Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktfruchtbau

Ergebnisse der LSV Sommer-Braugerste 2019 & Empfehlungen

Auf rund 19200 ha wurde im vergangenen Jahr in Hessen Sommer-Braugerste angebaut – damit zeigt der Anbauumfang keine Veränderung zum Vorjahr. Bundesweit hingegen hat der Anbau von Sommer­gerste rund 90000 ha verloren, was vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass der Ackerfutter­bau aufgrund der Futterknappheit in 2018 ausgedehnt wurde. Sommer­gerste steht bevorzugt auf trockeneren, leicht erwärmbaren Böden und kann in einem Jahr wie 2019, das durch Trockenheit geprägt war, ihr Ertragspotential nicht voll ausschöpfen. Umso überraschender war das noch gute Ertragsergebnis von im Mittel 54 dt/ha (Abbildung 1). Der Mehrertrag von 9 % zum Vorjahr fällt aber geringer aus als bei der Wintergerste (plus 17 %), was vermutlich darin begründet ist, dass die Sommergerste stärker der Frühjahrs- und Sommertrockenheit ausgesetzt war. Der Abstand zur Wintergerste lag im aktuellen Jahr bei 23 %, und somit etwas über der Ertragsdifferenz von 20 % im langjährigen Mittel.

Gerade aufgelaufene Sommerbraugerste
Gute Aussaatbedingungen sind wichtiger als der Aussaattermin

Das Anbaujahr 2019 war geprägt durch Umweltbedingungen, die z.T. noch aus dem Extremjahr 2018 nachwirkten. So war der Herbst 2018 deutlich zu trocken und der relativ milde aber nieder­schlagsreiche Winter konnte die Bodenwasservorräte nicht wieder völlig auffüllen. Die Vege­tations­periode 2019 startete also mit einem hohen Wasserdefizit im Unterboden, so dass die Bestände zunächst von einer regelmäßigen Niederschlagsverteilung abhängig waren. Eine Phase mit tieferen Temperaturen und Dauerfrost gab es in der dritten Januardekade, was eine Frostgare begünstigte und damit für lockere Böden zur Aussaat sorgte. Aufgrund der überdurchschnittlichen Temperaturen in den ersten Monaten des Jahres konnte die Aussaat der Sommergerste von Ende Februar in den Gunstlagen bis in Ende März bei guten bis sehr guten Bodenverhältnisse durchgeführt werden. Die Saat lief überwiegend gut und gleichmäßig auf, regional konnte jedoch Wassermangel das Auflaufen behindern. Kühlere Temperaturen und Nieder­schläge im Mai begrenzten die drohenden Schäden der Frühjahrstrockenheit in den meisten Regionen. Die sich im Juni anschließende Hitzeperiode setzte den Be­stän­den jedoch wieder zu. Dies zeigt sich auch in den Qualitäten der Erntepartien, die z.T. zu geringe Proteingehalte oder Vollgerstenanteile aufwiesen. Der Krankheitsdruck war aufgrund der Witterungsverhältnisse als vergleichsweise gering einzustufen und die Ernte konnte bei trockener Witterung meist problemlos ablaufen.

Abb. Kornertrag (dt/ha) von Winter- und Sommergerste über die letzten 14 Jahre hinweg; der Kornertrag der Wintergerste liegt in fast allen Jahren deutlich höher als der der Sommergerste

Abb. 1: Ertragsleistung von Sommer- und Wintergerste (Daten: Hess. Statistisches Landesamt)

