- Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen - https://llh.hessen.de -

Ergebnisse des LSV Sojabohne 2020 & Empfehlungen

Hochwertige Eiweißträger sind in der menschlichen Ernährung und auch für die Fütterung unserer Nutztiere unerlässlich, und die vielfach diskutierte Eiweißlücke ist hinlänglich bekannt.

In der Jugendentwicklung können Kälteeinbrüche bei den Jungpflanzen zu erheblichen Entwicklungsverzögerungen führen
In der Jugendentwicklung können Kälteeinbrüche bei den Jungpflanzen zu erheblichen Entwicklungsverzögerungen führen
Im dichten Blattwerk sind die kleinen Blüten der Sojabohne oft nicht leicht zu erkennen
Im dichten Blattwerk sind die kleinen Blüten der Sojabohne oft nicht leicht zu erkennen

Die zunehmende Nachfrage nach Produkten ohne Gentechnik spiegelt zudem ein gewachsenes Verbraucherbewusstsein wider, und dies erzeugt die Bereitschaft für entsprechende Produkte einen höheren Preis zu zahlen. Neben den heimischen Körnerleguminosen Ackerbohne, Erbse und Lupine rückt seit einiger Zeit vermehrt die Sojabohne in den Blickpunkt. Die EU gehört mit zu den größten Importeuren von Sojabohnen bzw. Sojaschrot weltweit. Dabei erweist sich der Markt für Eiweißfuttermittel immer wieder als sehr volatil. Bedingt durch wiederkehrende massive Nachfrageverschiebungen am Weltmarkt sowie witterungsbedingte Angebotsschwankungen gerät die Wirtschaftlichkeit in der Erzeugung von tierischen Produkten bei hohen Futterkosten regelmäßig unter Druck. Auch im Hinblick auf den Klimawandel ist Nachhaltigkeit im Sojasektor ein wichtiger Aspekt, dem von den großen Sojaerzeugerländern China und Brasilien nicht ausreichend Rechnung getragen wird. Über die Ausweitung der heimischen Erzeugung kann die Abhängigkeit von Importsoja und damit auch das Risiko, dass möglicherweise gentechnisch verändertes Importfutter zum Einsatz kommt, reduziert werden. Hier setzen verschiedene Fördermaßnahmen sowie die Aktivitäten des Soja-Netzwerkes und der Hessischen Eiweißinitiative an.

Zwar sind in der EU die Hauptanbauländer für Sojabohnen Italien und Frankreich sowie weitere südliche Länder, dennoch wurde der Anbau auch in Deutschland in den letzten Jahren erheblich ausgedehnt. So wurden in 2020 rund 94.000 Tonnen Sojabohnen und damit rund 12% mehr als im Vorjahr geerntet, was auf eine Ausdehnung der Anbauflächen auf nunmehr knapp 32.900 ha zurückzuführen ist. Auch in Hessen wurde der Sojaanbau im letzten Jahr um rund 1100 ha ausgeweitet. In der Summe kamen in 2020 knapp 2000 ha zum Anbau, denn es stehen inzwischen einige im Versuchswesen getestete Sorten zur Verfügung, die sich auch unter hiesigen Anbaubedingungen bewährt haben. Insgesamt bewegt sich der Sojaanbau in Hessen damit zwar noch auf vergleichsweise geringem Niveau, bei weiterem Zugang von sicher abreifenden und ertragsstarken Sorten ist jedoch mit einer weiteren Anbauausdehnung zu rechnen. Gründe dafür sind neben den oben ausgeführten auch, dass die Sojabohne als Sommerung eine gute Ergänzung unserer relativ stark getreide- und winterungslastigen Fruchtfolgen darstellt. Der Vorfruchtwert schwankt je nach Berechnungsgrundlagen und Standort zwischen 100 und rund 200 €/ha. Darüber hinaus wird die Sojabohne bisher kaum von Schädlingen und Krankheitserregern befallen. Dennoch heißt es diesbezüglich wachsam zu sein, denn in Regionen mit langjährigem Sojaanbau werden Infektionen mit Erregern des Diaporthe-Komplexes, der Blattfleckenkrankheit sowie Soja-Anthraknosen und Virusbefall beobachtet.

