Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktfruchtbau

Ergebnisse der LSV Sommer-Braugerste 2018 und Empfehlungen

Sommergerste wurde in Hessen auf 19.200 ha angebaut, damit ist der Anbauumfang um 2.700 ha im Vergleich zum Vorjahr ausgeweitet worden (Abbildung 1). Auch bundesweit wurde die Anbaufläche von 339.500 ha in 2017 auf 447.600 ha ausgedehnt. Zurückzuführen ist diese Entwicklung vermutlich vor allem auf die ungünstigen Aus­saat­bedingungen für Winterungen im Herbst 2017 und weniger auf arbeitswirtschaftliche Vorteile oder die Möglichkeiten der Fruchtfolgediversifizierung durch Zwischen­früchte, die der Anbau von Som­mer­gerste bietet. Da Sommergerste oft an abtragender Stelle in der Fruchtfolge steht und auf leichteren Standorten angebaut wird, kann sie in Jahren mit ungünstigen Witterungsverhältnissen ihr Ertragspotential nicht realisieren. Insbesondere in Jahren mit Frühsommertrockenheit reagiert Sommergerste mit Mindererträgen, falls die Was­ser­nachlieferung aus dem Boden nicht sichergestellt ist.

Abb1 SG_Herrmann
Abbildung 1. Anbaufläche und Ertragsleistung von Sommergerste (durchgezogene Linien) und Winter­gerste (gestrichelte Linien) (Quelle: HSL).
Das Anbaujahr 2018 war geprägt durch Witterungsextreme, welche die Ertragsleistung von Sommergerste negativ beeinflussten. Frostperioden, die sich bis Anfang März er­streckten zogen einen verspäteten Vegetationsbeginn nach sich. Somit erfolgte die Sommer­gersten­aussaat vielerorts verspätet und den Beständen stand weniger Zeit für eine ausreichende Bestockung zur Verfügung. Hinzu kam eine beschleunigte Entwicklung der Bestände durch die ab April deutlich über dem langjährigen Mittel liegenden Temperaturen. Begleitet wurden die erhöhten Temperaturen von einer zuneh­menden Trockenheit, die die Sommergersten­bestände zusätzlich unter Stress setzten. Ergebnisse aus US-amerikanischen Unter­suchungen deuten an, dass Gerste empfindlicher gegenüber Hitze- als Trockenstress ist. Auf eine kombinierte Stress­einwirkung von Hitze und Trockenstress reagiert Gerste jedoch generell sensitiver als auf die Einwirkung einzelner Stressfaktoren. Auch der Zeitpunkt der Stresseinwirkung ist von Bedeutung – so reagiert Gerste weniger empfindlich in vegetativen Stadien als im Zeit­raum Schossen/Blüte. Bedingt durch die ab Juni einsetzende Trockenheit war der Krank­heits­druck durch pilzliche Erreger eher verhalten. Lediglich in dichteren Beständen und anfälligeren Sorten war Mehltaubefall zu beobachten.

Die Ergebnisse der Besonderen Ernteermittlung (BEE) belegen mit einem Landesdurchschnitt von 49,6 dt/ha Ertragseinbußen von 11% zum 5-jährigen Ertragsmittel. Diese Ertrags­verluste fielen jedoch im Vergleich zu anderen Bundesländern wie Mecklenburg-Vorpommern noch moderat aus. Die Ertragsdifferenz von Sommergerste zu Wintergerste in hessischen Praxis­beständen betrug 15% und lag damit unter dem langjährigen Mittel von 20%. Erwartet hätte man in 2018 eigentlich eine größere Differenz, da Sommergerste stärker der Som­mer­trockenheit ausgesetzt war. Die geringere Differenz ist vermutlich auf die schlechten Aussaat­bedingungen der Wintergerste zurückzuführen.

