Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Tierwohl

Automatisierungstechnik – weniger Arbeit, mehr Tierwohl

In den Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz werden modellhaft innovative Verfahren ausprobiert, die die Tierhaltung weiter verbessern können. Nachdem in den Netzwerken zur Haltung unkupierter Legehennen Maßnahmen durchgeführt wurden, die erfolgreich, aber arbeitsintensiv z.B. Federpicken vermindern, widmen sich die Folgenetzwerke den Automatisierungstechniken, um den Transfer in die breite Praxis zu ermöglichen.

Die Haltung von Legehennen mit intaktem Schnabel stellt viele Betriebe vor Herausforderungen. So sollen die Tiere etwa durch das Angebot von verschiedenen Materialien beschäftigt werden. Dabei ist die Arbeitszeitbelastung in den Aufzucht- und Legehennenbetrieben oft sehr hoch. Abhilfe könnte eine (Teil-)Automatisierung in den verschiedensten Bereichen schaffen. Hierfür kommen verschiedene Möglichkeiten in Frage:

  • Einbringen von Beschäftigungsmaterial (z.B. Maissilagefördersystem, Körnerstreuer, elektrischer Stallschlepper, Einstreuroboter)
  • Stallklima (z.B. Intelligente Steuerung der Lüftung (Auslaufhaltung), Mistschieber, Kotbandbelüftung, Sprühkühlung, Heizung bzw. Fußbodenheizung)
  • Fütterung (z. B. Futterbefeuchtung, Komponentenzudosierer)
  • Controlling (z.B. Erhebung der Tiergewichte, digitale Wasseruhr für kleine Betriebe, Futterwaage (Wiegestäbe))
  • Stallbeleuchtung (z.B. automatische Lichtsteuerung, Verbesserung der Ausleuchtung, Verdunklungsrollos/-klappen)
  • Tränkehygiene (z.B. automatische Tränkereinigung, Wasserenthärtung)

Auf die Nachrüstungen ausgewählter Beispiele wird im Folgenden näher eingegangen. Zu beachten gilt, dass die Kosten von Einzelbetrieben stammen und daher nur als ungefähre Richtwerte angesehen werden sollten.

Beispiel Beschäftigungsmaterial – Automatisierte Gabe von Maissilage

Legehennen im Stall, im Vordergrund eine Anlage zur automatisierten Maissilagefütterung
Mit einem Fördersystem (Vordergrund) wird Maissilage in den Stall eingebracht
Neben dem klassischen Körnerstreuer, der sowohl im Scharrraum als auch im Wintergarten eingesetzt werden kann, gibt es auch noch andere Arten von Automatisierungstechniken. So zum Beispiel ein Fördersystem, das Maissilage in den Stall einbringt und im Scharrraum verteilt. Die Maissilagefütterung eignet sich besonders für die Betriebe, die neben Legehennen auch Wiederkäuer halten und über Maissilage guter Qualität verfügen. Der Vorratsbehälter muss einmal täglich mit frischer Maissilage befüllt werden. Über ein Rohrleitungssystem mit einer Spirale wird die Maissilage in den Stall transportiert. Durch Löcher in den Transportrohren fällt die Silage in den Scharrraum. An den Auslasslöchern können zusätzliche Fallrohre mit Abprallkegeln installiert werden, die dafür sorgen, dass die Silage nicht in das Gefieder der Tiere fällt und sich besser verteilt. Grundsätzlich kann unbegrenzt oft gefüttert werden, bewährt haben sich 5 bis 8 Fütterungszeiten mit insgesamt 10 g bis 15 g Maissilage pro Tier und Tag. Die Futterverdrängung liegt hier erfahrungsgemäß bei 2 bis 3 g.
Neben der Beschäftigung spielt auch die Versorgung der Hennen mit Milchsäure eine wichtige Rolle. Zusätzlich zur Maissilage können auch Muschelgrit (empfehlenswert gegen Ende der Legeperiode) oder Pellets (beispielsweise Strohpellets als Einstreumaterial) gegeben werden. Je häufiger die Anlage läuft, desto öfter haben die Legehennen einen Anreiz zu scharren und zu picken, jedoch sollten die Hennen vor allem am Nachmittag beschäftigt werden, damit sie am Vormittag genug Futter aufnehmen und nicht bei der Eiablage gestört werden. Zudem werden durch das häufige und intensive Scharren und Picken in der Einstreu die Schnäbel der Hennen besonders gut abgearbeitet. Für 20.000 Legehennen kostete die Anlage 34.000 € netto (4 Reihen) zzgl. 6.000 € für die Nachrüstung mit Fallkegeln (112 Stück, 28 Stück pro Reihe mal 4 Reihen).