Sojabohnen sind interessante Eiweißpflanzen

Gegenüber der heimischen Ackerbohne und der Körnererbse hat die Sojabohne sowohl aufgrund ihres hohen Eiweißgehalts als auch aufgrund der Eiweißzusammensetzung Vorzüge. In den hessischen Sortenversuchen wurde im Mittel der Prüfjahre ein Rohproteingehalt von durchschnittlich 34,8% sowie ein Rohproteinertrag von 12,4 dt/ha erreicht. Damit liegt die geerntete Eiweißmenge je Hektar zwar etwa auf dem Niveau von Erbse und Ackerbohne, aber sie zeichnet sich durch eine höhere Proteinqualität aus. Unter günstigen Anbaubedingungen sind Rohproteingehalte bis 40% möglich – und das ohne jegliche Stickstoffdüngung: Die Sojabohne fixiert wie alle anderen Leguminosen den Luftstickstoff und macht ihn damit pflanzenbaulich nutzbar.

Wegen ihres erheblich höheren Wärmebedarfs kommt der Sojaanbau jedoch nur für Gunstlagen in Betracht. Daher sind insbesondere Standorte in Süd- und Mittelhessen zu bevorzugen. Bei entsprechender Sortenwahl kann jedoch auch in milderen Lagen weiter nördlich erfolgreich Soja erzeugt werden, wie die Versuchsergebnisse und auch Praxiserfahrungen immer wieder bestätigen. Entscheidend ist, dass den Pflanzen auf leicht erwärmbaren Böden ein zügiger, gleichmäßiger Feldaufgang und eine schnelle Jugendentwicklung ermöglicht wird. Für die innerbetriebliche Verwertung ist wichtig zu wissen, dass die Rohware vor der Verfütterung thermisch behandelt werden muss, um die Verdaulichkeit zu verbessern und unerwünschte Inhaltsstoffe zu entfernen. Neben dem Aufbau von Vermarktungswegen geht es demzufolge auch um regionale Verarbeitungsoptionen, damit die geerntete Ware auch in der hofeigenen Veredlung verwendet werden kann. Mobile Toastanlagen können hierfür genutzt werden.

Landessortenversuche 2020

Um die Anbauwürdigkeit der verschiedenen Sorten in den hessischen Ackerbauregionen überprüfen zu können, werden in Hessen drei Landessortenversuche (LSV) mit Sojabohnen betreut. Versuche werden sowohl in Südhessen im Raum Griesheim als auch in den mittelhessischen Ackerbauregionen in Friedberg (Niederweisel) sowie in Bad Hersfeld am Landwirtschaftszentrum Eichhof durchgeführt. Die Prüfung der Sorten aus der Reifegruppe 00 (früh) findet nur in Griesheim und Niederweisel statt, während die Testung der sehr frühen Sorten (Reifegruppe 000) an allen drei Standorten durchgeführt wird. Zum Teil handelt es sich bei den Prüfkandidaten um EU-Sorten, von denen oft nur unvollständige oder gar keine Sortenbeschreibungen für Deutschland vorliegen. Bei diesen Sorten ist daher nicht bekannt, wie sie auf hiesige klimatische Bedingungen reagieren und ob die angegebene Reifegruppe das Abreifeverhalten auch tatsächlich zutreffend beschreibt. Teilweise wurden in den LSV bezüglich der Abreife erhebliche Abweichungen von den für die Sorte attestieren Daten beobachtet. Als grobe Orientierung gilt, dass sich 000-Sorten für Regionen eignen, in denen mittelfrühe Körnermaissorten (K 230- 250) noch sicher ausreifen. Die 00-Sorten passen auf Standorte, die auch für den Anbau von mittelspätem Körnermais (K260-K300) geeignet sind.

