Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktfruchtbau

Saatgutvermehrung Wintergetreide – Ergebnisse 2018

Die diesjährige Witterung machte es auch den Feldbestandsprüfern schwer, ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit nachzugehen, muss doch jeder Vermehrungsbestand vor der Ernte genau begutachtet und auf vorgegebene Kriterien geprüft werden.

Saatgut
Bei der Beerntung von Saatgutvermehrungsbeständen ist höchste Sortfalt geboten
Dabei werden als Z-Saatgut angemeldete Vermehrungsflächen mindestens einmal, als Basis- oder Vorstufensaatgut angemeldete Flächen mindestens zweimal besichtigt. Die Prüfkriterien ergeben sich aus den Vorgaben des Saatgutrechts, insbesondere dem Saatgutverkehrsgesetz und der Saatgut-Verordnung, sowie den amtlichen Richtlinien für die Feldbesichtigung.

Die Saatgutvermehrung in Hessen präsentiert sich stabil (Abbildung 1). Die in 2018 angemeldeten Flächen sind bei allen wichtigen Wintergetreidearten erneut angestiegen. Winterweizen wurde diesjährig auf 1774 ha vermehrt, die Wintergerste auf 814 ha, wobei die Gruppe der zweizeiligen Gersten mit 482 ha den größeren Anteil einnimmt. Bei Wintertriticale wurden 177 ha und beim Winterroggen 55 ha Vermehrung angemeldet. Damit liegen die Vermehrungsflächen mit Ausnahme des Roggens auf dem höchsten Niveau seit 2015. Beim Winterweizen sind 57% der mit Erfolg feldbesichtigten Flächen A-Sorten, 33% B-Sorten und 6% C- bzw. 4% E-Sorten.

Die Sortenverteilung für die einzelnen Arten und Qualitätsgruppen ist in den Tabellen (unter „Downloads“) dargestellt.

Worauf wird bei der Feldbestandsprüfung geachtet?

Nach der Prüfung der Anmeldeunterlagen durch die Saatgutanerkennungsstelle beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) in Kassel werden im Rahmen der Feldbestandsprüfung alle angemeldeten Flächen in Augenschein genommen. Jedes Vermehrungsvorhaben muss mit allen erforderlichen Angaben beschildert sein und durch klare Trennstreifen von den Nachbarflächen abgegrenzt sein. Zunächst wird die Sorte identifiziert und der Kulturzustand der Fläche begutachtet. Bei fremdbefruchtenden bzw. teilweise fremdbefruchtenden Arten sind die jeweils vorgegebenen Mindestabstände einzuhalten. Hierauf muss unbedingt schon bei der Aussaatplanung geachtet werden.

Im Vermehrungsbestand wird auf definierten Teststreifen mehrfach der Fremdbesatz (andere Sorten der gleichen Art, andere Getreidearten), der Besatz mit schwer herauszureinigenden Unkräutern und -gräsern sowie der Gesundheitszustand (z. B. Flugbrand, Steinbrand, Mutterkorn) ausgezählt und diese Werte dokumentiert. Das Überschreiten der zulässigen Werte führt zu einer Aberkennung des Feldbestandes bzw. kann eine Nachbesichtigung erforderlich machen, wenn die Mängel behebbar sind (z. B. durch Bereinigung).

Die nächste Hürde: Beschaffenheitsprüfung!

Mit Erfolg feldbesichtigte Bestände haben die erste Hürde des Anerkennungsverfahrens genommen. Danach erfolgt die Überprüfung der Saatgutbeschaffenheit im Labor. Die Saatgutprüfstelle des Landes Hessen ist beim Landesbetrieb Hessische Labore (LHL) in Kassel-Harleshausen angesiedelt. Von jeder Saatgutpartie werden repräsentative Proben untersucht und dabei die Keimfähigkeit und das Tausendkorngewicht ermittelt. Auch hier wird nochmals auf Verunreinigungen mit Fremdbesatz (andere Getreidearten, Unkraut- und Ungrassamen) und auf sonstige Verunreinigungen (z. B. Bruchkorn, Steinchen) sowie Schädlings- und Krankheitsbefall geachtet. Es besteht Null-Toleranz für Samen von Flughafer- und Flughaferbastarden sowie lebende Schadinsekten.

Derzeit ist die Bearbeitung der im Labor eingehenden Proben in vollem Gange. Erste Ergebnisse zeigen, dass sich die Saatgutqualität diesjährig erneut auf sehr hohem Niveau bewegt, sowohl was das TKG als auch was die Keimfähigkeiten angeht. Als Zwischenstand wurde aus 198 Winterweizenproben ein durchschnittliches TKG von 47,2 g ermittelt, deutlich über den Werten von 2017 (44,0 g). Die Keimfähigkeiten der bisher untersuchten 147 Proben liegen bei 96,6% (ungebeizt) bzw. 94,8% (gebeizt). Bei der Wintergerste liegt die mittlere Keimfähigkeit der bisher untersuchten Proben bei 96,2% bzw. gebeizt bei 93,4%, das TKG bei 52,3 g (2017: 49,1 g). Nur ganz wenige Partien mussten aberkannt werden. Grund war hier vor allem der Besatz mit Fremdgetreide.

Anerkennung und Kennzeichnung

Saatgut
Bevor das Saatgut in den Verkehr gebracht werden darf, muss es amtlich anerkannt und gekennzeichnet sein sowie den gesetzlichen Anforderungen entsprechen

Hat eine Saatgutpartie auch die Beschaffenheitsprüfung erfolgreich durchlaufen, wird von der Anerkennungsstelle Hessen in Kassel unter der Kennung DE06 die partiebezogene Anerkennungsnummer vergeben, die Anerkennung ausgesprochen und dies den Verfahrensbeteiligten mitgeteilt. Das Saatgut darf nun entsprechend der Vorschriften amtlich gekennzeichnet und in den Verkehr gebracht werden. Auf dem amtlichen Etikett (Kennfarbe blau für Z-Saatgut, Kennfarbe weiß für Basis-Saatgut) müssen alle erforderlichen Angaben enthalten sein, die Angabe der Keimfähigkeit und des TKG ist jedoch freiwillig.

Saatgut umgehend ordern!

Aufgrund der langanhaltenden Trockenheit ist die Erntemenge an Saatgut in Hessen geringer ausgefallen als in den Vorjahren. Dies gilt gleichermaßen – und teilweise in noch viel größerem Ausmaß – für die benachbarten Bundesländer. Daher ist die Nachfrage nach Saatgut aus den von Dürreschäden betroffenen Regionen in diesem Jahr höher und wird auch in Hessen zu früherem Saatgutabruf führen. Es ist angeraten umgehend den betrieblichen Saatgutbedarf zu ordern, um die Verfügbarkeit der gewünschten Sorten abzusichern. Von einigen Sorten ist schon jetzt kaum noch Saatgut zu erhalten.

Grafik: Vermehrungsflächen Wintergetreide in Hessen 2014 - 2018

Abb. 1: Vermehrungsflächen Wintergetreide in Hessen 2014 – 2018

 


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