Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Versuchswesen Marktfruchtbau

Ergebnisse der LSV Körnererbsen und Ackerbohnen 2021 & Empfehlungen

Ackerbohnen und Körnererbsen sind für Hessen die bedeutsamsten Körnerleguminosen im Anbau. Aufgrund der zahlreichen sowohl pflanzenbaulichen als auch ökologischen Vorteile haben die Kulturen im konventionellen Ackerbau einen relevanten Platz in den Fruchtfolgen.

Bereits seit mehreren Jahren werden daher beim LLH Versuche zu Körnerleguminosen durchgeführt. Für die kommende Aussaat bieten die aktuellen Ergebnisse der Landessortenversuche 2021 eine Entscheidungsgrundlage zur Sortenwahl.

Europaweit nimmt der Anbau von Körnerleguminosen stetig zu. Die EU-27 ist global, nach Kanada und Russland, drittgrößter Körnererbsenerzeuger, wobei vor allem in Frankreich und Deutschland die Anbaufläche zugenommen hat (ufop 2021). In Zahlen ausgedrückt, erweiterte sich in Deutschland im Vergleich zum fünfjährigen Durchschnitt die Anbauflächen von Körnererbsen um +18 %, die der Ackerbohnen um + 17%. Bundesweit ist die Anbaufläche von Körnererbsen fast doppelt so groß wie die der Ackerbohnen (Destatis 2021). In Hessen dreht sich dieses Bild um, sodass laut statistischem Bundesamt (Destatis 2021) im direkt Vergleich Ackerbohnen auf fast doppelter Fläche der Körnererbsen angebaut wird. Dennoch nahm im Vergleich der letzten beiden Jahre vor allem die Anbaufläche von Körnererbsen zu, wohingegen die Fläche der Ackerbohnen gleichbleibend ist (Abb.1). Anders zeigten sich die hessischen Erträge zum Vorjahr. Das Ertragspotential der Körnererbsen lag rund 3 dt/ha unterhalb dem Vorjahreswert, wohingegen der hessische Durchschnittsertrag der Ackerbohnen rund 3 dt/ha oberhalb des Vorjahreswertes lag. Schlussendlich wurde aber für beide Kulturen eine Zunahme der Gesamterntemenge festgestellt (Abb. 1).

Abb. 1: Anbaufläche, Ertrag und Erntemenge von Körnererbsen und Ackerbohnen in Hessen der Jahre 2020 und 2021 (Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis) 2021)
Abb. 1: Anbaufläche, Ertrag und Erntemenge von Körnererbsen und Ackerbohnen in Hessen der Jahre 2020 und 2021 (Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis) 2021)

Der Anbau von Körnerleguminosen hat zahlreiche pflanzenbauliche, ökologische aber auch ökonomische Anreize. Grundstein für die Vorteile aus pflanzenbaulichen Aspekten ist die Fähigkeit der Leguminosen durch eine Symbiose mit Bakterien Stickstoff aus der Bodenluft zu fixieren. Dies trägt eine Kaskade von Effekten mit sich. Mineralischer Stickstoff wird eingespart und durch die Fixierungsleistung für die Pflanzen verfügbar gemacht. Hiervon profitieren auch die Folgekulturen, sodass auch deren Ertragspotential positiv bei gleichzeitiger Stickstoffeinsparung beeinflusst wird. Schlussendlich geht so auch ein Klimaschutzeffekt mit dem Anbau einher, da die Einsparung von Stickstoff zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen beitragen kann. Die Erweiterung der Fruchtfolge hilft phytosanitäre Probleme zu lösen, das ausgeprägte Wurzelsystem der Leguminosen verbessert die Bodenstruktur merklich. Weiterhin dienen die Blüten als Nahrungsressourcen für Insekten, was sich wiederrum positiv auf die Biodiversität in der Agrarlandschaft auswirkt. Förderungen, wie durch das hessische HALM-Programm, bieten auch monetär einen Anreiz. In der innerbetrieblichen Verwendung können Leguminosen kostengünstig ihren Platz als heimischer Eiweißlieferant finden.

