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Süßkirschen: Das Frühjahr naht auf leisen Schritten

Langsam wird es für die Kirschen Zeit, das neue Jahr zu begrüßen. Wie haben die Süßkirschen in Nordhessen die Frostphase überstanden und welche Arbeiten stehen in den Plantagen nun an?

Die Bäume der Kirschplantage nach der Frostphase dieses Winters
Die Bäume der Kirschplantage nach der Frostphase dieses Winters
Knospenentwicklung
Knospenentwicklung

Während Pfirsiche, Birnen, Quitten und Aprikosen in ihrer Entwicklung bereits weiter sind, lassen sich die zögerlichen Kirschbäume mehr Zeit. Und das ist auch gut so, denn dadurch sind sie gegen kalte Temperaturen, wie sie sich ab der 6. Kalenderwoche eingestellt haben, besser gewappnet. Temperaturen bis minus 22° C und ergiebige Schneefälle haben die meisten Bäumen ohne Weiteres verkraftet. Nur dort, wo eine längere Sonneneinstrahlung über die Mittagszeit mit Temperaturen über 15° C zu lokalen Erwärmungen führte, traten vereinzelt Frostrisse am Stamm auf.

Die Knospenentwicklung wurde durch die starken Fröste nicht beeinflusst. Derzeit sind die Bäume im Stadium des Knospenschwellens und beginnen zu treiben. Der üppige Knospenansatz lässt auf ein ertragreiches Jahr hoffen. Entscheidend hierbei sind der weitere Witterungsverlauf und vor allem Spätfrostphasen, die im vorigen Jahr zu Ertragseinbußen geführt hatten.

Schneiden, Düngen, Pflanzen

Trockene Witterung sollte für den Winterschnitt genutzt werden. Dieser kann bis zum Aufblühen erster Blüten durchgeführt werden. Mit dem Schnitt lässt sich die Stärke des Wachstums beeinflussen und so ein physiologisches Gleichgewicht erhalten.

Mit einer lockereren, luftigen Krone werden Infektionen mit pilzlichen Schaderregern erschwert, weil Äste schneller abtrocknen können. Sollten sich aus dem Vorjahr Fruchtmumien am Baum befinden, sollten diese jetzt umgehend entfernt werden, da diese bei feuchter Witterung Sporen ausströmen.

Jetzt sollte auch auf die Düngung eingegangen werden. Durch die feuchten Bodenverhältnisse werden Nährstoffe über das Wurzelsystem gut aufgenommen und stehen den sich nun rasch entwickelnden Bäumen zur Verfügung. Je nach Standort und Bodenart müssen die Düngegaben ermittelt werden. Hierzu geben Ergebnisse der Bodenanalyse wichtige Anhaltspunkte für eine bedarfsgerechte Düngung.

Wer jetzt Bäume pflanzen möchte, findet derzeit sehr gute Voraussetzungen aufgrund des gut durchgefeuchteten Bodens.

Es muss jedoch besonders auf Wühlmäuse geachtet werden. Durch den eher milden Winter muss mit einer hohen Populationsdichte gerechnet werden. Aufgrund des mangelnden Nahrungsangebotes, bieten die Wurzeln der Obstbäume eine wichtige Nahrungsquelle für diese Nager. Ältere Bäume mit ihren stärkeren, weitverzweigten Wurzeln vertragen eher Verluste als Jungbäume mit kleinerem Wurzelsystem. Es ist bei der Pflanzung empfehlenswert, um die Wurzelballen herum ein Drahtgeflecht anzubringen. Die Maschenweite sollte 13mm betragen. Das Geflecht muss um den Stammansatz gebunden werden, so dass die Wühlmäuse nicht von oben an die Wurzeln dringen können. Bei der Pflanzung sollte auf ausreichende Düngegaben geachtet werden, um das Wurzelwachstum anzuregen und die Widerstandskraft gegen Wühlmausschäden zu erhöhen.

Anlegen von Blühstreifen in den Fahrgassen

Die Blühwiese in der Kirschplantage Wendershausen besteht seit 2019
Die Blühwiese in der Kirschplantage Wendershausen besteht seit 2019
Spezielle Blühmischungen für Obstanlagen fördern Insektenarten
Spezielle Blühmischungen für Obstanlagen fördern Insektenarten

Mehr Biodiversität, mehr Nützlinge – im Erwerbsobstbau ist diese Erkenntnis für eine hohe Bestäubungsleistung als auch für den (vorbeugenden) Pflanzenschutz von wachsender Bedeutung. So gibt es immer mehr Betriebe, die in ihren Obstplantagen die Fahrgassenbegrünung mit Blühstreifen kombinieren.

Für Obstanlagen gibt es spezielle Blühmischungen, die an die regionalen Standortansprüche angepasst sind. Sie fördern Insektenarten, die am Standort unterrepräsentiert sind, oder unterstützen die Einwanderung aus angrenzenden Anlagen.
Mit einem hohen blühenden Kräuteranteil wird einerseits die Förderung bestäubender Insekten als auch die von räuberischen Nutzinsekten angestrebt. Letztere können auf ein hohes Maß vermehrt werden und so ökologisch nachhaltig einem massiven Schädlingsdruck vorbeugen. Die Förderung einheimischer Nützlinge könnte zudem die Verbreitung einiger gebietsfremder Arten verlangsamen.

Bei der Auswahl einer Mischung kommt es auf viele Faktoren an, wenn sie sich etablieren und erfolgreich sein soll. Angesichts des vielfältigen Angebots sollte man anfangs dringend fachlichen Rat einholen, den seriöse Anbieter auch bieten. Damit lässt sich viel Arbeit einsparen.

Die Etablierung von Populationen und das Erreichen eines gesunden Gleichgewichts hängen zudem von den bereits am Standort vorhandenen Biodiversitätselementen ab: Heckenstreifen, Holzschnittplätze, eine Nähe zum Wald, sowie extensiv bewirtschaftetes Grünland und Obstanlagen im Umland sind zum Beispiel dienlich.

In der LLH- Süßkirschen-Versuchsanlage Wendershausen sind bereits etliche der oben beschriebenen biodiversitätsfördernden Maßnahmen etabliert worden. Nun sollen – zusätzlich zu den zwei seit 2019 bestehenden Blühwiesen – auch blühende Fahrgassen angelegt werden.

In der Versuchsanlage wurden dafür im vergangenen Herbst zwei, jeweils ein Meter breite, Streifen im Abstand von vier Metern zu den Baumstreifen gegrubbert. Jetzt im Frühjahr, wenn der Boden nicht mehr gefroren und abgetrocknet ist, steht das Fräsen an. Besonders dominierende Gräser sollten mit dem Vorbereiten des Saatbetts durch ein weiteren Fräsgang innerhalb von zwei Wochen zurückgedrängt werden. Danach muss sich der Boden absetzen, damit die Samen einen guten Kontakt zur Bodenkrume und somit ausreichend Feuchtigkeit erhalten. Ausgesät wird dann eine, an vergleichbaren Standorten für den gewerblichen Obstanbau erfolgreich erprobte, Mischung mit verschiedenen Kleearten, Gräsern und anderen Wildkräutern. „Wir erhoffen uns insbesondere eine hemmende Wirkung auf die Blattlauspopulationen, die sich im vorigen Jahr besonders stark vermehrt haben“, erklärt Agata Stawinoga vom Fachgebiet Fachinformation Gartenbau des LLH.

Die AG Blühflächen des LLH berät und unterstützt die Kollegen in Wendershausen bei der Anlage der Blühstreifen.