Die Aussaat der Versuche erfolgte 2020 in Griesheim bereits am 9. April und damit so früh wie noch nie, in Bad Hersfeld am 15. April und in Niederweisel am 17. April, weil die Böden nach einer längeren sonnigen Periode gut abgetrocknet und ausreichend erwärmt waren. Bei allen Sorten konnte in Griesheim der Feldaufgang bereits Ende April bonitiert werden, an den anderen Standorten war dies in der ersten Maidekade der Fall. Trotz suboptimaler Niederschlagsversorgung und bei eher kühleren Temperaturen im Mai zeigten die Pflanzen eine gute Jugendentwicklung. In Südhessen stand über die gesamte Wachstumsperiode nicht genügend Niederschlagswasser zur Verfügung, sodass mehrfach beregnet werden musste. An den anderen Standorten konnten Niederschlagsereignisse im Juni und Juli die Pflanzenversorgung noch sicherstellen. Der September war warm und trocken und bot somit optimale Bedingungen für die Sojabohne. Die Abreife verlief sortenspezifisch, wobei einige spätreifere Sorten die Blätter etwas zögerlich abwarfen. Geerntet wurden die in Ermangelung weiterer Niederschläge gut abgereiften Versuchsparzellen in Griesheim bereits am 9. September und in Niederweisel am 15. September. Auch die Versuche am Eichhof in Nordhessen konnten in der letzten Septemberdekade gedroschen werden. Alle diesjährigen Versuche waren auswertbar.

Wieder etwas höhere Erträge in den LSV

Die aus der Besonderen Ernteermittlung festgestellten Erträge lagen 2020 im Bundesdurchschnitt mit 28,6 dt/ha in der Praxis um 0,5 dt/ha unter den Ergebnissen von 2019. In Hessen wurde trockenheitsbedingt in 2020 ein um 6 dt/ha geringerer Durchschnittsertrag als im Vorjahr ermittelt. In den LSV bilden sich diese Werte so nicht ab. Die Erträge lagen für das sehr frühe Sortiment (000) diesjährig mit 35,3 dt/ha (Versuchsdurchschnitt) nach zwei Jahren mit trockenheitsbedingt nicht optimaler Pflanzenentwicklung wieder auf besserem Niveau (siehe Tabelle 1). Die höchsten Erträge wurden in Niederweisel mit 41,2 dt/ha im Versuchsdurchschnitt erreicht, Griesheim fiel mit 31,2 dt/ha trotz Beregnung deutlich ab.

2018 und 2019 konnten im Mittel der drei Standorte nur 29,8 bzw. 31 dt/ha erreicht werden, nachdem in 2017 noch durchschnittlich 40,3 dt/ha geerntet worden waren. Hier zeigt sich, dass auch die wärmeliebende Kultur Soja zur Ausschöpfung ihres Ertragspotenzials ausreichend Wasser benötigt. Trockenphasen während des vegetativen Wachstums und der beginnenden Blüte wirken sich auf das Längenwachstum der Pflanzen aus, was unter Umständen die Standfestigkeit positiv beeinflussen kann. Wie die meisten Kulturen hat die Sojabohne den größten Wasserbedarf während der Blüte, der Hülsenentwicklung und der Samenfüllung. Auf Trockenstress in dieser Phase reagieren die Pflanzen zunächst mit dem Abwurf von Blüten und jungen Hülsen, während sich Wassermangel während der Kornfüllung insbesondere in einem geringeren Tausendkorngewicht zeigt.

Beste Sorte im aktuellen Jahr war die bereits mehrjährig geprüfte Acardia, die auch in der dreijährigen Auswertung an der Spitze liegt. Diese Sorte erzielte mit 47,0 dt/ha am Standort Niederweisel 2020 den höchsten Einzelertrag und belegt damit eindrucksvoll das Ertragspotential der Sojabohne. Trotz der schwierigeren Bedingungen und gewissen Mängeln im Feldaufgang war Arcadia mit 42,0 dt/ha auch in Südhessen mit weitem Abstand vorn, während in Bad Hersfeld Obelix das Sortiment anführte. Die erstjährig geprüfte Cantate PZO belegte in der Gesamtauswertung mit konstant überdurchschnittlichen Erträgen den zweiten Platz, gefolgt von der bereits mehrjährig mit abermals guten Leistungen geprüften Obelix. Auch die beiden Neuzulassungen Nessie PZO und Sussex PZO zeigten im ersten Prüfjahr vielversprechende Erträge.

