Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Pflanzenschutz

Neuregelungen zum Anwenderschutz im Umgang mit Pflanzenschutzmitteln

Bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln gelten bereits seit geraumer Zeit strenge Auflagen in Bezug auf die Anwendungssicherheit. Seit 2018 werden bei der Neuzulassung von Pflanzenschutzmitteln (PSM) „bußgeldbewehrte Anwendungsbestimmungen“ zum Schutz der Anwender vergeben.

Elemente der PSA: die neue Ärmelschürze, Korbbrille, Halbmaske und Nitrilhandschuhe
Elemente der PSA: die neue Ärmelschürze, Korbbrille, Halbmaske und Nitrilhandschuhe

Die jeweiligen Schutzmaßnahmen werden festgelegt, nachdem die Eigenschaften des Pflanzenschutzmittels und die Risikoabschätzung ermittelt wurden. Dabei sollen nachhaltige und nachteilige Auswirkungen auf die Gesundheit von Anwendern und Arbeitern vermieden werden. Bei künftigen Kontrollen sind Verstöße durch Nichteinhaltung bußgeldbewehrt.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat dafür eine Richtlinie „Persönliche Schutzausrüstung beim Umgang mit Pflanzenschutzmitteln“ erstellt, die allgemeingültige Anforderungen an die persönliche Schutzausrüstung (PSA) vorgibt.

Dort sind grundlegende PSA-Anforderungen an Arbeitskleidung, Schürzen, Schutzanzug, Handschuhe, Kopfschutz, Augen- und Atemschutz sowie an das Schuhwerk aufgeführt.
Beim Umgang mit PSM ist aus arbeitshygienischen Gründen immer eine intakte Berufs- bzw. Arbeitsbekleidung zu tragen, welche aus einer langärmeligen Jacke und einer langen Hose oder einem langärmeligen Arbeitsanzug besteht. Dabei ist genau vorgeschrieben, dass der Stoff der Bekleidung aus einem Polyester/Baumwolle-Mischgewebe mit mindestens 65 % Polyesteranteil und seit dem 20. Juli 2020 mit einer leicht herabgesetzten Grammatur von 245 g/m² bestehen muss. Diese Materialeigenschaften erfüllen die üblichen, bisher auf dem Markt erhältlichen Berufsbekleidungen. Eine Alternative bei sommerlichen Temperaturen stellt eine leichtere (180 g/m²), nach EN ISO 27065 zertifizierte Arbeitskleidung dar. Diese leichtere Arbeitsbekleidung besteht aus einem atmungsaktiven Gewebe mit feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften und ist als Overall mit zwei Reißverschlüssen oder als Kombination aus Jacke und Hose erhältlich. Diese leichtere Bekleidung muss allerdings nach 30 Waschzyklen oder nach der Nutzungsdauer von einem Jahr durch eine neue ersetzt werden.

Zertifizierte Arbeitsbekleidung nach DIN EN ISO 27065 ist durch ein charakteristisches Zeichen mit einem Erlenmeyerkolben und einem Blatt gekennzeichnet.

Bei der Anwendung von PSM kann das Tragen von Schutzhandschuhen in verschiedenen Ausführungen und unterschiedlichen Schutzniveaus nach Norm ISO 18889 vorgeschrieben sein. Geeignete Schutzhandschuhe werden dort je nach Tätigkeitsbereich in die Schutzstufen G2, G1 und GR eingeteilt:

  • G2: Umgang mit konzentrierten PSM (gegen mechanische Risiken getestete Schutzhandschuhe)
  • G1: NICHT für den Umgang mit konzentrierten PSM (nicht gegen mechanische Risiken getestete Schutzhandschuhe)
  • GR: Nachfolgearbeiten in behandelten Kulturen mit angetrockneten Rückständen (teilbeschichtete Handschuhe: mit Nitril beschichtete Textilhandschuhe)

Welche Schutzstufen der Schutzhandschuhe bei einzelnen Arbeitsschritten vorgesehen sind, kann beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit eingesehen werden:

Beim Schuhwerk muss darauf geachtet werden, dass es sich dabei um wasserdichte Sicherheitsschuhe nach DIN EN ISO 20345 oder wasserdichte Gummistiefel nach DIN EN ISO 20345 der
Klasse II und Höhe D handelt.

