Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktfruchtbau

Ergebnisse der LSV Wintertriticale 2018/19 & Empfehlungen

Wintertriticale hat nicht enttäuscht!

Nachdem die hessische Anbaufläche von Triticale über die letzten Jahre, von kleinen Schwankungen abgesehen, relativ stabil war, wurde nach vorläufigen Schätzungen des Statistischen Landesamtes der Anbau im Vergleich zum Vorjahr um 3300 ha ausgedehnt. Daraus kann nicht geschlussfolgert werden, dass Betriebe nun verstärkt auf Triticale setzen. Die Zunahme ist vielmehr darauf zurückzuführen, dass die Rapsanbaufläche, bedingt durch die Trockenheit im Herbst 2018, drastisch abgenommen hat. Triticale konnte meist zum optimalen Termin ausgesät werden, nachdem im September letzten Jahres Niederschläge einsetzen. Die Bestände präsentierten sich im Frühjahr in der Praxis jedoch uneinheitlich, da aufgrund des Wassermangels das Auflaufen teils verzögert war. Pilzkrankheiten spielten bis Ende April aufgrund der Witterungs­ver­hält­nisse meist noch keine große Rolle. Da die Bodenwasservorräte noch nicht wieder aufgefüllt waren, war ein regelmäßiger Nieder­schlag essentiell für die Entwicklung der Bestände. Mit unterdurch­schnittlichen Nieder­schlägen im April machte sich dann auch in vielen Regionen Hessens Wassermangel bemerkbar. Steigende Temperaturen und vielerorts gefallene Niederschlage im Mai führten bei anfälligen Sorten zur Ausbreitung von Braun­rost.

Wintertriticale
Dies diesjähren Erträge lagen über dem Mittel der letzten Jahre
Trotz der wieder herausfordernden Witterung erreicht Triticale nach einer vorläufigen Schätzung der Getreideernte (Statistisches Landesamt) im aktuellen Jahr ein akzeptables Ertragsniveau von 69,4 dt/ha und liegt damit über dem 6-jährigen Mittel (2013-2018) von 66,9 dt/ha. Wirtschaftliche konkurrenzfähig ist der Triticaleanbau vor allem auf Grenzertrags­standorten des Weizenanbaus. Besonders interessant wird der Anbau von Triticale, wenn er betriebs­intern als Futtermittel oder für die Biogaserzeugung eingesetzt werden kann. Ent­sprechend liegt der Fokus des Triticaleanbaus in solchen Schwerpunktregionen. Auf leichteren Stand­orten ist Triticale Roggen unterlegen, der über ein stärker entwickeltes Wurzelsystem verfügt und Winter­feuchtig­keit besser zur Ertragsbildung nutzen kann. Bis zum Durchbrechen von Gelb- und Braunrost­resistenzen vor einigen Jahren galt Triticale als Kultur, die extensiv mit geringem Fungizideinsatz geführt werden kann. Mittlerweile sind aber wieder vielver­sprechende Neu­züchtungen am Markt, die eine allgemein gute Blattgesundheit aufweisen.

Fünf Sorten erstmalig im Landessortenversuch geprüft

Im Anbaujahr 2018/2019 wurde der Landessortenversuch zu Wintertriticale in Hessen an drei Standorten in jeweils zwei Intensitätsstufen angelegt. Das Prüfsortiment umfasste dreizehn Sorten, davon standen vier Neuzulassungen (SU Casparus, Ramdam, Vivaldi, Ozean) aus dem Jahrgang 2019 und die in 2018 zugelassene Sorte Riparo erstmalig im Versuch. Die Eigenschaften der geprüften Sorten sind in Tabelle 4 dargestellt. Im aktuellen Jahr wurde auch wieder eine langstrohige Sorte geprüft. Um eine Beeinträchtigung von direkt benachbarten kurzstrohigen Sorten zu vermeiden, wurde rechts und links der betreffenden Prüfparzellen eine weitere Parzelle der gleichen Sorte platziert. Die Pflanzenlänge und die Ertragsleistung zeigen keine enge Beziehung, allerdings weisen langstrohige Sorten tendenziell eine etwas höhere Lagerneigung auf.