Landessortenversuche im Anbaujahr 2019

Im Jahr 2019 wurden an zwei hessischen Standorten (Griesheim, Bad Hersfeld) insgesamt sieben Sommergerstensorten geprüft, siehe Tabelle 1. Von den geprüften Sorten verfügen vier Sorten (Quench, Avalon, Accordine, Leandra) über die Verarbeitungsempfehlung des Sorten­gre­miums der Braugersten-Gemeinschaft e.V., die nach erfolgreichem Durchlaufen des so­genannten „Berliner Programms“ vergeben wird. Die Sorte Avalon dominiert nach Einschätzungen des hessischen Braugerstenvereins nach wie vor den hessischen Sommer-Brau­gersten­anbau, gefolgt von RGT Planet. Die vermehrungsstärksten Sorten in Hessen waren Avalon (60 % der Fläche), Leandra (15 %) und RGT Planet (11 %). Bundesweit stellen RGT Planet (2431 ha), Avalon (2422 ha), Leandra (1300 ha), Quench (1036 ha), Accordine (478 ha) und Solist (473 ha) die vermehrungsstärksten Sommer-Braugersten dar. Die in 2018 zu­gelassene Sorte Prospect wurde 2019 in die großtechnischen Praxisversuche aufge­nommen – die Ent­scheidung über die Verarbeitungsempfehlung wird im Februar 2020 erwartet. Die Neuzulassung Klarinette hingegen schaffte nicht den Sprung in die großtechnischen Praxis­versuche.

Speziell zur Nutzung als Futtergerste gezüchtete Sorten werden nicht mehr im Landes­sortenversuch (LSV) mit abgeprüft. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigt vielmehr, dass Braugerstensorten bei ent­sprechender Bestandes­führung (inklusive angepasster N-Düngung) ein hohes Ertragspotential auf­weisen, so dass sie problemlos als Futtergersten angebaut werden können.

Über die Prüfung der Sorten in zwei Intensitätsstufen können aus dem Vergleich der un­behandelten mit der behandelten Stufe Aussagen zur Krankheitsanfälligkeit, Standfestigkeit sowie Ertragssicherheit abgeleitet werden. Obwohl in den Beständen kein Lager auftrat und nur ein relativ geringer Krankheitsdruck zu verzeichnen war, zeigte der Einsatz von Wachs­tumsregler und Fungiziden einen gesicherten Mehrertrag von rund 5 bis 6 %.

Neue Sorten holen auf

Dass aktuelle Braugerstenzüchtungen auch unter ungünstigen Witterungs­ver­hältnissen wie im Anbaujahr 2019 eine akzeptable Leistung bringen können, kann den Ergebnissen der LSV entnommen werden. Am Standort Bad Hersfeld wurden in der behandelten Stufe im Durchschnitt 72,7 dt/ha geerntet und somit ein ähnlicher Ertrag wie in 2018 (Tabelle 1). Die ertragsstärkste Sorte erzielte 76,1 dt/ha. In Griesheim wurde aufgrund der Trocken­heit eine Beregnungsgabe von 35 mm in der dritten Junidekade verabreicht, was vermutlich erklärt, dass die Ertragsleistung mit 75,0 dt/ha deutlich über der Vorjahresleistung (51,5 dt/ha) und noch über den in Bad Hersfeld erreichten Erträgen liegt.

Die beste Ertragsleistung brachte in Stufe 2 am Standort Bad Hersfeld die mittlerweile zweijährig geprüfte Leandra, gefolgt von der langjährig bewährten RGT Planet und der Neu­zulassung Prospect. In der unbehandelten Stufe hingegen konnte sich RGT Planet stärker von den anderen Sorten absetzen. In Griesheim bildeten RGT Planet, Accordine, Prospect und Klarinette die Leistungsspitze in Stufe 2, während in Stufe 1 RGT Planet vor Accordine und Klarinette rangierte. Ertraglich deutlich abgeschlagen zeigte sich in diesem Jahr an beiden Standorten und in beiden Stufen Avalon.

Qualitätsdaten nicht immer zufriedenstellend

Soll Sommergerste als Braugerste vermarktet werden, sind eine Reihe von Qualitätskriterien zu erfüllen. Zu nennen sind hier als erstes der Rohproteingehalt, die Sortierung und die Keimfähigkeit. Weiterhin müssen Geruch, Farbe und Spelzenfeinheit den Anforderungen der Verarbeiter entsprechen.