Landessortenversuche an zwei Standorten mit neun Sorten

Sommerbraugerste_Herrmann
Sommerbraugerste Accordine
Im Jahr 2018 wurden in den Landessortenversuchen (LSV) neun Sommergerstensorten an zwei Standorten (Griesheim, Bad Hersfeld) geprüft (Tabelle 1). Von diesen neun Sorten verfügen drei Sorten (Quench, Avalon, Accordine) über eine Verarbeitungs­em­pfeh­lung des Sortengremiums der Braugersten-Gemeinschaft e.V. , die nach erfolgreichem Durchlaufen des sogenannten ‚Berliner Programms‘ vergeben wird. Das ‚Berliner Programm‘ umfasst zwei Stufen. In der ersten Stufe werden neu durch das Bundes­sorten­amt (BSA) zugelassene Braugersten bewertet auf Basis von Untersuchungs­ergeb­nissen der Wertprüfungen des BSA, Ergebnissen zu Kornanomalien (Landesanstalt für Land­wirtschaft, Weihenstephan) sowie Verarbeitungseigenschaften, die im im halbtechnischen Maßstab ermittelt werden (Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei, Berlin). In der zweiten Stufe werden die besten Sorten (maximal drei) Mälzungs- und Brauversuchen im Praxismaßstab an verschiedenen deutschen Standorten unterzogen. Die Sorte Laureate wurde, ebenso wie Accordine, in die groß­technischen Mälz- und Brauversuche aufgenommen, erhielt jedoch im Gegensatz zu Accor­dine 2018 keine Verarbei­tungs­empfehlung. Im letzten Jahr wurde Leandra in die großtechnischen Praxisversuche aufgenommen – die Entscheidung des Sorten­gre­miums zur Verarbeitungsempfehlung wird für Februar 2019 erwartet. RGT Asteroid, Subway und KWS Beckie hingegen schafften nicht den Sprung von der ersten zur zweiten Stufe. Letztere wird daher als Futtergerste vermarktet. Spezielle Futter­gersten­sorten wurden in den LSV nicht geprüft. Aus den bislang vorliegenden Ergebnissen kann viel­mehr abgeleitet werden, dass moderne Brau­gersten­sorten bei entsprechender Bestan­des­führung mit einer aus­reichen­den N-Versorgung das Ertragsniveau von Futtergerstensorten er­reichen können.

Wie in den LSV aller anderen Marktfruchtkulturen, wird auch Sommergerste in zwei Intensitäts­stufen (un­behandelt, behandelt) geprüft, um die Sorten hinsichtlich ihrer Gesundheit, Standfestigkeit und Ertragssicherheit beurteilen zu können. Im Versuchsjahr 2018 wurden in der unbe­han­delten Variante am Standort Bad Hersfeld undefinierte Blattflecken beobachtet und die Sorte Avalon zeigte stärkeren Mehltaubefall. Die Fungizidbehandlung resultierte in einem Mehr­ertrag von 19%. Im Gegensatz dazu zeigte die Behandlung am Standort Griesheim, bedingt durch Trocken­stress und fehlenden Krankheitsdruck, keinen absicher­baren Effekt und war somit auch nicht wirtschaftlich.

Die LSV 2018 demonstrieren, welche Leistung modernde Braugerstensorten unter widrigen Witterungsverhältnissen und einer relativ kurzen Vegetationszeit erzielen können. Am Stand­ort Bad Hersfeld wurde in der behandelten Variante ein durchschnittlicher Ertrag von 73,3 dt/ha erzielt, bei einem vergleichsweise engen Leistungsspektrum der Sorten (Tabelle 1). Am Standort Gries­heim lag der Durchschnittsertrag erwartungsgemäß auf einem deutlich geringeren Niveau, mit 51,5 dt/ha in Intensitätsstufe 2. Die Ertragseinbußen von 11% (Stufe 1) und 15% (Stufe 2) zu den Vorjahresergebnissen fielen in ähnlichem Umfang aus wie in der Praxis. Der Ertragsabstand zu Winterbraugerste liegt im Mittel der Jahre bei 25%.

Die höchste Ertragsleistung zeigte an beiden Standorten und in beiden Intensitätsstufen die nun vierjährig geprüfte Sorte RGT Planet, gefolgt von Accordine. Quench und Subway fielen durch stärker zwischen den Standorten schwankende Erträge auf. Wie Avalon und Leandra erzielten sie in beiden Stufen unterdurchschnittliche Erträge, während sich RGT Asteroid, Laureate und KWS Beckie im mittleren Ertragsniveau bewegten.

Qualitätsdaten – stark standortabhängig

Neben den agronomischen Eigenschaften sind bei der Verwendung von Sommergerste als Braugerste eine Vielzahl von Qualitätsanforderungen zu erfüllen. Neben organoleptischen Eigenschaften (Geruch, Farbe, Spelzenfeinheit) sind vor allem der Rohproteingehalt, die Sortierung und die Keimfähigkeit für die Vermarktung entscheidend. Wird Braugerste als Futtergerste vermarktet, ist das hl-Gewicht ein wichtiges Qualitätskriterium. Tabelle 2 sind die Qua­litäts­daten der aktuellen LSV zu entnehmen.