Riparo (Secobra), zugelassen in 2018, ist eine Triticalesorte, die früh die Ähren schiebt und früh abreift. Nach Einstufung des Bundessortenamtes weist die Sorte ein sehr hohes Er­trags­potenzial und eine sehr hohe Tausendkornmasse auf. Riparo verfügt über eine mittlere bis gute Standfestigkeit und eine gute Blatt­ge­sundheit, vor allem auch im Hinblick auf Gelb- und Braunrost. Die Anfälligkeit für Ähren­fusarium ist allerdings erhöht, was unter ungünstigen Anbaubedingungen und bei Vor­liegen entsprechender Witterungsverhältnissen zum Problem werden kann.

SU Casparus (Saaten Union) ist ein kurzstrohiger, sehr standfester Wintertriticale mit mittlerer Abreife, der eine sehr gute Blattgesundheit aufweist. Neben der mehrjährig geprüften Sorte Cedrico ist SU Casparus die einzige Sorte im Prüfsortiment mit einer geringen Anfälligkeit (Note 3) für Ährenfusarium.

Ramdam (Limagrain) ist ein langstrohiger Triticale, der früh die Ähren schiebt und mittelfrüh abreift. Die Lagerneigung wird als gering bis mittel eingestuft. Die Sorte besitzt ein gutes Resistenzspektrum, die Neigung zum Befall mit Ährenfusarium liegt aber nur auf einem mittleren Niveau. Die Ertragsleistung wird mit hoch bis sehr hoch eingeschätzt, insbesondere in Stufe 1.

Die mittelfrüh abreifende Sorte Vivaldi (IG Pflanzenzucht) besitzt eine sehr gute Stand­festig­keit und ein hohes Ertragspotenzial. Die Anfälligkeit für Blattkrank­heiten ist gering bis sehr gering, die Neigung zur DON-Bildung ist gering bis mittel ausgeprägt.

Ozean (KWS Lochow) ist ein kurzstrohiger Triticale mit sehr guter Standfestigkeit und einem sehr hohen Ertragspotenzial in beiden Intensitätsstufen. Die Anfälligkeit gegenüber Ähren­fusarium ist nicht erhöht und die Blattgesundheit insgesamt auf einem überdurchschnittlichen Niveau.

Behandlungsmaßnahmen zeigten positive Effekt

Triticale
Der Einsatz von Wachstumsreglern und Fungiziden wirkte sich in den LSV auf den Ertrag aus
Unter extensiver Bestandesführung, d.h. bei reduziertem Einsatz von Wachs­tumsreglern und Verzicht auf Fungizide (Stufe 1), wurde im Mittel über die drei Standorte ein Kornertrag von 90,8 dt/ha erzielt. In Intensitätsstufe 2, die das Ziel hat, die Bestände möglichst lange gesund zu erhalten und die Standfestigkeit sicher zu stellen, wurde mit 107,5 dt/ha im Mittel über die Standorte ein deutlicher Mehrertrag realisiert. Durch die Behandlung konnte der negative Einfluss verschiedener pilzlicher Erreger auf die Ertragsbildung zurückgedrängt werden. In den Landessortenversuchen wie in Praxis­beständen traten im Frühjahr zunächst Mehltau und Gelbrost auf, meist aber nicht in starkem Ausmaß, sowie Blattseptoria und Rynchosporium. Weiterhin wurden Blattflecken und Verfärbungen beobachtet, die vermutlich auf Stressreaktionen bzw. negative Reaktionen auf Behandlungen zurückzuführen waren. Braunrostbefall, der später in der Entwicklung zu Tage trat, hatte meist keinen großen Ertragseffekt. Die blattgesunden Sorten Porto und RGT Belemac zeigten die geringsten Ertragseffekte durch Behandlung, stärker mit Mehrertrag auf die Behandlung reagierten Ozean, Lom­bardo, Barolo und Temuco.