Der Vollgerstenanteil von Braugerstenpartien soll 90 % überschreiten. Am Standort Bad Hersfeld lagen alle Sorten in beiden Stufen über 90 %, wobei RGT Planet in beiden Stufen die höchsten Vollgerstenanteile erreichte, während Quench (Stufe 2) bzw. Accordine (Stufe 1) die schlechtesten Ergebnisse erzielten (Tabelle 2). Am Standort Griesheim hingegen wurde der geforderte Vollgerstenanteil von keiner Sorte erreicht. Ursache für die schlechte Sortierung ist wahrscheinlich Wassermangel. Die Ende Juni verabreichte Bewässerungsgabe (35 mm) hat zwar stärkere Ertragseinbußen verhindert, reichte aber letztlich nicht aus, um eine gute Stärkeeinlagerung ins Korn zu gewährleisten. Wie in Bad Hersfeld fiel Quench durch einen sehr geringen Vollgerstenanteil auf, während Accordine (Stufe 2) bzw. Avalon und Leandra (Stufe 1) am oberen Ende rangierten.

Aus dem Kornertrag und dem Vollgerstenanteil ergibt sich der Vollgerstenertrag. Eine statistische Auswertung hierzu ist nicht möglich, da der Vollgerstenanteil nur an Mischproben aus den Wiederholungen einer Sorte ermittelt wird. Aufgrund hoher Ertragsleistung und gutem Vollgerstenanteil liegt RGT Planet in beiden Stufen an der Leistungsspitze (Tabelle 1). In Stufe 1 bringt auch Klarinette eine über dem Mittel liegende Leistung. Leandra kann aufgrund einer geringen Ertragsleistung in Bad Hersfeld nur in Griesheim überzeugen. Ebenso zeigen Accordine, Avalon und Quench deutliche Standortunterschiede.

In Übereinstimmung zum Vollgerstenanteil lag die Tausendkornmasse in Griesheim (38,7 g / 40,9 g) deutlich unter den in Bad Hersfeld erzielten Werten (45,9 g / 47,9 g). Die schlechtere Kornausbildung in Griesheim führte zu Rohproteingehalten (10,8 bis 11,5 in Stufe 2), die sich zwar noch im tolerierten Bereich, aber bei einigen Sorten am oberen Ende bzw. leicht darüber bewegten (Tabelle 2). Proteingehalte über 11,5 % führen zu Problemen in der Verarbeitung und schränken die Ausbeute an vergärbaren Kohlenhydraten ein. Die N-Düngung, Flächenauswahl und Fruchtfolgegestaltung sind entsprechend zu gestalten. Unbedingt zu vermeiden sind Flächen oder Vorfrüchte, die eine hohe N-Nachlieferung erwarten lassen.

Von den Verarbeitern bevorzugt für die Herstellung von hellen Bieren sind proteinarme Gersten. Zu geringe Proteingehalte (< 9,5 %) sind aber ebenfalls unerwünscht, da sie die Hefegärung und Schaumqualität des Bieres negativ beeinflussen können. Am Standort Bad Hersfeld konnte mit Ausnahme von Klarinette (Stufe 1) keine Sorte die Mindestanforderung von 9,5 % Rohprotein erfüllen. Ähnliches wurde auch von einigen Praxisbetrieben berichtet. Ur­sächlich hierfür sind vermutlich die Witterungsverhältnisse, die zu einer schlechten Be­stan­desentwicklung führten und die N-Aufnahme ins Korn behinderten. Die N-Düngung am Standort Bad Hersfeld hingegen war auf ein normales Ertragsniveau ausgerichtet.

Erfüllt Braugerste nicht die geforderten Qualitäten und muss als Futtergerste vermarktet werden, ist das Hektolitergewicht das entscheidende Qualitätskriterium. Werte über 62 kg sind gefordert, bei Werten unter 64 kg werden aber oft Preisabschläge vorgenommen. In Bad Hersfeld lagen alle Sorten über 64 kg/hl, in Griesheim wurde der Zielwert nicht von allen Sorten erreicht. Durch höhere Werte zeichneten sich Accordine und Klarinette aus. Die Keimfähigkeit von Sommergerstenproben, die im Rahmen der Saatgutanerkennung analysiert wurden, waren stets von einwandfreier Beschaffenheit mit Werten über 95 %.

