Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Rinder

Rinder: Zuchtwerte für Gesundheit jetzt verfügbar

Seit vielen Jahrzehnten sind Zuchtwerte in der deutschen Milchviehhaltung für die Merkmalskomplexe Milchmenge, Fett- und Eiweißgehalt, Eutergesundheit, Exterieur und dem Merkmalskomplex Fruchtbarkeit und Nutzungsdauer verfügbar.

Der Bulle Mercury (hier die Töchtergruppe bei Zukunft Rind 2018) im Besitz der Qnetics (Züchter ist Jochen Geisel, Niedergrenzebach) gehört mit seinem RZ-Gesund von 116 zur absoluten Spitze der HF-Bullen in der nationalen Topliste
Die umfangreiche Datenerfassung in den deutschen Milchviehbetrieben über die Milchleistungsprüfung und Erfassung von Gesundheitsdaten hat hier wesentlich zum Zuchtfortschritt beigetragen. Mit Einführung der genomischen Selektion vor 10 Jahren und der zunehmenden Bedeutung der gesamten Merkmale aus dem Gesundheitsbereich trat die Notwendigkeit in den Vordergrund, den Merkmalskomplex Gesundheit und Fruchtbarkeit noch intensiver als bisher züchterisch zu bearbeiten. Ein sehr großer Schritt war dabei die Einführung der Kuhlernstichprobe durch den Bundesverband Rind und Schwein, so dass inzwischen von über 100.000 Kühen und 6.500 Bullen umfangreiche Daten zu allen Merkmalsbereichen Eutergesundheit, Klauen, Fruchtbarkeit und Stoffwechselstabilität vorliegen. In den teilnehmenden Betrieben werden die Daten inklusive des Klauenpflegebereichs nach einheitlichen Mindeststandards erfasst, was für die Datenauswertung sehr wichtig ist. Ebenfalls mit in die Auswertung wurden die Abgangsursachen für Eutergesundheit, Gliedmaßen- und Klauenerkrankung, Fruchtbarkeit und Stoffwechselerkrankungen einbezogen, da sich bei den Voruntersuchungen herausgestellt hat, dass hier eine sehr gute Beziehung zu den direkten Gesundheitsmerkmalen gegeben ist.

Zucht auf Eutergesundheit

Bisher wurde dieses wichtige Merkmal über die Erfassung der Zellzahlen züchterisch bearbeitet. Jetzt wurde die Erweiterung um die direkt bekannten Mastitisfälle und den Abgangsgrund Eutererkrankung ergänzt – beide haben eine sehr gute genetische Beziehung zum Zuchtwert für Zellzahl. Insgesamt kommt es nicht zu einer deutlichen Verschiebung der Rangfolge, aber in Einzelfällen ist es durchaus möglich, dass sich der Zuchtwert für Mastitisresistenz von dem RZS unterscheidet. Da die Erfassungshäufigkeit in diesem Merkmal vergleichsweise hoch ist, hat der RZ-Mastitis mit 40% den größten Anteil an RZ-Gesund.

Klauengesundheit

Die jetzt nutzbaren Daten aus der routinemäßigen Klauenpflege bieten einen enormen Vorteil bei der Selektion auf diesen Merkmalsbereich. Damit wird der Wunsch vieler Betriebe, in diesem Bereich noch mehr Unterstützung bei der Selektion zu bekommen, berücksichtigt. Bereits im letzten Jahr wurde der Zuchtwert für Mortellaro-Resistenz unter dem Namen DDcontrol veröffentlicht, der mit 30% die stärkste Gewichtung beim RZ-Klauen hat. Mit einer vergleichsweise ähnlichen Gewichtung wurden die Zuchtwerte für die Merkmale Panaritium, Klauengeschwüre, Weiße-Linie-Erkrankung oder Limax ergänzt. Mit diesen jetzt verfügbaren Daten werden mit Sicherheit viele Züchter in ihrer Auffassung über die unterschiedliche Klauengesundheit in der Vererbung der eingesetzten Bullen bestätigt.