Aufgrund der mit steigendem Rohproteingehalt verbundenen negativen Auswirkungen auf die Brauqualität und Standfestigkeit von Gerste wird ein Bereich von 9,5 bis 11,5% angestrebt. Fruchtfolge und Flächenauswahl sind daher so gestalten, dass von der Vorfrucht möglichst geringe N-Mengen im Boden hinterlassen werden, und die N-Düngung sollte nach N-Bedarfsanalyse erfolgen. Während in der landwirtschaftlichen Praxis teilweise Braugersten mit zu geringen Roh­protein­gehalten geerntet wurden, wurden in den LSV z.T. zu hohe Werte gefunden. Am Standort Griesheim wurde mit Ausnahme von Leandra in der unbehandelten Variante stets der Ziel­bereich eingehalten. Im Gegensatz dazu lagen die Rohproteingehalte am Standort Bad Hersfeld mit Ausnahme von RGT Planet stets über 11,5%. Da die N-Düngung mit 80 kg N/ha nicht überzogen wurde, sind die hohen Rohproteingehalte vermutlich auf die Interaktion von Standort- und Witterungsverhältnissen zurückzuführen. Aus der Literatur ist bekannt, dass kurze Vegetationszeiten mit hohen Temperaturen und Trockenstress zu höhe­ren Protein­gehalten, geringeren Extraktgehalten, niedrigerer Enzymkapazität und somit zu Pro­blemen bei der Bierherstellung führen können. Neue Untersuchungen aus den USA zeigen aber auch, dass es Sorten gibt, die unter Stresseinfluss weniger sensitiv reagieren. Hier scheint also noch Potential für die züchterische Bearbeitung dieser Kultur vorhanden zu sein.

Für den Vollgerstenanteil (> 2,5 mm) ist ein Wert von 90% möglichst zu überschreiten, was jedoch am Standort Griesheim, vermutlich bedingt durch Trockenheit, von keiner Sorte erreicht wurde. Aus der Praxis hingegen wurden solch geringen Vollgerstenanteile nur selten berichtet. Am Standort Bad Hersfeld konnten in Stufe 2 nur Leandra und in Stufe 1 Quench, Avalon, Leandra und Subway nicht den geforderten Wert erreichen. RGT Planet zeichnete sich durch die höchsten Vollgerstenanteile aus. Das hl-Gewicht lag an beiden Standorten bei allen geprüften Sorten über dem Standard von 64 kg. Accordine fiel auf durch ein in beiden Stufen stabil hohes hl-Gewicht, während Laureate eher geringe Werte aufwies. Die Keimfähigkeit von Sommergerstenproben, die im Rahmen der Saatgutanerkennung unter­sucht wurden, waren stets von einwandfreier Beschaffenheit mit Werten über den geforderten 95%.

Mehrjährige und überregionale Auswertung

Da die Ertragsleistung und Qualitätseigenschaften stark durch die Jahreswitterung beeinflusst werden, sollte eine Sortenentscheidung niemals auf einjährigen Versuchsergebnissen beruhen. Nur auf Basis mehrjähriger Versuchsdaten kann die Sortenleistung, wie die Stabilität von Ertrag und Qualitätsparametern, sicher beurteilt werden.

Von den über mindestens drei Jahren geprüften Sorten zeichnet sich RGT Planet über eine stabil hohe Ertragsleistung aus (Tabelle 3). Avalon erreicht ein mittleres Ertragsniveau und Quench zeigt in Intensitätsstufe 2 eine leicht unterdurchschnittliche Leistung. Von den mittler­weile 2-jährig geprüften Sorten erreicht Accordine in Stufe 1 eine etwas höhere Leistung als Laureate, während bei Fungizideinsatz keine deutlichen Ertragsunterschiede feststellbar sind. Im Braugerstenanbau vermarktungsrelevant sind die Vollgerstenerträge der Sorten. Die sehr gute Leistung von RGT Planet bestätigt sich auch für den Vollgerstenertrag, wobei der Abstand zu Avalon geringer ausgeprägt ist als für den Kornertrag aufgrund des guten Ergebnisses von Avalon in 2016 (Tabelle 4). Quench fällt zu RGT Planet und Avalon ab, bedingt durch den geringen Vollgerstenanteil beider Stufen in 2018. Auch bei den 2-jährig geprüften Sorten verschiebt sich die Rangfolge etwas aufgrund des schlechteren Vollgerstenanteils von Accordine im Vergleich zu Laureate.