Interessant sind einige Beobachtungen bezüglich des Wuchsverhaltens in 2020, die insbesondere im Hinblick auf die Beerntbarkeit wichtig sein können. In unseren Breiten ist eine sichere Abreife, wie bereits erwähnt, eines der wichtigsten Kriterien bei der Sortenwahl. Erneut zeigten sich diesbezüglich auch unter den generell günstigen Bedingungen des aktuellen Jahres deutliche Unterschiede. Für das Merkmal Reifeverzögerung im Stroh ergibt sich, dass vor allem Merlin, wie langjährig bekannt, größte Sicherheit bietet. Obwohl sie nicht die früheste Sorte im Blühbeginn ist, zeigt sie dennoch alljährlich eine sehr zügige und problemlose Abreife. Daneben fielen auch Obelix und bei den neuen Sorten insbesondere Ceres PZO sehr positiv auf, und auch Nessie scheint diesbezüglich Vorteile zu haben. Gewisse Verzögerungen im Abreifeverhalten wurden bei Toutatis, und erneut auch bei Regina und Acardia sowie bei der Neuzulassung Cantate PZO bonitiert. Letztere ist zudem die längste Sorte im aktuellen Prüfsortiment. Lager trat in diesem Jahr zwar nur in geringem Maße auf, dennoch gab es bonitierbare Unterschiede. Insbesondere Trumpf, aber auch Nessie und Sussex zeigten am Standort Bad Hersfeld gewisse Schwächen in der Standfestigkeit, während sich Ceres und viele weitere Sorten in 2020 als problemlos erwiesen. Hinsichtlich der Beerntbarkeit spielt auch die Höhe des Hülsenansatzes eine Rolle. Hier gibt es genetische Unterschiede zwischen den Sorten, die allerdings auch von der jeweiligen Bestandesentwicklung überlagert werden können. So zeigen dünnere Bestände häufig einen etwas niedrigeren Ansatz der ersten Hülsen über dem Boden. Während Merlin und Toutatis einen sehr niedrigen Hülsenansatz zeigten, waren diese bei Acardia, Aurelina, Obelix, Sussex und Ceres etwas weiter vom Boden entfernt. Die im unteren Stängelbereich ausgebildeten Hülsen zeigen meist einen guten Kornbesatz. Wenn diese Hülsen bei der Ernte nicht komplett erfasst werden, können Ernteverluste die Folge sein. Am Standort muss daher eine ausreichend tiefe Schneidwerksführung ohne Risiko gewährleistet sein.

Bei den 00-Sorten (siehe Tabelle 2) wurden im Mittel der beiden LSV-Standorte ein Durchschnittsertrag von 39 dt/ha ermittelt, der jedoch mit den Daten aus den Vorjahren nur eingeschränkt vergleichbar ist, weil 2019 nur der Standort Griesheim auswertbar war. Dort wurden trotz Beregnung diesjährig im Versuchsmittel nur 34,6 dt gedroschen, während 2019 noch 43,7 dt/ha erzielt wurden. Beste Sorten im aktuellen Jahr waren ES Mentor und Bettina mit deutlichem Abstand. RGT Siroca fiel nach guten Erträgen in den Vorjahren deutlich ab, bleibt aber in der mehrjährigen Betrachtung dennoch die beste Sorte. Alle drei Sorten zeigten gewisse Reifeverzögerungen im Stroh und können daher nur für Gunststandorte empfohlen werden.

Qualitätsparameter Rohprotein

Sorten mit höheren Rohproteingehalten sind in der Veredlung interessant. Mehrjährig betrachtet lagen die mittleren Rohproteingehalte der LSV im Jahrgang 2020 mit durchschnittlich 35,3% über dem langjährigen Mittel und rund 1% über den Werten des Vorjahres. In der Beschreibenden Sortenliste des Bundessortenamtes ist der Rohproteingehalt der zugelassenen Sorten in der Bandbreite von 3 bis 6 eingestuft (siehe Tabelle 4) und auch in den LSV zeigen sich entsprechende Unterschiede zwischen den Sorten. Mit 37% Rohprotein lagen Aurelina und Cantate PZO diesjährig an der Spitze dicht gefolgt von Regina, und diese Sorten bestätigen damit ihre Einstufungen. Arcadia bildete mit 33,2% Rohprotein das Schlusslicht im sehr frühen Sortiment, allerdings bei sehr hohen Erträgen. Somit lag die Sorte im Rohproteinertraq weit vorne und musste sich nur Cantate geschlagen geben. Im frühen Sortiment war ES Mentor mit 36,2% die proteinreichste Sorte, dicht gefolgt von RGT Siroca. Damit erreichte Mentor auch den höchsten Rohproteinertrag von 15,3 dt/ha. Bettina landete mit nur 33,6% Rohprotein auf dem letzten Rang, der hohe Kornertrag ermöglichte im Ergebnis aber noch 14,2 dt/ha Eiweißertrag.

