Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Schweine

Afrikanische Schweinepest (ASP) – Was Landwirte tun können

Bei der ASP handelt es sich um eine anzeigepflichtige Tierseuche, von der ausschließlich Wild- und Hausschweine betroffen sind. Für andere Tierarten und den Menschen ist das Virus ungefährlich. Die Übertragung bei den Schweinen kann sowohl direkt von Tier zu Tier, als auch indirekt z.B. über infizierte Fleisch- oder Wurstwaren, kontaminierte Gegenstände, Futtermittel, Kleidung und Fahrzeuge erfolgen. Die klinischen Symptome und der Verlauf der ASP weisen keinen Unterschied zur Klassischen Schweinepest auf. Infizierte Tiere haben meist einen schweren Krankheitsverlauf, der fast immer tödlich ist. Ein Impfstoff steht momentan nicht zur Verfügung.

Ausbreitung der Seuche in Deutschland

Muttertier mit Frischlingen
Muttertier mit Frischlingen
Ursprünglich aus Afrika kommend hat sich die ASP mittlerweile auch in Europa ausgebreitet. In Deutschland wurde das ASP-Virus erstmalig am 10.09.2020 vom Friedrich-Löffler-Institut (FLI) bei einem Wildschwein-Kadaver im Landkreis Spree-Neiße, Brandenburg, nachgewiesen. Bis zum 24.09.2021 sind laut FLI 2217 Fälle von ASP bei Wildschweinen in Brandenburg und Sachsen bestätigt worden. Die bestätigten Fälle liegen alle in den bisherigen Restriktionsgebieten. In Hausschweinebeständen wurden erstmals am 15.7.2021 ASP-Fälle in Brandenburg bestätigt.

Schnell handeln

Wenn unspezifische Erkrankungen mit Todesfällen im Bestand auftreten, sollten diese unverzüglich beprobt und untersucht werden. Gleiches gilt für verendet aufgefundene Wildschweine. Je früher die ASP erkannt wird, desto schneller können Maßnahmen ergriffen und eine Ausbreitung eingedämmt werden.

Meldung bei der Tierseuchenkasse

Damit die Tierseuchenkasse (TSK) im Schadensfall den gemeinen Wert der an der Tierseuche verendeten und gekeulten Tiere, sowie die Tötung und Räumung des Tierbestandes ersetzt, ist es wichtig, dass der Tierbestand korrekt angegeben wurde. Hier kann es bei Falschmeldungen schnell zu Leistungskürzungen kommen, welche vermeidbar sind. Zudem ist darauf zu achten, dass der Antrag auf Entschädigung über das zuständige Veterinäramt innerhalb einer 30-Tage-Frist einzureichen ist.

Aufstallungspflicht

Grundsätzlich ist es möglich, dass bei einem Ausbruch der ASP eine Aufstallungspflicht verhängt wird. Für Betriebe in einem Restriktionsgebiet, kann jedoch von dem zuständigen Veterinäramt des Landkreises sowohl über die Aufstallungspflicht als auch über mögliche Ausnahmegenehmigungen entschieden werden. Betrieben mit Schweineauslauf- oder Schweinefreilandhaltung wird geraten, möglichst vor einem Seuchenausbruch die zuständige Veterinärbehörde zu kontaktieren.

Vorsorgemaßnahmen

Einhaltung der Hygienemaßnahmen

Im Betrieb sind unbedingt alle gängigen Biosicherheitsmaßnahmen einzuhalten. Besonders wichtig ist die Einhaltung des Schwarz-Weiß-Prinzips, um Infektionsketten zu unterbrechen. Auch die Tierseuchenkasse überprüft im Seuchenfall die sachgemäße Umsetzung der Hygienemaßnahmen im Betrieb. Kommt es dabei zu Verstößen, können die Leistungen in Anbetracht des Ausmaßes des Vergehens gekürzt werden.

Fremdarbeitskräfte sensibilisieren

Sind im Betrieb Fremdarbeitskräfte beschäftigt, so sollten diese ebenfalls über das Risiko einer Einschleppung der ASP in den Bestand informiert werden. Handelt es sich bei den Personen um Saisonarbeitskräfte aus Regionen, in denen die ASP bereits ausgebrochen ist, oder Langzeitangestellte, die ihre Familien dort besuchen, ist besondere Vorsicht geboten. In jedem Fall müssen mitgebrachte Fleisch- und Wurstwaren aus gefährdeten Gebieten umgehend und unschädlich entsorgt werden und dürfen unter keinen Umständen zum Verzehr mit in den Betrieb genommen werden. Das ASP-Virus zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit (Tenazität) gegenüber Umwelteinflüssen aus:

Tabelle: Charakteristika zur Tenazität des ASP-Virus (Quelle: Farez & Morley 1997)

Material Überlebenszeit
Blut / Serum Kühlschranktemperatur 6 Jahre
Zimmertemperatur  > 4 Monate
Temperatur 60°C 30 Minuten
Schlachtkörper (4-8 °C) 7 Monate
Gefrierfleisch 6 Jahre
Kühlfleisch 104 Tage
Verschiedene spanische Schinken 140 Tage
Schweinelende 58 Tage
Parmaschinken 399 Tage
Peperoni, Salami 30 Tage
Holzteile 190 Tage
Blutverseuchter Erdboden 205 Tage

Neben den Lebensmitteln, die ein enormes Risikopotential besitzen, müssen auch mitgebrachte Kleidung und Schuhe intensiv gereinigt und desinfiziert werden. Vor der Hin- bzw. Rückreise zum Betrieb sollte diese Problematik offen angesprochen werden.