Mehrjährige und überregionale Ergebnisse

Versuchsparzellen mit reifer Sommerbraugerste
LSV Sommerbraugerste
Witterungsverhältnisse können stark zwischen den Jahren variieren und Klimaprognosen sagen eine Zunahme von Wetterextremen vorher. Somit sind für den Anbauer Sorten von Interesse, die in jedem Jahr eine ansprechende Leistung liefern, d.h. eine hohe Ertrags­stabilität und hohe Ertragssicherheit bei guter Qualität des Erntegutes mitbringen. Da Sorten aufgrund ihrer Eigenschaften auf verschiedene Witterungskonstellationen unter­schiedlich reagieren können und bestimmte Eigenschaften, wie z.B. Krankheitsresistenzen, nicht in jedem Jahr zum Tragen kommen, kann eine Sorte nur über eine möglichst breite Datenbasis sicher beurteilt werden. Hierzu benötigt werden Exaktversuche, die an mehreren Standorten und über mehrere Jahre durch­geführt werden.

Betrachtet man den Vollgerstenertrag, liegt RGT Planet im Mittel über drei Prüfjahre klar in beiden Intensitätsstufen über dem Durchschnitt (Tabelle 3). Accordine zeigt nur in Stufe 1 eine vergleichbare Leistung zu RGT Planet, während die Sorte in Stufe 2 mit stärkeren Schwankungen zwischen den Jahren auf die Umweltverhältnisse des Jahres zu reagieren scheint. Dies trifft auch auf Avalon zu, die in Stufe 2 über die Jahre etwas abfällt und nur ein durchschnittliches Ergebnis erreicht. Am Ende der geprüften Sorten rangiert Quench aufgrund der schwächeren Kornerträge und Vollgerstenanteile. Die zweijährig geprüfte Leandra kann die schwache Leistung des Vorjahres deutlich übertreffen.

Um die Sortenleistungen noch besser einschätzen zu können, ist es sinnvoll, die Ergebnisse der überregionalen Versuchsauswertungen in die Betrachtung einzubeziehen, in welche nicht nur die Daten der Landessortenversuche, sondern auch der Wertprüfungen einfließen, die Grundlage einer Sortenzulassung durch das Bundessortenamt sind. Die überregionale Auswertung erfolgt nach Anbaugebieten (siehe auch http://geoportal.julius-kuehn.de), wobei Hessen in drei Anbaugebieten (AG) vertreten ist: den Mittellagen Südwest (AG 16), den Höhenlagen Südwest (AG 19) und den Wärmelagen Südwest (AG 20).

In Tabelle 4 sind die 5-jährigen Ergebnisse für den Korn- und Vollgerstenertrag in Stufe 2 dargestellt. Im Kornertrag liegt RGT Planet, wie zu erwarten, in allen Anbaugebieten im oberen Bereich, die Leistungsspitze erreicht in den AG 19 und 20 jedoch Prospect. Leandra stellt ertraglich eine leichte Verbesserung zu Accordine dar – beide bewegen sich im Mittelfeld. Etwas schwächer präsentiert sich Avalon und am unteren Ende rangiert Quench. Ein ähnliches Bild ergibt sich für den Vollgerstenertrag, bei welchem RGT Planet nach wie vor in allen Anbaugebieten mit einer überdurchschnittlichen Leistung überzeugt. Prospect präsentiert sich etwas schwächer als im Kornertrag.

Sortenempfehlung zur Aussaat 2020

Braugerste muss ganz spezielle Anforderungen an die Qualität und Verarbeitungs­eigen­schaften erfüllen, um von den Verarbeitern akzeptiert zu werden. Die Sortenwahl ist daher vor allem auf die Vermarktung auszurichten. Der Abstimmung zwischen Braugersten­produzenten, aufnehmender Hand, Mälzereien und Brauereien im Vorfeld kommt somit eine große Bedeutung zu. Bei der Sortenempfehlung werden daher nicht nur agrono­mische Sorteneigenschaften wie Reifezeit, Lagerneigung, Krankheitsanfälligkeit und Ertrags­leistung berücksichtigt, die für den Anbauer von großer Relevanz sind, sondern auch verarbeitungs­technische Eigenschaften und die Anforderungen des Marktes. Hilfreich hierfür ist das Berliner Programm, in welchem neue Sorten auf ihre Verarbeitungstauglichkeit im Praxismaßstab geprüft werden.

