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Pflanzenbauliche Aspekte des Rapsanbaus

Seit den 80ern bis in die 2000er Jahre hinein stieg die Anbaufläche in Deutschland kontinuierlich und schwankte seitdem zwischen 1,3 bis 1,5 Mio. ha. Dann der Einbruch: 2019 wurden nur 856.000 ha Raps angebaut. 2020 erholte sich der Rapsanbau zwar wieder etwas (954.000 ha) und auch für 2021 kann von einem weiteren Plus von ca. 2,5 % auf rund 978.000 ha ausgegangen werden (Quelle: statista, 2021), doch die aktuelle Rapsanbaufläche ist weit vom langjährigen Mittel entfernt.

Winterraps in Vollblüte
Durch die kühle Witterung hatte sich die Vollblüte dieses Jahr verzögert
Auch in Hessen nahm nach dem Einbruch die Bereitschaft zum Rapsanbau 2020 wieder merklich zu. Nach dem Anbautiefpunkt 2018/2019 mit nur 27.000 ha wurden im Anbaujahr 2019/2020 laut einer Schätzung des statistischen Bundesamts in Hessen ca. 45.400 ha mit Winterraps bestellt. Daten für das Anbaujahr 2020/21 liegen noch nicht vor.

Als Gründe für den tendenziellen Anbaurückgang sind u.a. die ungünstigen Aussaatbedingungen der letzten Jahre, stark schwankende Marktpreise sowie der Wegfall von Pflanzenschutzmitteln (PSM) infolge von Gesetzesänderungen zu nennen. Dabei hat der Winterraps ackerbaulich innerhalb der Fruchtfolge viel zu bieten.

Gern gesehener Gast: Raps lockert Fruchtfolgen auf

Durch seine lange Bodenbedeckung (11 Monate Standzeit) und tiefe Durchwurzelung wirkt sich der Rapsanbau positiv auf den Erosionsschutz (Bodenschutz), das Nährstoffhaltevermögen (Gewässerschutz) und die Bodenstruktur aus. Daneben sorgt die große Menge an leicht zersetzbaren Ernterückständen für einen guten Vorfruchtwert. Bis zu 10 % Mehrertrag sind bei Weizenanbau nach Raps möglich. Vor allem in getreidebetonten Fruchtfolgen ergeben sich neben der humusanreichernden Wirkung vom Winterrapsanbau gute mechanische und chemische Möglichkeiten der Ungrasregulierung im Sinne des Resistenzmanagements.

Raps hat einen hohen Stickstoffbedarf. Wird er nach Getreide angebaut, das selber N-zehrend ist, muss dem mit ausreichenden Stickstoffgaben Rechnung getragen werden. Auch der Bedarf an Schwefel ist nicht zu vernachlässigen.

Die breite Sortenpalette bietet für jedes Produktionsziel etwas

Obwohl Raps eine sehr alte Kulturpflanze ist, fand er erst durch die züchterischen Erfolge der 70er Jahre Verwendung in der menschlichen und tierischen Ernährung. Bis dahin wurde das Öl wegen seiner unbekömmlichen Säuren und Bitterstoffe nur als Lampenöl verwendet. Mittlerweile gibt es eine breite Sortenpalette:

Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen prüft in seinen umfangreichen Landessortenversuchen (LSV) jährlich Sorten-Neuzulassungen auf Anbauanforderungen, Ertragseigenschaften und Anfälligkeit gegenüber Schädlingen und Krankheiten und unterstützt so die hessischen Ackerbaubetriebe bei der Sortenwahl.

Herausforderungen im Rapsanbau

Larven des Schwarzen Kohltriebrüsslers
Larven des Schwarzen Kohltriebrüsslers
Das vermehrte Auftreten von Fruchtfolgekrankheiten, wie Kohlhernie, verlangt eine Anbaupause von vier bis fünf Jahren. Sich verändernde klimatische Bedingungen und neu aufkommende Schädlinge (z.B. Schwarzer Kohltriebrüssler oder Blauer Mauszahnrüssler) bereiten dem Raps zusätzlich Probleme. Gesetzliche Beschränkungen beim Beizschutz, der Wegfall der Wirkstoffgruppe der Neonicotinoide, oder die Zunahme von Resistenzen bei Schädlingen (vor allem Rapsglanzkäfer) sind die aktuellen Herausforderungen im Rapsanbau.

Bei angedachten Pflanzenschutzmaßnahmen ist nicht zu vergessen, dass der Raps als Nahrungsquelle und Unterschlupf für sehr viele verschiedene Insekten und Spinnentiere ist. Besonders wichtig ist dabei der fachmännische Umgang mit Insektiziden im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes. Das Wissen über die jeweiligen Bekämpfungsschwellen für verschiedene Rapsschädlinge ist dabei ebenso wichtig wie der gewissenhafte Umgang mit den Gelbschalen zur jeweiligen Beobachtung des aktuellen Schädlingsaufkommens.

Aktuelle Situation 2021

Die rückläufige Anbaufläche mit Winterraps in Hessen ist sicherlich auch mit den ungünstigen Witterungsbedingungen der letzten Jahre zu begründen. Trockenheit zur Saatzeit führte zu einem unregelmäßigen Feldaufgang; nicht wenige Flächen wurden in den letzten Jahren umgebrochen. In diesem Jahr hat der Raps erneut durch den Witterungsverlauf große Hürden in Richtung erfolgreiche Ernte zu überwinden. Vor allem die wechselhaften Temperaturen mit Nachtfrösten im April sorgten für ein heterogenes Wachstumsbild in Hessen. Unter anderem waren frostbedingte Stängelrisse die Folge. Aus Sicht der Rapsanbauenden erfreulich war hingegen, dass der Rapsglanzkäfer aufgrund der Witterung unterdurchschnittlich aktiv war und somit weniger Schäden im Vergleich zu „Normaljahren“ hervorgerufen hat. Der Rapserdfloh und der Schwarze Kohltriebrüssler haben sich von der Witterung allerdings nicht irritieren lassen und hatten in einigen Teilen Hessens ein starkes Schadpotenzial aufgezeigt. Spannend wird nun, was die Rapspflanzen, die für eine gute Regenerationseignung in der vegetativen Wachstumsphase bekannt sind, in Hessen bis zur Ernte noch ausgleichen können.