Geoportal JKI
Abbildung 2. Anbaugebiete von Sommergerste im konventionellen Anbau (Quelle: Geoportal, JKI)
Sommer-Braugerste wird in Hessen aufgrund begrenzter Ressourcen an nur zwei Standorten geprüft. Wie bereits erwähnt werden Ertrag und Qualitätseigenschaften aber stark durch die Jahreswitterung und den Standort beeinflusst, während die Sorte einen geringeren Effekt hat. Will man also die Sortenleistung zuverlässig bewerten, müsste man die Sommergerstensorten an deut­lich mehr Standorten und in mehr Jahren prüfen. Da die Restriktionen eingeschränkter Ressourcen zur Versuchsdurchführung alle Bundesländer betreffen, wurde vor einigen Jahren eine neue Methode der Datenauswertung, die sogenannte Hohenheim-Gülzower-Methode von der Universität Hohenheim und der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern entwickelt. Hierzu wurden zunächst deutschlandweit Anbau­gebiete für jede Kultur definiert, die durch ähnliche Boden –und Klimabedingungen gekennzeichnet sind. Abbildung 2 stellt die Anbaugebiete für Sommergerste im konven­tionellen Anbau dar (Geoportal des Julius-Kühn-Institutes, http://geoportal.julius-kuehn.de/map?app=konv). Griesheim liegt beispielsweise im Anbaugebiet 20 (Wärmelagen Südwest), Gießen im Anbaugebiet 16 (Mittellagen Südwest). Um die Sortenleistung in einem Anbaugebiet besser bewerten zu können, werden nicht nur alle LSV-Ergebnisse berücksichtigt, sondern auch die vorher beim Bundessortenamt absolvierte Wertprüfung, die der Sortenzulassung vorausgeht. Weiterhin können auch Ergebnisse aus Nachbar-Anbauregionen berücksichtigt werden.

Eine Auswertung nach Hohenheim-Gülzower-Methode ist in Tabelle 5 für die Anbaugebiete 16 (Mittellagen Südwest), 19 (Höhenlagen Südwest) und 20 (Wärmelagen Südwest) in Inten­sitäts­stufe 2 dargestellt. RGT Planet erzielt sowohl im Kornertrag als auch bzgl. Vollgersten­ertrages in allen Anbaugebieten die höchste Leistung. Einen überdurchschnittlichen Voll­gersten­ertrag zeigen darüber hinaus Laureate in allen Anbaugebieten sowie KWS Beckie in Anbaugebiet 19. Die schwächste Leistung wird durchgängig für Quench ermittelt. In Nieder­sachsen werden Quench und Avalon für das Anbaujahr 2019 eine Anbauempfehlung als Braugerste erhalten. In Nordrhein-Westfalen ist RGT Planet die Hauptempfehlungssorte für Futtergerste.

Sortenempfehlungen zur Aussaat 2019

Für den Braugerstenproduzenten stehen bei der Sortenwahl agronomische Eigenschaften wie Reifezeit, Stand­festigkeit, Krankheitsresistenzen bzw. –toleranzen und vor allem der Ertrag im Vorder­grund. Braugerste ist jedoch ein Produkt, an welches spezifische Anforderungen hin­sichtlich Qualität und Verarbeitungseigenschaften gestellt werden. Daher ist die Sorten­ent­scheidung durch den Landwirt vor allem an die Erfordernisse von Erfassung und Verarbeitung auszurichten und der Abstimmung zwischen Anbauer, aufnehmender Hand, Mälzereien und Brauereien kommt eine große Bedeutung zu.

