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Ackerbauaspekte in getreidebetonten Fruchtfolgen

Wie wirken sich verschiedene Bodenbewirtschaftungssysteme auf Schadgräser und das Auftreten von Krankheiten in getreidelastigen Fruchtfolgen aus?

Im Bereich Pflanzenschutz verlieren wir immer mehr Wirkstoffe, die dann nicht mehr für einen gezielten Einsatz zur Verfügung stehen. Gleichzeitig verstärken sich Resistenzen speziell im Bereich der Ungräserbekämpfung (Windhalm, Ackerfuchsschwanz, Weidelgras). Die Düngung wird immer weiter eingeschränkt, hieraus entwickeln sich Probleme für die Produktion von N-intensiven Kulturen, wozu auch der Backweizen zählt. Fußkrankheiten sind im Getreide ein Thema, welches in den letzten Jahren möglicherweise vernachlässigt wurde.

Bodenbewirtschaftung im Dauerfeldversuch

Die Ergebnisse aus Dauerfeldversuchen sind wichtig, da sie eine praxisnahe Bewertung über einen langen Zeitraum ermöglichen. Dies gilt speziell für den Bereich der Bodenbearbeitung, da Veränderungen im Boden, welche aufgrund einer veränderten Bodenbewirtschaftung erfolgen, nicht von einem Jahr auf das andere erfolgen. Der Systemversuch Bodenbearbeitung im hessischen Willershausen bietet für jene Fragestellung die entsprechende Historie. Im Jahr 1999 wurde der Versuch durch Manfred Kirchner angelegt, welcher die Bodenbearbeitungsvarianten Pflug, Mulchsaat und Direktsaat darstellt. Diese werden seitdem immer an derselben Stelle durchgeführt. Abgesehen von der Startkultur in 1999 (Lein) wurde eine in dieser Gegend praxisübliche Fruchtfolge mit hohem Getreideanteil und Raps gefahren. Der Standort verfügt über eine erodierte Parabraunerde mit einer Ackerzahl von 72 und einem durchschnittlichen Jahresniederschlag von 670 mm.

Einfluss der Bodenbearbeitung auf Schadgräser

Eine wichtige Fragestellung war die Veränderung der Grundlast von Ungräsern in Systemen mit reduzierter Bodenbearbeitung. Hier zeigte sich (Abb. 1), dass im Laufe der Jahre von 2002 bis 2011 die Belastung mit Schadgräsern in dieser Fruchtfolge bis auf circa 140-160 AFU-Pflanzen/m² in den reduzierten Bodenbearbeitungen und circa 380 Trespenpflanzen/m² in der Direktsaat anstieg. Durch den Rapsanbau in 2011 reduziert sich die Ackerfuchsschwanzbelastung in den Varianten Mulchsaat und Direktsaat um circa 50%, die Trespe in der Variante Direktsaat um circa 60%. Diese Werte verdeutlichen die Möglichkeiten, die die Kultur bei der Gräserbekämpfung bietet. Jedoch reicht eine Kultur nicht aus, um bei konsequent pflugloser Bodenbearbeitung eine nachhaltige Bekämpfung von Schadgräsern über die Fruchtfolge zuzulassen. Dies ist nicht der Kultur Raps geschuldet, sondern der Tatsache, dass 1 Jahr Blattfrucht gegen 3 Jahre Wintergetreide steht.

Ende Februar 2012 wurden durch starke Kahlfröste viele Weizenbestände in Mitleidenschaft gezogen, dies hatte eine Auswinterung von vielen Flächen zur Folge. Auch der Winterweizen in Willershausen musste umgebrochen werden. Als neue Kultur wurde Sommerweizen ausgesät. Der Einbau einer Sommerung in die Fruchtfolge, führte zu einer fast vollständigen Reduktion des Gräserbesatzes. Der Effekt wirkte sich auf die nachfolgenden Anbaujahre positiv aus.

Abbildung 1: Einfluss der Bodenbearbeitung (Pflug, Mulchsaat und Direktsaat) auf den Schadgräserbesatz (Windhalm, Ackerfuchsschwanz und Taube Trespe) von 2002 bis 2014
Abb. 1: Einfluss der Bodenbearbeitung (Pflug, Mulchsaat und Direktsaat) auf den Schadgräserbesatz (Windhalm, Ackerfuchsschwanz und Taube Trespe) von 2002 bis 2014

Man kann daraus ableiten, dass mit entsprechend konsequenten Maßnahmen die Ackerfuchsschwanzpopulation beherrschbar bleiben kann. Treten beim Ackerfuchsschwanz bereits Resistenzen gegen Herbizide auf, können diese NICHT zeitnah wieder rückgängig gemacht werden. Bei dem Versuch in Abb. 2 zeigt sich dann, wie eingeschränkt an solchen Standorten die Handlungsfähigkeit selbst mit umfänglichsten Herbizidbehandlungen ist. Dementsprechend rechtzeitig muss eine Systemwende mit entsprechenden ackerbaulichen Maßnahmen eingeleitet werden, um auch in Zukunft handlungsfähig zu bleiben.