Fusariumbefall nicht aus den Augen verlieren

Auch wenn in diesem Jahr der Fusariumbefall in den meisten Beständen kein Problem dar­gestellt hat, muss das Risiko von Fusariuminfektionen und eine daraus resultierende Myko­toxin­kontamination beim Triticaleanbau im Auge behalten werden. Verdächtige Partien sollten auf jeden Fall einer Mykotoxinanalyse unterzogen werden, bevor sie an Nutztiere verfüttert werden.

Die Bildung von Mykotoxinen wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst, von denen der Witterung die größte Bedeutung zukommt, gefolgt von der Fruchtfolgestellung (Vorfrucht) und dem Management der Erntereste. Da Triticale oft als abtragende Frucht nach befalls­fördern­den Vorfrüchten wie Weizen, Mais oder Triticale steht, weist er generell ein erhöhtes Risiko für Fusariumbefall auf. Weitere Risikofaktoren umfassen die Boden­bear­beitung und Sorten­anfälligkeit. In der Vergangenheit wurden bei ungünstiger Fruchtfolgestellung immer wieder erhöhte Mykotoxinbelastungen in Triticale nachgewiesen. Mykotoxine stellen ein erheb­liches Risiko für die Gesundheit von Mensch und Nutztieren dar. Schweine reagieren ver­gleichs­weise stärker als Geflügel oder Wiederkäuer mit Leistungsminderungen, Frucht­bar­keits­störungen und einer gesteigerten Krankheits­anfälligkeit.

Seit diesem Jahr wird in der Beschreibenden Sor­ten­liste erstmalig eine Einstufung der Anfälligkeit von Winter- und Sommertriticale für Ähren­fusarium vorgenommen. Im Spektrum der zugelassenen Sorten zeigt sich eine Variation von stark (Note 7) bis gering (Note 3) anfälligen Sorten. Der Züchtung ist es auch gelungen, Sorten mit einer günstigen Kombination von Resistenzen gegen Ährenfusarium und Rostkrankheiten bereitzustellen.

Die Wahl einer wenig anfälligen Sorte sollte jedoch nur eine von mehreren vorbeugenden Maßnahmen darstellen, die ergriffen werden, um das Befallsrisiko zu mindern, da Einzelmaß­nahmen oft keine ausreichende Wirkung erzielen. Auch der Wirkungsgrad von Fungiziden kann selbst bei optimalem Aus­bringungstermin nur mit etwa 60 % angenommen werden. Wird aus betrieblichen Gründen auf eine wendende Bodenbearbeitung verzichtet, sollte die Wahl auf Sorten mit geringer Anfälligkeit fallen. Im Umkehrschluss ist es dringend angeraten, Ernterückstände zu zerkleinern und einzuarbeiten, sowie wendende Bodenbearbeitung durchzuführen und eine Fungizid­maß­nahme einzusetzen, wenn eine höher anfällige Sorte angebaut werden soll.

Landessortenversuch mit sehr hohen Kornerträgen

Die diesjährigen hessischen Ergebnisse der Landessortenversuche werden in Tabelle 1 dargestellt. Mit 107,5 dt/ha wurde bei optimaler Bestandes­führung ein Ertrag erzielt, der noch über dem Spitzenergebnis von 2014 liegt. Allerdings variierte der Ertrag zwischen den Standorten relativ stark. Sortenunterschiede im Ertrag waren ausgeprägt mit Differenzen von 11,2 bis 21,4 dt/ha in Abhängigkeit von Standort und Intensitätsstufe. Am ertragsstärksten in Stufe 1 präsentierten sich Temuco, Porto und Ozean, in Stufe 2 lagen Temuco und Ozean an der Leistungsspitze. Lombardo und Cedrico lieferten einen Ertrag am Durchschnitt bzw. leicht darunter. Durch stärker variierende Erträge fielen Barolo, Robinson, RGT Belemac, Temuco und SU Casparus auf.

