Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktfruchtbau

Neuerungen bei der Bekämpfung von Feldmäusen

Auch in Hessen sind dieses Jahr verstärkt Schäden auf dem Grünland sowie wie auf bestellten Ackerflächen durch Feldmäuse zu verzeichnen. Insbesondere in der Nähe von Feldrainen und Wegen können Schadbilder beobachtet werden.

Eine chemische Bekämpfung mit zugelassenen Zinkphosphid-haltigen Präparaten war zuletzt insbesondere durch die Auflage NT 820 (keine Anwendung in Vorkommensgebieten des Feldhamsters sowie der Haselmaus, der Birkenmaus und der Bayrischen Kleinwühlmaus) stark eingeschränkt. Nun hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) am 6. November 2019 die bisherigen Anwendungsbestimmungen einiger Rodentizide konkretisiert. Somit ist deren Anwendung auch in Vorkommensgebieten von Feldhamster, Haselmaus, Birkenmaus und Bayrischer Kleinwühlmaus vom 1. November bis 29. Februar möglich, sofern sich die Flächen nicht in einem  Vogelschutz- bzw. FFH -Gebiet (Natura 2000 Gebiete) befinden.

Nach wie vor sollten Rodentizide als letzte Bekämpfungsmaßnahme in Erwägung gezogen werden.

Randbereiche sind Rückzugsgebiete

Mauseloch im Grünland
Drohen wirtschaftliche Schäden, kann eine chemische Bekämpfung in Betracht gezogen werden
Feldmäuse bewohnen bevorzugt Brachflächen (auch Blühflächen), Grünlandbereiche sowie die Randgebiete von Feldern, Raine und Wegränder. Dort sind sie vor intensiven pflanzenbaulichen Aktivitäten sicher; eine meist höhere Vegetation schützt sie zudem vor Feinden. Von dort aus wandern sie dann in angrenzende Flächen z.B. Äcker ein, graben sich einen Bau und verzehren in dessen Umkreis die Pflanzen.
Mehrmals im Jahr bringt das Weibchen 3-7 Junge zur Welt. Die geborenen, jungen Weibchen sind noch während der Säugzeit im Alter von nur 14 Tagen geschlechtsreif. Nach einer Tragzeit von 21 Tagen werfen somit die Jungweibchen im Alter von nur 35 Tagen ihrerseits wieder Junge. Aufgrund dieser besonderen biologischen Gegebenheit ist ersichtlich, dass es bei günstigen Umweltbedingungen leicht zu Massenvermehrungen (Gradation) kommen kann.

Sitzstangen alleine helfen nicht immer

Indirekte Bekämpfungsmaßnahmen, wie z.B. das Aufstellen von Sitzstangen für Greifvögel, leisten einen Beitrag zur natürlichen Kontrolle der Mauspopulation. Sie sind in Akutsituationen jedoch nicht immer ausreichend wirksam. Denn, um hohe Mäusepopulationen natürlich „bekämpfen“ zu lassen, bedarf es auch großer Populationen an Fressfeinden z.B. Greifvögeln. Die Ökologie lehrt uns aber, dass die Beute- und Räuberpopulationen zeitlich versetzt ihre Peaks haben (Volterra-Regeln), was auch das zyklische Auftreten von Mäuseplagen alle drei bis vier Jahre erklärt.
Mäusegeplagtes Grünland als auch Wegränder sollten zudem kurz gemäht über den Winter gehen, um Beutegreifern das Erspähen von Mäusen zu erleichtern.

Den Winter abwarten

Sind die Schäden und Feldmauspopulationen noch überschaubar, ist es zudem ratsam, mit einer chemischen Bekämpfung bis zum Februar zu warten. Ein nasser, milder Winter führt häufig zu einem Einbruch der Feldmauspopulation. Schnee und Frost hingegen fördern das Überleben der Nager, da die Nester trocken bleiben und ein gefrorener Boden nicht so leicht von Fressfeinden (Füchse) aufgewühlt werden kann. Unter einer Schneedecke können die Mäuse zudem unentdeckt den Bau zur Nahrungsaufnahme verlassen.

Vor einer chemischen Bekämpfung Behandlungsschwelle prüfen

Drohen wirtschaftliche Schäden, können Sie eine chemische Bekämpfung in Betracht ziehen. Allerdings müssen Sie zuvor die Bekämpfungswürdigkeit mit der Lochtretmethode prüfen. Dabei werden die Mauselöcher auf einer Fläche von 250 m2 zugetreten. Nach 24 Stunden wird kontrolliert, wie viele dieser Löcher wieder geöffnet sind. Fünf bis acht wieder geöffnete Löcher entsprechen dabei etwa 80 – 120 Mäusen/ha. Damit wäre die Bekämpfungsschwelle erreicht.

Zur Bekämpfung sind einzig Zinkphosphid-haltige Präparate in Form von Giftweizen oder Giftlinsen zugelassen (z.B. Arvalin, Ratron Giftweizen, Ratron Gift Linsen). Linsen zeichnen sich durch eine geringere Wirkstoffausgasung aus, so dass die Mäuse den Köder besser annehmen. Beim Giftweizen werden 2-5 Körner je Loch, bei den Giftlinsen 5 Linsen je Loch ausgebracht. Um Vergiftungen von Nichtzielarten zu vermeiden, muss das Gift verdeckt in die Löcher eingebracht werden. Hilfreich und sinnvoll ist dabei die Verwendung einer sogenannten Legeflinte, um Zeit zu sparen und um nicht direkt mit dem Köder in Berührung zu kommen. Die Löcher dürfen nicht zugetreten werden, sonst schiebt die Maus die Löcher inklusive der Köder wieder auf, ohne diese aufzunehmen.

Meist dienen die Köder der Feldmaus zunächst als Nahrungsvorrat im Bau, so dass eine Wirkung je nach Hunger des Tieres erst später bei Verzehr eintritt. Da die Maus unmittelbar nach Aufnahme des Giftes im Bau stirbt (Zinkphosphid ist ein Akutgift), ist die Gefahr einer Sekundärvergiftung von Fressfeinden gering.

Die Gebrauchsanweisung und die Auflagen sind zu berücksichtigen. Universalhandschuhe Pflanzenschutz anziehen!

Die Auflagen zur chemischen Mäusebekämpfung hat der Pflanzenschutzdienst des RP Gießen auf seiner Website zusammengefasst.

Fazit

Eine Bekämpfung von Feldmäusen ist im Zeitraum vom 1. November bis zum 29. Februar mit den Präparaten Arvalin, Ratron Giftweizen und Ratron Gift Linsen auch in Vorkommensgebieten von Feldhamster, Haselmaus und Birkenmaus außerhalb von Naturschutzgebieten grundsätzlich möglich. Während der Wintermonate brechen hohe Feldmausbestände häufig ein. Eine Bekämpfung darf nur streng nach Überschreiten der Bekämpfungsschwelle (Lochtretmethode) erfolgen, um das Vergiftungsrisiko von Nichtzielarten möglichst gering zu halten. Die Gebrauchsanweisung und die Auflagen sind zu berücksichtigen.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ihre Pflanzenbauberatungskraft!


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