Abb3 SG_Herrmann
Abbildung 3. Anteil der Sommergerstensorten an der Vermehrung in Hessen 2018.
Als Ergebnis der Abstimmungen mit den Marktpartnern wird für das Anbaujahr 2019 die Sorte Avalon uneingeschränkt empfohlen. Die Sorte RGT Planet stellt ertraglich eine interessante Alternative dar und wird ebenfalls empfohlen. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass für die Sorte durch die Braugerstengemeinschaft aufgrund von Schwächen in den großtechnischen Mälz- und Brauversuchen keine Verarbeitungsempfehlung ausgesprochen wurde. Ein Anbau dieser Sorte sollte daher nur in Absprache mit der aufnehmenden Hand erfolgen. Für den Probeanbau wird weiterhin die Sorte Accordine empfohlen, die im Februar 2018 die Verar­beitungs­empfehlung des Berliner Programms erhielt.

Alle empfohlenen Sorten wurden im vergangenen Jahr in Hessen vermehrt. Die Ver­mehrungs­fläche betrug insgesamt 222 ha und wurde klar von Avalon dominiert, mit einem Anteil von 56% (Abbildung 3). Bundesweit stellen Avalon (2644 ha), RGT Planet (2245 ha), Quench (1232 ha), Accordine (622 ha), Leandra (532 ha) und Solist (509 ha) die vermehrungsstärksten Braugerstensorten dar. Marthe, Grace und auch Quench werden in Hessen regional noch nachgefragt, verlieren aber zunehmend an Anbaubedeutung. Eunova ist die Futtergerste mit dem bundesweit größten Anteil an Vermehrungsfläche.

Eigenschaften empfohlener Braugerstensorten

Die Einstufungen der in den LSV geprüften Braugersten hinsichtlich Anbau- und Ertrags­eigenschaften sowie Korn- und Mälzqualität sind in Tabellen 6 und 7 zusammen­gefasst.

Avalon (Züchter Saatzucht Breun, Vertrieb Hauptsaaten) stammt aus dem Zulassungsjahr 2012 und hat im Februar 2015 die Verarbeitungsempfehlung durch die Braugersten­gemein­schaft erhalten. Die mittelstrohige Sorte verfügt über eine gute Standfestigkeit und Halm­festigkeit. Avalon bietet eine gute Resistenz gegen Zwergrost und geringere Anfälligkeit gegen Netzflecken Zu beachten ist jedoch die höhere Anfälligkeit für Mehltau und Rhyncho­sporium. Die leistungsfähige Sorte bildet bei hoher TKM ebenfalls hohe Vollgerstenanteile aus.

RGT Planet ist die zurzeit ertragsstärkste Sommerbraugerste, die ihre Ertragshöhe und Ertrags­stabilität auch überregional unter Beweis gestellt hat. Sie wurde vom Bundessortenamt als einzige Sorte mit der Kornertragsnote 8 in beiden Intensitätsstufen eingestuft. Die Sorte besticht darüber hinaus durch eine gute Halmstabilität und geringe Krankheitsanfälligkeit. Den hohen Ertrag bildet die Sorte über eine hohe TKM bei guter Einkörnung. Marktware- und Vollgerstenanteil sind hoch, das hl-Gewicht liegt auf mittlerem Niveau. Ein sehr hoher Malz­extrakt­gehalt und Endvergärungsgrad komplettieren das Sortenprofil. Aufgrund von ver­arbeitungs­technischen Problemen (Läuterarbeit) erhielt die Sorte jedoch keine Verar­beitungs­empfehlung durch das Berliner Programm.

Accordine (Züchter Ackermann Saatzucht, Vertrieb Saaten Union) ist eine leistungsstarke Braugerste, die 2016 zugelassen wurde. Bei mittlerer Wuchslänge weist sie eine gute Stand­festig­keit und Strohstabilität auf. Accordine zeigt eine gute Kornausbildung und hohen Voll­gersten­ertrag. Weiterhin verfügt die Sorte über eine, von Rhynchosporium abgesehen, geringe Krankheitsanfälligkeit, die auch zu einer hohen Ertragsleistung bei reduziertem Pflanzen­schutzmitteleinsatz beiträgt. Sehr gute Mälz- und Verarbeitungseigenschaften kenn­zeich­nen die Sorte, die im Februar 2018 die Empfehlung des Berliner Programms erhielt.