Beispiel Stallklima – Einbau einer Fußbodenheizung

Gastank vor Stall
Eine Fußbodenheizung kann z.B. mit Gas betrieben werden
Viele Betriebe mit Freilandhaltung oder ökologischer Haltung haben besonders im Winterhalbjahr mit schlechter Einstreuqualität zu kämpfen. Aber auch in einer geschlossenen Stallhülle kann es bei feuchter und kühler Witterung zu einer Verklebung des Einstreumaterials kommen. Die größte Beschäftigungsfläche für die Hennen wird somit unattraktiv und sogar schädlich, da sich viele Keime in der Einstreu bilden, das Risiko für Fußballengeschwüre steigt und der Anstieg an Ammoniakemissionen die Atemwege reizt. Das dadurch unvermeidliche Ausmisten während eines Durchgangs, ist nicht nur sehr zeitintensiv, sondern auch eine körperlich stark belastende Aufgabe.
Um das Problem einer zu feuchten Einstreu zu verhindern, sollte bei einem Stallneubau auf eine Isolierung der Bodenplatte geachtet werden. Ist der Stall bereits vorhanden und es ist keine Isolierung eingebaut oder das (Stall-)Klima ungünstig, kann auch nachträglich eine Fußbodenheizung eingebaut werden. Mit einer speziellen Fräse wird der Fußboden hierfür aufgefräst und Heizungsrohre verlegt, die mit einer Versiegelungsschicht (z.B. Epoxidharz) verschlossen werden. Schließlich muss ein Anschluss an eine Heizung oder an einen Gastank verlegt werden. Je nachdem in welchem Stallbereich die Einstreu am nassesten wird, können die Heizungsrohre nur dort oder unter dem gesamten Einstreubereich verlegt werden. Vorteilhaft ist, wenn die Bereiche getrennt gesteuert werden können. Zusätzlicher Vorteil ist, dass die Stalltemperatur bei sehr niedriger Außentemperatur und einer höheren Lüftungsrate erhöht werden kann, was dem Tierwohl zusätzlich zu Gute kommt. Die Kosten können je nach Ausführung sehr variieren. Bei einem Legehennenbetrieb, der im Rahmen des Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz eine Fußbodenheizung eingebaut hat, kostete das Fräsen, das Verlegen der Rohre, die neue Beschichtung und die Installation eines Gasanschlusses für 6.000 Hennen in Freilandhaltung 40.000 € netto plus ca. 3.600 € netto/Jahr für den Gasverbrauch. Im ersten Winterhalbjahr zeigte sich schon , dass die Einstreu trotz feuchter, kühler Witterung trocken und scharrfähig blieb. Bei einem weiteren Betrieb kostete der Einbau der Fußbodenheizung für 1.500 Hennen 13.000 € netto.

