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Landessortenversuch Ökokartoffeln 2017

Trotz zum Teil widriger Witterungsverhältnisse wurden in Hessen gute Kartoffelerträge erzielt.

Das Jahr 2017 lässt sich vereinfacht in eine zu trockene erste Jahreshälfte und in eine zweite, zu feuchte Jahreshälfte unterteilen. Welche Sorten mit diesen Witterungsbedingungen am Besten zurechtkamen, erläutert Reinhard Schmidt vom Beratungsteam ökologischer Landbau beim LLH.

Winter 16/17 mit zahlreichen Frosttagen

Nach dem sehr milden Winter 15/16 hat uns der vergangene Januar mit 25-30 Frosttagen und zweistelligen Minusgraden an frühere Winter erinnert. Da wo keine isolierende Schneedecke den Boden geschützt hat, konnte der Frost in den Boden eindringen und Bodenverdichtungen aufbrechen. Ein weiterer positiver Effekt des Frostes war die Bekämpfung von Durchwuchskartoffeln.  Die Monate Februar und März waren dann im langjährigen Vergleich wieder zu mild und wie schon der Januar zu trocken. Eine gute Bodenstruktur und trockene Bodenbedingungen haben zu frühen Pflanzterminen bei den Frühkartoffeln geführt. Auch die späteren Sorten sind bei vielen Betrieben um 1-2 Wochen früher in den Boden gekommen als sonst üblich. Wenn diese nicht vorgekeimt waren, hat es allerdings lange gedauert bis sie aufgelaufen sind, da der April dann doch noch recht kühl geblieben ist.  Deutlich wärmer wurde es erst um den 10. Mai. Die ungünstigen Temperaturen im April haben im Sortenversuch zu unterschiedlichen Auflaufterminen geführt. Sehr schnell sind die Sorten Almonda und Soraya aufgelaufen, während Bernina und Wendy ganze 10 Tage länger benötigt haben.

Im Sommer viel Regen, wenig Krautfäule aber viel Alternaria

Die Monate Juni und Juli waren dann sehr regenreich. Trotz der hohen Niederschlagsmengen ist die Krautfäule erst spät aufgetreten. Am Versuchsstandort in Frankenhausen wurde im Sortenversuch erst Anfang Juli der erste Krautfäulebefall bei einzelnen Sorten bonitiert. Obwohl der Versuch nicht mit Kupfer behandelt wurde, zeigten viele Sorten bis zur Abriefe keinen nennenswerten Krautfäulebefall. In Mittelhessen war der Krautfäuledruck z.T. deutlich stärker.  Anders stellte sich die Situation für die Dürrfleckenkrankheit (Alternaria solani) bzw. Sprühfleckenkrankheit (Alternaria alternata) dar. Diese Krankheit tritt besonders stark auf, wenn auf eine Trockenperiode Regenfälle folgen. Besonders starken Befall zeigten die Sorten Filou und Theresa. Diese Sorten zeigten schon Ende Juni einen mittleren Befall, der sich im Vegetationsverlauf noch erhöhen sollte und damit auch ertragsrelevant wurde. Die Erreger der A. solani bzw. A. alternata überwintern hauptsächlich in befallenem, abgestorbenem Kraut- und Abfallhaufen. Ein direkter Befall der Pflanzen von infizierten Knollen wie bei der Kraut- und Knollenfäule konnte bisher noch nicht festgestellt werden. Bei der Erntebonitur konnte ein Knollenbefall (Trockenfäule mit eingesunkenen Flecken), auch bei den stark befallenen Sorten, nicht beobachtet werden.

Nassfäule verursachte Ertragseinbußen, Rodeunterbrechungen und Lagerprobleme

Durch die hohen Niederschläge in den Monaten Juni, Juli und August wurden die Erreger von Schwarzbeinigkeit und Knollennassfäule besonders gefördert. Erste Hinweise im Feld waren welkende Pflanzen mit schwarzbraunen Verfärbungen an der Stengelbasis. Solche Pflanzen lassen sich leicht aus dem Boden ziehen, die befallenen, schwarzen Stellen riechen nach Buttersäure. Der Erreger überdauert in latent befallenem Pflanzgut und wandert von dort zunächst mit dem Saftstrom in die jungen Triebe. Von dort werden die Tochterknollen entweder direkt infiziert, oder aber mit dem Bodenwasser von Pflanze zu Pflanze bzw. Knolle transportiert. Eine weitere Infektionsquelle stellt das Roden dar. Kommen gesunde Knollen beim Roden mit faulen Knollen in Berührung, kann dies zu weiteren Infektionen führen. Um befallene Knollen durchfaulen zu lassen, war eine unfreiwillige Unterbrechung des Rodens meist die einzige Möglichkeit um die Infektionskette zu unterbrechen. Wichtigste Maßnahme, um eine Ausbreitung im Lager zu verhindern, war das sofortige Trocknen der gerodeten Ware innerhalb von 24 Stunden. Auch bei der weiteren Lagerung war Schwitzwasserbildung zu vermeiden, da dies die Überlebenschancen der Bakterien deutlich erhöht. Durch kühle Lagerungsbedingungen (4-5 C°) kommt der Erreger zwar zur „Ruhe“ stirbt aber nicht ab. Problempartien sollten auf jeden Fall gesondert und gut erreichbar gelagert werden.