Im Rahmen der hessischen Eiweißinitiative hat der LLH bereits umfangreiche Informationen zum Leguminosenanbau erarbeiten. Neben den Aktivitäten in Demonstrationsnetzwerken wurden bereits seit mehreren Jahren sowohl sortenspezifische als auch produktionstechnische Versuche in Hessen durchgeführt. Weiterführende Informationen und Hinweise zum Anbau von Körnerleguminosen finden Sie hier.

Sieben Körnererbsen- und neun Ackerbohnensorten in der Prüfung

Um die für den Anbau in Frage kommenden Sorten zu untersuchen, führt der LLH die Landessortenversuche (LSV) durch. Hierdurch können die agronomischen Eigenschaften, das Ertragspotential und die Qualitätseigenschaften der Sorten unabhängig und neutral bewertet werden. Die LSV werden in für die jeweiligen kulturtypischen Anbaulagen durchgeführt, sodass der LSV Körnererbse an den Versuchsstandorten Bad Hersfeld (HEF), Fritzlar (FZ; Homberg-Mardorf) und Friedberg (FB; Nieder-Weisel) und der LSV Ackerbohne an den Standorten HEF und FZ angelegt wurde.

Körnererbsen 2021 verzeichnen deutliche Ernteverluste

Während die Bedingungen im Frühjahr am Prüfort Friedberg eine termingerechte Aussaat der Körnererbse Anfang März zulies, konnten die Versuche an den Standorten FZ und HEF erst Ende März gesät werden. Aufgrund der kühlen Temperaturen und einer kurzen trockenen Phase direkt nach Auflauf, verlief vor allem in Bad Hersfeld die Entwicklung der Jungpflanzen und die Massebildung während der Jugendentwicklung zunächst zögerlich. Trotz diesem Start konnten die Bestände sich im Verlauf des Frühsommers durch ausreichend Feuchtigkeit dennoch sehr gut entwickeln. Diese Umstände führten jedoch auch dazu, dass in Bad Hersfeld eine starke Verunkrautung des kompletten Versuchs vorlag. Starkregenereignisse und anhaltende Niederschläge zur Abreife und Ernte führten zudem zum Einbruch der Parzellen ins Lager und die Pflanzen trockneten schlecht ab, sodass die Erntebedingungen an den Standorten Bad Hersfeld deutlich erschwert waren. In Friedberg hingegen war der Körnererbsenbestand standfest, hier begann der Bestand bereist früh mit einer intensiven Verrankung. Die Körnererbsen in Friedberg wurden Mitte Juli geerntet, eine Woche später wurde in Bad Hersfeld geerntet, in Fritzlar erst Mitte August. In Fritzlar kam es bereits zu hohen Ausfallverlusten, sodass die Ernteergebnisse nicht verwertbar waren.

Nachdem im Erntejahr 2020 ein sehr erfreulicher Durchschnittsertrag der drei Standorte erreicht wurden, lag dieser diesjährig deutlich niedriger bei 41,4 dt/ha und damit knapp 20 dt/ha unterhalb dem Vorjahreswert ( Tabelle 2 ). Der Vergleich der Erträge an den Prüfstandorten zeigt eine Differenz von 17,6 dt/ha im Mittel der Sorten, wobei am Standort Bad Hersfeld die Erträge mit nur 32,6 dt/ha äußerst unzufriedenstellend ausfielen ( Tabelle 1 ). Dieser Ertragsunterschied ist vor allem durch die mangelnde Standfestigkeit und starke Verunkrautung durch die Startschwierigkeiten zu begründen, zudem wurden in Bad Hersfeld Symptome eines Virusbefalls festgestellt. Die höchsten Kornerträge erzielten über beide Standorte die Sorten Astronaute, Symbios und Alvesta. Am Standort Friedberg konnten sich die Sorten Alvesta, Astronaute, Kamelon und Symbios signifikant vom restlichen Prüfsortiment auf ein höheres Ertragsniveau abheben. In Bad Hersfeld differenzierten die Sorten nicht derart deutlich, lediglich das niedrige Ertragsniveau von LG Ajax konnte klar abgegrenzt werden.