Beispiel Fütterung – Komponentenzudosierer

Wiegestäbe an den Futtersilos
Wiegesysteme am Silo erleichtern das Zudosieren
Die Fütterung in der Legehennenhaltung spielt eine sehr wichtige Rolle, da Nährstoffdefizite neben einer verringerten Legeleistung auch Federpicken und Kannibalismus auslösen können. Um dem vorzubeugen, gibt es die Möglichkeit einzelne Komponenten auf das Futter aufzudosieren. Das im zusätzlichen Silo befindliche Zusatzfutter wird mittels einer Spirale zur Futterwaage transportiert. Hier findet die Vermischung mit dem Legefutter statt. Beispielsweise kann gegen Ende der Legeperiode Kalk aufdosiert werden, um die Schalenstabilität zu verbessern. Es können ganz flexibel einzelne oder auch alle Fütterungen eine Aufdosierung von Zusatzfuttermitteln erhalten. In jungen Herden, die neben der Legeleistung auch noch im Wachstum sind und daher einen besonders hohen Nährstoffbedarf haben, kann es sinnvoll sein, Magermilchpulver (ca. 2 %) oder Bierhefe (bis zu 3 %) zur Eiweißergänzung aufzudosieren. Bierhefe ist nicht nur eine gute Eiweißergänzung durch den Gehalt an essentiellen Aminosäuren, sondern wirkt auch stabilisierend auf das Immunsystem und die Darmflora. Es enthält viele Vitamine (vor allem B-Vitamine), Mineralstoffe und Spurenelemente. Der große Vorteil ist, dass Zusatzstoffe wie eiweißreiche Ergänzungsfuttermittel bei einem durch Nährstoffmangel ausgelösten akuten Federpick- oder Kannibalismusgeschehen unmittelbar verabreicht werden können und sich die Herde schnellstmöglich wieder beruhigt. Kosten für einen Komponentenzudosierer betragen mind. 1.700 € (netto) (zusätzliche Spirale und Silo), wobei die Kosten je nach Stall und Stellplatz des Silos stark abweichen können.

Beispiel Controlling – digitale Wasseruhr für kleine Betriebe

Gerade in Betrieben mit kleineren Geflügelbeständen ist die genau Erfassung des Futter- und Wasserverbrauchs eine Herausforderung. Dabei ist die Kenntnis über den Wasserverbrauch eine gute Möglichkeit, um frühzeitig auf eine Infektion oder eine Verhaltensänderung zu reagieren. Leider sind die verbauten Wasseruhren für kleine Betriebe oft zu ungenau. Die Verwendung eines digitalen Hauswasserzählers ist eine Möglichkeit, um eine genaue Datenerfassung zu erreichen. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass eine automatische Datenübertragung möglich ist. Der Betriebsleiter sollte sich bei der täglichen Kontrolle die Zeit nehmen, den Wasserverbrauch im Verlauf genau im Blick zu haben und auf Schwankungen, die nicht temperaturbedingt sind (oder in der Freilandhaltung bei Regentagen), schnell reagieren.

Beispiel Beleuchtung – automatische Verdunkelung

Verdunklungsrollo
Verdunkelungsrollos
Gerade im letzten Sommer, der so heiß war, dass Junghennen bei Anlieferung am Legebetrieb aufgrund geringerer Futteraufnahme häufig unter dem Sollgewicht lagen, ist ein optimal zu verdunkelnder Stall wichtig. Nur wenn mit entsprechenden Verdunkelungsrollos oder -klappen ein Lichteinfall vermieden werden kann, kann die Legephase durch eine langsame Erhöhung der Tageslichtzeit hinausgezögert werden, bis die Tiere ihr Sollgewicht erreicht haben. In (Bio-) Aufzuchtställen kann mithilfe von Verdunklungsrollos der Wintergarten abgedunkelt werden. Bei guter Abstimmung auf das Lichtprogramm, gehen die Junghennen dann freiwillig in den Stall zurück und an den Futtertrog bevor die Lichtphase zu Ende ist. Hier kann nicht nur die Arbeitszeit eingespart werden, um die Tiere zu treiben, sondern den Tieren zudem der Stress durch händisches Treiben erspart werden. Je nach Stalllänge und -bauart sind die Kosten ganz unterschiedlich. Für eine Verdunklung des Außenklimabereichs eines Aufzuchtstalls beliefen sich die Kosten auf 10.600 € (netto) bei 70.000 Bio-Aufzuchtplätzen und für die Verdunklung eines Wintergartens in einem Legehennenbetrieb mit 6.000 Tierplätzen auf 2.600 € (netto).

