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Weide unter extremen Trockenbedingungen

In der aktuellen Dürresituation stellt sich die Frage, wie in der Weidehaltung damit umgegangen werden kann. Wie reagieren Weidebetrieben, wenn die Grünlandflächen keinen Aufwuchs mehr bieten? Dieser Frage ist Angela Mögel, LLH Griesheim nachgegangen.

Ausgetrocknete Bestände

Die langanhaltende Trockenheit hat den Boden ausgetrocknet. Die letzten Monate ohne bedeutenden Niederschlag verhindert das Gräserwachstum. Je nach Weidesystem gibt es verschiedene Punkte, die bei außergewöhnlicher Trockenheit zu beachten sind.

Betriebe mit Vollweide und saisonaler Abkalbung

Ob Mutter-oder Milchkuhherden alle Weidetiere sind von der Trockenheit betroffen

Kalben die Kühe schwerpunktmäßig im Spätherbst ab, befinden sie sich im Hochsommer in der Spätlaktation. Ein Teil Kühe wird dann bereits trockengestellt. Der Energie- und Eiweißbedarf kann über entfernter liegende Flächen und Folgeaufwüchse gedeckt werden. Auch auf den stallnahen Flächen der Milchkühe stagniert das Wachstum ohne Niederschlag. Die Milchmenge und Inhaltsstoffe sinken bei den melkenden Kühen. Sobald das eintritt und die Kühe sich nicht mehr großflächig weidend auf der intensiven Standweide (Kurzrasenweide) verteilen, muss reagiert werden. Eine Möglichkeit besteht, den ursprünglich für einen Silageschnitt geplanten Aufwuchs als Portionsweide zuzuteilen. Handelt es sich dabei um Ackerfutter, wie Kleegras, dürfen die Kühe nur satt auf die Fläche gelassen werden. Andernfalls besteht die Gefahr von Blähungen, besonders wenn der Aufwuchs bereits Siloreife erreicht hat. Dazu bietet man im Stall Heu, Krummet oder Silageballen an. Nach der aktuell langandauernden Trockenheit verfügen viele Vollweidebetriebe über keinen Aufwuchs mehr. Der Nährstoffbedarf der Kühe wird nun ausschließlich über die Stallfütterung gedeckt. Für diese Situation sorgen Vollweidebetrieben mit Rundballensilage oder flach gefüllten Fahrsilos vor. Der Wintervorrat bleibt davon unberührt. Je nach Stallklimatisierung nutzen die Kühe nachts die Weide. Hier ist allerdings kritisch zu prüfen, ob die Kühe noch weiden oder nur liegen. Nutzen die Kühe die Weide nachts nur als Liegefläche, ergeben sich Schwierigkeiten mit dem Folgeaufwuchs. Der konzentrierte Kotanfall vermindert die Schmackhaftigkeit des Aufwuchses. In diesem Fall ist es sinnvoller die Kühe auch nachts im Stall zu lassen und für eine optimale Lüftung zu sorgen. Als langfristige Strategie bei zunehmender Trockenheit berichten Vollweidebetriebe, dass sie bereits im Frühjahr qualitativ hochwertiges Grundfutter als Futtervorrat zukaufen. Kooperationen mit Ackerbaubetrieben bieten hier eine Möglichkeit. Das Abstocken von Kühen aus Gründen des Futtermangels ist immer die letzte Option.

Betriebe mit Halbtagsweide und ganzjähriger Abkalbung

Betriebe mit Halbtagsweide (z.B. als Kurzrasenweide genutzt) decken bereits ein Teil des Nährstoffbedarfs der Kühe über die Stallration ab. Optimalerweise legt der Betrieb vor jeder Stallzeit eine frische Ration vor. Damit die Kühe auch das Weidefutter neben der schmackhaften Stallration gut aufnehmen, ist die Ration so bemessen, dass die Kühe leicht hungrig auf die Weide gehen. Andernfalls nutzen die Kühe die Weidefläche nur zum Liegen und Abkoten. Das erhöht den Nährstoffeintrag stark. Gibt es keinen Aufwuchs, wie in der aktuellen Situation, ist der ganztägige Aufenthalt im Stall sinnvoller. Die Kühe haben so die Möglichkeit Tag und Nacht die Mischration aufzunehmen. Das gilt besonders für die frischmelkenden Kühe. Über die Trockenmasse-Aufnahme pro Kuh hat der Landwirt einen Überblick über das Fressverhalten der Kühe. Um Nacherwärmung vorzubeugen kommen ggf. Futterzusätze zum Einsatz.