Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Pflanzenschutz

Gräser im Getreide effektiv im Herbst bekämpfen

Die Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz, Windhalm, Trespen und Rispengräser im Herbst im Wintergetreide ist die Basis für einen erfolgreichen Wintergetreideanbau.

Ackerbauliche Maßnahmen wie eine nicht zu frühe Aussaat der Kulturen, eine vielfältige Fruchtfolge mit Sommerkulturen, flache Bodenbearbeitung nach der Ernte und andere ackerbauliche Maßnahmen, sollten die Basis für eine Reduktion des Samenpotentials auf den Flächen sein. In Verbindung mit den Herbiziden ist dann eine Bekämpfung der Gräser leichter möglich.
Dabei sollte aber immer unterschieden werden zwischen einer Bekämpfung von Windhalm oder von Ackerfuchsschwanz.

Eine Behandlung gegen Ackerfuchsschwanz und Windhalm erzielt im Herbst einen höheren Wirkungsgrad
Eine Behandlung gegen Ackerfuchsschwanz und Windhalm erzielt im Herbst einen höheren Wirkungsgrad

Gründe für schlechte Wirkungsgrade

Die letzten Jahre haben gezeigt, dass die Windhalm- und die Ackerfuchsschwanz-bekämpfung im Frühjahr mit den vorhandenen Wirkstoffen und Mitteln nicht immer ausreicht. Dabei sollte aber unterschieden werden zwischen schlechten Wirkungsgraden und einer vorliegenden Resistenz. Eine vorliegende Resistenz kann nur durch eine Untersuchung im Labor festgestellt werden. Schlechte Wirkungsgrade können mehrere Ursachen haben. Zum einen stellen einige Herbizide Ansprüche an die Bodenfeuchte oder die Bodenfeuchte unterstützt die Wirkung. Die Anwendung sollte nach Vegetationsbeginn erfolgen und die Luftfeuchtigkeit sollte über 60% liegen. Einer oder mehrere dieser Faktoren waren in den letzten Jahren nicht immer gegeben und haben zu den schlechten Wirkungsgraden geführt.

Windhalmbekämpfung

Da die Wirkstoffe Flufenacet (Herold SC, Fence, etc.), Prosulfocarb (Boxer, Filon, etc.), Chlortoluron (Lentipur 700, CTU 700, etc.) und Pendimethalin (Stomp Aqua, Activus SC, etc.) und die Kombination der verschiedenen Wirkstoffe im Herbst sehr hohe Wirkungsgrade, über 98%, beim Windhalm erreichen, sollte versucht werden die Windhalmbekämpfung immer im Herbst durchzuführen. Die besten Wirkungsgrade werden mit den vorhandenen Mitteln im Vorauflauf bis in den frühen Nachauflauf (bis Stad. 20) erreicht. Aber in der Praxis kommt es auch vor, dass nicht immer die optimalen Anwendungstermine eingehalten werden können, in den meisten Fällen sind die Wirkungsgrade dann aber immer noch sehr gut. Dies liegt am Auflaufverhalten des Windhalms, in vielen Fällen läuft der Windhalm sehr zögerlich auf, so dass die Mittel auch bei einem späteren Einsatz ihre volle Wirkung erzielen können. Deshalb gilt, Windhalm kann auch zu einem späteren Zeitpunkt behandelt werden, ohne dass Wirkungsverluste hinzunehmen sind. Da, wie schon oben beschrieben, die Wirkungsgrade der Mittel bei 98% und höher liegen, ist die Bekämpfung von Windhalm im Herbst ein wichtiger Beitrag zur Resistenzvermeidung und sollte immer angestrebt werden.

Ackerfuchsschwanzbekämpfung

Die Ackerfuchsschwanzbekämpfung gestaltet sich deutlich schwieriger. Je höher der Besatz von Ackerfuchsschwanz auf den Flächen ist, desto stärker muss der Fokus der Bekämpfung im Herbst beginnen. Ackerfuchsschwanz läuft nach der Aussaat in der Regel vor beziehungsweise mit der Kultur auf, dadurch ist die frühe Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe mit dem Getreide deutlich höher. Bei einem hohen Ackerfuchsschwanzbesatz ist es notwendig im Herbst eine Behandlung durchzuführen. Die Wirkungsgrade sind nur bei optimalen Bedingungen vergleichbar mit dem vom Windhalm. Je höher der Besatz desto wahrscheinlicher ist es, dass eine Nachbehandlung im Frühjahr erfolgen muss. Die meisten Mittelkombinationen zur Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz beruhen auf dem Wirkstoff Flufenacet in Verbindung mit weiteren Wirkstoffen die die Wirkung verstärken. Sollten diese Kombinationen zum Einsatz kommen ist es wichtig, je nach Zulassung der Mittel, im Vorauflauf oder im frühen Nachauflauf die Flächen zu behandeln.