Die im Vergleich zum Vorjahr höheren Erträge hätten aufgrund des „Verdünnungseffektes“ einen geringeren Proteingehalt vermuten lassen, der aber um ca. 0,5 % höher ausfiel als in 2018. Allerdings war die Kornausbildung mit einer TKM von 40,5 g (Stufe 1) bzw. 44,5 g (Stufe 2) auch schwächer als im vergangenen Jahr. Die Fallzahl lag auf einem ähnlichen Niveau mit einer starken Variation zwischen den Sorten.

Mehrjährige Leistung in Hessen und den Nachbar-Bundesländern

Die Ertragsstabilität, die ein entscheidendes Kriterium für die Sortenwahl darstellt, kann nur im mehrjährigen Vergleich sicher beurteilt werden. Über drei hessische Prüfjahre überzeugen Lombardo, Cedrico und Robinson durch eine gute Ertragsleistung in beiden Intensitätsstufen (Tabelle 2). Lombardo und Cedrico zeigen jedoch über die Jahre eine Tendenz zu etwas nachlassenden Erträgen. Temuco und Barolo bringen zwar Erträge am Versuchsmittel, stärker zwischen den Jahren schwankende Erträge lassen jedoch auf eine geringere Ertragsstabilität schließen. Zweijährig geprüft zeigt Porto vor allem in Stufe 1 eine über­durchschnittliche Leistung, kann aber in Stufe 2 nicht ganz an die Vorjahresleistung an­schließen. Auch Lanetto bleibt hinter der Leistung des Vorjahres zurück, während RGT Bele­mac konstant am Durchschnitt (Stufe 1) bzw. leicht darunterliegende Erträge (Stufe2) realisiert.

Eine weitere Hilfestellung bei der Sortenwahl bietet die überregionale Auswertung. Hierbei macht die Versuchsauswertung nicht an der Landesgrenze halt, sondern es wird nach Anbau­gebieten ausgewertet, d.h. alle Versuchsergebnisse aus Landessortenversuchen und Wert­prüfungen für Gebiete mit ähnlichen Boden- und Klimabedingungen werden gemeinsam ver­rechnet. Eine graphische Darstellung der Anbaugebiete der verschiedenen Kulturarten kann unter http://geoportal.julius-kuehn.de/map?app=konv abgerufen werden. Die Aus­wertung nach Anbaugebieten beruht auf einer deutlich größeren Datenbasis und ermöglicht damit eine bessere Einschätzung der Leistung einer Sorte. Die Standorte des hessischen Triticale-LSV sind zwei Anbaugebieten (AG) zugeordnet: Marburg (Rauischholzhausen) gehört zum AG 16 (Mittel­lagen Südwest). Die LSV-Standorte Bad Hersfeld und Kor­bach sind dem Anbaugebiet 14 (Hügelland Mitte/West) zugeordnet, in der Auswertung berücksichtigt wurde jedoch nur Korbach. In das Anbaugebiet 19 (Höhenlagen Südwest), welchem kein hessischer Versuchsstandort zugeordnet ist, fallen Teile Südosthessens.

Für das Hügelland Mitte/West (AG 14) setzt sich die Neuzulassung Ramdam vom restlichen Sortiment ab (Tabelle 3). Weitere überdurchschnittliche Erträge bringen Temuco und Ozean. Bei den Neuzulassungen ist zu beachten, dass die Datengrundlage noch nicht wirklich belastbar ist. Auch in den Anbaugebieten 16 (Mittellagen Südwest) und 19 (Höhenlagen Südwest) liegt Ramdam an der Leistungsspitze, gefolgt von Lombardo. Ertraglich zurück bleiben Riparo und RGT Belemac.