Die vergangenen Anbaujahre und vor allem die diesjährigen Ergebnisse der Prüforte im Vergleich zeigen, dass das Ertragspotential der Körnererbse sehr stark in Abhängigkeit der Wachstumsbedingungen ist. Umso wichtiger ist es auf unter vielen Umweltbedingungen ertragsstabile Sorten zu setzen. Folglich bedarf es für eine sichere Einschätzung von Ertragsleistung, Ertragsstabilität, agronomische Anbaueigenschaften und Qualitäten stets mehrjährige Versuchsergebnisse, damit eine ausreichend große Datengrundlage gegeben ist. Da Anbaubedingungen nicht an Bundeslandgrenzen enden, erhöht zudem eine überregionale Auswertung die Aussagekraft für eine Sorte.

Mehrjährig in Hessen waren die Sorten Alvesta und Astronaute unter den diversen Wachstumsbedingungen ertragsstärkste Sorten. Dies zeigten sie zudem stabil über die verschiedenen Jahre hinweg, sodass auch bei schwierigen Wachstumsbedingungen die Erträge abgesichert werden konnten. Überregional für den Großraum Süd werden die Ergebnisse der Sorten aus den Anbaugebieten Höhenlagen Mitte/Südwest und Wärme- und Mittellagen Südwest einbezogen. Von den hessischen LSV-Standorten fließen Bad Hersfeld und Friedberg ein, daneben sind Standorte aus Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern einbezogen. Weiterhin werden auch die Wertprüfungsergebnisse aus dem Zulassungsverfahren berücksichtigt. Im überregionalen Vergleich (Abb. 2), bestätigt Astronaute das hohe Leistungspotential, während Alvesta sich leicht unterdurchschnittlich darstellt. Zusätzlich zu Astronaute zeigen Symbios und Orchestra überdurchschnittliche Erträge. Diese Sorten müssen sich jedoch in Hessen erst noch mehrjährig beweisen.

Abb. 2: Überregional mehrjähriges Ertragsergebnis (relativ) der Körnererbsensorten im Zeitraum 2017-2021 mit 90%-Konfidenzintervallen für den Großraum Süd
Abb. 2: Überregional mehrjähriges Ertragsergebnis (relativ) der Körnererbsensorten im Zeitraum 2017-2021 mit 90%-Konfidenzintervallen für den Großraum Süd

Rohproteingehalt als wichtigster Qualitätsparameter

Bei betriebsinterner Verwertung ist vor allem der Rohproteingehalt der Körnererbse wertbestimmend. Hierbei eignet sich die Körnererbse sehr gut als heimischer Eiweißlieferant in der Schweine- und Rinderfütterung und kann Sojaschrot gut ersetzen. Die Rohproteingehalte der geprüften Sorten lagen im Mittel der Standorte mit 20,7% auf einem niedrigeren Niveau im Vergleich zum Vorjahr ( Tabelle 3 ). LG Ajax und Orchestra erzielten hierbei überdurchschnittliche Ergebnisse. Entscheidend dafür, wie viel Rohprotein letztendlich von der Fläche geholt wird, ist der Rohproteinertrag. Durch die niedrigen Erträge fiel dieser mit durchschnittlich 8,8 dt/ha geringer als in den Vorjahren (2019: 10,1 dt/ha; 2020: 13,4 dt/ha) aus. Die Spitzensorten waren hierbei Astronaute, Alvesta und Symbios, was wiederrum durch das Ertragspotential zu begründen ist. Überregional erzielten in 2021 Orchestra, Symbios, Astronaute und Kameleon ein überdurchschnittlichen Rohproteinertrag. Trotz dem insgesamt niedrigen Ertragspotential war die Kornausbildung gut, da die Tausendkornmasse im Mittel nur 5 g unterhalb dem Vorjahresmittel lag.