Termin hat Vorrang vor Bodenfeuchtigkeit

Neben dem Termin, ist Bodenfeuchtigkeit notwendig für eine gute Wirkung. Daraus ergibt sich automatisch, das nicht in jedem Jahr die optimalen Bedingungen für die Ackerfuchsschwanzwirkung auf Flufenacet-Basis vorliegen, dadurch bedingt ist dann eine Nachbehandlung notwendig. Bei der Behandlung steht immer der Termin im Vordergrund und die Bodenfeuchtigkeit an zweiter Stelle, nur im Auflauf ist eine sichere Bekämpfung oder Reduktion des Besatzes möglich.
Als Alternative zu den frühen Behandlungen kann auch eine Behandlung im Nachauflauf angestrebt werden, dabei sollte beachtet werden, dass dies nur bei niedrigen Ackerfuchsschwanzbesätzen sinnvoll ist. In diesem Fall sollte eine Kombination aus einem Mittel mit Blattwirkung und einem mit Bodenwirkung gewählt werden. Das hat den Vorteil, dass spät auflaufender Ackerfuchsschwanz, nach der Behandlung auch noch erfasst wird. Die Zulassung der Mittel sollte hier beachtet werden, da nicht jedes Flufenacet-haltige Produkt noch in der Bestockung des Getreides eingesetzt werden darf.

Hier bietet sich die Kombination aus Flufenacet und Pinoxaden (Axial 50) in der Gerste an. Im Weizen, Roggen und Triticale kann auch eine Kombination aus Flufenacet mit Pinoxaden und Clodinafob (Traxos) eingesetzt werden. In einigen Regionen hat sich auch die Nikolausspritzung (Anfang Dezember) bewährt, hier wird ganz bewusst in die Vegetationsruhe mit Axial 50 oder Traxos der Ackerfuchsschwanz behandelt, die Wirkung ist dann erst sichtbar bei Vegetationsbeginn. Die Befahrbarkeit der Böden ist hier das größte Hindernis, nicht in jedem Jahr ist dies möglich und bei starkem Ackerfuchsschwanzauflauf sollte die Behandlung nicht zu spät eingeplant werden. Im Frühjahr sollte besonders bei Ackerfuchsschwanz immer eine Wirkungskontrolle erfolgen, damit man bei nicht ausreichender Wirkung nach behandeln kann.

Rispen- und Trespenbekämpfung

Die Rispenbekämpfung ist in den meisten Fällen unproblematisch. Das bedeutet, mit den meisten Herbiziden zur Windhalm- und Ackerfuchsschwanzbekämpfung werden auch die Rispen ausreichend bekämpft.
Die Bekämpfung von Trespenarten in den Wintergetreidearten gestaltet sich eher schwierig. Die immer wieder beschriebenen Nebenwirkungen gegen Trespen der oben aufgeführten Mittel, können in der Praxis in den wenigsten Fällen bestätigt werden. Damit kann im Herbst Taube Trespe oder Roggentrespe nur in Winterweizen bekämpft werden. In Wintergerste gibt es kein zugelassenes Mittel zur Bekämpfung der Trespen und in Winterroggen und Triticale reichen die zugelassen Aufwandmengen im Herbst nicht aus um eine ausreichende Wirkung zu erzielen. Wichtig bei der Trespen Bekämpfung ist, dass die Trespen aufgelaufen sind, dann kann mit Atlantis OD eine Wirkung erzielt werden. Inwieweit diese ausreicht liegt daran, ob noch eine zweite Welle aufläuft, oder wie die Bekämpfungserfolge bei einem sehr dichten Bestand sind. Ist die Besatzdichte der Trespen niedrig sollte eher eine Frühjahrbehandlung angestrebt werden.

Abschließend bleibt fest zu halten, alle Maßnahmen ackerbaulicher Art müssen eingesetzt werden damit die Auflaufraten im Herbst der Ungräser so niedrig wie möglich sind. Gleichzeitig sollten Maßnahmen die Gräser zurück drängen im Vordergrund bei einer Reduktion der Besatzdichten stehen. Hier sind Fruchtfolge und spätere Aussaattermine noch einmal zu nennen. Der Einsatz der Herbizide sollte immer im optimalen Zeitfenster erfolgen für dass der Wirkstoff geeignet ist sonst wird zu viel Potential verschenkt.

Weitere Informationen in unserem Video Herbizidmaßnahmen im Wintergetreide


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