Diese Sorten werden empfohlen

LSV Wintertriticale
Die LSV-Wintertriticale 2018/19 enttäuschten nicht
Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Anbau von Triticale ist zuallererst ein hoher Kornertrag. Zur Ertragsabsicherung ist weiterhin eine ausreichende Winterfestigkeit sowie eine gute Standfestigkeit gewünscht, letztere ist insbesondere für viehhaltende Betriebe von Rele­vanz, die organische Dünger einsetzen. Kurzstrohige Sorten mit hoher Standfestigkeit ermög­lichen es auch, auf Wachstumsregler zu verzichten, während langstrohige Sorten oft eine geringere Standfestigkeit aufweisen. Die Wahl blattgesunder Sorten gestattet einen reduzierten Fungizidein­satz und beeinflusst somit die Wirtschaftlichkeit des Anbaus. Besonderes Augenmerk ist auf die Anfälligkeit für Gelb- und Braunrost zu legen, die in den letzten Jahren oft starke Ertragseinbußen verursacht haben. Einige der neueren Sorten, wie z.B. Ramdam, verfügen über eine günstige Kombination von geringer Gelb- und Braunrostanfälligkeit. Zu berücksichtigende Qualitätsparameter hängen vom Verwendungs­zweck ab. Bei Vermarktung als Futtergetreide spielt der Roh­protein­gehalt keine Rolle – der Handel nimmt aber unter Umständen Preisabschläge bei Nicht­erreichen eines Grenz­wertes (68-72 kg/hl) beim Hektolitergewicht vor. In Jahren mit verzögerter Ernte und/oder Lager kann die Auswuchsneigung von Bedeutung sein.

Mehrjährig geprüft zeigen nach wie vor Lombardo und Cedrico überzeugende Leistungen und (Tabelle 2) und werden daher für den Anbau empfohlen.

Lombardo (Syngenta) bestätigt im aktuellen Jahr seine Leistung. Mit Cedrico gehört Lombardo zu den ertragsstärkeren der geprüften Sorten. Die Ertragsbildung erfolgt über eine hohe TKM bei mittlerer Kornzahl je Ähre. Die kurzstrohige Sorte weist eine mittlere Standfestigkeit auf, die eine Absicherung über Wachs­tumsregler benötigt. Die Winterhärte ist als sehr gut eingestuft. Die Blattgesundheit liegt, mit Ausnahme einer stärkeren Anfälligkeit für Braunrost, auf einem mittleren Niveau. Eine Schwäche besteht in der erhöhten Anfälligkeit für Ährenfusarium. Nach Untersuchungen aus den neuen Bundesländer ist auch die Auswuchs­neigung erhöht.

Cedrico (Syngenta) erzielte in 2016 und 2017 weit überdurchschnittliche Erträge, fiel in 2018 ertraglich auf ein mittleres Niveau ab und brachte in 2019 Erträge am bzw. leicht unter dem Durchschnitt. Die Sorte reift mittelfrüh ab und ist ausreichend standfest. Abgesehen von einer erhöhten Mehltauanfälligkeit verfügt Cedrico über eine gute Blattgesundheit und geringe Neigung zur DON-Bildung. Die Auswuchsneigung soll auf einem mittleren Level liegen, die Winterhärte kann nicht sicher eingeschätzt werden.

Triticale zur Ganzpflanzennutzung

Triticalesorten zur Silonutzung, d.h. Verfütterung als Ganzpflanze oder Biogaserzeugung werden vom Bundessortenamt in einem speziellen Sortiment geprüft. Aktuell sind zwölf Sorten zu­gelassen, davon drei Hybriden. Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hes­sen führt keinen eigenen Landes­sortenversuch zur Silonutzung durch. Ergebnisse aus anderen Bundesländern belegen, dass Triticale aufgrund seines Leistungspotenzials in Abhängigkeit der standörtlichen Gegebenheiten durchaus eine Alternative zu Mais darstellen kann. Pflanzenbauliche Vorteile bestehen in der besseren Ausnutzung der Winterfeuchtigkeit, was besonders im letzten Jahr zum Tragen kam, der Möglichkeit nach der Ernte eine Zwischenfrucht auszubringen, sowie in der Entzerrung von Arbeitsspitzen.