Hof und Jagd strikt trennen

Der Kontakt zwischen Hausschweinen und Wildschweinen ist in jedem Fall zu unterbinden. Speziell Schweinehalter mit Bezug zur Jagd müssen alle Hygienemaßnahmen strikt umsetzen. Da die ASP in erster Linie über infiziertes Blut übertragen wird, müssen alle Gegenstände, Kleidungsstücke und Schuhe, die mit Blut des Schwarzwildes, aber auch mit anderen Ausscheidungen der Tiere, in Berührung gekommen sind, gesondert gelagert und gereinigt werden. Die gesamte Jagdbekleidung darf nicht mit der Stallkleidung in Kontakt kommen und erst recht nicht im Stall getragen werden. Am besten erfolgt dies über eine klare, räumliche Trennung. Nach jeder Berührung eines Wildschweines sind die Hände gründlich zu waschen und zu desinfizieren. Auch der aktive Jagdhund hat im Stall und in der Nähe der Stallgebäude nichts zu suchen.

Absicherung von Futtersilos

Landwirte sollten ihr Getreide in den Silos vor Exkrementen von Vögeln und Schadnagern gut schützen. Den besten Schutz bietet die Lagerung in Außensilos, da sie schadnager- und vogelsicher sind. Bei Sacksilos ist darauf zu achten, dass sie von oben abgedichtet sind. Sollte das nicht möglich sein, muss auf eine gute Abdichtung des Lagerraums geachtet werden.

Gegen Vogeleintrag geschützte Strohballen
Gegen Vogeleintrag geschützte Strohballen

Insbesondere bei Flachlagern kann es durch Schadnager und Vögel und eventuell dadurch angezogene Kleintiere wie Katzen, Mardern oder Iltisse zur Verunreinigung des Getreides kommen. Um Vogeleinflug bei offenen Toren zu mindern, sollte die Halle deshalb als Dunkelhalle ohne natürliche Belichtung gebaut werden. Durch den Einbau von Stahltüren mit Gummidichtung, glatte, gut zu reinigende Böden und einem dichten Abschluss zwischen Mauerwerk und Dach, kann auch ein Flachlager schädlingsdicht gemacht werden.

Absicherung von Strohlagern

Auch Strohlager sollten unbedingt für Wildvögel unzugänglich sein.

Für offene Scheunen oder Hallen ist die Anbringung von großen Türen mit Vogel-/ Windschutznetzen eine gute Lösung. Über ein Schienensystem lassen sie sich leicht und schnell öffnen und schließen.

Außen lagernde Rundballen können mittels Folientunnel und Abdeckflies geschützt werden.

Schadnagerbekämpfung

Zugänge und auch Unterschlupfmöglichkeiten sollten so gut es geht vermieden werden. Zusätzlich sollte eine Schadnagerbekämpfung in Form eines Monitorings stattfinden. Dieses muss planmäßig, wirksam und sachgerecht erfolgen. Ggf. ist es sinnvoll zunächst einen professionellen Schädlingsbekämpfer zu Rate zu ziehen, um ein zielgerichtetes und wirksames Monitoring zu erreichen. Wichtig ist die intensive Bekämpfung im Außengelände, da die Schadnager von außen die Wege in die Ställe suchen.

Ausläufe und offene Fronten

Mit Windschutznetzen gesicherter Auslauf
Mit Windschutznetzen gesicherter Auslauf
Sicherung eines Altgebäudes mit Windschutznetzen
Sicherung eines Altgebäudes mit Windschutznetzen

Als effektiver Schutz vor Vögeln können Ausläufe und offene Fronten mit Windschutz- oder Vogelschutznetzen rundherum abgesichert werden. Auch das Anbringen von stabilem Kaninchendraht ist eine gute Option und kann ggf. auch Schadnager abhalten. Hierbei ist der erhöhte Winddurchlass im Sommer von Vorteil um einen Hitzestau zu vermeiden. Bei der Anbringung ist zu bedenken, dass die Netze/ Gitter so montiert werden, dass das Entmisten weiterhin problemlos möglich sein muss.

Relevante Rechtsvorschriften:

  • Schweinehaltungshygieneverordnung
  • Tierschutzgesetz
  • Durchführungsverordnung (EU) 2021/605
  • Durchführungsverordnung (EU) 2018/1882
  • Verordnung (EU) 2016/429
  • Verordnung (EU) 2018/848
  • Verordnung (EG) 889/2008
  • Verordnung zum Schutz gegen die Schweinepest und die Afrikanische Schweinepest (national)

 


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