Im Hinblick auf die Saatgutkosten ist auch das TKG der Sorten ein wichtiger Faktor. Kleinkörnige Sorten wie Merlin oder Nessie ermöglichen hier gegebenenfalls Einsparungen.

Sortenempfehlung 2021 – auf Sicherheit setzen

Höchste Priorität bei der Sortenwahl hat in hessischen Anbauregionen das Kriterium der sicheren Abreife. Dieser Eigenschaft sollte der Vorrang vor dem meist etwas höheren Ertragspotential der späteren Sorten gegeben werden, denn nicht immer werden die Abreifebedingungen so günstig wie in den vergangenen 3 Jahren sein. Aus den Erfahrungen der Vergangenheit lässt sich ablesen, dass der Sojaanbau auch an Gunststandorten immer gewissen Risiken unterliegt und die Erträge stark schwanken. Vordergründig interessante spätere und ertragsstärkere Sorten reifen nicht zügig genug ab, um auch unter suboptimalen Bedingungen noch sicher beerntet werden zu können. Wenn dann noch Lager und Unkrautdurchwuchs hinzukommen, wird die Situation extrem schwierig. Erhöhte Reinigungs- und Trocknungskosten gehen dann zu Lasten der Wirtschaftlichkeit. Die Ertragssicherheit sollte daher immer vor Ertragshöhe gestellt werden, damit das Anbaurisiko kalkulierbar bleibt.

Zusammenfassend werden für die Reifegruppe 000 auf Basis der drei- oder mehrjährigen Versuchsergebnisse die Sorten Acardia, Aurelina, Merlin, Obelix und Regina empfohlen. Von den neu zugelassenen Sorten sollten zunächst weitere Versuchsdaten abgewartet werden, denn hier ist eine vorläufige Bewertung bisher nur unter den letztjährigen Anbaubedingungen möglich und damit noch recht unsicher.

Merlin ist eine bereits 1997 zugelassene, kleinkörnige Sojabohnensorte, die sich vor allem durch eine frühe, gleichmäßige und sehr sichere Abreife auszeichnet. Besondere Merkmale sind ihre gute Kältetoleranz und Anpassungsfähigkeit, sodass sie mit hoher Ertragskonstanz aufwartet. Bei kürzerem Wuchs und früher Blüte verfügt Merlin über eine gute Standfestigkeit. Der Kornertrag erreicht ebenso wie der Rohproteingehalt nur ein unterdurchschnittliches Niveau, der Ölgehalt hingegen liegt über dem Durchschnitt.

Die ebenfalls kleinkörnigere Amarok (Zulassung 2014) ist in Hessen ertraglich etwas abgefallen und zeigt dreijährig nur noch einen knapp unterdurchschnittlichen Ertrag, was auch überregional so bestätigt wird. Die etwas später als Merlin aber dennoch zügig abreifende und recht robuste Sorte weist eine mittlere Pflanzenlänge bei ausreichender Standfestigkeit auf. Die gute Einstufung hinsichtlich des Proteinertrags kann Amarok nicht in jedem Jahr bestätigen.

Regina (Zulassung 2016) schwankt mehrjährig in den Erträgen und kommt nur auf ein knapp mittleres Ertragsniveau. Sie zeichnet sich aber durch einen hohen Proteingehalt aus, der für Veredelungsbetriebe attraktiv sein kann. Bei mittlerer Reife verfügt die Sorte über eine unterdurchschnittliche Pflanzenlänge bei guter Standfestigkeit.

Die großkörnige Obelix (Zulassung 2019) ist charakterisiert durch eine zügige Jugend­entwicklung und eine im Vergleich zu Merlin etwas spätere, aber gleichmäßige Abreife von Hülsen und Stroh. Diese etwas kurzstrohigere Sorte wartet mit einer sehr guten Standfestigkeit auf. In Hessen brachte Obelix mehrjährig Erträge über dem Durchschnitt, was überregional so nicht immer zu bestätigen war.