Aussaattermin und Bestandesführung

Mit einem an den Standort und die Sorte angepassten Aussaattermin wird die Grundlage für einen hohen Kornertrag gelegt. Obwohl Triticale ein gutes Bestockungsvermögen besitzt, sollte der Aussaatzeitpunkt so gewählt werden, dass eine ausreichende Vorwinterentwicklung sichergestellt ist. Eine gute Überwinterungsfähigkeit ist gegeben, wenn die Pflanze ein bis drei Triebe gebildet hat. Eine zeitige Aussaat ist besonders für Höhenlagen relevant. Sorten, die ihren Ertrag primär über die Bestandesdichte realisieren, sollten bis Ende September/Anfang Oktober gedrillt sein.

Auch die Saatstärke muss an die Boden- und Standortbedingungen angepasst werden. Wird die Aussaatstärke zu hoch gewählt, steigt das Risiko von Auswinterungsschäden und ver­minderter Standfestigkeit. Zu dichte Bestände sind schwieriger zu führen, insbesondere dann wenn Triticale auf Standorten angebaut wird, die langjährig mit organischer Düngung versorgt wurden und somit ein hohes und schlecht einzuschätzendes N-Nachlieferungs­ver­mögen aufweisen. Etwas höhere Saatmengen sind nur anzustreben bei schwächer bestocken­den Sorten sowie unter extensiven Anbaubedingungen.

Tabelle 1: Landessortenversuche Wintertriticale 2018/2019 Hessen. Erträge relativ zur Bezugsbasis (BB)

unbehandelt (rel. zur BB) fungizidbehandelt (rel. zur BB)
HEF KB MR Mittel HEF KB MR Mittel
BB (dt/ha)  93.8  86.0  92.1  90.6 124.0  97.8 104.0 108.6
VD (dt/ha)  92.8  85.1  94.6  90.8 120.7  97.5 104.3 107.5
GD 5 % (relativ)   7.4  10.4   5.9   5.7   9.1   5.4
SORTIMENT LANG
Ramdam 102 95 119 106 101 95 113 103
SORTIMENT KURZ
Lombardo  BB 102 98 97 99 100 100 101 100
Barolo  BB 91 101 102 98 101 97 99 99
Robinson  BB 109 96 94 100 103 93 101 100
Temuco  BB 98 106 104 103 99 110 102 103
Riparo 95 94 97 91 93 96
Porto 107 104 104 105 97 98 95 97
RGT Belemac 93 93 113 100 87 100 101 95
Lanetto 90 94 98 94 92 94 95 94
SU Casparus 94 99 102 98 92 102 101 98
Vivaldi 102 99 101 101 103 98 101 101
Ozean 102 103 106 103 103 108 105 105
ANHANGSORTIMENT KURZ
Cedrico  BB 100 99 102 100 97 100 97 98

BB: Bezugssortiment; VD: Versuchsdurchschnitt; GD: Grenzdifferenz
HEF: Bad Hersfeld, KB: Korbach, MR: Marburg (Rauischholzhausen)

 

Tabelle 2: Landessortenversuche Wintertriticale 2017-2019, Hessen. Erträge relativ zur Bezugsbasis (BB)

unbehandelt (rel. zur BB) fungizidbehandelt (rel. zur BB)
Jahr 2017 2018 2019 Mittel 2017 2018 2019 Mittel
 Orte 1 3 3   1 3 3  
BB (dt/ha) 77.7 86.0 90.6 86.8 85.4 96.5 108.6 100.1
VD (dt/ha) 76.5 86.7 90.9 87.0 83.5 96.5 106.1 98.8
SORTIMENT LANG
Ramdam 106 103   
SORTIMENT KURZ
Lombardo  BB 112 102 99 102 108 102 100 102
Barolo  BB 86 101 98 98 92 102 99 99
Robinson  BB 99 99 100 100 104 100 100 100
Temuco  BB 100 97 103 100 89 97 103 99
Riparo 97 96
Porto 112 105 103 97
RGT Belemac 100 100 98 95
Lanetto 103 94 103 94
SU Casparus 98 98
Vivaldi 101 101
Ozean 103 105
SU Kalyptus 100 97
ANHANGSORTIMENT KURZ
Cedrico  BB 103 100 100 101 108 100 98 100
Tantris 85 93 88 98
Agostino 102 99
Callanzo 90 88
Salto 105 105
Rhenio 97 103
Securo 102 96
Cosinus 100 94

