Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Geflügel

Vogelgrippe 2020 – Auf den Notfall vorbereiten

Die Vogelgrippe, auch Geflügelpest oder aviäre Influenza genannt, ist wieder in den Medien. In mehreren Osteuropäischen Ländern, darunter Polen und Ungarn, sind im Januar 2020 Fälle bei Wirtschaftsgeflügel aufgetreten. In Brandenburg wurde der gleiche Erreger, H5N8, bei einer Blessgans nahe der polnischen Grenze vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), Bundesinstitut für Tiergesundheit, bestätigt. Wirtschaftsgeflügel ist in Deutschland bisher noch nicht betroffen.

Gerade in der kälteren Jahreszeit treten immer wieder Fälle von Vogelgrippe auf. Der Erreger kann sich bei niedrigen Temperaturen sehr gut in der Umwelt halten. Daher müssen wir davon ausgehen, dass eine Ansteckung unseres Wirtschaftsgeflügels theoretisch möglich ist, egal ob bei Tieren mit Grünauslauf oder nicht. Der Erreger kann u.a. auch über Paletten, Eierhorden oder Personen in Geflügelbestände eingetragen werden. Nagetiere können ebenfalls den Erreger in den Stall tragen. Beispielsweise wenn Wildvögel in der Nähe des Stalles Rasten oder Nahrung suchen, die Nagetiere sich hier ebenfalls aufhalten und dann frisch bepackt mit Erregern im warmen Stall Unterschlupf suchen.

Wie Sie Ihre Tiere vorsorglich schützen können, hat das FLI in der Checkliste Vermeidung der Einschleppung der hochpathogenen aviären Influenza (Geflügelpest) zusammengestellt.

Zudem gibt es auf der Website des FLI weitere wissenswerte Informationen zu der Virusinfektion aviäre Influenza.

Für den Fall der Fälle geben wir hier Tipps, was bei einer Stallpflicht zu tun wäre:

  • Bei einer amtlich verordneten Stallpflicht dürfen die Tiere nicht in den Grünauslauf! Sie dürfen jedoch in einen überdachten Auslauf bzw. Wintergarten, wenn dieser so eingerichtet ist, dass kein Wildvogelkot hineinfallen kann und auch keine Wildvögel eindringen können.
  • Vermarktung von Eiern aus Freiland- und Ökohaltung bei Aufstallungspflicht: Die Eier können weiterhin 16 Wochen als Freilandeier vermarktet werden. Bioeier können als Bioeier vermarktet werden, solange die Tiere mindestens 1/3 ihres Lebens Zugang zum Grünauslauf hatten.
  • Bei Fragen zur Vermarktung: Direkt an das zuständige Regierungspräsidium wenden.

Was bedeutet die Aufstallung für die Tiere?

Für Geflügel mit Auslaufhaltung ist die Aufstallung ein gravierender Eingriff in den Tagesablauf. Legehennen wollen nach der täglichen Eierablage wie gewohnt den Auslauf nutzen. Bei einigen Betrieben kommt es sogar vor den Auslaufluken zu einem so großen Andrang von Hennen, dass dort einzelne Tiere erdrückt werden. Außerdem können sich die Tiere nicht wie gewohnt draußen beschäftigen. Verhaltensstörungen, wie das Bepicken der Artgenossen (Federpicken und Kannibalismus), können besonders bei Herden, die dieses Verhalten bereits zu einem früheren Zeitpunkt schon einmal ausgeübt haben, in solchen Stresssituationen wieder auftreten. Bei Herden, die sich ohnehin gegenseitig bepicken, ist die Gefahr von Kannibalismus sehr hoch.

Notfallplan – was können Sie tun?

Bei kleinen Ställen oder mobilen Ställen einen zusätzlichen überdachten Auslauf oder Wintergarten zur Verfügung stellen (wenn nicht bereits vorhanden)

  • Mobile Ställe vor eine mit Einstreu- und Beschäftigungsmaterial ausgestattete Scheune/Garage/Foliengewächshaus o. ä. fahren.
  • ein Pavillon mit Seitenwänden (nichts für windige Standorte)
  • Eigenkonstruktionen aus Netzen und Plane (nichts für windige Standorte)

Stall mit Folientunner
Beispiel 1
Außenklimabereich ab Werk
Beispiel 2

Bsp. 1: Ein mit Vlies abgedeckter Folientunnel ermöglicht den Tieren die Nutzung eines kleinen Teils des Grünauslaufs. Der zusätzliche Platz wird so gut durch die Tiere angenommen, dass der Tunnel eingestreut werden sollte.

Bsp. 2: Ein zusätzlicher Außenklimabereich, der ab Werk mitgeliefert werden kann. Vorteil: der Außenklimabereich wird zusammengeklappt und fährt beim Verstellen mit. Auch dieser Außenklimabereich ist Wildvogeldicht und ermöglicht den Tieren ein zusätzliches Platzangebot mit Außenklimareizen. Die Hennen können so ihr natürliches Pick- und Scharrverhalten weiter ausleben, was das Risiko für Federpicken und Kannibalismus reduziert. Dieser Außenklimabereich ist nicht nur im Falle der Aufstallungspflicht nützlich, sondern auch für die Eingewöhnungsphase kurz nach Einstallung der Hennen. Zudem bietet er Schutz bei wiedrigen Witterungsbedingungen. Der Stall auf der Abbildung ist noch nicht in Betrieb genommen worden.

Um Federpicken, Kannibalismus oder das Zusammendrängen von Hennen zu vermeiden, sollten Sie den Tieren zur gewohnten Ausgangszeit und zur gewohnten Öffnungszeit der Auslaufluken zusätzlich Möglichkeiten zum Scharren und Picken anbieten. Das Beschäftigungsmaterial sollte attraktiv gehalten werden, indem jeden Tag etwas verändert wird.

Beispiele für Beschäftigungsmaterialien

Beschäftigungsmaterial Menge Hinweis
Möhren, Kartoffeln, Kürbis oder Rüben abhängig von der Annahme durch die Tiere regelmäßig nachlegen in Ökoqualität schlecht verfügbar; roh anbieten; aus hygienischen Gründen sollten Saftfuttermittel möglichst frisch verbraucht werden
Maissilage 5-15 g pro Tier und Tag, bei Annahme steigern bis auf 30 g die Qualität beachten, nur das Beste für die Hennen
Getreide oder Sonnenblumenkörner 5-20 g pro Tier und Tag in die Einstreu breitwürfig ausbringen, darauf achten, dass genug Legefutter aufgenommen wird!
Altbrot 2 x pro Woche, je nach Verfügbarkeit günstig erhältlich bei Bäckern, Akzeptanz der Tiere unterschiedlich
Heu/Heulage möglichst gehäckselt regelmäßig nachfüllen z.B. aufgehängt im Netz anbieten, auf Kropfverstopfung achten
Stroh regelmäßig nachfüllen kurz oder lang, ganze Ballen anbieten, auf Kropfverstopfung achten
Luzerne 1 Ballen je 500 Tiere, ersetzen, wenn verbraucht z.B. aufgehängt im Netz anbieten, kann aber auch auf die Einstreu gestellt werden, in Ökoqualität erhältlich
Picksteine, Pickblöcke ersetzen, wenn verbraucht Härtegrade beachten, teilweise mit Futteranteilen u.a. Weizen, in Ökoqualität erhältlich
Sandbad (Sand, Urgesteinsmehl, Silikat) regelmäßig nachfüllen die Ausübung des Sandbadeverhaltes und die Beschäftigung mit Sand trägt unmittelbar zum Wohlbefinden der Tiere bei

 

 


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