Sortenempfehlungen Körnererbsen 2022

Die Standfestigkeit ist eine wichtige Eigenschaft für Körnererbsen, um das Ertragspotential abzusichern. Bei starkem Lagerereignissen zeigten sich am Standort Bad Hersfeld diesjährig deutliche Sortenunterschiede
Die Standfestigkeit ist eine wichtige Eigenschaft für Körnererbsen, um das Ertragspotential abzusichern. Bei starkem Lagerereignissen zeigten sich am Standort Bad Hersfeld diesjährig deutliche Sortenunterschiede

Grundlage für eine fundierte Sortenempfehlung sind die in den LSV mehrjährig ermittelten Ertrags- und Qualitätsdaten sowie weitere agronomische Parameter zur Standfestigkeit, Wachstumsverhalten und Krankheitsanfälligkeit. Von Niederschlägen geprägte Anbaujahre wie 2021 zeigen, wie enorm wichtig die Standfestigkeit der Sorten für einen erfolgreichen Anbau ist. Hier gibt es deutliche Sortenunterschiede. Als äußerst Standfest wird die langjährig etablierte Sorte Respect in der beschreibenden Sortenliste eingestuft. Dadurch konnte sie an dem stark von Lager betroffenden Versuch in Bad Hersfeld (s. Foto) im Vergleich zu den anderen Sorten gute Erträge erzielen. Weitere Eigenschaften der geprüften Sorten sind in Tabelle 4 zu finden.

Auf Basis der LSV-Ergebnis erhalten weiterhin die Sorten Alvesta und Astronaute eine volle Anbauempfehlung für Hessen. Nach zweijährig und überregional guten Leistungen wird die Sorte Orchestra zunächst für den Probeanbau empfohlen, da für eine umfängliche Bewertung die Datengrundlage noch zu gering ist.

Alvesta (KWS Lochow; Zulassung 2008) ist eine bereits ältere Sorte, welche sich jedoch nach wie vor mehrjährig stabil mit höchsten Erträgen zeigte. Ihr Rohproteingehalt liegt im mittleren Bereich, sodass nicht immer ein hoher Rohproteinertrag erreicht wird. Liegen sehr gute Erträge vor, können jedoch auch hohe Ergebnisse erzielt werden. Im Vergleich zu den anderen Prüfsorten reift sie etwas früher ab. Defizite kann sie in Standfestigkeit und Strohstabilität zeigen, welche nicht in jedem Jahr ausreichend sind. Sie bildet ein mittleres TKG aus. Bundesweit ist ihre Vermehrungsfläche leicht rückläufig, in 2021 wurden 405 ha vermehrt.

Astronaute (NPZ / Saaten Union; Zulassung 2013) ist mehrjährig die ertragsstärkste Sorte im aktuellen Prüfsortiment. Sie hat auch diesjährig die vom Bundessortenamt vergebene Höchstnote 9 für die Ertragsleistung wieder bestätigt. Im Rohproteingehalt ist sie mittel bis hoch eingestuft, wodurch ein sehr hoher Rohproteinertrag erreicht wird. Bei mittlerer Pflanzenlänge verfügt sie über eine bessere Standfestigkeit als Alvesta. Die Sorte reift etwas später ab und bildet ein mittleres TKG, was auch die Saatgutkosten im Rahmen hält. Mit 3217 ha ist sie aktuell die vermehrungsstärkste Sorte bundesweit, in Hessen wurde sie in 2021 auf 17,4 ha vermehrt.