Die neue Ärmelschürze richtig getragen: in Kombination mit Atemschutz, Gummistiefeln und Handschuhen
Die neue Ärmelschürze richtig getragen: in Kombination mit Atemschutz, Gummistiefeln und Handschuhen
Ärmelschürze, Rückseite
Ärmelschürze, Rückseite
Die neue Ärmelschürze als neues Element der persönlichen Schutzausrüstung, Vorderseite
Die neue Ärmelschürze als neues Element der persönlichen Schutzausrüstung, Vorderseite

In der Fachmeldung des BVL vom 07. Juni 2019 wurde mitgeteilt, dass eine   Ärmelschürze als neues Element der PSA zugelassen wurde. Die Schürze kann bei festgelegten Tätigkeiten, bei denen fast nur die vordere Körperseite exponiert wird, eingesetzt werden. Der vorgeschriebene Schutzanzug kann somit durch eine Kombination aus Ärmelschürze und Arbeitskleidung ersetzt werden. Zu diesen Tätigkeiten gehören: Ansetzen der Spritzbrühe, Befüllen von Pflanzenschutzgeräten und Granulatstreuern, Tätigkeiten während der Anwendung außerhalb der Schlepperkabine und Umgang mit behandeltem Saatgut oder Reinigung von Maschinen und Geräten.

Geeignete Schutzausrüstung ist in einer BVL-PSA-Datensammlung tabellarisch zusammengetragen worden.

In der BVL-Fachmeldung vom 08. Januar 2020 wurde veröffentlicht, dass auch durch Traktorkabinen der Kategorie 2 Anwender ausreichend vor Spritznebel geschützt werden können. Auf das das Tragen der Schutzausrüstung für Augen und Haut (auf den Atemschutz nicht!) kann unter bestimmten Voraussetzungen verzichtet werden. Die Schlepperkabinen müssen dabei dicht schließend sein und eine Klimaanlage mit Zuluftfilter aufweisen, um den Anwender vor Sprüh- und Spritznebel zu schützen. Falls Tätigkeiten während der Anwendung außerhalb der Kabine stattfinden, muss die jeweilige vorgeschriebene PSA (oder alternativ Arbeitsbekleidung + Ärmelschürze) und Einmalhandschuhe getragen werden. Dabei ist eine Kontamination des Kabineninnenraums durch die getragene PSA zu vermeiden. Dazu sollte die kontaminierte PSA optimaler Weise in einem extra Behältnis am Ausbringungsgerät aufbewahrt werden.

Neu sind zudem auch einige Anwendungsbestimmungen, die Wiederbetretungsfristen und Nachfolgearbeiten regeln (SF-Auflagen). Die Bestimmungen dienen dem Schutz vor einer Kontamination von Arbeitskräften über die Haut bei einem Kontakt zu behandelten Kulturen. Dabei kann der Zeitraum nach der Anwendung des PSM, in dem Arbeitskleidung ggf. kombiniert mit Schutzhandschuhen zu tragen ist, vorgegeben sein (2 / 4 / 7 / 10 / 14 / 21 / 28 / 35 / 42 Tage oder bis zur Ernte). Genügen diese Schutzmaßnahmen nicht, um das Risiko für Arbeiter ausreichend zu verringern, wird die tägliche Arbeitszeit in der jeweiligen Kultur auf zwei Stunden pro Tag begrenzt. Diese Wiederbetretungsbestimmungen sind als SF-Auflagen für die einzelnen Indikationen eines Pflanzenschutzmittels gekennzeichnet.

Bei Neuzulassungen oder Wiederzulassungen werden also künftig Anwendungsbestimmungen vergeben, die auch bußgeldbewehrt sind. Schlussendlich sind manche Auflagen für Einige noch recht neu aber dennoch sind sie praxistauglich und machbar.

Weiterführende Informationen finden Sie beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Quellen: www.bvl.bund.de, TASPO 02/20 S.9, LW 4/20 S. 10-11


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