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Herausforderungen und Trends im Zierpflanzenbau

Die Corona-Pandemie und die entsprechenden Einschränkungen fordern Zierpflanzenbau- und Endverkaufsbetriebe. Viele hessische Betriebe haben es durch ihre Flexibilität geschafft, die letzten Monate zu bestehen.

Nach ersten Einschätzungen der AMI überstiegen die pro-Kopf-Ausgaben für Blumen und Pflanzen im Jahr 2020 mit über 110 € sogar die letzten Jahre (laut AMI betrug der Wert 2019 108 €). Zur Gewinn- und Verlustsituation lassen sich aktuell noch keine gesicherten Aussagen machen.

Viele Kunden nutzten das zurückliegende Corona-Jahr und investierten Zeit und Geld in Heim und Garten. Das zeigte sich u.a. an der gestiegenen Nachfrage nach Hochbeeten, Substraten, Gemüsejungpflanzen, Naschobst- und Naschgemüsepflanzen. Auf der anderen Seite brach die Nachfrage nach Floristik ein: Hochzeiten wurden vielfach abgesagt, Trauerfeiern fanden nur im kleinsten Kreis statt und auch kirchliche Feste, Volksfeste und nicht zuletzt Adventsfeiern gab es kaum.

Was bedeutet die Pandemie für die Betriebe mit Endverkauf?

Es ist ein höherer Arbeitseinsatz erforderlich, um die entsprechenden Corona-Vorschriften einzuhalten und das Personal unter den neuen Bedingungen zu managen. Verkaufseinrichtungen mussten umgestaltet werden, um die Abstandsregeln zu ermöglichen. Deutlich erschwert sind auch Beschaffung (nicht zuletzt, weil viele Messen abgesagt wurden) und die ganze Organisation der Logistik. Ganz besonders schnell mussten sich Betriebe auf die veränderten Kundenwünsche und das veränderte Kundenverhalten einstellen und das eigene Angebot an Waren, Dienstleistungen und das Serviceangebot den neuen Bedingungen anpassen. Betriebe, die noch nicht über einen Onlineshop verfügten, haben diesen oft in kürzester Zeit realisiert; alternativ haben einige Betriebe auf ihrer Website ein „digitales Schaufenster“ gestaltet.

Zu Beginn des neuen Jahres spüren Betriebe vielfach eine Verunsicherung bei den Kunden. Ihre unsichere wirtschaftliche Situation äußert sich in einer Kaufzurückhaltung. Zudem wird Corona-bedingt die Zahl der Einkaufsgänge reduziert.

Unabhängig von den wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Kunden, können verschiedene Themen im Zierpflanzenbau längerfristig eine Rolle spielen. Sie werden teilweise durch die Corona-Situation verstärkt und sollten in der strategischen Ausrichtung des Betriebes berücksichtigt werden.

Quo vadis Zierpflanzenbau

Zuhause und Garten

Mit Homeoffice, Homeschooling und der eingeschränkten Reisemöglichkeiten verbringen Menschen mehr Zeit Zuhause. Da liegt der Wunsch nach Wohlfühlatmosphäre und Gesundheit in den eigenen vier Wänden, auf Balkon und Terrasse und im Garten nahe.

Online-Handel / regionaler Onlinehandel / Digitalisierung

Der Onlinehandel ist der Wachstumssektor in der Coronazeit und wird zunehmend auch im Gartenbausektor genutzt. Auch regionale Online-Märkte nehmen zu. Wo die Möglichkeit besteht, sich an eine regionalen Onlinehandel anzuschließen, können die Bedingungen (wohlwollend) geprüft werden.

Dienstleistungen und Service

Lieferservice, Bepflanzungen beim Kunden, Gartenpflege, Beratungen zu allen Themen rund um Garten und Pflanze u.v.a.m. werden stärker nachgefragt.

Convenience-Produkte

Unabhängig von der Corona-Situation liegt der Convenience-Gedanke – effektvolle Blumenarrangements, fix und fertig bepflanzte Gefäße – im Trend. Nicht zuletzt auf Grund fehlender Fachkenntnisse bei vielen Kunden, greifen diese gerne nach fertigen Produkten/Arrangements.

„grow your own“

Auf der anderen Seite unterstützt das aktuelle Gesundheits- und Naturbewusstsein den Trend zum Anbau von Kräutern, (Nasch-) Gemüse und (Nasch-) Obst auf dem Balkon, auf der Terrasse und im Garten (insbesondere in Hochbeeten).

Ressourcenschutz

Ressourcenschutz und Nachhaltigkeitsaspekte gewinnen an Bedeutung und sollten von Betrieben in unterschiedlicher Form und Intensität in die Produktion und in den Verkauf integriert werden (recycelbare Töpfe, torfarme oder torffreie Substrate, Energieträger, Klimaregelstrategien u.a.). Alle Maßnahmen können von den Kunden nur wertgeschätzt werden, wenn sie entsprechend kommuniziert werden.

Präsentation – stationär und digital

Abstände und breite Wege im Verkaufsbereich werden vermutlich länger eine Rolle spielen. Dazu steigt die Bedeutung der Präsentation auf der Website und in den sozialen Medien stark an.

Kooperation

Kooperationen und Zusammenarbeit aller an der Lieferkette Beteiligten gewinnen an Bedeutung.

Personalmanagement

Die Akquise von gärtnerischem Fachpersonal stellt schon länger ein Problem dar. Die Organisation des Personals unter Corona-Bedingungen ist in vielen Betrieben sehr schwierig, da sie ohnehin eher wenige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen.

Bisher konnten die meisten hessischen Zierpflanzenbaubetriebe – dank ihrer Flexibilität und der Öffnungsmöglichkeit – die Corona-Krise bewältigen. Dennoch bleibt die Befürchtung, dass es evtl. doch zu Schließungen kommt. Dazu sind die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Kunden nicht greifbar. Das macht die Planung für dieses Jahr besonders schwer. Dennoch ist es leichter, einen vorhandenen Plan (flexibel) zu ändern, als ohne Plan spontan auf eine neue Situation reagieren zu müssen.