Probeanbau: Orchestra (NPZ / Saaten-Union; Zulassung 2019) ist eine neuere Sorte mit einer sehr hohen Einstufung sowohl des Korn- als auch des Rohproteinertrags. Im ersten Versuchsjahr zeigte sie sich in Hessen deutlich überdurchschnittlich, was sie jedoch im zweiten Jahr nicht bestätigen konnte. Daher wird für eine Vollempfehlung ein weiteres Anbaujahr abgewartet. Aufgrund des hohen Kornertragspotential, ist es durch den leicht überdurchschnittlichen Rohproteingehalt möglich sehr hohe Rohproteinerträge zu erzielen. Gewisse Mängel zeigt sie in der Strohstabilität, sodass im Vergleich zu den anderen Empfehlungssorten etwas höhere Lagerneigung attestiert werden muss. Orchestra wurde bundesweit in 2021 auf 421 ha vermehrt.

Ackerbohnenerträge profitierten von guter Wasserversorgung

Typisches buchtenförmiges Fraßbild des gestreiften Blattrandkäfers (Sitona lineatus) an den jungen Ackerbohnenpflanzen
Typisches buchtenförmiges Fraßbild des gestreiften Blattrandkäfers (Sitona lineatus) an den jungen Ackerbohnenpflanzen

Die Aussaat der Ackerbohnen LSV erfolgte an den Versuchsstandorten Ende März. Zentral wichtig hierfür ist ein guter Bodenzustand mit ausreichend abgetrockneten Verhältnissen. Dennoch hat die Ackerbohnen einen hohen Keimwasserbedarf, sodass die kurze trockene Phase nach Auflauf gepaart mit kühlen Temperaturen in Bad Hersfeld zu einer zögerlichen Entwicklung der Jungpflanzen führte. Auch die Massebildung während der Jugendentwicklung war davon betroffen. Zusätzlich fanden sich deutliche Schäden verursacht durch Blattrandkäfer an den jungen Pflanzen der Ackerbohne wieder (s. Foto). Fraßränder konnten sich im weiteren Vegetationsverlauf trotz insektizider Behandlung über alle Blattetagen am Standort HEF finden lassen. Trotz zögerlichem Start konnten die Bestände sich im Verlauf des Frühsommers durch ausreichend Feuchtigkeit dennoch sehr gut entwickeln. Gerade die Ackerbohne erzielte hierbei sehr hohe Wuchshöhen, sodass in Fritzlar Pflanzenlängen zwischen 120 und 140 cm ermittelt wurden. Gleichzeitig begünstigten die nass-kühlen Bedingungen das Infektionsgeschehen für pilzliche Schaderreger, sodass am Standort Bad Hersfeld das Schadbild der Schokoladenfleckenkrankheit verursacht durch Botrytis fabae über alle Sorten festgestellt wurde. Schokoladenfleckenkrankheit Botrytis fabae und Ackerbohnenrost (Uromyces fabae) sollten bei Befallsbedingungen in jedem Fall in Blick behalten werden, da hierdurch deutliche Ertragsminderungen hervorgerufen werden können. Geerntet wurden die Versuche in Bad Hersfeld Mitte August und in Fritzlar zwei Wochen später Anfang September.

Entgegen dem Ergebnis der Körnererbsen, konnte für die Ackerbohnensorten ein überdurchschnittliches Ertragsergebnis über die Standorte im Vergleich zu den Vorjahren festgestellt werden ( Tabelle 6 ). Dies ist nicht verwunderlich, da Ackerbohnen feucht-kühlen Bedingungen gegenüber Trockenheit bevorzugen, sodass eine ausreichende Wasserversorgung die Bestände prächtig entwickeln liesen. Mit einem mittleren Ertrag über die hessischen Standorte von 54,6 dt/ha wurden zuletzt im Zeitraum der vergangenen 10 Jahre lediglich in 2012 und 2014 höhere Erträge der Sorten im LSV erzielt. Das Ertragsniveau der beiden Prüforte Bad Hersfeld und Fritzlar lag dabei auf einem ähnlichen Level ( Tabelle 5 ). Mit insgesamt überdurchschnittlichen Ertragsergebnissen konnte die Sorten Macho an erster Rangstelle mit deutlichen Abstand zu Tiffany abschließen. Im Durchschnitt lag das Ergebnis von Trumpet. Mit Blick auf die Prüforte erzielte Macho an beiden Standorten den ersten Rang. In Fritzlar folgten auf Rang zwei die Sorte Trumpet und auf Rang drei Tiffany, allerdings ohne einen statistisch signifikant erkennbaren Unterschied zueinander (s. Grenzdifferenz;  Tabelle 5 ). In Bad Hersfeld lag Macho ebenfalls auf Platz 1, gefolgt von Tiffany und Fuego. Hier grenzten sich die Sorten deutlicher voneinander ab. Die niedrigsten Erträge zeigte in diesem Jahr die Sorte Bolivia.