Als Ergebnis der Abstimmungen mit den Marktpartnern werden in Hessen für das Anbaujahr 2020 die Sorten Avalon, Accordine und RGT Planet landesweit empfohlen. Der Sorte RGT Planet wurde zwar keine Empfehlung durch das Berliner Programm erteilt, sie stellt aber aufgrund ihrer hohen Ertragsleistung und akzeptablen Vollgerstenanteile für den Anbauer eine interessante Sorte dar. Vor einem geplanten Anbau für Brauzwecke sollte daher unbedingt die Vermarktung mit der aufnehmenden Hand geklärt werden. Für den Probeanbau empfohlen wird die Sorte Leandra, für die erst zwei Prüfjahre im LSV vorliegen. In Tabelle 5 sind die wichtigsten Eigenschaften der geprüften Sorten zusammengefasst.

Avalon (Saatzucht Breun/Hauptsaaten; Zulassung 2012) hat wiederum eine Empfehlung erhalten aufgrund der mehrjährig guten Leistungen. Der Kornertrag erreicht zwar nur ein mittleres Niveau, ein hoher Vollgerstenanteil wird jedoch sicher erreicht. Die Proteingehalte sind meist unkritisch. Die mittel abreifende Sorte ist mittel bis kurz im Wuchs. Lager und Halmknicken treten nur in geringem Umfang auf. Avalon ist wenig anfällig für Zwergrost, die etwas höhere Mehltauanfälligkeit ist jedoch zu beachten. Weiterhin zu beachten ist die höhere Anfälligkeit für Rynchosporium.

Accordine (Ackermann Saatzucht/Saaten Union; Zulassung 2016) zeichnet sich aus durch einen stabilen Vollgerstenertrag, der insbesondere in Stufe 1 deutlich über dem Durchschnitt liegt. Ertraglich stellt sie also eine Verbesserung zu Avalon dar, jedoch nicht in der Sortierung, die etwas schwächer ausfällt. Accordine reift etwas später ab und verfügt über eine mittlere bis gute Standfestigkeit und Strohstabilität. Die Anfälligkeit für Mehltau ist sehr gering, da die Sorte über ein Mlo11-Resistenzgen verfügt. Die Anfälligkeiten für Netzflecken, Rynchosporium und Zwergrost sind gering bis mittel.

RGT Planet (Zulassung 2014) wird für den Anbau empfohlen aufgrund ihrer hohen bis sehr hohen und sehr stabilen Kornerträge, die auch der guten Blattgesundheit zuzuschreiben sind. So besitzt die Sorte ebenfalls eine Mehltau-Resistenzgen. Bei guter Sortierung rangiert die Sorte auch im Vollgerstenertrag meist im Spitzenbereich. Bei mittelspäter Abreife weist sie eine mittlere Neigung zu Lager und Halmknicken auf.

Leandra (Saatzucht Breun/Hauptsaaten; Zulassung 2017) hat sich in zwei Prüfjahren als sehr gesunde Sorte präsentiert (verfügt über Mehltau-Resistenzgen), deren Vollgerstenerträge im mehrjährigen, überregionalen Vergleich auf dem Niveau von Accordine liegen. Die Sortierung erreicht nicht ganz das Niveau von Avalon, der Proteingehalt ist als sehr gering einzuordnen. Die Neigung zu Lager und Halmknicken liegt im mittleren Bereich. Nach Angaben der Vertriebsfirma soll sich Leandra auch für eine Herbstaussaat eignen.

Tabelle 1: LSV Sommer-Braugerste Hessen; Kornertrag und Vollgerstenertrag (> 2.5 mm) des Versuchsjahres 2019 (relativ zu BB)

  Kornertrag Vollgerstenertrag
unbehandelt
(rel, zur BB)
fungizidbehandelt
(rel, zur BB)
unbehandelt
(rel, zur BB)
fungizidbehandelt
(rel, zur BB)
GRI HEF Mittel GRI HEF Mittel GRI HEF Mittel GRI HEF Mittel
BB (dt/ha) 70,4 68,1 69,3 74,9 71,7 73,3 55,6 64,1 59,9 62,9 67,9 65,4
VD (dt/ha) 71,0 68,0 69,5 75,0 72,7 73,8 57,8 64,1 60,9 62,3 69,1 65,7
GD 5 % (relativ) 9,2 10,2 8,7 9,6
Quench BB 94 101 97 100 102 101 77 100 89 88 99 94
Avalon BB 95 92 93 95 93 94 107 93 99 99 94 96
RGT Planet BB 107 108 107 103 104 104 107 110 108 105 107 106
Accordine BB 104 100 102 102 101 102 109 98 103 109 100 104
Leandra 102 95 99 96 106 101 114 95 104 93 109 101
Prospect 99 102 100 102 104 103 101 101 101 96 103 100
Klarinette 104 102 103 103 100 101 112 104 108 103 101 102