BB: Bezugssortiment; VD: Versuchsdurchschnitt

 

Tabelle 3: Überregionale, mehrjährige Auswertung des Kornertrages (Stufe 2) von Wintertriticale nach Hohenheim-Gülzower-Methode für die Anbaugebiete 14 (Hügelland Mitte/West), 16 (Mittellagen Südwest) und 19 (Höhenlagen Südwest)

AG 14
(2016-2019)
AG 16
(2015-2019)
AG 19
(2015-2019)
Ertrag (dt/ha) Anzahl Versuche Ertrag (dt/ha) Anzahl Versuche Ertrag (dt/ha) Anzahl Versuche
Ramdam 116.5 4 109.0 9 109.5 6
Lombardo 108.4 15 106.7 22 107.4 27
Barolo 107.1 15 103.3 24 103.5 23
Temuco 109.6 10 103.0 17 103.8 15
Robinson 105.8 13 105.9 14
Riparo 105.1 6 101.6 11 102.6 11
Porto 107.1 7 102.9 12 105.6 11
RGT Belemac 105.8 4 101.6 12 102.2 11
Lanetto 104.5 7 105.0 9
Vivaldi 108.5 4 104.1 9 106.1 6
Ozean 110.2 4 104.2 9 105.9 6
Cedrico 108.5 13 105.1 15 105.2 18

 

Tabelle 4:Sortenbeschreibung LSV Wintertriticale nach Beschreibender Sortenliste des Bundessortenamtes (2019)

Neigung zu Anfälligkeit für Ertragseigenschaften
Sorte Züchter /
Vertreiber
Ährenschieben Reife Pflanzenlänge Auswinterung Lager Mehltau Blattseptoria Gelbrost Braunrost Ährenfusarium Bestandesdichte Kornzahl / Ähre Tausendkornmasse Kornertrag Stufe 1 Kornertrag Stufe 2
Lombardo Lantmännen / Syngenta Agro 5 5 4 2 4 4 4 3 6 6 5 5 7 8 8
Barolo Lantmännen / Syngenta Agro 6 5 3 4 4 5 4 4 2 4 5 6 4 7 7
Robinson PZO / IG 4 5 5 4 3 5 4 4 5 4 5 8 7 7
Temuco Lantmännen / Syngenta Agro 6 5 4 2 2 5 4 2 4 5 7 4 8 7
Porto Danko /Dr. Winkelmann 6 5 3 4 2 3 2 1 6 5 5 6 8 7
RGT Belemac RAGT 5 5 4 4 1 3 2 1 4 6 5 6 8 7
Lanetto Syngenta Agro 5 5 4 4 2 6 5 6 5 4 6 6 7 8
Riparo Intersaatzucht / Secobra 4 4 4 4 3 4 3 1 6 6 3 8 8 8
SU Casparus Nordsaat / SU 4 5 3 2 3 4 2 3 3 5 7 5 7 7
Ramdam SZ Breun / Limagrain 3 5 6 4 2 3 2 1 5 4 7 7 9 8
Vivaldi PZO / IG 5 5 4 3 3 3 3 1 4 6 5 6 7 8
Ozean KWS Lochow 6 5 4 3 2 3 3 1 4 7 4 6 8 8
Anhangsortiment
Cedrico Lantmännen / Syngenta Agro 6 5 4 3 6 4 3 3 3 6 6 5 8 8

Note 1 = niedrige Ausprägung des Merkmals (gering, kurz, früh); Note 9 = hohe Merkmalsausprägung (hoch, lang, spät); Note 5 = durchschnittliche Einstufung; günstige Einstufungen sind in der Tabelle grün, weniger günstige orange hinterlegt.


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