Auch im Ackerbohnenanbau ist die Ertragstreue eine bedeutsame Eigenschaft der Sorten. Die mehrjährigen Ergebnisse ( Tabelle 6 ) zeigen eindrucksvoll die Leistungsfähigkeit der Sorten Trumpet und Macho, welche über die vergangenen Anbaujahre und unterschiedlichen Anbaubedingungen stets überdurchschnittliche Ergebnisse vorwiesen. Als vicinarme Sorte konnte Tiffany eine solide Leistung mit einem ein durchschnittlichen Ertragsergebnis über mehrere Jahre erzielen. Die etablierten Sorten Fuego und Fanfare schlossen mehrjährig unterdurchschnittlich ab. Diese Rangfolge zeigte sich auch überregional für das Anbaugebiet Nordwest. Abweichend ist lediglich das überregional bessere Ergebnis der zweijährig geprüften Sorten Daisy und Stella.

Ackerbohnenqualität auf guten Niveau

Analog zur Körnererbse, ist natürlich auch für die Verwendung der Ackerbohne der Rohproteingehalt maßgeblich. Über beide Versuchsstandorte wurde im Mittel aller Sorte ein Rohproteingehalt von 25,2 % festgestellt, wobei die Ergebnisse der Standorte auf ähnlichen Niveau lagen ( Tabelle 7 ). Mit diesem Ergebnis lag der Rohproteingehalt etwas unter dem Vorjahresmittel von 27 %, dennoch ist das Ergebnis auf guten mittleren Niveau. Insgesamt liegen die Rohproteingehalte der Sorten nah beieinander. Lediglich Macho zeigte aufgrund der hohen Ertragsleistung etwas niedrigere Werte. Auch Bolivia und Fuego erzielten Werte unterhalb 25 %. Aus gemeinsamer Betrachtung von Kornertrag und Rohproteingehalt resultiert der Rotproteinertrag. Trotz insgesamt leicht geringerer Proteinerträge, lag dieser mit 13,3 dt/ha aufgrund der hohen Kornerträge auf Vorjahresniveau und damit oberhalb der Werte der vorangehenden Jahre. Spitzensorten waren hier ebenfalls die Sorten Macho und Tiffany. In der Tausendkornmasse liegen die Sorten ebenfalls auf ähnlichen Niveau. Ausnahme stellt die Hochertragssorte Macho, diese grenzt sich durch ihr hohes Tausendkorngewicht deutlich von den restlichen Sorten ab, was bei den Saatgutkosten berücksichtigt werden muss.

Sortenempfehlungen Ackerbohne 2022

Auch bei der Ackerbohne sind neben den Ertrags- und Qualitätsparametern die Standfestigkeit und die Anfälligkeit gegenüber spezifischer Krankheiten beim Anbau zu berücksichtigen. Die jeweiligen Sortenmerkmale sind in Tabelle 8 dargestellt. Neben den Anbaueigenschaften ist für die Sortenwahl jedoch auch maßgeblich entscheiden, in welcher Form eine weitere Verwendung der Ackerbohne geplant ist. Ist eine innerbetriebliche Verwendung zur Fütterung geplant, müssen die Inhaltsstoffe unbedingt berücksichtigt werden. In der Rinder- als auch Schweinehaltung wurden bislang durchweg positive Erfahrungen gemacht. Einsatzgrenzen in den Rationen sind durch die Aminosäuremuster und den Gehalt von antinutritiven Pflanzeninhaltsstoffe definiert. Ein hoher Tanningehalt kann aufgrund des bitteren Geschmacks die Futteraufnahme reduzieren. Der Vicingehalt spielt bei der Geflügelfütterung eine Rolle. Auch hier gibt es sortenspezifisch Unterschiede.