VD, Versuchsdurchschnitt über alle Sorten; BB, Bezugsbasis; GD, Grenzdifferenz; GRI, Griesheim (Darmstadt); HEF, Bad Hersfeld (Eichhof)

Tabelle 2: LSV Sommer-Braugerste Hessen; Qualitätsmerkmale (absolut), Versuchsjahr 2019

unbehandelt  fungizidbehandelt 
GRI HEF Mittel GRI HEF Mittel

Rohproteingehalt (%)

Quench BB 11,5 8,7 10,1 11,5 8,9 10,2
Avalon BB 11,7 8,8 10,2 11,5 8,9 10,2
RGT Planet BB 10,5 8,4 9,4 11,4 8,4 9,9
Accordine BB 11,1 8,7 9,9 10,8 8,4 9,6
Leandra 11,1 9,0 10,0 11,5 8,7 10,1
Prospect 11,0 8,6 9,8 11,1 8,6 9,9
Klarinette 11,3 9,5 10,4 11,1 8,7 9,9
Mittel 11,1 8,8 10,0 11,3 8,7 10,0

Tausendkornmasse (TKM in g)

Quench BB 34,7 40,8 37,8 36,9 45,3 41,1
Avalon BB 41,1 47,6 44,4 41,7 47,9 44,8
RGT Planet BB 38,4 46,2 42,3 42,3 50,9 46,6
Accordine BB 40,2 44,7 42,5 45,5 46,1 45,8
Leandra 39,9 49,0 44,5 40,7 50,0 45,4
Prospect 37,1 44,5 40,8 38,3 45,8 42,1
Klarinette 39,5 48,6 44,1 41,2 46,7 44,0
Mittel 38,7 45,9 42,3 40,9 47,5 44,2

hl-Gewicht (kg/hl)

Quench BB 62,6 71,9 67,3 63,4 71,5 67,5
Avalon BB 64,7 70,2 67,5 64,7 69,0 66,9
RGT Planet BB 61,8 64,8 63,3 64,3 71,2 67,8
Accordine BB 65,0 70,7 67,9 67,4 72,2 69,8
Leandra 64,4 68,8 66,6 63,4 69,5 66,5
Prospect 62,9 70,9 66,9 64,0 70,6 67,3
Klarinette 66,0 72,5 69,3 66,0 72,7 69,4
Mittel 63,9 70,0 66,9 64,7 71,0 67,9

Vollgerstenanteil (Siebsortierung > 2,5 mm, in %)

Quench BB 64,4 93,4 78,9 73,9 91,9 82,9
Avalon BB 89,1 95,0 92,1 87,8 95,8 91,8
RGT Planet BB 78,9 96,0 87,5 85,2 97,1 91,2
Accordine BB 83,0 92,2 87,6 89,4 94,0 91,7
Leandra 88,5 93,6 91,1 81,3 96,9 89,1
Prospect 80,7 93,5 87,1 79,7 93,7 86,7
Klarinette 84,6 95,7 90,2 84,4 95,7 90,1
Mittel 81,3 94,2 87,8 83,1 95,0 89,1

GRI, Griesheim; HEF, Bad Hersfeld

Tabelle 3: LSV Sommer-Braugerste Hessen; Vollgerstenertrag (> 2,5 mm; relativ zu BB), Versuchsjahre 2017 bis 2019

  unbehandelt
(dt/ha, 86 % TS)
fungizidbehandelt
(dt/ha, 86 % TS)
Jahr 2017 2018 2019 Mittel 2017 2018 2019 Mittel
Orte 2 2 2 2 2 2
BB (dt/ha) 58,2 46,5 59,9 54,8 67,2 53,6 65,5 62,1
Quench BB  94  86  89  90  94  90  94  93
Avalon BB  99  97  99  98 103 101  96 100
RGT Planet BB 101 111 109 106 106 108 106 106
Accordine BB 107 106 103 105  97 101 104 101
Leandra  90 104    92 101  
Prospect 101   100  
Klarinette 108   102  

