Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Schafe & Ziegen

Wolfsmeldungen und Rissereignisse in Hessen

Die bestätigten Wolfssichtungen und dokumentierten Rissgeschehen mit nachgewiesener Wolfsbeteiligung sind seit Jahresbeginn in Hessen angestiegen. Nach 5 Nachweisen in 2017 wurden im Kalenderjahr 2018 keine bestätigten Wolfsnachweise gelistet. Für 2019 (Stand 25.10.2019) sind 25 Nachweise für Hessen auf der Website des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG), der zuständigen Behörde für das Wolfsmonitoring, aufgeführt.

Schwerpunkte der Wolfsnachweise in Osthessen

Im Vogelsbergkreis wurden Wölfe mit Abstand am häufigsten bestätigt (12 Ereignisse), gefolgt vom Kreis Hersfeld–Rotenburg (vier Fälle). Aber auch in den Regionen Werra–Meißner, Kassel Land, Schwalm-Eder, Marburg-Biedenkopf, Lahn-Dill und Fulda wurde die Anwesenheit von wildlebenden Wölfen in 2019 amtlich bestätigt. In Ahlheim-Niedergude bei Rotenburg an der Fulda wurden am 23.10.19 neun Gänse und zwei Enten gerissen. Hier konnte der Verdacht einer Verursachung durch einen oder mehrere Wölfe bislang noch nicht amtlich bestätigt werden.

Bislang noch keine Revier- und Rudelbildung

Allem Anschein nach sind wildlebende Wölfe in Hessen nun häufiger unterwegs. Das kann nicht überraschen, da in den angrenzenden Bundesländern Thüringen, Rheinlandpfalz und Nordrhein-Westfalen direkt an der Grenze zu Hessen jeweils bestätigte Wolfsreviere (Territorien) bestehen und Ländergrenzen keine Barriere für die großen Beutegreifer darstellen. Offiziell haben sich wildlebende Wölfe in Hessen noch nicht dauerhaft niedergelassen, streifen bislang lediglich vermehrt durch hessisches Terrain. Doch für die nähere Zukunft muss auch in Hessen mit sich niederlassenden Einzeltieren und perspektivisch auch mit der Bildung von Rudeln gerechnet werden. Weidetierhalter müssen das für ihre betrieblichen Planungen berücksichtigen.

Schadensfälle haben zugenommen

In 2019 wurden vermehrt Angriffe auf und Risse von hessischen Weidetieren festgestellt. Neben Wildtieren wie Reh und Rotwild (insg. fünf Fälle) waren in 2019 vor allem Schafe von Wolfsattacken laut HLNUG-Liste betroffen (sechs Rissereignisse) ein nachweislicher Riss eines Kuhkalbs.

Zaunanlagen ertüchtigen, Grundschutzmaßnahmen anwenden

Schafe hinter Weidezaun auf grüne Wiese
Weidezäune verringern das Risiko von Übergriffen durch große Beutegreifer
Weidetierhaltern wird dringend empfohlen, die eingesetzten Weidezaunsysteme hinsichtlich ihrer Präventionsqualität zur Abwehr von großen Beutegreifern zu überprüfen. Grundsätzlich haben sich Elektrozäune zur Abwehr von Wolf, Luchs und Co. bewährt. Allerdings muss immer eine ausreichende Hütespannung von mindestens 3000 Volt am Zaun anliegen. Die E-Zäune müssen mindestens 90 hoch sein, und dürfen keine Möglichkeit zum gefahrlosen Durchschlüpfen bieten. So darf der Bodenabstand des untersten elektrischen Leiters im Zaun maximal 25 cm betragen.

Herkömmliche Festzäune aus Metall-Knotengeflecht, oder Holzlatten, ohne elektrische Leiter und Anschluss an ein Zaungerät, bieten selten eine gute Abwehr gegen große Beutegreifer. Wölfe können sich solchen Zäunen gefahrlos annähern und diese Zäune intensiv nach Schlupflöchern und Schwachstellen untersuchen. Durch die gefahrlose Annäherung können Wölfe auch die Möglichkeit zum Überspringen des Hindernisses gut austesten. Solche Zäune müssen deshalb mindestens 120 cm hoch sein und einen guten Schutz gegen das Untergraben der Anlage, bieten.

Für eine verbesserte Schutzwirkung von Festzäunen hat sich das nachträgliche Anbringen von elektrischen Leitern auf der nach außen weisenden Zaunseite mit Anschluss an ein Weidezaungerät bewährt, wo immer das möglich ist. Zur guten fachlichen Praxis beim Einsatz von Elektrozäunen gehört auch eine leistungsfähige Erdungsanlage die zum Gerät passt und die tägliche Kontrolle der Zaunanlage. Stacheldrähte dürfen nicht nachträglich unter Strom gesetzt werden. Leider bieten auch gute Weidetierzäune keinen 100-prozentigen Schutz vor Wolfsattacken. Sie können die Gefahr von Übergriffen auf Weidetiere durch Wolf und Co. jedoch deutlich verringern. Gerade bei einer verbreiteten Anwendung der Grundschutzmaßnahmen wird die Prägung der Wölfe auf Weidetiere als leichte Beute zumindest verzögert.

Die intensivere Kontrolle der Zaunanlagen und die Einhaltung der Grundschutzmaßnahmen zur Abwehr großer Beutegreifer wird auf hessischen Grünlandflächen im Rahmen des HALM-Programmes-H2 durch die Landesregierung mit maximal 31,-€ pro Hektar und Jahr gefördert.

Informations- und Beratungsangebot nutzen

Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen bietet über seine Fachberatung ein umfassendes Informationsangebot zur Prävention von Übergriffen großer Beutegreifer auf Weidetiere. Als Standardwerk für die gute fachliche Praxis beim Betreiben von Weidezaunanlagen gilt die AID-Broschüre „Sichere Weidezäune“. Sie steht auf der Internetseite der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, BLE, zum kostenlosen Download bereit. Nutzen Sie auch unser Faltblatt Hinweise zum Herdenschutz für Weidetierhalter.


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