Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Pflanzenschutz

Herbstzeitlose – jetzt Flächen für die Frühjahrsbekämpfung ermitteln

Seit Ende August blüht die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) auf eher extensiv genutzten Grünlandflächen.

Violette Blüten der Herbstzeitlose zwischen Gräsern
Schön aber hochgiftig - die Herbstzeitlose
Die schönen, laubfreien Blüten dieser sehr giftigen Lilienart weisen einen besonders hohen Gehalt (1,2-2,0 %) an Alkaloiden auf (Hautkontakt vermeiden!).
Hauptvertreter ist dabei das Colchizin. Die letale (tödliche) Dosis von Colchizin beträgt bei Tieren nur 1 mg/kg Körpergewicht. Weder Trocknen noch Silieren mindern die Toxizität. Deshalb dürfen keine Pflanzenteile ins Futter gelangen.

Die Herbstzeitlose – ein Überlebenskünstler

Die Herbstzeitlose ist eine besondere Pflanze, da sie im Gegensatz zu den meisten Blütenpflanzen jetzt im Spätsommer (Herbst) zur Blüte kommt. Nach der Bestäubung der Herbstblüte durch Bienen und Hummeln wandert der Pollen durch den Keimschlauch zum Fruchtknoten, welcher sich geschützt in ca. 15 cm Tiefe an der Knolle im Boden befindet. Die Blüte vergeht und die Pflanze überdauert den Winter als Sprossknolle im Boden. Im nächsten Frühjahr erscheint ab Mitte April die Frucht, umgeben von tulpenähnlichen Blättern. Über den Sommer (Juni bis August) zieht sie sich wieder in die Erde zurück. Sie ist damit ideal an sommertrockene und auch winterkalte Bedingungen angepasst, sofern eine Schnittnutzung nicht vor Juni erfolgt.

Im Frühling zeigt sich die Pflanze verwundbar

Vertrocknete Herbstzeitlose mit Samenkapsel zwischen Gras
Die giftigen Samen können mit dem Heuschnitt ins Futter gelangen
Vertrocknete Samenkapsel der Herbstzeitlose
Ist das Futter mit Pflanzenteilen der Herbstzeitlose verunreinigt, kann es nicht vermarktet werden
Ab Mitte April, wenn Blätter und Frucht erscheinen und die Energiereserven der Knolle auf dem Tiefpunkt sind, ist der Zeitpunkt der effektivsten Bekämpfung (Mulchschnitt oder Ausreißen).

Jetzt, zur Blütezeit, sollten die Flächen für eine Bekämpfung im Frühjahr ausgewählt werden. Werden jetzt die Blüten beseitigt (Mulchschnitt), können sich im Frühjahr keine Samenkapseln herausbilden und die sexuelle Vermehrung durch Samen kann eingedämmt werden. Aber: die Knollenpflanzen werden auch ohne Samenkapsel im Frühjahr heranwachsen, um weitere Überdauerungsorgane (Knollen) zu bilden.
Wurden bereits Frühschnitte durchgeführt, bleibt die Blüte im Herbst oftmals aus. Dennoch sollten die Maßnahmen im nächsten Frühjahr eingeplant werden, da sich aus kleineren Knollen noch Pflanzen (ohne Frucht) entwickeln.

Wichtig: Handelt es sich bei den Flächen um „Vertragsflächen“ im Sinne des Naturschutzes (HALM, Naturschutz), müssen mögliche Maßnahmen unter Berücksichtigung der Schutzziele von den zuständigen Verwaltungsstellen (Naturschutzbehörden, Abteilungen Landwirtschaft beim Landrat) erwogen und bewilligt werden.


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