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Feldmäuse – aktuelle Situation

Im Herbst des Vorjahres (Herbst 2020) war die Feldmauspopulation regional sehr stark angestiegen. Glücklicherweise war der Winter überwiegend schneefrei und der Januar sehr nass. In der Folge war die Feldmauspopulation verbreitet eingebrochen.

Derzeit findet eine Besiedlung landwirtschaftlicher Flächen auf niedrigerem Niveau statt. Die Tiere vermehren sich bei den zunehmenden Kurztagbedingungen nicht mehr. Die Bekämpfungsschwelle für Getreide ist deshalb im Winterhalbjahr (80 bis 128 Mäuse/ha) höher als beispielsweise im Mai (80 bis 96 Mäuse/ha). Wie hoch der Mausbesatz ist, lässt sich mit der Lochtretmethode (wieder geöffnete Löcher/250m² * 16) abschätzen. Eine Maus öffnet innerhalb von 24 h durchschnittlich 2,5 Löcher, da die Feldmaus ca. alle 2 bis 3 h an die Oberfläche kommen muss, um zu fressen.

Randbereiche sind Rückzugsgebiete

Feldmäuse bewohnen bevorzugt Brachflächen (auch Blühflächen), Grünlandbereiche sowie die Randgebiete von Feldern, Raine und Wegränder. Dort sind sie vor intensiven pflanzenbaulichen Aktivitäten sicher; eine meist höhere Vegetation schützt sie zudem vor Feinden. Von dort aus wandern sie dann in angrenzende Flächen z.B. Äcker ein, graben sich einen Bau und verzehren in dessen Umkreis die Pflanzen.

Mehrmals im Jahr bringt das Weibchen 3 bis 7 Junge zur Welt. Die geborenen, jungen Weibchen sind noch während der Säugzeit im Alter von nur 14 Tagen geschlechtsreif. Nach einer Tragzeit von 21 Tagen werfen somit die Jungweibchen im Alter von nur 35 Tagen ihrerseits wieder Junge. Aufgrund dieser besonderen biologischen Gegebenheit ist ersichtlich, dass es bei günstigen Umweltbedingungen leicht zu Massenvermehrungen (Gradation) kommen kann.

Sitzstangen sind sinnvoll, reichen bei Starkbefall jedoch nicht aus

Indirekte Bekämpfungsmaßnahmen, wie z.B. das Aufstellen von Sitzstangen für Greifvögel, leisten einen wertvollen Beitrag zur natürlichen Kontrolle der Mauspopulation. Sie sind in Akutsituationen jedoch nicht ausreichend wirksam. Denn, um hohe Mäusepopulationen natürlich „bekämpfen“ zu lassen, bedarf es auch großer Populationen an Fressfeinden z.B. Greifvögeln. Die Ökologie lehrt uns aber, dass die Beute- und Räuberpopulationen zeitlich versetzt ihre Peaks haben (Volterra-Regeln), was auch das zyklische Auftreten von Mäuseplagen alle drei bis vier Jahre erklärt.

Ein moderater Besatz an Feldmäusen hilft, die Population der Fressfeinde zu erhalten. Dies zögert das Auftreten von Mäuseplagen (Gradation) hinaus. Daher ist es aus pflanzenbaufachlicher Sicht sinnvoll, Mäuse erst zu bekämpfen, wenn die Bekämpfungsschwellwerte überschritten sind. Mäusegeplagtes Grünland als auch Wegränder sollten zudem kurz gemäht über den Winter gehen, um Beutegreifern das Erspähen von Mäusen zu erleichtern.

Den Winter abwarten

Sind die Schäden und Feldmauspopulationen wie zurzeit überschaubar, ist es ratsam, mit der Entscheidung über eine chemische Bekämpfung bis zum Februar zu warten. Ein nasser, milder Winter führt häufig zu einem Einbruch der Feldmauspopulation. Schnee und Frost hingegen fördern das Überleben der Nager, da die Nester trocken bleiben und ein gefrorener Boden nicht so leicht von Fressfeinden (Füchse) aufgewühlt werden kann. Unter einer Schneedecke können die Mäuse zudem unentdeckt den Bau zur Nahrungsaufnahme verlassen.

