Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktfruchtbau

Sortenempfehlungen Wintergetreide zur Aussaat 2020

Auf Risikoausgleich setzen!

Totalausfälle durch Kahlfröste
Totalausfälle durch Kahlfröste im Februar 2012 können sich bei weniger winterharten Sorten jederzeit wiederholen. Im Vordergrund der Landessortenversuch Winterweizen, im Hintergrund Wintergerstenversuche.

Für die Herbstaussaat 2020 in Hessen werden auf Basis der mehrjährigen Ergebnisse aus den Landessortenversuchen in Abstimmung mit dem Saatbauverband West die in Tabelle 1 (Vollempfehlung) und 2 (Probeanbau) aufgeführten Wintergetreidesorten empfohlen.

Aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Jahre ist es mehr als ratsam innerbetrieblich konsequent auf Risikoausgleich zu setzen. Zu groß sind die Gefahren, die von den inzwischen unkalkulierbaren aber überwiegend milderen Winterverläufen, von Spätfrösten, von Frühjahrs- bzw. Frühsommertrockenheit sowie von anhaltenden Hitzeperioden ausgehen. Zu den Optionen gehört daher neben der Erweiterung der Fruchtfolgen sowie der nachhaltigen, konsequenten Bodenpflege unbedingt die Aufnahme von mehreren Sorten einer Art in das Anbaukonzept. Hierdurch entzerren sich Arbeitsspitzen, und die Pflanzenschutzintensität kann möglicherweise gesenkt werden.

Welche Eigenschaften benötigt die perfekte Sorte?

Die Züchtung hat in den vergangenen Jahren große Erfolge bei der Ausstattung neuer Sorten mit Resistenzgenen z. B. gegen Ährenfusarium, Gelb- oder Braunrost erzielt. Einige Sorten sind inzwischen auch mit Resistenzeigenschaften gegen Viruserkrankungen ausgestattet, die z. B. durch Blattläuse übertragen werden. Die in den letzten Jahren deutlich höheren Überwinterungschancen dieser Schaderreger lassen frühe Virusinfektionen mit höherem Schadpotenzial zunehmend wahrscheinlicher werden. Pflanzenschutzlösungen über Insektizidbehandlungen stoßen aufgrund des langen Infektionszeitraums hier an ihre Grenzen. Weitere züchterische Erfolge wären hier sehr wünschenswert.

Allerdings gibt es die perfekte Sorte leider nicht, denn sie müsste ertragsstark und gesund sowie standfest, ausreichend winterhart und mit guten Qualitätseigenschaften ausgestattet sein. Daher ist bei der Sortenwahl abzuwägen, welche Sorteneigenschaften für den eigenen Betrieb von besonderer Bedeutung sind. Wichtige Eigenschaften und auch Merkmale, die die Nutzung einschränken können, sind daher in den Tabellen vermerkt. Insbesondere sollte der Anbau von Sorten, die Schwächen wie beispielsweise eine eingeschränkte Winterhärte oder höhere Anfälligkeit z. B. für Fusarium aufweisen, flächenmäßig eingeschränkt werden, um das Anbau- und Vermarktungsrisiko zu minimieren.

Grundsätzlich muss sich jeder Betriebsleiter die Frage stellen, ob er zugunsten von guter Resistenzausstattung einer Sorte bereit ist, gegebenenfalls auf einige wenige Ertragspunkte zu verzichten. Dieser Ertragsverzicht könnte am Ende durch einen deutlich geringeren Kontroll- und Pflanzenschutzaufwand wirtschaftlich mehr als ausgeglichen werden!

Informationsquelle Landessortenversuche

Alle für unsere Anbauregion interessanten neu zugelassenen Sorten werden im Rahmen der Landessortenversuche umfassend, d. h. an mehreren hessischen Versuchsstandorten und über mehrere Anbaujahre geprüft. Dort werden sie objektiv, neutral und firmenunabhängig mit bewährten, langjährig ertragstreuen Standardsorten verglichen. Im Rahmen dieser Versuchsreihen lassen sich umfangreiche Datensätze zur Ertragsleistung und zu allen agronomischen Eigenschaften wie Standfestigkeit, Strohstabilität, Resistenzausstattung sowie zur Qualitätsausprägung (Rohproteingehalte, Hektolitergewichte, Tausendkorngewichte, Fallzahl etc.) gewinnen. Daten zur Winterhärte oder auch zur Pflanzengesundheit können natürlich nur erhoben werden, wenn tatsächlich in den Prüfjahren auch diese Krankheiten bzw. ausreichend intensive (Kahl)-Frostereignisse aufgetreten sind. Die gewonnenen regionalen Erkenntnisse ergänzen die bereits aus den Zulassungsprüfungen beim Bundessortenamt vorhandenen Einstufungen, die in der Beschreibenden Sortenliste dokumentiert sind.