Acardia ist eine früh bis mittel abreifende in Österreich zugelassene EU-Sorte, die sich dreijährig in Hessen und auch überregional mehrjährig ertragsstark zeigt. Bei mittlerem Wuchs verfügt Acardia über eine gute Standfestigkeit und zeigte in den Versuchen diesjährig einen etwas höheren ersten Hülsenansatz über dem Boden. Zu beachten ist die stärkere Reifeverzögerung von Hülsen und Stroh. Der Proteingehalt liegt deutlich unter dem Durchschnitt.

Aurelina (EU-Sorte mit Zulassung in Österreich 2018 sowie in Frankreich) weist nach drei Prüfjahren in Hessen eine überdurchschnittliche, aber schwächere Ertragsleistung als Acardia auf. Überregional bleibt sie unter dem Mittel. Die Sorte ist gekennzeichnet durch eine mittlere Wuchslänge, gute Standfestigkeit, ein etwas höheres TKG und einen hohen Protein­gehalt. Im Vergleich zu Acardia reift Aurelina etwas früher ab. Auch die Reifeverzögerung ist nicht so stark ausgeprägt. Weitere relevante Sortenmerkmale sind in der Tabelle 4 aufgeführt.

Aus dem frühen Sortiment (00-Sorten) werden vor dem Hintergrund der obigen Ausführungen weiterhin nur ES Mentor und Bettina empfohlen. Die langjährig geprüfte ES Mentor (Zulassung 2009) bringt auch überregional konstant mittlere bis leicht überdurchschnittliche Kornerträge. Der Proteingehalt ist in der Beschreibenden Sortenliste als mittel eingestuft, diesjährig lagen die Werte jedoch darüber. ES Mentor ist kürzer im Wuchs und zeichnet sich durch ihre sehr gute Standfestigkeit aus. Sie zeigte sich in der Jugendentwicklung recht kältetolerant, blüht etwas länger und benötigt für die Abreife ausreichend Wärme. ES Mentor reagiert empfindlich gegenüber Metribuzin.

Bettina (Zulassung 2016) ist eine mittel bis spät abreifende Sojabohne mit einem mittleren Wuchs und noch guter Standfestigkeit. Über mehrere Prüfjahre weist Bettina ein mittleres bis hohes Ertragsniveau auf. Der Proteingehalt kann jedoch etwas knapp ausfallen und liegt deutlich unter ES Mentor.

Die beste Sojabohnen-Sorte kann ihre Überlegenheit nur ausspielen, wenn die Standortwahl und Produktionstechnik ihr dies ermöglichen. Es bleibt daher zu betonen, dass alle Sorten von einer gesicherten Wasserversorgung während der Blüte und beginnenden Hülsenentwicklung profitieren. Auf leichteren Standorten kann es unter Trockenheit zu erheblichen Ertragsverlusten kommen, wenn nicht eine Beregnungsmöglichkeit gegeben ist. Unter den Bedingungen des Klimawandels kommt es inzwischen zu einer zeitigeren Erwärmung der Flächen, sodass die Aussaattermine bei entsprechender Abtrocknung vorgezogen werden können. Dennoch bleibt das Risiko von späten Kälteeinbrüchen bis hin zu Frostnächten weiterhin real. Kältetoleranten, robusten Sorten gebührt demnach insbesondere in den weniger günstigen Anbaulagen Mittelhessens auch weiterhin ein Platz im Anbau. Dabei sind aufgrund eingeschränkter Herbizidverfügbarkeit Flächen mit erhöhtem Unkraut­druck wegen des Durchwuchsrisikos und der daraus resultierenden Ernteerschwernis ungeeignet. An den pH-Wert des Bodens stellt Soja, wie alle Leguminosen höhere Ansprüche. Ein pH-Wert von 6,5 bis 7,0 ermöglicht eine gesunde Wurzelbiologie und –entwicklung und ist damit Voraussetzung für das Heranwachsen leistungsfähiger Sojabohnenpflanzen. Darüber hinaus ist die ausreichende Beimpfung des Saatguts mit sojaspezifischen Rhizobien die wesentliche Voraussetzung für einen optimalen Knöllchenansatz. Gegenteilig wirkt sich eine hohe Stickstoffnachlieferung des Bodens aus, sie würde den Knöllchenansatz und die Stickstofffixierung beeinträchtigen.