Vor einer chemischen Bekämpfung Behandlungsschwelle prüfen

Drohen wirtschaftliche Schäden, können Sie eine chemische Bekämpfung in Betracht ziehen. Allerdings müssen Sie zuvor die Bekämpfungswürdigkeit mit der Lochtretmethode prüfen. Dabei werden die Mauselöcher auf einer Fläche von 250 m2 zugetreten. Nach 24 Stunden wird kontrolliert, wie viele dieser Löcher wieder geöffnet sind. Fünf bis acht wieder geöffnete Löcher entsprechen dabei etwa 80 bis 120 Mäusen/ha. Damit wäre die Bekämpfungsschwelle erreicht.

Zur Bekämpfung sind einzig Zinkphosphid-haltige Präparate in Form von Giftweizen oder Giftlinsen zugelassen (z.B. Arvalin, Ratron Giftweizen, Ratron Gift Linsen). Linsen zeichnen sich durch eine geringere Wirkstoffausgasung aus, so dass die Mäuse den Köder besser annehmen. Beim Giftweizen werden 2 bis 5 Körner je Loch, bei den Giftlinsen 5 Linsen je Loch ausgebracht. Um Vergiftungen von Nichtzielarten zu vermeiden, muss das Gift verdeckt und tief in die Löcher eingebracht werden. Hilfreich und sinnvoll ist dabei die Verwendung einer sogenannten Legeflinte, um Zeit zu sparen. Damit lassen sich die Köder tief in die Löcher einbringen, ohne direkt damit in Berührung zu kommen. Die Löcher dürfen nicht zugetreten werden, sonst schiebt die Maus die Löcher inklusive der Köder wieder auf, ohne diese aufzunehmen. Es besteht dann die Gefahr, dass die Köder für andere Tiere zugänglich sind.

Meist dienen die Köder der Feldmaus zunächst als Nahrungsvorrat im Bau, so dass eine Wirkung je nach Hunger des Tieres erst später bei Verzehr eintritt. Aufgrund der schnellen Umsetzung des Wirkstoffs und des durch saure Hydrolyse im Magen der Mäuse entstehenden Phosphorwasserstoffs ist das Risiko von Sekundärvergiftungen für Fressfeinde gering. Allerdings ist der Köder bei direkter Aufnahme für Säuger und Vögel sehr giftig. Deshalb dürfen die Köder niemals offen zugänglich sein.

Die Gebrauchsanweisung und die Auflagen sind zu berücksichtigen: u.a. keine Anwendung in FFH und Vogelschutzgebieten sowie befristete Anwendung in Vorkommensgebieten von Hamster, Birkenmaus, Haselmaus vom 1. November bis zum 28. Februar.

Universalhandschuhe Pflanzenschutz anziehen!

Fazit

Derzeit lässt sich verbreitet ein moderater bis geringer Feldmausbesatz auf landwirtschaftlichen Flächen feststellen. Bei zunehmenden Kurztagbedingungen vermehren sich die Mäuse nicht mehr. Während der Wintermonate brechen hohe Feldmausbestände häufig ein (Siehe letzter Winter!). Eine Bekämpfung darf nur streng nach Überschreiten der Bekämpfungsschwelle (Lochtretmethode) erfolgen. Die Gebrauchsanweisung und die Auflagen sind sorgfältig zu berücksichtigen, da die Zinkphosphid-haltigen Präparate bei direkter Aufnahme für Säuger und Vögel sehr giftig sind.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ihre Pflanzenbauberatungskraft!

PS: Nicht vergessen: Ein moderater Feldmausbesatz hilft, deren Gegenspieler (Greifvögel, Füchse, …) zu erhalten.

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