Versuchsaufbau und Durchführung

Der Versuch wurde in Zusammenarbeit mit der Universität Kassel, Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften, auf der Hessischen Staatsdomäne Frankenhausen, ca. 10 km nördlich von Kassel, durchgeführt. Geprüft wurden 3 Sorten aus der frühen Reifegruppe (Wega, Goldmarie, und Queen Anne) sowie 12 Sorten aus der mittelfrühen Reifegruppe (Ditta, Allians, Regina, Almonda, Bernina, Soraya, Theresa, Wendy, Otolia, Filou, Belmonda sowie ein Stamm HS Pn-08. Als Vorfrucht stand ein überjähriges Luzernekleegrasgemenge, welches Mitte Februar umgebrochen wurde. Vor dem Auspflanzen am 20. April erfolgten noch eine Bearbeitung mit dem Federzinkengrubber und schließlich die Pflanzbettbereitung am 19.April mit der Kreiselegge. Es wurden weder eine Düngung noch eine Kupferbehandlung zur Krautfäulebekämpfung durchgeführt. Angaben zum Versuchsstandort sind der Tabelle 1 zu entnehmen.

Hohes Ertragsniveau mit deutlichen Sortenunterschieden

Im Versuchsmittel wurde ein Rohertrag von 328 dt/ha erreicht. Als einzige Sorte im Versuch konnte Soraya die 400 dt/ha-Grenze überschreiten und liegt damit in 2017 deutlich an der Spitze. Danach folgen die Sorten Otolia, Allians, Ditta und Regina mit Roherträgen zwischen 350 und 370 dt/ha. Wie schon im Vorjahr war Bernina (213dt/ha) ertragsschwächste Sorte im Versuch, gefolgt von den erst einjährig geprüften Sorten Wendy (243dt/ha) und Filou (265dt/ha). Die sehr geringen Erträge lassen sich z.T. mit der Krankheitsanfälligkeit dieser Sorten erklären. So waren Bernina und Wendy am stärksten von der Krautfäule befallen und zeigten im weiteren Vegetationsverlauf auch den höchsten Anteil an nassfaulen Knollen. Dieser Anteil konnte allerdings nicht bestimmt werden, da schon beim Roden ein hoher Teil der faulen Knollen auf dem Feld verblieben ist. Filou dagegen hatte keine Probleme mit Kraut- oder Nassfäule, hier hat der starke Befall mit Alternaria zu Ertragseinbußen geführt. Betrachtet man den Speisewarenertrag der letzten 3 Jahre (Tabelle 3), zählt Allians gefolgt von Belmonda und Almonda zu den ertragsstabilsten Sorten. Regina kann in allen Prüfjahren im Rohertrag ebenfalls überzeugen. Allerdings ist bei dieser Sorte der hohe Anteil an Untergrößen (2017: 11%, 2016: 13% und 2014: 19%) zu beachten, was den Anteil an vermarktungsfähiger Ware etwas reduziert.

Qualitätseinbußen durch Rhizoctonia solani und Drahtwürmer

Wie schon in den vergangenen Jahren, haben der Drahtwurm und die Wurzeltöterkrankheit (Rhizoctonia solani) den Kartoffeln stark zugesetzt. Im Versuchsmittel waren 5,2% der Knollen durch Drahtwürmer geschädigt. Die Anzahl der Frasslöcher variierte dabei zwischen einem und sieben Löcher je Knolle. Ein deutlich größerer Schaden wurde durch Dry Core Löcher in Folge von Rhizoctonia solani Infektionen verursacht. Im Mittel waren bei über 30% der Knollen Löcher, die durch diesen Pilz verursacht worden sind, zu finden. Bei Otolia waren sogar 60% der Knollen betroffen,  gefolgt von Ditta und Allians mit jeweils 46%. Da eine Vermarktung solcher Knollen nur kaum möglich ist, ist der durch Rhizoctonia solani verursachte, wirtschaftliche Schaden enorm hoch.

Die Stärkegehalte liegen mit 15,5% im Versuchsmittel sehr hoch. Einen deutlichen Unterschied im Stärkegehalt gab es zwischen den beiden mehlig kochenden Sorten Theresa (15,8%) und Filou (19,4%). Aber auch innerhalb der festkochenden und der vorwiegend festkochenden Sorten gibt es sehr deutliche Unterschiede. Besonders die beiden Solana-Sorten Almonda und Belmonda haben für die jeweilige Kocheigenschaft sehr hohe Stärkegehalte erreicht.

Eigenschaften der geprüften Sorten

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