VD, Versuchsdurchschnitt über alle Sorten; BB, Bezugsbasis; TS, Trockensubstanz

Tabelle 4: Relativer Kornertrag und Vollgerstenertrag (> 2,5 mm) nach Hohenheim-Gülzower-Methode für die Anbaugebiete (AG) 16, 19 und 20 in Intensitätsstufe 2 (behandelt); Datenbasis: 2015-2019, AG 16: Mittellagen Südwest, AG 19: Höhenlagen Südwest, AG 20: Wärmelagen Südwest

  Kornertrag Vollgerstenertrag
AG 16 AG 19 AG 20 AG 16 AG 19 AG 20
VRS (dt/ha) absolut 78,4 71,8 73,9 73,7 70,0 65,7
Quench 97,0 95,1 96,0 95,8 94,6 94,7
Avalon 97,8 97,6 97,1 99,4 99,4 99,5
RGT Planet 103,8 103,6 102,8 103,7 103,9 103,2
Accordine 99,0 98,4 98,8 99,2 99,1 99,1
Leandra 100,4 99,7 99,9 99,7 99,1 100,0
Prospect 103,9 104,0 102,5 101,7
Klarinette 101,8

VRS; Verrechnungssorten

Die folgende Tabelle kann nicht barrierefrei dargestellt werden. Bitte kontaktieren Sie Frau Dr. Herrmann bei Fragen (Telefon: +49 6621 9228 32).

Tabelle 5: Anbau-, Ertrags- und Qualitätseigenschaften Sommerbraugerste nach Beschreibender Sortenliste des Bundessortenamtes 2019

Neigung zu Anfälligkeit für Ertragseigenschaften Qualität
Züchter / Vertreiber Zugelassen seit Ähren-schieben Reife Pflanzen-länge Lager Halm-knicken Ähren-knicken Mehl-tau Netz-flecken Rhyncho-sporium Zwerg-rost Bestandes-dichte Kornzahl pro Ähre TKM Korn-ertrag Stufe 1 Korn-ertrag Stufe 2 Markt-waren-anteil Voll-gersten-anteil Hekto-liter-gewicht Protein-gehalt Malz-extrakt-gehalt Mälzungs-schwand Friabili-meter Wert Visko-sität Eiweiß-lösungs-grad End-vergärungs-grad
Quench Syngenta 2006 6 6 3 4 4 3 2 5 5 6 7 5 5 5 5 7 7 6 1 8 5 8 2 7 8
Prospect SZ Streng / IG 2018 5 5 3 4 3 3 2 4 4 5 8 6 5 7 7 7 7 5 1 9 6 9 1 9 9
Avalon SZ Breun / Haupts, 2012 5 5 4 3 4 5 5 4 6 3 6 5 7 5 5 7 7 5 1 9 4 9 1 9 8
Leandra SZ Breun / Haupts, 2017 6 5 3 4 4 5 2 3 4 3 7 5 7 7 6 7 7 5 1 9 5 9 1 9 9
RGT Planet0 RAGT 2014 4 5 4 5 5 4 2 5 4 4 7 5 7 8 8 7 7 5 1 9 5 9 1 9 9
Accordine Ackermann SZ / SU 2016 5 6 4 4 4 4 2 4 4 4 6 6 6 7 6 7 7 5 1 9 4 9 1 9 9
Klarinette Secobra 2018 4 5 3 4 4 5 2 3 4 3 8 6 6 8 7 7 7 6 1 9 6 8 2 7 8

0 Resistenz gegen Gertreidezystennematoden Heterodera avenae
1-9: Boniturnoten des BSA (1 = sehr gering, kurz, früh; 9 = sehr hoch, lang, spät)
grün hinterlegte Zellen: positiv zu bewertende Merkmalsausprägung; orange hinterlegte Zellen: negativ zu bewertende Merkmalsausprägung


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