Tabelle 1. LSV Sommer-Braugerste Hessen; Ertrag (relativ zu VD), Versuchsjahr 2018.

unbehandelt
(rel. zum VD)
fungizidbehandelt
(rel. zum VD)
GRI HEF Mittel GRI HEF Mittel
VRS (dt/ha) 51.2 61.6 56.4 50.9 74.1 62.5
VD  (dt/ha) 51.1 61.5 56.3 51.5 73.3 62.4
GD 5% (relativ) 8.3 7.1   8.3 5.9  
Quench  VRS   97   98   98   92  101   97
Avalon  VRS   99   93   96   99   98   98
RGT Planet  VRS  105  109  107  105  104  105
Laureate  VGL  101  101  101  104  101  102
Accordine  106  104  105  106  102  104
RGT Asteroid  102  100  101  106   97  101
KWS Beckie  102  100  101  101   98  100
Leandra   98   98   98   99   99   99
Subway   90   95   92   89  100   94

VRS: Verrechnungssorte, VGL: Vergleichssorte, VD: Versuchsdurchschnitt über alle Sorten, GD: Grenzdifferenz, GRI: Griesheim (Darmstadt), HEF: Bad Hersfeld (Eichhof)

Tabelle 2. LSV Sommer-Braugerste Hessen; Qualitätsmerkmale (absolut), Versuchsjahr 2018. GRI: Griesheim, HEF: Bad Hersfeld.

unbehandelt fungizidbehandelt 
Rohproteingehalt (%)
GRI HEF Mittel GRI HEF Mittel
Quench  VRS 10.6 12.3 11.4 10.8 11.4 11.1
Avalon  VRS 11.2 12.1 11.7 10.9 12.1 11.5
RGT Planet  VRS 11.4 11.3 11.4 10.7 11.5 11.1
Laureate  VGL 10.4 12.2 11.3 10.7 11.8 11.2
Accordine 10.6 12.0 11.3 11.3 12.2 11.8
RGT Asteroid 10.9 12.1 11.5 10.6 11.7 11.1
KWS Beckie 10.6 12.0 11.3 10.3 12.1 11.2
Leandra 11.7 12.1 11.9 11.4 12.1 11.8
Subway 11.0 11.7 11.3 10.9 11.8 11.3
Mittel 10.9 12.0 11.4 10.8 11.9 11.3
TKM (g)
Quench  VRS 36.1 39.9 38.0 35.7 51.1 43.4
Avalon  VRS 37.5 43.5 40.5 39.2 50.8 45.0
RGT Planet  VRS 38.0 50.4 44.2 39.7 55.2 47.5
Laureate  VGL 37.0 47.3 42.2 39.1 53.3 46.2
Accordine 40.7 46.8 43.8 37.8 50.3 44.1
RGT Asteroid 40.1 47.3 43.7 37.8 52.5 45.2
KWS Beckie 37.1 46.4 41.8 38.9 52.5 45.7
Leandra 38.7 43.9 41.3 39.3 47.7 43.5
Subway 37.0 42.0 39.5 37.1 50.3 43.7
Mittel 38.0 45.3 41.7 38.3 51.5 44.9
hl-Gewicht (kg/hl)
Quench  VRS 68.5 67.4 68.0 67.6 72.9 70.3
Avalon  VRS 64.4 68.1 66.3 65.9 72.1 69.0
RGT Planet  VRS 65.6 70.9 68.3 67.5 71.6 69.6
Laureate  VGL 65.1 66.8 66.0 64.1 69.5 66.8
Accordine 68.3 71.6 70.0 67.8 72.0 69.9
RGT Asteroid 66.6 69.0 67.8 66.0 70.7 68.4
KWS Beckie 65.4 67.8 66.6 66.4 70.1 68.3
Leandra 66.0 67.7 66.9 66.0 68.8 67.4
Subway 65.5 67.9 66.7 65.0 70.2 67.6
Mittel 66.2 68.6 67.4 66.3 70.9 68.6
Vollgerstenanteil (Siebsortierung > 2,5 mm, in Prozent)
Quench  VRS 68.3 76.9 72.6 62.2 96.0 79.1
Avalon  VRS 79.1 87.4 83.3 79.9 96.3 88.1
RGT Planet  VRS 76.5 94.3 85.4 81.0 96.8 88.9
Laureate  VGL 82.0 91.2 86.6 84.4 92.9 88.7
Accordine 76.8 91.0 83.9 73.0 94.4 83.7
RGT Asteroid 79.4 90.5 85.0 79.2 95.0 87.1
KWS Beckie 83.0 91.7 87.4 82.6 96.1 89.4
Leandra 69.6 81.2 75.4 71.5 87.8 79.7
Subway 79.2 86.8 83.0 76.2 92.9 84.6
Mittel 77.1 87.9 82.5 76.7 94.2 85.5

