:

  • Mindestanbauabstände zu Vorjahresflächen von 3 km
  • Einjährige Anbaupause auf der gesamten Betriebsfläche (Wechsel verschiedener Körnerleguminosen in der Fruchtfolge)

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