Zuchtwert für Fruchtbarkeit

Bisher standen in diesem Bereich die Unterschiede für die Merkmale wie Rastzeit oder Güstzeit zur Verfügung, die natürlich einem erheblichen Managementeinfluss unterzogen sind. Ein weiteres Problem war hier immer wieder die Aussagefähigkeit der verfügbaren Daten, die in den einzelnen Regionen oder Betrieben durchaus unterschiedlich ausfällt. Der wichtigste Teil des Zuchtwertes Fruchbarkeit wird in Zukunft das Merkmal Sterilität (Zyklusstörungen) sein, der ganz stark auf den von den Betrieben gelieferten Daten basiert. Dazu kommen die Merkmale Metritis und Nachgeburtsverhaltung, die mit jeweils 25% in den Index einfließen. Die 20%ige Gewichtung des Fruchtbarkeitskomplexes innerhalb der gesamten Selektion auf Gesundheit bildet hier durchaus gute Möglichkeiten, in diesem Segment die genetische Veranlagung in den Herden zu verbessern.

Zuchtwert für Stoffwechselstabilität

Besonders für leistungsstarke Herden ist die Stoffwechselstabilität ein sehr wichtiges Merkmal, wobei diese Problematik im Wesentlichen in den weiteren Laktationen auftritt. Da aus den beteiligten KuhVision-Betrieben ein relativ großer Anteil an jungen Kühe im Datenmaterial vertreten ist, wird hier in den nächsten Jahren noch einiges an Ergänzung bei der Datengrundlage zu erwarten sein. Die Merkmale linksseitige Magenverlagerung (50%) sowie Milchfieber und Ketose werden im Zuchtwert für Stoffwechsel berücksichtigt, der in dem Gesamtbereich eine Gewichtung von 10% haben wird. Die Einführung des Relativzuchtwertes Gesundheit hat das klare Ziel, die Anzahl der notwendigen Behandlungen deutlich zu reduzieren. Dass dieser Ansatz durchaus realistisch ist, kann man bei dem Vergleich der Erkrankungsrate der Bullen mit niedrigen bzw. hohen Zuchtwerten sehr gut erkennen. Für wesentliche Merkmale wie Mastitis, Zyklusstörungen oder Klauengeschwüre ist der Anteil der Kühe mit angegebener Erkrankung bei den Bullen mit überlegenen Zuchtwerten (beste 20%) nur halb so hoch wie bei den Bullen mit niedrigen Zuchtwerten. Der Bundesverband Rind und Schwein und das Rechenzentrum Verden erwarten mit der Einführung des Relativzuchtwertes für Gesundheit einen deutlichen Fortschritt in diesem Bereich, der schnell in der Praxis Berücksichtigung finden wird. Die veröffentlichten Zuchtwerte werden dazu beitragen, dass Bullen mit klaren Vorteilen in den Bereichen Eutergesundheit, Klauengesundheit sowie Fruchtbarkeit in den Betrieben bei der Selektion klar den Vorzug erhalten und die Kandidaten mit erheblichen Defiziten Zug um Zug von den Besamungslisten verschwinden werden. Die Einführung des RZ-Gesund ist ein Meilenstein in der züchterischen Entwicklung in der gesamten deutschen Rinderzucht und zudem ein klares Zeichen dafür, dass in den Milchviehbeständen nicht nur auf hohe Leistungen selektiert wird. Gleichzeitig werden die Vorteile von überlegener Genetik aus den deutschen Zuchtprogrammen noch deutlicher gegenüber allen anderen Varianten, bei denen diese Zahlen nicht zur Verfügung stehen.

Neue Formel für RZM

Bei den jetzt vorliegenden Zuchtwerten wurde auch die langjährige Gewichtung von Fett und Eiweiß im RZM angepasst. Bei der jetzt wieder stärkeren Gewichtung der Fettmenge im Vergleich zur Eiweißmenge kommt es zu leichten Verschiebungen zugunsten der Bullen mit überlegenen Zuchtwerten für Fett- und Eiweißgehalt. Die Anzahl der Bullen, bei denen die Abweichung bei 5 und mehr Punkten im RZM liegt, fällt allerdings vergleichsweise gering aus.


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