Beispiel Tränkehygiene – automatische Tränkereinigung

Endoskopkamera zeigt Ablagerungen
Blick in die Leitungen: Endoskopkamera zeigt Ablagerungen
Der Blick in die Tränkeleitung eines Legehennen- oder Aufzuchtstalles offenbart oft erstaunlich starke Ablagerungen. Der sog. Biofilm ist voller Keime, die über das Tränkewasser von den Tieren aufgenommen werden und zu einer Beeinträchtigung der Darmflora führen können. Standardmäßig wird die Tränkeleitung in der Serviceperiode gereinigt und desinfiziert, aber im laufenden Durchgang wird die Reinigung oft vernachlässigt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten die Ablagerungen aus der Tränke zu entfernen bzw. der Ablagerung vorzubeugen, beispielsweise durch eine reine Wasserspülung (ca. 850 € netto), durch ein Elektrolysegeräte (etwa 19.000 € netto) und elektromagnetische Reinigungen (2.500 € netto). Auch eine Reinigung mit Ultraschall ist möglich. Die Geräte hierfür sind für ca. 1.000 € netto erhältlich und reichen für bis zu 300 m Leitungslänge. Es empfiehlt sich vor Einsatz eines automatischen Reinigungssystems die Leitungen mit einem Impulsspülgerät von den Ablagerungen zu befreien. Das Impulsspülgerät ist in der Anschaffung mit 1.700 € (ohne Kompressor) bis 2.900 € netto (mit Kompressor) recht günstig. Vorteil ist, dass es sich um ein mobiles Gerät handelt, dass in mehreren Ställen einsetzbar ist. Zu bedenken gilt, dass es bei starken Ablagerungen eine lange Zeit (über ein halbes Jahr) dauern kann, bis sich die Ablagerungen vollständig gelöst haben, wenn man nicht mit einem Impulsgerät die Leitung säubert. Bei sehr starken Ablagerungen kann es sinnvoll sein, das Tränkesystem auszutauschen und mit den neuen Tränkesträngen eine automatische Spülung zu installieren. Je nach Wasserqualität und gewähltem Reinigungsverfahren ist der zusätzliche Einsatz einer Wasserenthärtung zu empfehlen, da die Kalkablagerungen der Technik insgesamt schaden und zu einem höheren Verschleiß führen können. Wasser gilt ab 14 °dH (deutscher Härte) als hart. Es sollte durch die Enthärtung auf ca. 8 °dH abgesenkt werden. Bei dem Elektrolyseverfahren sind auch Stoffe wie Eisen und Mangan problematisch.
Bestehen Unsicherheiten, wie stark die Tränkeleitung verschmutzt ist, können eine Untersuchung des Tränkewassers (Probe am Tränkenippel ziehen) oder ein Blick in die Tränkeleitung mit einer Endoskop-Kamera Sicherheit verschaffen. Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen hat eine Endoskopkamera angeschafft und wird diese nun vermehrt als Beratungsinstrument einsetzen.

Fazit

Die hier aufgeführten Beispiele sind nur einige von vielen Möglichkeiten einen positiven Einfluss auf das Tierwohl zu nehmen und gleichzeitig Arbeitszeit einzusparen. Wenn Sie sich über weitere Möglichkeiten zur Automatisierung erkundigen möchten, können Sie sich gerne bei der Geflügelberatung des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen melden. Inwiefern sich die Investitionen nicht nur für die Steigerung des Tierwohls, sondern auch wirtschaftlich lohnen, sollte betriebsindividuell sorgfältig geprüft werden.


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