Alle Ergebnisse der hessischen Landessortenversuche sind auf der Website des LLH unter Versuchswesen Marktfruchtbau abrufbar und werden laufend aktualisiert.

Des Weiteren sind die Sortenbeschreibungen aller geprüften Sorten im Downloadbereich des Beitrages  Digitale Feldführung beim LLH als Audiodateien abrufbar.

Tabelle 1: Sortenempfehlung für den Anbau

Region Nord/Mitte Region Süd
1 = gute Winterhärte
2 = schwächere Winterhärte
R+  = Doppelresistenz, auch gegen Virustyp BaYMV2
R+* = Doppelresistenz, auch gegen Virustyp BaYMV2, nicht resistent gegen BaMMV
* Stoppelweizeneignung
Grannen = Grannenweizen
Fus höher = höhere Fusariumanfälligkeit, nicht in Maisfruchtfolgen und/oder Fusariumbefallssituation
Fus gering = geringere Anfälligkeit für Fusarium
Mk = Anfälligkeit für Mutterkorn
Prot- = schwacher Proteingehalt
Wintergerste zweizeilig California
KWS Infinity1
Sandra2
California
KWS Infinity1
Sandra2
Winterbraugerste
Anbau in Absprache mit den Vermarktungspartnern
KWS Somerset
mehrzeilig KWS Higgins
KWS Kosmos
KWS Meridian1
KWS Orbit
Mirabelle
SU Ellenfrüh, 2, R+*
KWS Higgins
KWS Meridian1
KWS Orbit
SU Ellenfrüh, 2, R+*
Winterroggen KWS Serafino Mk gering
SU PerformerMk höher (Hybr.)
KWS Serafino Mk gering
SU PerformerMk höher (Hybr.)
Triticale Cedrico Fus gering
Lombardo1,Fus höher
Cedrico Fus gering-
Lombardo1,Fus höher
Winterweizen E
Anbau in Absprache mit den Vermarktungspartner
Bernstein Bernstein
Moschus1,Fus gering
A Apostel1
Asory 1
Patras1
RGT Reform1
RubiskoGrannen, 2, Fus gering
Apostel1
Asory 1
Kashmir 2
Patras1
RGT Reform1
RubiskoGrannen, 2, Fus gering
B Argument 1,*, Fus gering
Informer 1
KWS Talent 1
Argument 1,*, Fus gering
Informer 1
Kamerad 1, Fus gering
KWS Talent 1
Porthus 2, Fus gering
C Elixer1 Elixer1

 

 

Tabelle 2: Empfehlungen für den Probeanbau

Region Nord/Mitte Region Süd
1 = gute Winterhärte
2 = schwächere Winterhärte
R+ = Doppelresistenz, auch gegen Virustyp BaYMV2
R+* = Doppelresistenz, auch gegen Virustyp BaYMV2, nicht resistent gegen BaMMV
* Stoppelweizeneignung
Grannen = Grannenweizen
Fus höher = höhere Fusariumanfälligkeit, nicht in Maisfruchtfolgen und/oder Fusariumbefallssituation
Fus gering = geringere Anfälligkeit für Fusarium
Mk = etwas erhöhte Anfälligkeit für Mutterkorn
Prot- = schwacher Proteingehalt
Wintergerste zweizeilig KWS Moselle
SU Ruzena
KWS Moselle
SU Ruzena
Winterbraugerste
Anbau in Absprache mit den Vermarktungspartnern
mehrzeilig Journey
Melia
Journey
Melia
Winterroggen KWS Tayo (Hybr.) KWS Tayo (Hybr.)
Triticale Ramdam Ramdam
Winterweizen E s.o.
A RGT Depot RGT Depot
B Campesino Prot-
Kamerad1,Fus gering
LG Vertical Prot-
Campesino Prot-
LG Vertical Prot-
C

 

 


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