Tabelle 1:
LSV Sojabohne Hessen Reifegruppe sehr früh (000)
Mehrjährige Auswertung
Ertrag relativ zur Bezugsbasis

Jahr 2018 2019 2020 Mittel
Orte 3 3 3  
BB (dt/ha) 30,7 30,8 34,7 32,1
VD (dt/ha) 29,8 31,0 35,3 32,0
Merlin  EU  BB  96  95  98  96
Amarok  BB 103  94  92  96
Toutatis  BB  85  72  
Obelix  EU  BB 101 106 110 106
Regina  EU  BB 100  93 103  99
Acardia  EU  BB 111 110 121 114
Aurelina  EU  BB 103 102 104 103
Trumpf  95  
Cantate PZO 113  
Nessie PZO 108  
Ceres PZO  99  
Sussex 107  
Coraline EU  95 104  
ES Comandor  94  
Sculptor EU  87  
Alexa  87  
GL Melanie 101  

 

Tabelle 2:
LSV Sojabohne Hessen Reifegruppe früh (00)
Mehrjährige Auswertung
Ertrag relativ zur Bezugsbasis

Jahr 2018 2019 2020 Mittel
Orte 2 1 2  
BB (dt/ha) 34,6 43,7 41,0 39,0
VD (dt/ha) 33,0 43,7 39,0 37,5
ES Mentor EU  BB  97 101 103 100
Bettina EU  BB  91  97 103  98
RGT Siroca EU  BB 112 102  94 102
Timor PZO  81  
RGT Shouna EU  84  
RGT Sforza EU  89  
Lenka EU  98  

 

Tabelle 3:
LSV Sojabohne 2020 Reifegruppe sehr früh (000) – Qualitätsdaten
relativ zum Versuchsdurchschnitt

  TGK (g) Rohprotein-gehalt bei 86% TS (%) Rohprotein-ertrag (dt/ha)
Merlin  EU  BB  86  96  93
Amarok  BB  93 102  92
Toutatis  BB 106  97  69
Obelix  EU  BB 115  97 105
Regina  EU  BB 108 104 105
Acardia  EU  BB 101  94 112
Aurelina  EU  BB 103 105 107
Trumpf  99  99  93
Cantate PZO  96 105 117
Nessie PZO  90  98 104
Ceres PZO 109 100  97
Sussex  94 102 107
Mittel 197,0 35,3 12,5

 

Tabelle 4:
Sortenbeschreibung Sojabohne 2020 – Reifegruppe sehr früh (000)

  Neigung zu Ertragseigenschaften
Sorte Züchter / Vertreiber Zugelassen
seit
Blüh-
beginn
Reife Pflanzen-
länge
Lager Korn-
ertrag
Öl-
ertrag
Roh-
protein-
ertrag
Öl-
gehalt
Roh-
protein-
gehalt
TKM
1-9: Boniturnoten des BSA (1 = sehr gering, kurz, früh; 9 = sehr hoch, lang, spät)
grün hinterlegte Zellen: positiv zu bewertende Merkmalsausprägung; orange hinterlegte Zellen: negativ zu bewertende Merkmalsausprägung
Für die geprüften, aber nicht aufgeführten Sorten, liegen keine offiziellen Sortenbeschreibungen aus Deutschland vor.
Merlin EU   VGL Saatbau Linz 1997 2 3 4 3 5 7 5 7 3 3
Amarok   VRS Inter Saatzucht/
BayWa
2014 3 5 5 4 6 6 7 5 5 3
Toutatis  VRS Inter
Saatzucht
2017 3 5 5 2 5 7 5 7 3 4
Obelix EU Farmsaat 2019 3 4 4 2 6   6   4 6
Regina EU Saatbau
Linz/IG
2016 3 5 4 3 6   7   6 5
Acardia EU Saatbau
Linz/SU
2018 3 5 5 3 7         4
Aurelina EU (A) Saatbau
Linz/IG
2018 3 5 5 2 6   7   6 4
Trumpf Saatzucht Bauer 2019 2 6 6 6 7 8 8 6 5 4
Cantate PZO PZO 2020 3 5 6 3 7 8 9 6 6 4
Nessie PZO PZO 2020 3 4 5 4 7 8 8 7 4 3
Ceres PZO PZO 2020 3 5 5 3 7 8 8 7 4 5
Sussex NPZ / SU 2020 3 3 4 3 7 8 8 7 5 3