Abbildung 2: Wirkungsgrade (%) verschiedener Herbizidvarianten gegen Ackerfuchsschwanz
Abb. 2: Wirkungsgrade (%) verschiedener Herbizidvarianten gegen Ackerfuchsschwanz

 

Als geeignete Maßnahmen bieten sich an:

  • Einbau von Sommerung
  • Spätsaaten
  • Nicht vergraben von Ausfallsamen (optimale Stoppelbearbeitung)
  • Falsches Saatbett
  • Herbizid Resistenzmanagement

 

Abbildung 3: Bereits Anfang Juli 2019 zeigten sich auf einigen Weizenflächen vermehrt Schwärze Pilze<br />an der unreifen Ähre und ein deutlicher Befall mit Fußkrankheiten.
Abb. 3: Bereits Anfang Juli 2019 zeigten sich auf einigen Weizenflächen vermehrt Schwärzepilze
an der unreifen Ähre und ein deutlicher Befall mit Fußkrankheiten

Typische Pilze in einer getreidebetonten Fruchtfolge

In stark getreidebetonten Fruchtfolgen spielen ebenso Fußkrankheiten wie Halmbruch oder Schwarzbeinigkeit eine Rolle, welche nach unserer Ansicht vom Klima der Jahre 2018/2019 profitieren. Bereits Anfang Juli 2019 zeigte sich auf einigen Weizenflächen ein deutlicher Befall mit Schwärzepilzen (siehe Abb. 3), obwohl der Gesamtbestand noch gar nicht reif war und keine langen Regenperioden vorlagen. Bei genauerer Betrachtung zeigte sich ein teilweise deutlicher Befall mit Fußkrankheiten, vor allem Halmbruch und Schwarzbeinigkeit. Die Untersuchungen von drei Praxisflächen und einem Stoppelweizenversuch bestätigten den nicht unerheblichen Befall mit Halmbasiserkrankungen (Abb.4).

Abbildung 4
Abbildung 4

Bedingt durch die trockenen Sommer der Jahre 2018 und 2019 fand kaum eine Strohrotte statt. Zusätzlich konnte durch das fehlende Bodengefüge, aufgrund z.T. extremer Trockengare, nur eine schlechte Stroheinarbeitung realisiert werden. Speziell in 2018 wurde Raps umgebrochen oder gar nicht ausgesät, häufig wurde dies durch eine weitere Aussaat von Wintergetreide ersetzt. Ebenso fördern die langen Vegetationsperioden Halmbasiserkrankungen. Das vorhandene Befallsrisiko wird wahrscheinlich durch die Witterung der letzten beiden Jahre verstärkt.

Die Bodenbearbeitung hat einen entscheidenden Einfluss auf den Erregerkomplex Fußkrankheiten, die letzten beiden Jahre warfen aber Fragen auf. Zum Großteil findet eine Infektion durch befallenes Pflanzenmaterial statt, dieses kann durch die Einarbeitung des Pfluges verhindert werden. Jedoch zeigte sich, dass durch die schlechte Rotte der letzten Jahre häufig, selbst durch einen Pflugeinsatz, wieder sporulationsfähiges Stroh nach der Bodenbearbeitung an die Oberfläche gelangte. Dieses schmälert die Leistung des Pfluges.

Um die Gefahr von Halmbasiserkrankungen zu minimieren, bieten sich vor allem spätere Saatzeiten an. In den vergangenen Jahren fielen die Winter häufig sehr mild aus, die Pflanzenbestände waren in den Früh- und Normalsaaten gut bis sehr gut entwickelt und verblieben somit länger in den gefährdeten Entwicklungsstadien (EC 23-32), wodurch die Wahrscheinlichkeit für einen Befall ansteigt. Spätsaaten verringern die Infektionswahrscheinlichkeiten mit Halmbruch und Schwarzbeinigkeit.

Einflussfaktoren auf den Halmbruchbefall

Die effektivste Maßnahme um Halmbasiserkrankungen vorzubeugen, ist die Fruchtfolgegestaltung. Stark Wintergetreide betonte Fruchtfolgen sind hier mit einem deutlich höheren Risiko versehen, als ein konsequenter Wechsel aus Halm und Blattfrüchten – optimal sogar noch mit dem Einbau von Sommergetreide. In Tab. 1 kann man das Zusammenspiel und das entstehende Risiko verschiedener Vorfrüchte für Halmbruch ganz gut erkennen und seine Fruchtfolge danach bewerten.