GRI: Griesheim, HEF: Bad Hersfeld

Tabelle 3. LSV Sommer-Braugerste Hessen; Ertrag (relativ zu VD), Versuchsjahre 2016 bis 2018.

unbehandelt
(rel. zum VD)
fungizidbehandelt
(rel. zum VD)
Jahr 2016 2017 2018 Mittel 2016 2017 2018 Mittel
Orte 2 2 2   2 2 2  
VRS  (dt/ha) 53.0 64.1 56.4 57.8 65.2 73.2 62.5 67.0
VD  (dt/ha) 48.9 62.9 56.3 56.0 60.9 72.6 62.4 65.3
Quench VRS 101 100  98 100  98  96  97  97
Avalon VRS 109  99  96 101 107 100  98 102
RGT Planet VRS 115 106 107 109 115 106 105 109
Laureate VGL   104 101      98 102  
Accordine   110 105      97 104  
RGT Asteroid   101     101  
KWS Beckie   101     100  
Leandra    98      99  
Subway    92      94  
Ventina  98  93    94 100  
Cervinia  88  93      94  98    
KWS Fantex    95       104    
Marthe  93    94  
Grace  97    98  

VRS: Verrechnungssorte, VGL: Vergleichssorte, VD: Versuchsdurchschnitt über alle Sorten. Verrechnungssorten 2016 bis 2018: Quench, Avalon, RGT Planet

Tabelle 4. LSV Sommer-Braugerste Hessen; Vollgerstenertrag (> 2,5 mm; relativ zu VD), Versuchsjahre 2016 bis 2018.

unbehandelt (rel. zum VD) fungizidbehandelt (rel. zum VD)
Jahr 2016 2017 2018 Mittel 2016 2017 2018 Mittel
Orte 2 2 2   2 2 2  
VRS  (dt/ha) 38.6 57.2 45.4 15.1 52.9 68.6 53.3 17.8
VD  (dt/ha) 35.2 55.6 46.5 15.5 48.9 67.4 53.3 17.8
Quench VRS  96  98  86  93  98  96  90  95
Avalon VRS 122 104  97 108 110 100 101 104
RGT Planet VRS 110 106 111 109 117 106 109 111
Laureate VGL   107 106      98 106  
Accordine   112 106      97 101  
RGT Asteroid   104     103  
KWS Beckie   107     104  
Leandra    90      92  
Subway    93      94  
Ventina  99  91    94 100  
Cervinia  86  95    92  98  
KWS Fantex    87     104  
Marthe  95    97  
Grace  93    93  

VRS: Verrechnungssorte, VGL: Vergleichssorte, VD: Versuchsdurchschnitt über alle Sorten. Verrechnungssorten 2016 bis 2018: Quench, Avalon, RGT Planet.

Tabelle 5. Relativer Ertrag und Vollgerstenertrag (> 2.5 mm) nach Hohenheim-Gülzower-Methode für die Anbaugebiete (AG) 16, 19 und 20 in Intensitätsstufe 2 (behandelt)

  Ertrag Vollgerstenertrag
AG 16 AG 19 AG 20 AG 16 AG 19 AG 20
VRS (dt/ha) absolut 81.0 72.8 70.9 76.3 71.4 62.9
Quench 97.5 95.6 96.8 97.3 95.2 95.7
Avalon 99.1 98.5 98.9 100.7 99.9 101.4
RGT Planet 105.4 105.3 104.7 105.9 105.9 105.6
Laureate 101.2 100.0 100.8 103.5 101.3 103.7
Accordine 101.0 100.4 101.1 101.3 100.7 101.7
RGT Asteroid 102.0 102.0
KWS Beckie 103.2 102.6 103.0
Leandra 101.8 101.1 101.4 101.1 100.4 101.3
Subway 101.4 100.2 100.7

AG 16: Mittellagen Südwest, AG 19: Höhenlagen Südwest, AG 20: Wärmelagen Südwest.

Die Tabellen 6 und 7 sind leider nicht barrierefrei darstellbar. Sollten Sie Hilfe benötigen, wenden Sie sich bitte an Frau Dr. Antje Herrmann.

Tabelle 6 - Anbau- und Ertragseigenschaften Sommer-Braugerste, LSV 2018

Tabelle 7 - Korn- und Mälzqualität Sommer-Braugerste, LSV 2018


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