Fanfare (NPZ / Saaten Union; Zulassung 2012) ist eine etablierte Sorte welche sich durch eine hohe Ertragsstabilität auszeichnet. Ihre Erträge lagen mehrjährig stabil im durchschnittlichen bis leicht unterdurchschnittlichen Bereich. Bei durchschnittlichen Rohproteingehalten ergeben sich durchschnittliche Rohproteinerträge. Sie reift etwas später ab. Ihre Standfestigkeit ist gut, sodass die Sorte eine geringe Lageranfälligkeit aufweist. Auch die Anfälligkeit gegenüber pilzlichen Krankheiten liegt im mittleren Bereich. Fanfare enthält die antinutritiven Inhaltsstoffe Tannin (Bitterstoffe in der Schale), Vicin und Convicin (im Korn, zu berücksichtigen insbesondere in der Geflügelfütterung).

Tiffany (NPZ / Saaten Union; Zulassung 2015) ist eine vicinarme Sorte und damit besonders für die Fütterung von Geflügel geeignet. Auch sie ist bereits fest etabliert. Mehrjährig zeigte die Sorte durchschnittliche Kornerträge. Auch der Rohproteingehalt liegt im mittleren Bereich, sodass gute Rohproteinerträge bei entsprechenden Kornerträgen erzielt werden können. Die Sorte weist eine geringe Lagerneigung auf. Die Krankheitsanfälligkeit liegt im mittleren Bereich. Tiffany enthält den antinutritiven Inhaltsstoff Tannin (Bitterstoffe in der Schale).

Trumpet (NPZ / Saaten Union; Zulassung 2017) zeigt nach mehrjähriger Prüfung konstant hohe Kornerträge auf insgesamt überdurchschnittlichen Niveau. Dadurch können auch bei einem leicht geringeren Rohproteingehalt dennoch hohe Rohproteinerträge erzielt werden. Die Anfälligkeit für Rost ist etwas stärker ausgeprägt im Vergleich zu den anderen geprüften Sorten und sollte bei Befallsbedingungen im Blick behalten werden. Die Sorte weist eine geringe Lageranfälligkeit auf. Die Tausendkornmasse befindet sich im eher niedrigeren Bereich, was sich positiv auf die Saatgutkosten auswirkt. Trumpet enthält die antinutritiven Inhaltsstoffe Tannin (Bitterstoffe in der Schale), Vicin und Convicin (im Korn, zu berücksichtigen insbesondere in der Geflügelfütterung).

Macho (NPZ / Saaten Union; Zulassung 2018) fällt durch das mehrjährig sehr hohe Kornertragsniveau auf. Dadurch können auch bei etwas niedrigeren Rohproteingehalten dennoch sehr hohe Rohproteinerträge erzielt werden. Zu berücksichtigen ist die hohe Tausendkornmasse, da sie deutlich größere Körner ausbildet als die anderen Sorten. Dies verursacht verhältnismäßig höhere Saatgutkosten, gleichzeitig eignet sich die Sorte dadurch aber prinzipiell besser für die Humanernährung. Die Lageranfälligkeit ist im Vergleich zu den anderen geprüften Sorten etwas höher, aber dennoch insgesamt gering. Trumpet enthält die antinutritiven Inhaltsstoffe Tannin (Bitterstoffe in der Schale), Vicin und Convicin (im Korn, zu berücksichtigen insbesondere in der Geflügelfütterung).


Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag