Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Versuchswesen Marktfruchtbau

Ergebnisse der LSV Sommergerste 2021 & Empfehlungen

Die Sommergerste stellt die wichtigste Kultur unter den Sommerungen für den hessischen Anbau dar. Hauptziel des Anbaus ist häufig die Braugerstenerzeugung. Die Anforderungen an das Erntegut sind hoch; spezifische Qualitätsanforderungen müssen für die Mälzer- und Brauereien zur weiteren Verarbeitung gegeben sein.

Die Landessortenversuche Sommergerste am Standort Bad Hersfeld
Die Landessortenversuche Sommergerste am Standort Bad Hersfeld

Umso wichtiger ist es, per se auf eine geeignete Sorte zu setzen. Welche Eigenschaften und Leistungen die aktuellen Sorten unter hessischen Anbaubedingungen mitbringen, zeigen die Ergebnisse der hessischen Landessortenversuche Sommergerste 2021.
Die Anbaufläche von Sommergerste war im vergangenen Erntejahr bundesweit rückläufig (Destatis 2021). In Hessen zeigte sich dies besonders deutlich, da im Vergleich zum Vorjahr rund ein Viertel weniger Fläche für den Anbau von Sommergerste genutzt wurde (Abb. 1). Der überwiegende Anteil des Gerstenanbaus fokussiert sich auf den Wintergerstenanbau, sodass weniger als 20% der gesamten Gerstenanbaufläche in Hessen im Sommeranbau stattgefunden hat. Klassischerweise lagen die Erträge in 2021 rund 11 dt/ha unterhalb der Wintergerstenerträge. Gründe hierfür sind sicherlich die bessere Ausnutzung der Winterfeuchtigkeit zur Ertragsbildung durch die längere Vegetationszeit. Wenngleich sich das Ertragsniveau der Sommergerste zum Vorjahr verbessert hatte, fiel dennoch die Gesamterntemenge um 20 000 t geringer aus. Mit Blick auf die Vermarktung wird die Sommergerste klassischerweise für die Braugerstennutzung angebaut. Auch die damit einhergehenden Restriktionen in der Bestandesführung führten zu diesem Ergebnis.

Abbildung 1: Entwicklung der Anbaufläche, Erträge und Erntemenge von Winter- und Sommergerste in Hessen im Zeitraum 2019-2021; Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), 2021
Abbildung 1: Entwicklung der Anbaufläche, Erträge und Erntemenge von Winter- und Sommergerste in Hessen im Zeitraum 2019-2021; Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), 2021

Dem entgegnen steht jedoch die überaus positive Entwicklung der Marktnotierung für die Braugerste. Aufgrund der hohen Nachfrage sowie der Angebotsknappheit am europäischen Markt, hat sich im Vergleich zur KW 01 des Vorjahres der Preis für eine Tonne Braugerste frei Lager verdoppelt (KW 01/ 2021: 166,25 €/t, KW 01/2022: 338,6 €/t; LLH Marktinformation). Damit führt die Braugerste aktuell auch weit vor den anderen Getreidearten die Preisspitze an. Folglich sind auch weiterhin ausreichend Anreize, sowohl aus pflanzenbaulicher als auch wirtschaftlicher Perspektive, für den Sommergerstenanbau gegeben.

Landessortenversuche Sommergerste im Anbaujahr 2021

Der Landessortenversuch (LSV) Sommergerste wird in Hessen an zwei Standorten durchgeführt. Im Jahr 2021 wurden jeweils am südhessischen Standort Griesheim sowie am osthessischen Standort Bad Hersfeld neun Sorten in Hinblick auf eine Braugerstennutzung geprüft. Eine gesonderte Prüfung als Futtergerste findet in Hessen nicht statt, da sich die Sorten aufgrund des hohen Ertragspotential bei entsprechender Bestandesführung auch zur Futternutzung eignen.

Die Aussaatbedingungen zeigten sich in 2021 zunächst gut und die Bestände liefen gut auf. Am Standort Griesheim erfolgte die Aussaat termingerecht Anfang März, in Bad Hersfeld verzögerte sich diese auf Anfang April. Im Frühjahr waren ausreichend Niederschläge zu verzeichnen, sodass optimale Bedingungen zur Jugendentwicklung gegeben waren und sich die Bestände rasch und üppig entwickelten. Durch die ausreichende Wasserversorgung war, entgegen der von Trockenheit geprägten Vorjahre, am Standort Griesheim keine Bewässerung des LSV Sommergerste notwendig. Somit waren weitläufig auch in der Praxis positive Ertragsprognosen gegeben. Gemäß dem Sprichwort „man soll den Tag nicht vor dem Abend loben“, zeigten sich schlussendlich jedoch enttäuschender Weise zur Ernte massive Ertragseinbußen. Entscheidend für den Kornertrag ist die Phase nach der Blüte. Gerade die Vollgerstenanteile lagen teilweise unterhalb der Erwartungen, was auf Probleme während der Kornfüllung hinweist. Für eine gute Braugerstenqualität muss zu diesem Zeitpunkt ausreichend Wasser zur Verfügung stehen. Aber auch die fehlenden Sonnenstunden im Juni trugen sicherlich einen maßgeblichen Teil dazu bei. Des Weiteren verzögerte sich aufgrund der anhaltenden Niederschläge die Ernte mancherorts deutlich. Zwischen den Ernteterminen der LLH-Versuche lag eine Diskrepanz von 4 Wochen. Während der LSV am Standort Griesheim in der zweiten Julihälfte geerntet wurde, konnte der Standort Bad Hersfeld erst Mitte August beerntet werden. Die massiven und immer wiederkehrenden Niederschläge führten darüber hinaus zu Problemen in der Strohstabilität, sodass vielerorts gesamte Bestände von Halmbruch- und Lager betroffen waren. Dieser Umstand führte zusätzlich zu Defiziten der Ernte- und für die Braugerste vor allem wichtigen Qualitätsergebnisse.

Verarbeitungskriterien für den Braugerstenanbau bedeutsam

Gerade bei der Sortenwahl für den Braugerstenanbau sind die Verarbeitungseigenschaften von maßgeblicher Bedeutung. Die Bewertung der Verarbeitungseigenschaften erfolgt durch das sogenannte „Berliner Programm“. Hierbei werden nach erfolgreicher Zulassung durch das Bundessortenamt vielversprechende Sorten in bundesweiten Mälzungs- und Brauversuchen im Praxismaßstab überprüft. Anschließend erfolgt bei entsprechenden Ergebnissen eine Verarbeitungsempfehlung des Sortengremiums der Braugersten-Gemeinschaft e.V.. Von den im LSV geprüften Sorten verfügen fast alle Sorten (ausgenommen sind RGT Planet und bis dato noch Lexy) über die Verarbeitungsempfehlung des Sortengremiums der Braugersten-Gemeinschaft e.V.. Die Neuzulassung und diesjährig im LSV erstmalig geprüfte Sorte Lexy wurde in 2021 in die großtechnischen Praxisversuche aufgenommen. Die Entscheidung über eine Verarbeitungsempfehlung von Lexy wird für Februar 2022 erwartet.

Hauptanbausorten in der Praxis zur Ernte 2021 in Hessen waren laut Braugerstengemeinschaft e.V. Amidala, Avalon, Leandra und RGT Planet. Insgesamt waren in Hessen 172,57 ha Sommergerste zur Vermehrung angemeldet. Hauptvermehrungssorte in Hessen stellt die im LSV zweijährig geprüfte Sorte Amidala mit 42,4% der Vermehrungsflächen dar. Die Sorte Avalon ist mit 27% rückgängig im Vermehrungsanbau im Vergleich zum Vorjahr. Weiterhin werden die Sorten Leandra (15,7%), RGT Planet (9,7%) und auch bereits die Neuzulassung Lexy (5,4%) in Hessen vermehrt.

Ertragsergebnisse unterdurchschnittlich, aber auf ähnlichem Niveau

Wie in fast allen hessischen Landessortenversuchen üblich, werden auch die Sommergerstensorten unter zwei unterschiedlichen Behandlungsintensitäten geprüft. In einer reduziert behalten Variante wird lediglich zur Absicherung des Bestandes eine reduzierte Gabe von Wachstumsreglern durchgeführt, eine Fungizidbehandlung findet nicht statt. Auf diese Weise kann die Standfestigkeit sowie Krankheitsanfälligkeit einer Sorte für den jeweiligen Standort bewertet werden. Bei der optimierten Behandlungsintensität werden Wachstumsregler und Fungizide standortangepasst eingesetzt, um das volle Leistungspotential der Sorten abbilden zu können. Insgesamt verlief die Prüfung in Griesheim ohne nennenswerten Krankheitsbefall. Lediglich vereinzelt trat Laternenblütigkeit auf, jedoch nicht in dem Ausmaß wie in der Saison 2020 festzustellen war. Folglich konnte zwischen der reduzierten und optimierten Behandlungsintensität kein nennenswerter Ertragsunterschied im Mittel der Sorten festgestellt werden ( Tabelle 1 ). In Bad Hersfeld differenzierten Erträge der Sorten zwischen den Intensitätsstufen stärker mit Unterschieden in einer Reichweite von 12,1 dt/ha bis hin zu 18,6 dt/ha, sodass hier die Leistung durch eine standortangepasste Behandlung abgesichert wurde.

Am Standort Griesheim schnitten diesjährig die Sorten Amidala, Lexy, Quench und RGT Planet mit dem höchsten Kornertrag ab. In Bad Hersfeld lagen die Sorten Accordine, Prospect und RGT Planet ertraglich an der Spitze. Unter Berücksichtigung der Grenzdifferenz hebten sie sich jedoch nur signifikant von KWS Jessie und Accordine zusätzlich auch zum Kornertragsergebnis von Lexy ab ( Tabelle 1 ). Auffallend ist, dass die vielversprechende Neuzulassung Lexy ein stark differenziertes Ertragsergebnis an beiden Standorten zeigt. An der Stelle sei jedoch darauf hingewiesen, dass für eine fundierte Bewertung einer Sorte stets mehrjährige Ergebnisse benötigt werden. Im Mittel über beide Standorte zeigten insgesamt die Sorten Amidala, RGT Planet, Lexy, Prospect und Quench ein leicht überdurchschnittliches Kornertragsergebnis auf, Leandra lag genau im Durchschnitt.

Im Mittel der Sorten lagen die Kornerträge insgesamt unter den Ergebnissen der beiden Vorjahre ( Tabelle 2 ). Für einen mehrjährigen und relativen Vergleich, wird ein Mittelwert der Sorten, die sogenannte Bezugsbasis (BB) errechnet. In das Ergebnis der Bezugsbasis fließen alle Werte von Sorten ein, welche mindestens dreijährig im LSV geprüft wurden. Hierbei lagen die Mittelwerte der BB sowohl in der reduzierten, als auch optimierten Behandlungsstufe rund 10 dt/ha unterhalb dem dreijährigen Mittel ( Tabelle 2 ). Als Hauptgrund für die geringeren Erträge können die Probleme während der Kornfüllung genannt werden. Die Bestandesdichte war aufgrund der guten Bedingungen zwar auffällig hoch (am Standort Griesheim in der optimierten Stufe in 2019: 65 Ähren pro lfd. m, in 2020: 72 Ähren pro lfd. m, in 2021: 84 Ähren pro lfd. m), die Ergebnisse des Vollgerstenanteils zeigen jedoch die Defizite in den Korneigenschaften auf.

Entscheidend für eine solide Aussage über das Leistungspotential einer Sorte unter verschiedenen Standort und Jahreseffekten ist das in Tabelle 2 dargestellte Sortenergebnis in der mehrjährigen Betrachtung. Aus rein agronomischer Sicht stellt hier nach wie vor RGT Planet mehrjährig eine ertragsstarke Sorte dar, allerdings fehlt dieser Sorte die Verarbeitungsempfehlung des Berliner Programms. Mehrjährig stabile, mittlere Kornertragsleistungen zeigte über die Standorte nach wie vor die Sorte Leandra. Auch Prospect konnte mit guten durchschnittliche Leistungen über die beiden Standorte aufwarten. Nach zwei Jahren LSV-Prüfung zeigte sich als ertraglich interessante Sorte Amidala, die überdurchschnittliche Leistungen in beiden Intensitätsstufen in Hessen zeigte (ausgenommen der optimierten Variante in 2020). Zudem erzielte Amidala in Griesheim diesjährig das höchste Ertragsergebnis. Etwas enttäuschender fiel das Ergebnis von KWS Jessie aus, welche bisher lediglich im Jahr 2020 in der optimierten Variante überdurchschnittliche Kornerträge vorweisen konnte. Weiterhin spannend, gerade auch hinsichtlich des Ergebnis der Verarbeitungsempfehlung des Berliner Programms, ist das Ergebnis der Sorte Lexy. Aus agronomischer Sicht konnte sie im ersten Prüfjahr im Mittel der beiden Standorte gute mittlere Ertragsergebnisse vorweisen, wobei sie in Griesheim zu den Spitzensorten zählte. Unter den mehrjährig geprüften Sorten konnten im Mittel der drei vergangenen Jahre die Sorten RGT Planet, Leandra sowie Quench mit einem leicht überdurchschnittlichen Ertragsergebnis in der optimierten Behandlungsintensität abschließen. Auch unter reduzierten Bedingungen erzielten RGT Planet und Leandra, aber auch Accordine überdurchschnittliche Ergebnisse ( Tabelle 2 ).

Überregionale Ergebnisse erweitern die Datengrundlage

Überregionales Kornertragsergebnis der hessischen LSV Sommergerstensorten für die Wärmelagen Südwest (Anbaugebiet 20) in der optimierten Behandlungsintensität der vergangenen fünf Jahre (2017-2021; mittlere Relativerträge und 90% Vertrauensintervalle für paarweisen Vergleich)
Überregionales Kornertragsergebnis der hessischen LSV Sommergerstensorten für die Wärmelagen Südwest (Anbaugebiet 20) in der optimierten Behandlungsintensität der vergangenen fünf Jahre (2017-2021; mittlere Relativerträge und 90% Vertrauensintervalle für paarweisen Vergleich)

Um eine höhere Datengrundlage und damit noch stärkere Aussagekraft zu erzielen, fließen die Ergebnisse der hessischen LSV auch in die gemeinsame, überregionale Auswertung der Sortenleistungen über die Bundesländergrenzen hinweg ein. Die überregionale Auswertung erfolgt nach Anbaugebieten (siehe auch geoportal.jki ), wobei Hessen in drei Anbaugebieten (AG) vertreten ist: den Mittellagen Südwest (AG 16), den Höhenlagen Südwest (AG 19) und den Wärmelagen Südwest (AG 20). Der hessische Versuchsstandort Griesheim befindet sich hierbei in den Wärmelagen Südwest. In Abbildung 2 sind daher die überregionalen Ertragsergebnisse der im hessischen LSV geprüften Sorten im Anbaugebiet Wärmelagen Südwest über die letzten fünf Jahre dargestellt. Hierbei zeigt sich, dass auch überregional die Sorten RGT Planet überdurchschnittliche Erträge zeigt, wiederrum die Sorte Quench hingegen mehrjährig unterdurchschnittlich abschließt. Weiterhin können überregional die Sorten Applaus, Lexy, KWS Jessie, Amidala und Prospect mit mehrjährigen überdurchschnittlichen Ergebnissen aufwarten.

Qualitätsergebnisse für Braugerste entscheidend

Entscheidend wichtig für die Vermarktung der Sommergerste ist jedoch die erzielte Qualität der geernteten Partien. Aufgrund des starken Einflusses der Gerstenqualität auf die Bierqualität, stellen gerade die Bierbrauer und damit die aufnehmende Hand hohe Anforderungen an die gelieferte Ware. Daher muss eine Braugerste eine Reihe von Qualitätskriterien erfüllen (Abb. 3). Werden diese kritischen Werte unter- oder überschritten, wird die Gerste in der Regel nur als Futtergerste zu schlechteren Preisen abgenommen.

Abbildung 3: Qualitätsanforderungen an das Erntegut zur Braugerstennutzung
Rohproteingehalt: von mindestens 9,5% und maximal 11,5%
Vollgerstenanteil (> 2,5 mm): über 90 %
Keimfähigkeit: mindestens 95 bis 98%
Feuchtigkeit: maximal 14,5%
Ausputz (Körner < 2,2 mm): höchstens 2%

Zentrales Qualitätskriterium ist der Rohproteingehalt. Dieser ist für die Hefegärung und Schaumqualität des Bieres von Bedeutung. Der Zielkorridor hierfür liegt zwischen 9,5 bis 11,5%, welcher bei allen Sorten deutlich überschritten wurde ( Tabelle 3 ). Ein zu hoher Proteingehalt resultiert in einer schlechteren Ausbeute an vergärbaren Kohlenhydraten und sorgt für Probleme in der Verarbeitung. Damit der Proteingehalt im Erntegut nicht zu hoch ausfällt, ist es wichtig das Stickstoffangebot der Fläche (aus Düngemaßnahmen und durch Vorfrüchte) im Auge zu behalten. Braugersten sollten daher nicht auf Böden mit einem hohen N-Nachlieferungspotenzial oder nach Vorfrüchten wie Leguminosen angebaut werden, deren Pflanzenreste verstärkt Stickstoff freisetzen. Aber auch die Witterung hat einen Einfluss auf die Mobilisierung von Stickstoff im Boden, was wiederrum warmes, feuchtes Wetter gefördert wird und eine erhöhten Rohproteingehalt begünstigen.

Ein weiteres Qualitätskriterium ist der Vollgerstenanteil (> 2.5 mm), der über 90 % liegen sollte. Gemittelt über beide Versuchsstandorte war das Ergebnis hierfür zufriedenstellend, sodass in der optimierten Behandlungsstufe bei allen Sorten die 90%-Marke überschritten wurde ( Tabelle 3 ). Jedoch differenzieren die beiden Standorte in den Ergebnissen, sodass in Griesheim die Sorten im Mittel ein Ergebnis von 96% und Bad Hersfeld 90,5% erzielt wurde. Die Rangfolge der besten Sorten ist wiederrum an beiden Standorten gleich. Das beste Ergebnis über beide Standorte erzielte die Sorte Avalon mit 96,5%, gefolgt von Accordine mit 95,5% und Leandra mit 95,1% in der optimierten Variante. Die drei niedrigsten Ergebnisse erzielten diesjährig die Sorten KWS Jessie, Lexy und RGT Planet mit Werten im Bereich von 90,9% bis 91,8%. Aber auch die Sorte Quench liegt mit ihrem Ergebnis nah an den untersten Werten. In der reduziert behandelten Variante konnten nur die Sorten Avalon und Accordine und knapp auch Leandra im Mittel der Prüforte den Wert von 90% überschreiten, wobei Accordine und Leandra den Zielwert in Bad Hersfeld nicht erreichten. Dennoch erreichten sie dort die besten Ergebnisse, was die gute Sortierung der Sorten unterstreicht.

Aus einer Kombination des Vollgerstenanteils (> 2.5 mm) und des Kornertrags wird der der Vollgerstenertrag abgeleitet. Dieser lässt sich nicht statistisch auswerten, da er nur aus Mischproben einer Sorte ermittelt wird, kann aber trotzdem ein guter Anhaltspunkt sein. Hierbei können vor allem Sorten mit guten Erträgen kombiniert mit soliden Qualitätseigenschaften punkten. Sowohl in der reduzierten, als auch optimierten Behandlungsintensität erzielte daher die Sorte Amidala diesjährig den höchsten Vollgerstenertrag über beide Standorte ( Tabelle 3 ). In der optimierten Variante zählen Leandra und RGT Planet zu den besten drei Sorten aufgrund ihres hohen Kornertrags. Im Übrigen bestätigt sich dieses Ergebnis auch in der überregionalen Auswertung (Ergebnisse hier nicht dargestellt). In der reduzierten Variante sind es wiederrum die Sorten Accordine und Avalon, welche durch die hohen Qualitätseigenschaften das Ergebnis absichern können. Schlusslichter in beiden Varianten sind diesjährig die Sorten KWS Jessie, Quench und Lexy.

Die Tausendkornmassen der Sorten lagen in der behandelten Variante an beiden Standorten auf ähnlichen Niveau mit 43,3 g. In der reduzierten Variante konnten im Mittel in Griesheim höhere Werte als in Bad Hersfeld festgestellt werden. Die Sorten Accordine, Amidala, Avalon und Leandra zeichnen sich hierbei durch ein hohes TKG aus ( Tabelle 3 ), was wiederrum mit den guten Ergebnissen dieser Sorten im Vollgerstenanteil und -ertrag einhergeht. Analog dazu liegen auch hier wieder die Sorten KWS Jessie und Lexy am unteren Ende.

Sollen oder können nur noch die geernteten Partien als Futtergerste vermarktet werden, sind entsprechende Hektolitergewichte für die Vermarktung entscheidend. Das Hektolitergewicht muss mindestens 62 kg betragen, besser sind 64 kg, um Preisabschläge zu vermeiden. Konnten im letzten Jahr alle Sorten in beiden Intensitätsstufen auf beiden Standorten Werte von deutlich über 64 kg erreichen, war es diesjährig nur in der optimierten Variante am Standort Griesheim der Fall. Dennoch wurden über beide Standorte im Mittel Werte von 63,5 kg in der reduzierten und 65,3 kg in der optimierten Variante erzielt, sodass das Gesamtergebnis der Sorten gut war. Problematisch wurden die Werte nur am Standort Bad Hersfeld in der reduzierten Variante, wo vereinzelt Ergebnisse unterhalb der 62 kg zu verzeichnen waren. Höchstwerte erreichte die Sorten Accordine, Avalon und Quench. Schlusslichter stellten wiederrum die Sorten KWS Jessie und Lexy dar, wobei gerade das Ergebnis in der optimierten Variante unabhängig der Rangfolge als gut zu bewerten ist.

Insgesamt zeigt sich, dass diesjährig bei einigen Sorten deutliche Probleme bei der Kornbildung durch die Qualitätsergebnisse erkennbar wurden. Die Witterungsverhältnisse im Frühsommer erschwerten es den Sorten zum Teil eine gute Braugerstenqualität zu erzielen, gerade in Hinblick auf die Rohproteingehalte. Dennoch war gerade die Sortierung erfreulicher als in den von Vorjahren.

Sortenempfehlung zur Aussaat 2022

Aufgrund der spezifischen Anforderungen der Verarbeiter, sollte vor dem Anbau von Sommerbraugerste dringend eine Abstimmung mit den Handelshäusern bzw. Mälzereien als Vermarktungspartnern erfolgen. Andernfalls ist eine Vermarktung des Ernteguts mitunter nicht gewährleistet, denn oftmals werden Sorten oder ein Sortenspektrum für die Abnahme vorgegeben. Neben den für den Anbauer wichtigen agronomischen Sorteneigenschaften wie Ertragsleistung, Krankheitsresistenz, Reifeverhalten und Strohstabilität werden daher für die Sortenempfehlungen auch besonders die Qualitätseigenschaften betrachtet. Einen detaillierten Überblick der Sorteneigenschaften bietet die beschreibende Sortenliste des Bundessortenamts ( Tabelle 4 ).

Auf Basis der LSV-Ergebnisse und nach Abstimmung mit den Marktpartnern werden für den Sommerbraugerstenanbau 2022 hessenweit die mehrjährig geprüften Sorten Avalon, Leandra und RGT Planet empfohlen. RGT Planet stellt für den Anbauer eine interessante Sorte dar, jedoch erhielt sie keine Verarbeitungsempfehlung des Berliner Programms. Daher sollte vor einem geplanten Anbau für Brauzwecke unbedingt die Vermarktung mit der aufnehmenden Hand geklärt werden. Die Sorte Amidala konnte im hessischen Anbau ebenfalls überzeugen und wird aufgrund der bislang nur zweijährig vorliegenden Ergebnisse zunächst für den Probeanbau in 2022 empfohlen. Für den Futtergerstenanbau wird die Sorte RGT Planet empfohlen.

Empfehlungssorten auf einen Blick

Avalon (Saatzucht Breun/Hauptsaaten; Zulassung 2012) konnte bereits über viele Jahre überzeugen und erhält auch in diesem Jahr wieder eine Empfehlung. Der absolute Kornertrag liegt zwar nur im leicht unterdurchschnittlichen Bereich, dafür zeichnet sich die Sorte durch einen hohen Vollgerstenanteil aus. Der Proteingehalt ist zwar am oberen Ende, in der Regel aber unkritisch. Die höhere Anfälligkeit gegenüber Mehltau und vor allem Rhynchosporium sollten bei regional erhöhtem Befallsaufkommen im Hinterkopf behalten werden, ihre Anfälligkeit gegenüber Zwergrost ist wiederrum gering. Darüber hinaus zeichnet sie sich durch eine gute Standfestigkeit mit geringer Lagerneigung aus. Die hessische Vermehrungsfläche in 2021 betrug 46,32 ha.

Leandra (Saatzucht Breun/Hauptsaaten; Zulassung 2017) konnte sich in den Prüfjahren mit soliden, leicht überdurchschnittlichen Ertragsleistung und guten Vollgerstenanteilen bewähren, woraus sehr gute Ergebnisse im Vollgerstenertrag erzielt werden konnten. Leandra verfügt über ein gutes gesundheitliches Profil, sodass eine gute Blattgesundheit durch ihre sehr geringe Anfälligkeit gegenüber Zwergrost und Mehltau vorhanden ist. Die Neigung zum Lager und die Strohstabilität liegen im mittleren Bereich. Die Abreife erfolgt mittelspät. Die hessische Vermehrungsfläche in 2021 betrug 27,02 ha.

RGT Planet (RAGT Saaten; Zulassung 2014) überzeugt bereits langjährig durch hohe und gleichzeitig stabile Kornerträge. In Kombination mit einem hohen Vollgerstenanteil, können so hohe Vollgerstenerträge erzielt werden. RGT Planet verfügt über ein gutes gesundheitliches Profil mit geringer Anfälligkeit gegenüber Mehltau. Zudem verfügt die Sorte über eine genetisch fixierte Resistenz gegen Getreidezystennematoden. Lagerneigung und Strohstabilität liegen im mittleren Bereich, die Abreife erfolgt mittelspät. Aufgrund der fehlenden Verarbeitungsempfehlung ist sie vorrangig als ertragsstarke Futtergerste einsetzbar, nach Absprache mit der aufnehmenden Hand ist eine Braugerstenproduktion aber auch möglich. Die hessische Vermehrungsfläche in 2021 betrug 16,80 ha. Bundesweit hatte sie die meiste Vermehrungsfläche unter den Sommergerstensorten.

Probeanbau: Amidala (Nordsaat SZ/Hauptsaaten, Zulassung 2019) zeigte in den ersten beiden Prüfjahren hohe Kornerträge bei gleichzeitig sehr guten Qualitätseigenschaften, sodass sie aufgrund der noch geringen Datengrundlage zunächst für den Probeanbau empfohlen wird. Als ertragsstarke Sorte mit guter Sortierung ermöglicht es Amidala bei guten Vollgerstenanteilen sehr gute Ergebnissen im Vollgerstenertrag zu erzielen. Daneben verfügt sie über ein gutes gesundheitliches Profil mit geringer Anfälligkeit gegenüber Mehltau. Auch ihre Standfestigkeit und Strohstabilität sind als gut einzustufen. Die Abreife liegt im mittleren Bereich. Die Vermehrungsfläche in Hessen betrug in 2021 73,18 ha und machte damit den größten Vermehrungsanteil der Sommergerste aus.


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