Tab. 1: Risikofaktoren durch Vorfrucht – Kombinationen
BF=Blattfrucht, Hafer, Mais S=Sommergetreide W=Wintergetreide

Vorfrucht Vorvorfrucht Vorfruchtfaktor Vorfruchtrisiko
Quelle: Pflanzenschutzdienst Hannover
BF BF 1 50 %
BF S 1,2 70 %
S BF 1,3 80 %
S S 1,8 100 %
BF W 2 100 %
W BF 2,3 130 %
S W 2,3 130 %
W S 2,7 170 %
W W 3,8 200 %

Ein ebenso wichtiger und schnell umsetzbarer Parameter ist die Wahl einer Sorte mit entsprechender Halmbruchstabilität. Im Hinblick auf die Vermehrungsfläche von Sorten mit über 1000 ha Vermehrungsfläche, wird diese Maßnahme jedoch kaum umgesetzt (Abb. 5).

Abbildung 5: Winterweizen Vermehrungsflächen 2019 nach ihrer Resistenzbewertung Halmbruch des Bundessortenamtes (BSA); Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Anerkennungsstellen für landwirtschaftliches Saat- und Pflanzgut in Deutschland 2019-verändert Fricke-Müller 2020
Abb. 5: Winterweizen Vermehrungsflächen2019 nach ihrer Resistenzbewertung Halmbruch des Bundessortenamtes (BSA); Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Anerkennungsstellen für landwirtschaftliches Saat- und Pflanzgut in Deutschland 2019 - verändert durch Fricke-Müller 2020

Als letzte Option ist der Einsatz fungizider Wirkstoffe zu sehen (Abb. 6), ihre Leistungsfähigkeit gegenüber Halmbruch ist jedoch nicht immer ausreichend.

Abbildung 6: Befallshäufigkeit und Befallsindex von Halmbruch
Abb. 6: Befallshäufigkeit und Befallsindex von Halmbruch

 

Geeignete Maßnahmen zur Halmbruchbekämpfung:

  • Fruchtfolge
  • Sortenwahl
  • Saattermin
  • Fungizideinsatz

Einflussfaktoren auf die Schwarzbeinigkeit

Der Erreger Schwarzbeinigkeit benötigt einen gut durchlüfteten Boden, somit stellt sich die Frage, ob der Pflugeinsatz nicht auch förderlich sein kann. Da das Auftreten, die Befallsstärke und die absoluten Ertragseinbußen schwer vorhersehbar sind, sollte in einem intensiven Stoppelweizenanbau, neben den pflanzenbaulichen Maßnahmen wie z.B. späterer Saattermin, auch über den Einsatz der Spezialbeize Latitude nachgedacht werden. Hierzu wurde am Standort in Willershausen speziell im Erntejahr 2018 ein Versuch durchgeführt (Abb. 7). In der Fungizid unbehandelten Variante zeigte sich, je extensiver die Bodenbearbeitung erfolgte, desto höher war der Ertragszuwachs durch die Spezialbeize.

Abbildung 7: Vergleich der Bodenbearbeitungsvarianten und Beizungen im Weizenertrag (Sorte: Sportan)
Abb. 7: Vergleich der Bodenbearbeitungsvarianten und Beizungen im Weizenertrag (Sorte: Sportan)

 

Geeignete Maßnahmen zur Schwarzbeinigkeitsbekämpfung:

  • Fruchtfolge
  • Saattermin
  • Spezialbeize

Fazit: Prevention mit weiten Fruchtfolgen

Pflanzenbauliche Maßnahmen sind immer wichtig, um langfristig erfolgreich wirtschaften zu können. In den betrachteten Problemen, die in engen Getreidefruchtfolgen vorkommen (können), kommt den indirekten Bekämpfungsmaßnahmen die größte Bedeutung zu. Leider werden Lösungen häufig erst dann gesucht, wenn Probleme bereits vorhanden sind. Eine weite Fruchtfolge mit ausreichenden Anteilen an Blattfrüchten führt dazu, dass Probleme häufig gar nicht erst auftauchen. Je extensiver das Bodenbearbeitungssystem ist, welches man als Betrieb praktiziert, desto wichtiger ist eine weite Fruchtfolge mit Blattfrüchten und Sommerungen. Das Ganze sollte sich aber auch im Ertrag wiederspiegeln, um in der Praxis umgesetzt zu werden. Fördermaßnahmen wie beispielsweise das HALM C1 (Vielfältige Kulturen im Ackerbau) in Hessen können die Attraktivität ebenso erhöhen. Wintergetreide profitiert in der Regel immer von einer Blattfrucht als Vorfrucht (Ausnahme ganz später Rübenweizen) – dazu gibt es zahlreiche Ergebnisse. Durch solch eine entsprechende Fruchtfolgegestaltung können die Getreidekulturen in ihrer Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden.

Dieser Beitrag ist erschienen im Getreidemagazin 2/2020 (26. Jg.)